Inowrocław

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Inowrocław
Wappen von Inowrocław
Inowrocław (Polen)
Inowrocław
Inowrocław
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Powiat: Inowrocław
Fläche: 30,42 km²
Geographische Lage: 52° 47′ N, 18° 16′ OKoordinaten: 52° 47′ 0″ N, 18° 16′ 0″ O
Höhe: 75 m n.p.m.
Einwohner: 72 561 (30.12.2019)
Postleitzahl: 88-100 bis 88-115
Telefonvorwahl: (+48) 52
Kfz-Kennzeichen: CIN
Wirtschaft und Verkehr
Straße: BydgoszczPosen
BydgoszczKonin
Schienenweg: Poznań–Toruń
Bydgoszcz–Kutno
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 30,42 km²
Einwohner: 72.786
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 2393 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0407011
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Ryszard Brejza
Adresse: ul. Ratuszowa 36/38
88-100 Inowrocław
Webpräsenz: www.inowroclaw.pl



Inowrazlaw südöstlich von Bromberg und nordöstlich der Stadt Posen auf einer Landkarte von 1905
Inowrocław
Kurpark

Inowrocław [inɔˈvrɔtswaf] (deutschbis 1904 Inowrazlaw, dann Hohensalza; selten Jungbreslau und Jungleslau) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Die Stadt ist für ihre Sole bekannt.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in der historischen Region Posen an der Netze, etwa 40 Kilometer südöstlich von Bromberg und 100 Kilometer nordöstlich der Stadt Posen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1185 wurde der Ort als novum Vladislaw erstmals erwähnt,[2] vermutlich erfolgte die Gründung durch Einwohner von Włocławek, die vor dem regelmäßigen Hochwasser geflohen waren. 1236 erfolgte die Umbenennung in Juveni Wladislawia. Die Stadtrechte erhielt sie zwei Jahre später von Herzog Kasimir I. (Kujawien), dem Sohn von Konrad I. (Polen). 1239 wurde die Stadt samt der Kirche von den Pommern niedergebrannt.[2] Im 15. Jahrhundert wurden umfangreiche Salzvorkommen entdeckt. Seit 1466 war Inowrocław Wojewodschaftshauptstadt für Nordkujawien.

Infolge der ersten Teilung Polens wurde Inowrazlaw 1772 Kreishauptstadt im Netzedistrikt der preußischen Provinz Westpreußen. Von 1807 bis 1815 gehörte die Stadt zum Herzogtum Warschau. Nach dem Wiener Kongress kam Inowrazlaw, erneut Hauptstadt des Kreises Inowrazlaw im Regierungsbezirk Bromberg, zur Provinz Posen. 1875 richtete man erste Thermalbäder ein. Ein massiver wirtschaftlicher Aufschwung folgte. Am 5. Dezember 1904 wurden Stadt und Kreis im Zuge der Germanisierung polnischer Ortsnamen in Hohensalza umbenannt. Um 1912 waren 58 % der Einwohner Polen.[3] Hohensalza war Garnison des 4. Westpreußischen Infanterie-Regiments Nr. 140.

