Johannes Buchmann

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Ein Portrait von Prof. Dr. Johannes Buchmann aus dem Jahr 2015
Prof. Dr. Johannes Buchmann (2015)

Johannes Alfred Buchmann (* 20. November 1953 in Köln) ist ein deutscher Informatiker und Mathematiker sowie Professor an der Technischen Universität Darmstadt.

Leben und Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Johannes Buchmann studierte nach dem Abitur 1972 und Wehrdienst von 1974 bis 1979 an der Universität zu Köln Mathematik, Physik, Pädagogik und Philosophie und unterrichtete nach der Ersten Staatsprüfung für das Lehramt an Gymnasien 1979 (die Zweite Staatsprüfung legte er 1984 ab) 1980 bis 1983 Mathematik an einer Kölner Fachoberschule, während er gleichzeitig Forschungsassistent an der Universität war. 1982 promovierte er in Köln bei Hans-Joachim Stender (Zahlengeometrische Kettenbruchalgorithmen zur Einheitenberechnung). 1985/86 war er mit einem Fedor Lynen Stipendium der Alexander von Humboldt Stiftung an der Ohio State University bei Hans Zassenhaus. 1986 bis 1988 war er Forschungsassistent bei Michael Pohst an der Universität Düsseldorf, wo er sich 1988 habilitierte (Zur Komplexität der Berechnung von Einheiten und Klassenzahlen algebraischer Zahlkörper, 1987). Nach seiner Tätigkeit als Professor für Informatik an der Universität des Saarlandes ab 1988 ist er seit 1996 an der Technischen Universität in Darmstadt. Dort forscht er im Fachgebiet „Theoretische Informatik – Kryptographie und Computeralgebra“ auf dem Gebiet der Kryptographie.

Buchmanns Leistungen umfassen wissenschaftliche Aufsätze zu Algorithmen in der algebraischen Zahlentheorie, der Konstruktion neuer kryptographischer Verfahren und der Verwendung kryptographischer Verfahren in der Praxis. Aufgrund seiner Zusammenarbeit mit Kálmán Győry (* 1940) hat er die Erdős-Zahl 2.[1] Buchmann befasste sich mit Algorithmen in der algebraischen Zahlentheorie und ihrer Anwendung in der Kryptographie. 1988 schlug er mit Hugh C. Williams ein kryptographisches System[2] basierend auf dem diskreten Logarithmus-Problem in der Ideal-Klassengruppe imaginär-quadratischer Zahlkörper vor (die nach Carl Friedrich Gauß mit der Theorie binär-quadratischer Formen zusammenhängt), das weitere Entwicklungen in der Kryptographie mit Zahlkörpern auslöste.[3]

Seit 1996 beschäftigt sich Buchmann intensiv mit dem Thema Public-Key-Infrastrukturen, zu welchem er 2013 gemeinsam mit Evangelos Karatsiolis und Alexander Wiesmaier das Buch Introduction to Public Key Infrastructures veröffentlichte. Seit 2004 arbeitet Buchmann zu Post-Quantum-Kryptographie und gab 2009 zusammen mit Daniel Bernstein und Erik Dahmen ein gleichnamiges Buch heraus. Buchmann ist außerdem Autor des Lehrbuchs Einführung in die Kryptographie, welches in sechs Sprachen übersetzt wurde.

Von 2002 bis 2007 war er Vize-Präsident für Forschung der TU Darmstadt. Vom 1. März 2007 bis zur Wahl von Hans Jürgen Prömel als Nachfolger des Universitäts-Präsidenten Johann-Dietrich Wörner am 18. Juli 2007 amtierte er als Interims-Präsident und kandidierte für das Amt. Er unterlag und erklärte seinen Rücktritt aus dem Präsidium.[4] Seit 2004 ist er Vorstandsvorsitzender des CAST e.V., einem der wichtigsten Kompetenz-Zentren für IT-Sicherheit im deutschsprachigen Raum. Buchmann leitete von 2011 bis 2013 das Projekt Internet Privacy - Eine Kultur der Privatsphäre und des Vertrauens im Internet der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften. Er fungierte von 2008 bis 2011 als Gründungsdirektor des Center for Advanced Security Research Darmstadt (CASED). Im Zeitraum von 2011 bis 2016 war er dessen Vizedirektor sowie Mitglied im Direktorium des European Center for Security and Privacy by Design (EC SPRIDE). Seit 2016 hält Buchmann die Position des Vizedirektors im Center for Research in Security and Privacy (CRISP), welches CASED und EC SPRIDE zusammenführt, inne. Darüber hinaus ist er seit 2014 Sprecher des Sonderforschungsbereichs CROSSING und seit 2015 Sprecher des Profilbereichs CYSEC der Technischen Universität Darmstadt.

Buchmann ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bundeskriminalamts.[5] 2000 war er Mitgründer der Flex Secure GmbH.

Buchmann ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellen und Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erdős Number Project Data File (Memento vom 22. Januar 2009 im Internet Archive)
  2. Buchmann, Williams: A key exchange system based on imaginary quadratic fields, Journal of Cryptology, Bd. 1, 1988, S. 107
  3. Buchmann, Takagi, Vollmer: Number field cryptography. Technical Report 2003 (PDF; 186 kB)
  4. „Buchmann zieht sich aus dem Präsidium der TU Darmstadt zurück“ (Memento vom 7. November 2007 im Internet Archive), Pressemeldung 53/2007, TU Darmstadt. 19. Juli 2007.
  5. Darmstädter Zentrum für IT-Sicherheit: Newsletter Nr. 11, Ausgabe November 2008 (KW 46) S.10 pdf (Memento vom 19. Februar 2009 im Internet Archive)
  6. "Vizepräsident der TU-Darmstadt erhält Beckurts-Preis"
  7. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Johannes Buchmann (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 2. Juli 2016.