Johann Gottfried von Aschhausen

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Johann Gottfried von Aschhausen, zeitgenössischer Stich, 1620
Grabplatte des Fürstbischofs im Würzburger Dom, geschaffen um 1622 von dem Bildhauer Michael Kern[1]
Wappen der Familie von Aschhausen

Johann Gottfried von Aschhausen (* 12. August 1575 in Oberlauda; † 29. Dezember 1622 auf dem Regensburger Fürstentag) war Fürstbischof und regierte die Hochstifte Würzburg (ab 1617) und Bamberg (seit 1609) in Personalunion.

Johann Gottfried im Familienkontext[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johann Gottfried (I.) von Aschhausen stammte aus dem fränkischen „ritterblütigem Geschlecht“ der Familie von Aschhausen. Der namensgebende Ort Aschhausen mit der Burg Aschhausen ist heute Teil der Gemeinde Schöntal im Hohenlohekreis in Baden-Württemberg. Sein Vater, Gottfried von Aschhausen († 1581) war Würzburgischer Amtmann, seine Mutter Brigitta († 1581) war eine geborene Zobel von Giebelstadt. Der Bruder seiner Mutter, also Onkel und auch der Taufpate von Johann Gottfried (I.), war der Domherr und Bischof von Würzburg Johann Georg I. von Zobel, späterer Bischof von Bamberg 1577–1580). Im Jahr 1657 endete die männliche Erblinie der Familie von Aschhausen.

Biografische Daten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Er besuchte vom 8. Juni 1586 bis 19, Juli 1587 das päpstliche Seminar in Fulda, immatrikulierte am 31. Juli 1590 an der Würzburger Artistenfakultät und erwarb 1593 den Magistergrad. Im selben Jahr begann er Vorlesungen der Jurisprudenz an der Jesuiten-Universität Pont-à-Mousson zu besuchen, musste aber alsbald vor der Pest fliehen und erlangte ebenfalls 1593 durch die Resignation eines älteren Bruders eine Domherrenpfründen in Bamberg, 1596 auch in Würzburg. Er erhielt 1604 das Dekanat des Ritterstiftes Comburg.

Ab 1609 war er als Johann Gottfried Fürstbischof von Bamberg. Als Bischof bemühte er sich um die Zurückdrängung des Protestantismus. Er rief, unterstützt von Papst Paul V., den er anlässlich seiner Bischofsweihe in Rom kennengelernt hatte, die Jesuiten in das Hochstift Bamberg und übertrug ihnen wichtige Aufgaben im Unterrichtswesen. Am 6. September wies er mit dem „Religionsmandat“ sogar alle Pfarrverweser an, dafür zu sorgen, dass alle zum Protestantismus „verirrten“ Menschen binnen Monatsfrist zum wahren Glauben zurückkehrten. Jene, die sich weigerten, sollten dem Bischof angezeigt und bestraft werden. Er ließ lutherische Prediger „entfernen“ und katholische Priester in deren Gemeinden einsetzen, was zu Widerständen führte, die er gewaltsam niederschlagen ließ.[2][3]

Unter seiner Herrschaft trat das Hochstift Bamberg der Katholischen Liga bei, die von Maximilian I. von Bayern angeführt wurde. Dieses Bündnis erwies sich auch im Dreißigjährigen Krieg als vorteilhaft. Ab 1617 war Aschhausen zusätzlich als Johann Gottfried I. auch Fürstbischof des Hochstifts Würzburg. Bamberg und Würzburg stellten in der Zeit von 1620 bis 1622 erhebliche Kontingente an Fußtruppen und Reitern. Diese wurden von Oberst Bauer von Eiseneck angeführt. Auch als Peter Ernst II. von Mansfeld in die Bistümer einzufallen drohte, änderte Johann Gottfried I. seine Politik nicht.

Unter Johann Gottfried I. von Aschhausen erfolgte 1619 die Gründung der Universitätsbibliothek Würzburg.[4]

Er war Stifter eines Ehehaltenhauses (Altersheim für Dienstboten) in Bamberg. Für diese Stiftung ließ er das Haus Oberer Stephansberg 1 in Bamberg (Haus zum goldenen Wappen) erbauen. Er wurde im Bamberger Dom beigesetzt.

Hexenverfolgungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unter seiner Regierung nahmen die Hexenverfolgungen große Ausmaße an (siehe Hochstift Bamberg#Die Hexenverfolgungen und Hexenprozesse in Würzburg). Im März 1610 erließ er ein Mandat zur Verfolgung von „Wahrsagerei, Zauberei und unnatürlicher Kunst“[5] und weihte im Oktober 1612 den Generalvikar und Weihbischof Friedrich Förner, einen einflussreichen Verfechter von Gegenreformation und Hexenverfolgungen und „Dämonologen“, als Titularbischof von Hebron.

Die Hexenverfolgungen wurden unter seinem Bamberger Nachfolger Johann Georg II. Fuchs von Dornheim weitergeführt und intensiviert.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Johann Gottfried I. von Aschhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stefan Kummer: Architektur und bildende Kunst von den Anfängen der Renaissance bis zum Ausgang des Barock. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände; Band 2: Vom Bauernkrieg 1525 bis zum Übergang an das Königreich Bayern 1814. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1477-8, S. 576–678 und 942–952, hier: S. 608–610.
  2. Dieter J. Weiss: Die Bischofsreihe von 1522 bis 1693. Das exemte Bistum Bamberg. In: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Band 3, ISBN 978-3-11-081133-9.
  3. Winfried Romberg: Die Würzburger Bischöfe von 1617 bis 1684. Das Bistum Würzburg. In: Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Band 7. Walter de Gruyter, ISBN 978-3-11-025212-5.
  4. Gottfried Mälzer: Würzburg als Bücherstadt. In: Karl H. Pressler (Hrsg.): Aus dem Antiquariat. Band 8, 1990 (= Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 70, 31. August 1990), S. A 317 – A 329, hier: S. A 320.
  5. Patrizius Wittmann: Die Bamberger Hexen-Justiz (1595 - 1631) aus Urkunden und Akten dargestellt. Mainz 1883, S. 180 (bib-bvb.de).
VorgängerAmtNachfolger
Johann Philipp von GebsattelFürstbischof von Bamberg
1609–1622
Johann Georg II. Fuchs von Dornheim
Julius Echter von MespelbrunnFürstbischof von Würzburg
1617–1622
Philipp Adolf von Ehrenberg