Mit dem Inkrafttreten des Friedensvertrages von Versailles am 10. Januar 1920 gehörte Hohensalza zur Zweiten Polnischen Republik, Woiwodschaft Posen. Fortan führte die Stadt wieder den Namen Inowrocław. Sie war seit 1925 ein selbständiger Stadtkreis (miasta na prawach powiatu), unterstand also nicht mehr dem Starosten in Inowrocław. Am 1. April 1938 kam sie im Zuge einer Gebietsreform an die damalige Woiwodschaft Großpommerellen. Nach dem Überfall auf Polen kam Inowrocław am 11. September 1939 zum deutschen Militärbezirk Posen und wurde erneut in Hohensalza umbenannt. Zahlreiche polnische Bewohner der Stadt wurden vertrieben. Der Stadtkreis Hohensalza wurde am 26. Oktober 1939 vom Deutschen Reich völkerrechtswidrig annektiert. Er gehörte fortan zum Reichsgau Posen, später Wartheland, und zum Regierungsbezirk Hohensalza. Dort war auch der Sitz des Regierungspräsidenten. Das Landgericht Hohensalza war zuständig für den Landkreis Dietfurt (Wartheland), den Landkreis Hermannsbad, den Landkreis Mogilno und den Landkreis Altburgund.[4] Im Januar 1945 wurde die Stadt nach der Eroberung durch die Rote Armee wieder Teil Polens und bekam damit auch wieder den Namen Inowrocław.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1921
Jahr Einwohnerzahl Anmerkungen
1783 1157 zusätzlich etwa 450 Juden[5]
1788 1321 davon 665 Juden[6]
1799 1433 davon 604 Juden[2]
1816 3106 [7] davon 1448 Katholiken, 1256 Israeliten, 391 Evangelische und sechs Reformierte[2]
1826 5500 in 500 Häusern, 2000 Juden[8]
1837 4761 über ein Viertel Juden[9]
1843 5447 in 263 Häusern[9]
1858 5844 [9]
1861 6664 davon 565 Militärpersonen[9]
1867 6976 am 3. Dezember[10][11]
1871 7429 mit der Garnison (ein Bataillon Nr. 49, ein Bataillon Landwehr Nr. 54), darunter 3020 Polen;[10] nach anderen Angaben 7429 Einwohner (am 1. Dezember), davon 2087 Evangelische, 3756 Katholiken, 1586 Juden[11]
1875 9147 [12]
1880 11.558 [12]
1900 26.141 mit der Garnison (ein Infanterieregiment Nr. 140 und eine Abteilung Feldartillerie Nr. 53), darunter 8830 Evangelische und 1389 Juden[13]
1905 24.551 [14]
1910 25.604 am 1. Dezember[15]

Namen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Namensgebung im Überblick:

  • 1185–1236: Novo Vladislaw
  • ab 1236: Juveni Wladislawia
  • 1815–1904: Inowraclaw, Inowrazlaw, Inowrocław
  • 1904–1920: Hohensalza
  • 1920–1939: Inowrocław
  • 1939–1945: Hohensalza
  • seit 1945: Inowrocław

Stadtteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

polnischer Name deutscher Name
(1815–1919)
deutscher Name
(1939–1945)
Mątwy Montwy Montwy
Miechowiczki Königgrätz Königgrätz
Nowe Osiedle Neustadt
Osiedle Bajka fr. Propstei
Osiedle Bydgoskie Bromberger Vorstadt
Osiedle Piastowskie Kleinsiedlung
Osiedle Toruńskie Thorner Vorstadt
Rąbinek Gut Rombino
1908–1919 Romburg
Romburg
Rąbin Rombino Hauersweiler
Solno fr. Cohn’sche Ziegelei Steinsalz-Bergwerk
Śródmieście Stadtmitte Stadtmitte
Stare Miasto Altstadt Altstadt
Szymborze Szymborze Therwingen
Uzdrowisko Solanki Solekurort (seit 1875) Solbad

Politik und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtpräsident[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

An der Spitze der Stadtverwaltung steht der Stadtpräsident. Seit 2002 ist dies Ryszard Brejza, der zunächst der Akcja Wyborcza Solidarność angehörte, aber bei den letzten Wahlen mit eigenen Wahlkomitee antrat. Die turnusmäßige Wahl im Oktober 2018 führte zu folgenden Ergebnis:[16]

  • Ryszard Brejza (Wahlkomitee Ryszard Brejza) 58,5 % der Stimmen
  • Ireneusz Stachowiak (Prawo i Sprawiedliwość) 24,9 % der Stimmen
  • Janusz Radzikowski (Wahlkomitee „Janusz Radzikowski für Inowrocław – Ja bitte“) 6,6 % der Stimmen
  • Jacek Olech (Wahlkomitee Olech 2018) 5,7 % der Stimmen
  • Anna Ludwisiak-Kawecka (Sojusz Lewicy Demokratycznej / Lewica Razem) 4,3 % der Stimmen

Damit wurde Brejza bereits im ersten Wahlgang für eine weitere Amtszeit wiedergewählt.

Stadtrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Stadtrat umfasst 23 Mitglieder, die direkt gewählt werden. Die Wahl im Oktober 2018 führte zu folgendem Ergebnis:[17]

  • Wahlkomitee Ryszard Brejza 28,6 % der Stimmen, 9 Sitze
  • Prawo i Sprawiedliwość (PiS) 25,0 % der Stimmen, 7 Sitze
  • Koalicja Obywatelska (KO) 24,8 % der Stimmen, 7 Sitze
  • Sojusz Lewicy Demokratycznej (SLD) / Lewica Razem (Razem) 9,0 % der Stimmen, kein Sitz
  • Wahlkomitee „Janusz Radzikowski für Inowrocław – Ja bitte“ 7,3 % der Stimmen, kein Sitz
  • Wahlkomitee Olech 2018 3,6 % der Stimmen, kein Sitz
  • Übrige 1,7 % der Stimmen, kein Sitz

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Inowrocław unterhält eine Städtepartnerschaft mit Bad Oeynhausen, Nordrhein-Westfalen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Inowrocław liegt an der Kreuzung der Bahnstrecke Poznań–Toruń mit der Kohlenmagistrale genannten Bahnstrecke Chorzów–Tczew. Der Bahnhof Inowrocław Rąbinek südlich der Stadt ist dazu Beginn der je nur noch ein Stück im Güterverkehr betriebenen Bahnstrecken Richtung Barcin und Kruszwica.

Von 1912 bis 1962 besaß die Stadt eine eigene Straßenbahn.

Für den innerstädtischen Busverkehr wurden im März 2018 acht vollelektrische Busse und acht teilelektrische Hybridbusse der Firma Volvo bestellt. Sie werden im polnischen Volvo-Werk Breslau hergestellt und sollen noch im Jahr 2018 geliefert werden.[18]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gradierwerk
Die Marienkirche
  • Gradierwerk
  • Marienkirche, Pfarrkirche
  • St.-Nikolaus-Kirche aus dem 17. Jahrhundert
  • Neogotische ehemalige evangelische Kirche
  • Reste der mittelalterlichen Befestigungsanlagen

Landgemeinde Inowrocław[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Inowrocław, zu der die Stadt selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 171 km², auf der 11.808 Menschen leben (Stand: 30. Juni 2019).

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 160-161, Ziffer 6.
  • Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen, Berlin 1874, S. 188–203 (E-Kopie, S. 195-210).
  • Leopold von Zedlitz-Neukirch: Der Preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 3, Berlin 1837, S. 172, Ziffer 5.
  • Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 326–331.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Inowrocław – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. a b c d Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 326–331.
  3. Meyers Orts- und Verkehrs-Lexikon des Deutschen Reichs / Bd. 1. A-K, 1912, S. 821
  4. Heinz Boberach, Rolf Thommes und Hermann Weiß: Ämter, Abkürzungen, Aktionen des NS-Staates (1997)
  5. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Band 2: Topographie von Westpreußen. Marienwerder 1789, S. 91–92.
  6. August Karl von Holsche: Der Netzedistrikt, ein Beytrag zur Länder- und Völkerkunde mit statistischen Nachrichten. Königsberg 1793, S. 114–115, Nr. 5.
  7. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats. Band 2, G–Ko, Halle 1821, S. 258, Ziffer 963.
  8. Leopold von Zedlitz-Neukirch: Die Staatskräfte der preußischen Monarchie unter Friedrich Wilhelm III.. Band 2, Teil 1, Berlin 1828, S. 172, Ziffer 1.
  9. a b c d Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 326–331.
  10. a b Gustav Neumann: Das Deutsche Reich in geographischer, statistischer und topographischer Beziehung. Band 2, G. F. O. Müller, Berlin 1874, S. 160-161, Ziffer 6.
  11. a b Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen, Berlin 1874, S. 188–189, Ziffer 2(E-Kopie, S. 195-196).
  12. a b M. Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006)
  13. Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 9, Leipzig/Wien 1907, S. 854.
  14. Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, 5. Auflage, Band 1, Leipzig 1911, S. 816.
  15. gemeindeverzeichnis.de
  16. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. August 2020.
  17. Ergebnis auf der Seite der Wahlkommission, abgerufen am 22. August 2020.
  18. [1] Pressemitteilung VOLVO vom 7. März 2018 (englisch), abgerufen am 8. März 2018