Johann Georg Wille

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Portrait in Öl von Jean-Baptiste Greuze aus dem Jahre 1763

Johann Georg Wille, auch Jean Georges Wille, (* 5. November 1715 auf der Obermühle am Dünsberg bei Gießen; † 5. April 1808 in Paris) war ein berühmter deutscher Kupferstecher, der in Frankreich lebte und wirkte. Wille erlebte den Übergang und die Zeit des Wandels vom Königreich Frankreich zur konstitutionellen Monarchie (Monarchie constitutionnelle française) bis zur Ausrufung der Ersten Französischen Republik (Premier Empire) mit.[1]

Leben[Bearbeiten]

Wille lernte in seinem Geburtsort das Büchsenmacherhandwerk, wurde in Straßburg mit dem Kupferstecher Georg Friedrich Schmidt bekannt, ging mit demselben um das Jahr 1737 nach Paris und wurde hier vom Maler Hyacinthe Rigaud zu Versuchen im Kupferstechen veranlasst. In Paris wohnte er zeitweise mit Denis Diderot als Nachbar, in der rue de l’Observance unweit der École de médecine.[2][3]

Das erste Blatt, welches ihm einen Namen machte, ist das Bildnis des Marschalls Louis-Charles-Auguste Fouquet de Belle-Isle und bald vertrauten ihm die berühmtesten französischen Maler ihre Werke zum Stich an. Doch führte er auch Stiche nach Bildern älterer Meister aus (nach Gerard Terborch, Gabriel Metsu, Jan van Mieris, Caspar Netscher u.a.), von denen viele zu den hervorragendsten Schöpfungen der Kupferstecherkunst gehören.

Wille war Hofkupferstecher des französischen Königs Ludwig XV., des preußischen Königs Friedrich II. und des Königs von Dänemark, Friedrich V. 1746 besuchte er Deutschland, kehrte aber 1747 wieder nach Paris zurück.

Wille war u.a. auch Teil der deutschsprachigen Pariser Handwerker- und Künstleremigrantengemeinschaft. Wichtige Namen die diese Verbindungen belegen waren David Roentgen, Adam Weisweiler, Januarius Zick.[4]

Johann Georg Wille in einem Kupferstich des Johann Gotthard von Müller aus dem Jahre 1776

Als im Mai 1769 der Kantschüler Johann Gottfried Herder eine Reise nach Frankreich antrat, die ihn auch nach Paris führte, war es Wille der ihn dort in die Pariser Gesellschaft einführte.[5]

Napoléon Bonaparte ernannte ihn zum Ritter der Ehrenlegion, und das Institut de France nahm ihn zum Mitglied auf. Dennoch lebte er nach einem glorreichen Aufstieg im Ancien Régime nach der Revolution in ärmlichen Verhältnissen. Er starb im April 1808 in Paris.

Sein Sohn Pierre-Alexandre Wille wurde als Maler bekannt[6].

Werke[Bearbeiten]

Schüler von Johann Georg Wille (Auswahl)[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

neuzeitlich[Bearbeiten]

  • Élisabeth Decultot, Michel Espagne, Michael Werner: Wille, Johann Georg (1715-1808), Briefwechsel[9], Niemeyer, Tübingen, 1999
  • Hein-Thomas Schulze Altcappenberg: „Le Voltaire de l'art“. Johann Georg Wille (1715-1808) und seine Schule in Paris. Studien zur Künstler- und Kunstgeschichte der Aufklärung. Lit-Verlag, Münster 1987, ISBN 3-88660-363-6.
  • Yvonne Boerlin-Brodbeck: Johann Caspar Füssli und sein Briefwechsel mit Jean-Georges Wille: Marginalien zu Kunstliteratur und Kunstpolitik in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, Schweizerisches Institut für Kunstwissenschaft, 1978
  • Werner R. Deusch: Der Kupferstecher Johann Georg Wille und sein Pariser Tagebuch: ein Beitrag zu den deutsch-französischen Kunstbeziehungen im 18. Jahrhundert, Harrassowitz, 1958

fremdsprachlich[Bearbeiten]

  • Johann Georg Wille (1715-1808) et son milieu. Un réseau européen de l’art au XVIIIe siècle[10]. Hg. von Élisabeth Décultot, Michel Espagne und François-René Martin. Paris, École du Louvre, 2009. ISBN 978-2-904187-25-4.
  • Georges Duplessis: Mémoires et journal de J.-G. Wille. Graveur du Roi. D'après les manuscrits autographes de la Bibliothèque Impériale, Tome Premier, Tome Second, (Bayerische StaatsBib.), Paris 1857.

historisch[Bearbeiten]

  • Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon, Band 24, Schwarzenberg & Schumann, Leipzig, o.J., S. 348ff., (online).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Johann Georg Wille – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Wilhelm Schmidt: Wille, Johann Georg. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 43, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 257–260.
  2. Johanna Borek: Denis Diderot. Rowohlt, Hamburg (2000), ISBN 3-499-50447-2, S. 32
  3. Philip Nicholas Furbank: Diderot. A critical biography. Secker & Warburg, London (1992), ISBN 0-436-16853-7, S. 13–14
  4. Adelheid Voskuhl: Androids in the Enlightenment: Mechanics, Artisans, and Cultures of the Self. University of Chicago Press, 2013 ISBN 0-2260-3433-X, S. 107 (Fußnoten)
  5. Michael Zaremba: Johann Gottfried Herder: Prediger der Humanität. Böhlau-Verlag (2002) ISBN 3-412-03402-9 S. 92–94
  6. Genealogie von Johann Georg Wille
  7. Porträtgrafik aus den Sammlungen unterschiedlicher Trierer Einrichtungen. Die meisten Bilder stammen aus der Porträtsammlung der Stadtbibliothek Trier.
  8. Georg Kaspar Nagler: Neues allgemeines Künstler-Lexicon, Band 24, Schwarzenberg & Schumann, Leipzig, o.J., S. 68 (online)
  9. Rezension, Christoph Frank: Niemand in der Welt wünschet mehr als ich, …, in der Reihe Das Achtzehnte Jahrhundert - Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für die Erforschung des achtzehnten Jahrhunderts; Bd. 26/1, Wallstein, Wolfenbüttel, 2002, S. 107ff., (online)
  10. Jörn Steigerwald, Johann Georg Wille (1715-1808): Briefwechsel Hrsg.v. Elisabeth Deeultot, Michel Espagne, Michael Werner, (online)