Einhorn (Finanzen)

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Ein Einhorn (englisch: Unicorn) bezeichnet ein Startup-Unternehmen mit einer Marktbewertung, vor einem Börsengang oder einem Exit, von über einer Milliarde US-Dollar. Der Begriff hat sich in den 2010er Jahren etabliert.[1] Das Magazin Fortune listet im Juni 2016 insgesamt 174 Einhorn-Startups, darunter auch einige europäische und deutsche Unternehmen.[2] Die Nachrichtenseite Venture Beat berichtet im Januar 2016 sogar von 229 Einhörnern, allerdings werden dort auch Unternehmen geführt, die beispielsweise schon aufgekauft wurden.[3]

Wegen der Fülle der Unternehmen und der eigentlichen Seltenheit des gleichnamigen Fabelwesens gab es im englischen Sprachgebrauch die Idee, hier weiter zu „verfeinern“ und beispielsweise von Decacorns, also Zehnhörnern, zu sprechen und damit Unternehmen mit einer Bewertung von über 10 Milliarden US-Dollar zu beschreiben.[4][5] Dies hat sich bisher aber nur wenig durchgesetzt.

Die seit 2010 konstant steigende Zahl der Startup-Unternehmen mit hoher Bewertung liegt unter anderem darin begründet, dass die Unternehmen deutlich später an die Börse gehen oder an andere Unternehmen verkauft werden. Lag der Durchschnitt zur Zeit des New-Economy-Booms für einen Börsengang noch bei vier Jahren, so ist er Ende 2016 auf 11 Jahre angestiegen. Die Unternehmen können sich über Venture Capital weiter ausreichend finanzieren.[6]

Unternehmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die größten Einhörner weltweit sind, Stand Dezember 2016, Uber, Xiaomi, Airbnb, Palantir, Didi Kuaidi, Snapchat, Dropbox, SpaceX, Pinterest und WeWork.[2]

Deutsche Einhörner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gab es Stand Dezember 2016 folgende Unternehmen mit einer Bewertung von über 1 Milliarde US-Dollar:[7][8]

Ehemalige deutsche Einhörner

Vor ihrem Börsengang bzw. dem Verkauf an einen Investor waren folgende Unternehmen ebenfalls sogenannte Einhörner:[7]

Risiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In einem Artikel aus März 2015 beschreibt Bill Gurley, Partner bei Benchmark Capital, dass die immer größer werdende Anzahl von Einhörnern eine von ihm so bezeichnete „Risikoblase“ (englisch „risk bubble“) mit sich bringt. Er geht davon aus, dass bei einer Veränderung des Investitionsklimas, beispielsweise nach Zinserhöhungen, die Unternehmen kein frisches Geld mehr erhalten. Als Resultat sieht er konsequenterweise auch ein Einhornsterben voraus.[9][10] Warum das aber alles nicht so dramatisch ist erläutert Investor Joe Schoendorf in einem Interview im Februar 2016.[11]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aileen Lee: Welcome To The Unicorn Club: Learning From Billion-Dollar Startups. In: techcrunch.com. TechCrunch, 2. November 2013, abgerufen am 20. Dezember 2016 (englisch).
  2. a b The Unicorn List 2016. In: fortune.com. Fortune Magazine, abgerufen am 20. Dezember 2016 (englisch).
  3. John Koetsier: There are now 229 unicorn startups, with $175B in funding and $1.3T valuation. In: venturebeat.com. Venture Beat, 18. Januar 2016, abgerufen am 20. Dezember 2016 (englisch).
  4. Jillian D'Onfro: There are so many $10 billion startups that there's a new name for them: 'decacorns'. In: businessinsider.com. Business Insider, 18. März, abgerufen am 20. Dezember 2016 (englisch).
  5. Oliver Voß: Unicorns: Die Angst vor dem Einhornsterben. In: WiWo.de. WirtschaftsWoche, 25. Dezember 2015, abgerufen am 20. Dezember 2016.
  6. Thomas Klemm: Warum die „Einhörner“ nicht an die Börse wollen. In: faz.net. FAZ, 30. Oktober 2016, abgerufen am 21. Dezember 2016.
  7. a b Stephan Dörner, Nina Trentmann: Auf der Jagd nach Deutschlands „Einhörnern“. In: welt.de. Die Welt, 1. Februar 2016, abgerufen am 20. Dezember 2016.
  8. Diese 10 neuen Unicorns kommen aus Europa. In: startupvalley.news. Startup Valley News, 20. Juni 2016, abgerufen am 20. Dezember 2016.
  9. Blodget, Henry: Tech: How To Survive Great Depression 2.0 Without Firing Everyone. In: Business Insider. 2008. Abgerufen am 26. Dezember 2015. „It seems every serious venture capital firm has now had a chat with its portfolio companies about how it[']s time to fire people... VC-extraordinaire Bill Gurley's Benchmark has had the same chat with its companies, but Bill tells peHUB that there's actually an alternative to canning half your company: Move to San Jose“
  10. Griffith, Erin: Bill Gurley Predicts 'Dead Unicorns' in Startup-Land this Year. In: Fortune. 2015. Abgerufen am 26 December 2015. „Subtitle: A crash would affect more than just startups. … Bill Gurley, the prominent investor behind Uber and Snapchat, has been sounding the tech bubble alarm for months now. He's preached about the dangerous appetite for risk in the market, the alarmingly high burn rates and the excess of capital sloshing around in Silicon Valley. At the South by Southwest Interactive festival in Austin, Texas, Gurley rang the alarm once again. We may not be in a tech bubble, the venture capitalist said, but we're in a risk bubble.“
  11. Horst von Buttlar: Viele „Einhorn“-Start-ups werden untergehen. In: capital.de. Capital, 23. Februar 2016, abgerufen am 21. Dezember 2016.