Jitzchak Gruenbaum

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Jitzchak Gruenbaum 1948

Jitzchak Gruenbaum (polnisch Izaak Grünbaum, jiddisch und hebräisch יצחק גרינבוים‎; * 24. November 1879 in Warschau, Russisches Kaiserreich; † 7. September 1970 in Gan Shmuel, Israel) war der erste Minister für innere Angelegenheiten des Staates Israel.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildung und journalistische Laufbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gruenbaum wurde in Warschau geboren. Als Student der Rechtswissenschaft begann er Aktivitäten im Namen der zionistischen Bewegung und als Journalist tätig zu werden. Er war Herausgeber mehrerer Zeitschriften, darunter dem hebräischen Ha-Zafirah und der hebräischen Wochenblatt Ha-Olam. Unter seiner Redaktion erhielt die jiddische Tageszeitung Haynt ein prozionistische Prägung.[1]

Jitzchak Gruenbaum während der Zweiten Polnischen Republik

Politische Karriere in Polen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter Gruenbaums Leitung wurde die radikal-zionistische Fraktion in Polen als Al Hamishmar bekannt.[2] 1919 wurde Gruenbaum ins polnische Parlament, den Sejm gewählt, wo er mit Apolinary Hartglas den „Juden-Block“ organisierte und damit die meisten der jüdischen Parteien vereinte. Er war die treibende Kraft für eine Zusammenarbeit mit anderen im Sejm vertretenen Minderheitsparteien, darunter den Deutsche, Ukrainern und anderen. Dadurch wurde die jüdische Vertretung im Sejm gestärkt, die von einem Anstieg des politischen Zionismus begleitet wurde. Gruenbaum wurde für seine mutige Haltung bezüglich der Minderheiteninteressen bekannt.[3]

Im Mandatsgebiet Palästina und während des Holocaust[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem er 1932 nach Paris kam, versah Gruenbaum aliyah im Jahre 1933 mit einem palästinensischen Mandat, nachdem er 1933 in den Vorstand der Jewish Agency während des achtzehnten Kongress der Zionistischen Organisation gewählt wurde. Während des Holocausts wurde er vom „Committee of Four“ nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ausgewählt, Kontakt mit polnischen Juden zu halten und Hilfe bei ihrer Rettung zu organisieren. Als 1942 die Massenvernichtung durch die deutschen Besatzer in Osteuropa bekannt wurde, gehörte Gruenbaum einem 12-köpfigen Rescue Committee an, jedoch durch die Umständen waren ihre Rettungsbemühungen stark begrenzt.[4]

Zionistenführer, verhaftet bei der Operation Agatha, hier im Lager Latrun (von links nach rechts): David Remez, Moshe Sharett, Yitzhak Gruenbaum, Dov Yosef, Shenkarsky, David Hacohen und Halperin (Isser Harel) (1946)

Zu Kriegsende ereilte ihn er eine persönliche Krise. Sein Sohn Eliezer Gruenbaum wurde in Paris von zwei anderen jüdischen Holocaust-Überlebenden wegen Grausamkeiten gegenüber jüdischen Mitgefangenen angeklagt. Vor Gericht blieb Gruenbaum an seiner Seite. Das Verfahren wurde eingestellt. 1948 fiel Eliezer Gruenbaum im arabisch-israelischen Krieg.

1946 wurde Gruenbaum von den Briten mit den Direktoren der Jewish Agency verhaftet und in einem Gefangenenlager in Latrun interniert.

Er war einer der 37 Erstunterzeichner der israelischen Unabhängigkeitserklärung.

Post-politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach seinem Ausstieg aus der Politik übernahm Yitzhak Gruenbaum die Bearbeitung einer Enzyklopädie über Diasporagemeinden und die Geschichte der zionistische Bewegung. Er verbrachte seine letzten Jahre auf Kibbuz Gan Shmuel und starb im Jahr 1970. Die Bildungseinrichtung Alonei Yitzhak ist nach ihm benannt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Yitzhak Gruenbaum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. biografische Angaben
  2. Historical Dictionary of Zionism. Routledge. pp. 66–67, 163. ISBN 978-1-57958-286-9. Retrieved 20 March 2015. Gruenbaum was the leader of the Radical Zionists, known in Poland as Al Hamishmar
  3. Gruenbaum auf einer israelischen Briefmarke mit Kurzbiografie
  4. ausführliche Biografie