Johanna Geisler

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Johanna Geisler, auch Johanna Geissler, eigentlich Johanne Elisabeth Meyer (* 28. Mai 1888 in Hannover; † 3. November 1956 in München) war eine deutsche Opernsängerin (Sopran) und Schauspielerin, die den bedeutenden Dirigenten Otto Klemperer heiratete. Sie trat auch unter den Pseudonymen Johanna Klee und Hanne Klee auf.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johanna Geisler wurde 1888 als Tochter der ledigen Näherin Sofie Meyer in Hannover geboren. Ihren Nachnamen Geisler übernahm sie von ihren Pflegeeltern, die das Kind aufgrund einer Zeitungsannonce übernahmen.[1] Sie sang als Kind im Kirchenchor, wo man ihr vorschlug, es als Chor-Volontärin am Theater zu probieren; so wurde sie mit fünfzehn Jahren bezahlte Chorsängerin am Opernhaus Hannover. Mit sechzehn Jahren verließ sie die Wohnung ihrer Pflegeeltern und wechselte innerhalb kurzer Zeit an das Theater Dessau und danach Wiesbaden. 1906, mit achtzehn Jahren, bekam sie unter sozial desolaten Umständen ein Kind, die Tochter Carla (1906–?), deren Vater, ein Offizier, sie nicht heiraten wollte („konnte“).[2] Die Pflegemutter, inzwischen Witwe, zog zu ihr. Johanna Geisler, die ihre Mutter nur als Kind und nur kurz sah,[3] gab ihr Kind nicht in fremde Hände, sondern ersparte ihm dieses Schicksal, das sie selbst erlebte.[4]

Johanna Geisler arbeitete sich zur Soubrette und gefeierten Solistin am Mainzer Stadttheater empor. Es gelang ihr, trotz des früheren jahrelangen Singens als zweiter Alt im Opernchor, ihre solistische Stimmelage bis zum Koloratursopran der Königin der Nacht in Mozarts Zauberflöte zu erweitern. An der Kölner Oper bewährte sich Johanna Geisler in großen Opernrollen mit einem vielseitigen Repertoire, das alle Stilepochen umfasste.

Anfang 1917 dirigierte Otto Klemperer in Köln Beethovens Fidelio, in dem sie die Rolle der Marzelline sang; 1919 heiratete sie den bedeutenden Dirigenten. Sie hatte mit ihm zwei weitere Kinder, den Schauspieler Werner Klemperer (1920–2000) und Lotte Klemperer (1923–2003). Die Tochter Carla brachte sie mit in die Ehe. Unter dem Kölner Chefdirigenten Otto Klemperer hatte sie viele Jahre lang große Auftritte in Köln und bei auswärtigen Gastauftritten bis zur gemeinsamen Emigration 1933. Eva Weissweiler beschrieb in ihrem Buch Otto Klemperer. Ein deutsch-jüdisches Künstlerleben (2010) auch das Leben Johanna Geislers, insbesondere ihre Jahre mit Klemperer. Ihre jüngste Tochter Lotte Klemperer veröffentlichte 1983 ein Buch über das Schicksal ihrer Mutter in den Jahren bis zur Hochzeit ihrer Eltern 1919: Die Personalakten der Johanna Geisler.[5]

Johanna Geislers stilistische Vielseitigkeit und Verlässlichkeit wird in vielen, von ihrer Tochter nach dem Tod der Mutter akribisch recherchierten Dokumenten betont. Ein Presse-Auszug von 1919 gibt ihr Können bei der Uraufführung der Missa Sacra, einer Komposition Otto Klemperers, wieder:

„Den Solisten, voran Frau Geisler-Klemperer, die den exorbitant schweren ersten Sopranpart erstaunlich beherrschte, […] uneingeschrenktes Lob.“

Zeitungskritik nach der Aufführung einer zeitgenössischen Komposition[6]

Johanna Geisler hatte daneben ein besonderes Talent zum Schauspiel, was sich beim Singen in ihrer Mimik zeigte. Schon in ihren frühen Engagements am Theater hatte sie deshalb nicht nur Chorsolo-Rollen zu singen, sondern trat oft schauspielerisch auf.[7] 1928 spielte sie in Coburg die Amalie in Schillers Räubern und hatte 1929 einen kleinen Auftritt in Wilhelm Dieterles letzten Stummfilm Ludwig der Zweite, König von Bayern. Weiteres in diese Richtung unterblieb. Eine später von Otto Klemperer wiedergegebene Zeitungskritik (in seinem Buch Über Musiik und Theater, Berlin 1982) lautet:

„Fräulein Geisler [sic] als Stubenmädchen Adele [in der Fledermaus von Johann Strauss] war schlechterdings unübertrefflich. Gesang und schauspielerisches Können vereinigen sich bei ihr zu einem untrennbaren Ganzen und zu einer einheitlichen und erstklassigen Leistung, ... an der man sich restlos erfreuen kann.[8]

Von ihrer Stimme existiert lediglich eine (unvollständig erhaltene) Rundfunkaufnahme: im Dezember 1932 sang sie unter der Leitung von Erich Kleiber die Partie des alten Weibes in der Oper Das Höllisch Gold von Julius Bittner.

Gesangsrollen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Personalakten der Johanna Geisler, 1983, S. 13.
  2. Siehe Die Personalakten der Johanna Geisler, 1983, S. 30 f. Daneben liest man über soziale Benachteiligungen, beispielsweise, die Theatergarderobe für ihre Chor-Bühnenauftritte selbst stellen zu müssen, während die männlichen Mitglieder diese gestellt bekamen (Die Personalakten 1983 S. 20).
  3. Siehe Die Personalakten, 1983, S. 14.
  4. Die Personalakten, 1983, S. 32.
  5. Lotte Klemperer: Die Personalakten der Johanna Geisler. Fischer TB 1983.
  6. Aus: Die Personalakten der Johanna Geisler, S. 137.
  7. Lotte Klemperer: Die Personalakten 1983.
  8. Zitiert nach Eva Weissweiler 2010, S. 132.