Inowrocław

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Inowrocław
Wappen von Inowrocław
Inowrocław (Polen)
Inowrocław
Inowrocław
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Powiat: Inowrocław
Fläche: 30,42 km²
Geographische Lage: 52° 47′ N, 18° 16′ OKoordinaten: 52° 47′ 0″ N, 18° 16′ 0″ O
Höhe: 75 m n.p.m.
Einwohner: 74.415
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 88-100 bis 88-115
Telefonvorwahl: (+48) 52
Kfz-Kennzeichen: CIN
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BydgoszczPosen
BydgoszczKonin
Schienenweg: Poznań–Toruń
Bydgoszcz–Kutno
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 30,42 km²
Einwohner: 74.415
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 2446 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0407011
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Ryszard Brejza
Adresse: ul. Prezydenta Franklina Roosevelta 36/38
88-100 Inowrocław
Webpräsenz: www.inowroclaw.pl



Inowrocław

Inowrocław [inɔˈvrɔtswaf] (deutsch Inowrazlaw, selten Jungbreslau, von 1904 bis 1920 und im Zweiten Weltkrieg auch Hohensalza) ist eine polnische Stadt in der Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Sie liegt an der Noteć (deutsch Netze), etwa 40 Kilometer südöstlich der Bezirkshauptstadt Bydgoszcz (deutsch Bromberg) und etwa 200 Kilometer westlich der polnischen Hauptstadt Warschau. Die für ihre hohen Salzvorkommen bekannte Stadt ist traditionelles Solbad. Von großer Bedeutung ist auch das Zentrum für Geriatrie.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Inowrocław nordöstlich der Stadt Posen und südlich der Stadt Bromberg auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).

1185 wurde der Ort als novum Vladislaw erstmals erwähnt,[2] vermutlich erfolgte die Gründung durch Einwohner von Włocławek, die vor dem regelmäßigen Hochwasser geflohen waren. 1236 erfolgte die Umbenennung in Juveni Wladislawia, zwei Jahre später verlieh Herzog Kasimir von Kujawien, der Sohn Konrads I. von Masowien, die Stadtrechte. 1239 wurde die Stadt von den Pommern samt der Kirche niedergebrannt.[2]

Im 15. Jahrhundert wurden umfangreiche Salzvorkommen entdeckt. Seit 1466 war Inowrocław Wojewodschaftshauptstadt für Nordkujawien.

Infolge der ersten Teilung Polens wurde Inowraclaw 1772 Kreishauptstadt im Netzedistrikt der preußischen Provinz Westpreußen. Von 1807 bis 1815 gehörte die Stadt zum Herzogtum Warschau. Nach dem Wiener Kongress kam Inowrazlaw, erneut Hauptstadt des gleichnamigen Kreises, zur preußischen Provinz Posen, Regierungsbezirk Bromberg. 1875 richtete man erste Thermalbäder ein. Ein massiver wirtschaftlicher Aufschwung folgte. Am 5. Dezember 1904 wurden Stadt und Kreis im Zuge der Germanisierung polnischer Ortsnamen in Hohensalza umbenannt. Um 1912 waren 58 % der Einwohner Polen.[3]

Hohensalza war die Garnison des 4. Westpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 140.

Mit dem Inkrafttreten des Versailler Vertrages am 10. Januar 1920 gehörte Hohensalza zum polnischen Staat, Woiwodschaft Posen, und führte fortan wieder den Namen Inowrocław. Seit 1925 war Inowrocław ein selbständiger Stadtkreis (miasta na prawach powiatu), unterstand also nicht mehr dem Starosten in Inowrocław. Am 1. April 1938 kam die Stadt im Zuge einer Gebietsreform an die damalige Woiwodschaft Großpommerellen.

Nach Beginn des Polenfeldzuges kam Inowrocław am 11. September 1939 zum deutschen Militärbezirk Posen und wurde erneut in Hohensalza umbenannt. Zahlreiche polnische Bewohner der Stadt wurden vertrieben. Der Stadtkreis Hohensalza wurde am 26. Oktober 1939 vom Deutschen Reich annektiert. Er gehörte fortan zum Reichsgau Posen, später Wartheland, und zum Regierungsbezirk Hohensalza. Dort war auch der Sitz des Regierungspräsidenten. Im Januar 1945 wurde die Stadt nach der Eroberung durch die Rote Armee wieder Teil Polens und bekam damit auch wieder den Namen Inowrocław.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1783: 1.157, zusätzlich etwa 450 Juden[4]
  • 1788: 1.321, davon 665 Juden[5]
  • 1799: 1.433, davon 604 Juden[2]
  • 1816: 3.106, davon 1.448 Katholiken, 1.256 Israeliten, 391 Evangelische und sechs Reformierte[2]
  • 1890: 61.841, davon 20.506 Evangelische, 39.624 Katholiken, 1.635 Juden und 76 Sonstige
  • 1900: 74.405, davon 23.557 Evangelische, 49.138 Katholiken und 1.710 Sonstige einschl. Juden
  • 1910: 77.294, davon 25.258 Evangelische, 50.743 Katholiken und 1.293 Sonstige einschl. Juden[6]
  • 1931: 83.338, davon Stadtkreis Inowrazlaw 34.531 und Landkreis Inowrazlaw 48.807

Namensgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namensgebung im Überblick:

  • 1185–1236: Novo Vladislaw
  • ab 1236: Juveni Wladislawia
  • 1815–1904: Inowraclaw, Inowrazlaw, Inowrocław
  • 1904–1920: Hohensalza
  • 1920–1939: Inowrocław
  • 1939–1945: Hohensalza
  • seit 1945: Inowrocław

Stadtteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

polnischer Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939–1945)
Mątwy Montwy Montwy
Miechowiczki Königgrätz Königgrätz
Nowe Osiedle - Neustadt
Osiedle Bajka fr. Propstei -
Osiedle Bydgoskie - Bromberger Vorstadt
Osiedle Piastowskie - Kleinsiedlung
Osiedle Toruńskie - Thorner Vorstadt
Rąbinek Gut Rombino
1908–1919 Romburg
Romburg
Rąbin Rombino Hauersweiler
Solno fr. Cohn’sche Ziegelei Steinsalz-Bergwerk
Śródmieście Stadtmitte Stadtmitte
Stare Miasto Altstadt Altstadt
Szymborze Szymborze Therwingen
Uzdrowisko Solanki Solekurort (seit 1875) Solbad

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Inowrocław unterhält eine Städtepartnerschaft mit Bad Oeynhausen, Nordrhein-Westfalen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Inowrocław liegt an der Kreuzung der Bahnstrecke Poznań–Toruń mit der Kohlenmagistrale genannten Bahnstrecke Chorzów–Tczew. Der Bahnhof Inowrocław Rąbinek südlich der Stadt ist dazu Beginn der je nur noch ein Stück im Güterverkehr betriebenen Bahnstrecken Richtung Barcin und Kruszwica.

Von 1912 bis 1962 besaß die Stadt eine eigene Straßenbahn.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gradierwerk
Die Marienkirche
  • Gradierwerk
  • Marienkirche, Pfarrkirche
  • St.-Nikolaus-Kirche aus dem 17. Jahrhundert
  • Neogotische ehemalige evangelische Kirche
  • Reste der mittelalterlichen Befestigungsanlagen

Gmina[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Inowrocław, zu der die Stadt Inowrocław selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 171,05 km², auf der 11.106 Menschen leben (30. Juni 2007).[7] Zu ihr gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939–1945)
Balczewo Balczewo
1904–1919 Balzweiler
Balzweiler
Balin Balino Baldursfelde
Batkowo Batkowo Grumbach
Borkowo Borkowo Erxleben
Cieślin Cieslin Dexel
Czyste Czyste Reinfeld
Dalkowo Dalkowo
1904–1919 Daheim
Daheim
Dulsk Dulsk Niederbrunn
Dziennice Dziennice
1904–1919 Dziennitz
Lichtenau
Gnojno Gnoyno Bauerngold
Góra Gora Hochfelde
Jacewo Jazewo Jahnsfeld
Jaksice Jakschitz Axelhausen
Jaksiczki Vorwerk Klein Jakschitz Armalisdorf
Jaronty Jaronty Friedrichsgraben
Karczyn-Wieś Karczyn Talrode
Kłopot Rübenau Rübenau
Komaszyce Komaszyce Kunzen
Kruśliwiec Kruschlewitz Kruschen
Krusza Duchowna Lindenthal Lindental
Krusza Podlotowa Krusza Podludowa 1939–1943 Kaisertal
1943–1945 Kleinkruscha
Krusza Zamkowa Groß Kruscha Großkruscha
Łąkocin Lonkocin Grünwiese
Latkowo Latkowo Sommerfeld
Łojewo Lojewo Lohdorf
Marcinkowo Marcinkowo 1939–1943 Martinsau
1943–1945 Martinau
Marulewy Friedrichsfelde Friedrichsfelde
Miechowice Michowitz
1908–1919 Milchhöfen
Seckendorf
Mimowola Mimowola Trotzen
Olszewice Olschewitz Ellerbusch
Oporówek Oporowek Wehrheim
Orłowo Orlowo Deutschorden
Ostrowo Krzyckie Scharley-Ostrow Scharley-Ostrow
Piotrkowice Piotrkowitz 1939–1943 Peterhof
1943–1945 Petersdorf
Pławin Plawin Altschwemmen
Pławinek Plawinek Klein Altschwemmen
Popowice Popowice
1904–1919 Popowitz
Süderhofen
Popowiczki Popowitzki Süderhof
Radłówek Radlowek Reinacker
Sikorowo Sikorowo Meisenheim
Sławęcin Slabencin Ruppertsfeld
Sławęcinek Slabencinek Ruppertshof
Słońsko Slonsk Hallfeld
Sójkowo Soykowo Rabenstein
Stefanowo Vorwerk Stefanowo Jakschitz Abbau
Strzemkowo Strzemkowo Wappenhof
Trzaski Trzask Splitten
Tupadły Tupadly Sagenfeld
Turlejewo Freischulzerei Schulzenhof
Turzany Turzany Rieden
Witowy Witowy Veitshof
Żalinowo Zalinowo Klaghof

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 326–331.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Inowrocław – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c d Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 326–331.
  3. Meyers Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reichs / Bd. 1. A-K, 1912, S. 821
  4. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Band 2: Topographie von Westpreußen. Marienwerder 1789, S. 91–92.
  5. August Karl von Holsche: Der Netzedistrikt, ein Beytrag zur Länder- und Völkerkunde mit statistischen Nachrichten. Königsberg 1793, S. 114–115, Nr. 5.
  6. Statistik des Deutschen Reichs. Band 240: Die Volkszählung im Deutschen Reiche am 1. 12. 1910. Berlin, 1915
  7. Główny Urząd Statystyczny, „Ludność. Stan i struktura w przekroju terytorialnym“, Stand: 30. Juni 2007 (Memento vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)