Johannes Frießner

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Johannes Frießner

Johannes Frießner, auch Hans Friessner (* 22. März 1892 in Chemnitz; † 26. Juni 1971 in Bad Reichenhall) war ein deutscher Heeresoffizier (seit 1944 Generaloberst). Während des Zweiten Weltkrieges war er als Kommandeur verschiedener Großverbände des Heeres im Krieg gegen die Sowjetunion eingesetzt.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frießner trat 1911 ins sächsische Heer ein und war im Ersten Weltkrieg überwiegend in Stabspositionen eingesetzt. Während des Krieges wurde er mit beiden Klassen des Eisernen Kreuzes, dem Preußischen Kronenorden IV. Klasse und dem Sächsischen Militär-St.-Heinrichs-Orden ausgezeichnet.

Nach Kriegsende wurde er in die Reichswehr übernommen und am 1. August 1922 zum Hauptmann befördert. In der Folgezeit war Frießner an der Infanterie-Schule in Dresden als Lehrer und Ausbildungsoffizier tätig.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei Beginn des Zweiten Weltkrieges war er Inspekteur des Erziehungs- und Bildungswesens des Heeres. In dieser Funktion illustrierte er den totalitären Anspruch des nationalsozialistischen Staates auf den (männliche) Deutschen im Rahmen der Reihe "Kriegsvorträge" an der Universität Bonn wie folgt: "Die Erziehung unserer Jugend vollzieht sich gewissermaßen am 'laufenden Band'. Sie erfaßt den jungen Deutschen in den frühesten Lebensjahren und begleitet ihn bis zum Tage seines Eintritts in die Wehrmacht. Elternhaus – Schule – Jungvolk – Hitlerjugend – SA und Reichsarbeitsdienst sind an ihr beteiligt. Nach der Ableistung des Wehrdienstes ist die Erhaltung der Wehrfähigkeit eine wichtige Aufgabe, die Truppe und SA-Wehrmannschaften gemeinsam zu leisten haben. Man kann also bei umfassender Auslegung des Wortes ‚Soldat’ wohl sagen: der männliche Deutsche wird mit seiner Geburt Soldat und hört erst auf es zu sein, wenn er ‚zur großen Armee’ abberufen wird."[1] Am 1. August 1940 wurde Frießner zum Generalmajor ernannt.

Frießner wurde an die Ostfront versetzt, wo er am 1. Mai 1942 das Kommando über die 102. Infanterie-Division übernahm. Nach der Beförderung zum Generalleutnant am 1. Oktober 1942 wurde Frießner am 19. Januar 1943 zum Kommandierenden General des XXIII. Armeekorps ernannt. In dieser Funktion wurde er am 1. April 1943 zum General der Infanterie befördert, am 23. Juli wurde ihm das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.

Im Februar 1944 wurde Frießner an die nördliche Ostfront versetzt und erhielt den Befehl über die Armeegruppe Frießner, die später in Armeeabteilung Narwa umbenannt wurde. Nachdem ihm bereits im April das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen worden war, wurde er im Juli für kurze Zeit mit der Führung der Heeresgruppe Nord beauftragt, ehe er am 23.7.1944 an die Südostfront versetzt wurde, wo er ab dem 25.7.1944 die Heeresgruppe Südukraine[2] (am 23. September umbenannt in Heeresgruppe Süd[3]) befehligte. Frießner wurde am 1.7.1944 zum Generaloberst befördert.[4]

Frießner beurteilte jedoch die Lage der Heeresgruppe Südukraine mehrfach falsch, versäumte es, rechtzeitig den Rückzug auf die Karpatenrand-Stellung vorzubereiten und führte seine Heeresgruppe im August 1944 tagelang durch Untätigkeit und nicht der Situation angemessenes Operieren in den fast kompletten Untergang, den vor allem die neue 6. Armee mit 13 Divisionen erlitt. 286.000 deutsche Soldaten gingen nicht nur aufgrund der sowjetischen Überlegenheit verloren, sondern auch begünstigt durch strategische Fehlentscheidungen der obersten deutschen Führung und zahlreiche taktische und operative Fehlhandlungen unter dem Oberbefehlshaber der deutsch-rumänischen Heeresgruppe, General Frießner.[5] Die Offensive der Sowjets unter Marschall Rodion Malinowski und seiner 2. Ukrainischen Front sowie dem ebenfalls zum Marschall beförderten Generaloberst Tolbuchin mit seiner 3. Ukrainischen Front verlief erfolgreich, wurde doch sowohl Rumänien innerhalb weniger Tage als auch danach Bulgarien auf die alliierte Seite gezwungen und wurden die deutschen Wehrmacht-Truppen unter großen Verlusten aus diesen Ländern vertrieben. Dennoch führte Frießner die Heeresgruppe weiter, die im September 1944 dann in Heeresgruppe Süd umbenannt wurde. Seine Rückzugskämpfe führten noch zu gelegentlichen Erfolgen wie in der Panzerschlacht von Debreczen, aber der beständige Rückzug der deutschen und ungarischen Truppen führte zum Verlust von einem Großteil Ungarns und zur Weihnachtszeit 1944 auch zur Einkesselung Budapests. Am 22.12.1944 wurde Frießner in die Führerreserve versetzt. Sein Nachfolger wurde General der Infanterie Otto Wöhler. Für den restlichen Verlauf des Krieges erhielt Frießner kein Kommando mehr.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von Mai 1945 bis November 1947 befand sich Frießner in US-amerikanischer Kriegsgefangenschaft. Im September 1951 wurde er zum Vorsitzenden des Verbandes deutscher Soldaten (VDS) gewählt, legte dieses Amt aber bereits im Dezember desselben Jahres wieder nieder.[6] Frießner war als Vorsitzender des VDS nicht mehr haltbar, nachdem er am 21. September 1951 auf einer Pressekonferenz zum einen den Überfall auf Polen als legitime Handlung zum Schutz der Volksdeutschen in Polen gerechtfertigt hatte und zum anderen seine Ehrenerklärung für die – so Frießner – „anständig kämpfende Waffen-SS“ mit der Abqualifizierung der Offiziere des militärischen Widerstandes vom 20. Juli 1944 verband, die seinen Worten zufolge, eine „vom soldatischen Standpunkt aus“ abzulehnende Methode, nämlich „den politischen Mord“ gewählt hätten.[7] Angesichts dieser Ereignisse wurde Frießner von Walter Theimer 1951 als typischer Vertreter der militärischen Handlanger Hitlers unter dem Titel: „Des Teufels General“ charakterisiert.[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Forderung der Wehrmacht an die Jugenderziehung. Verlag Gebr. Scheur (Bonner Universitäts-Buchdruckerei), Bonn 1941
  • Verratene Schlachten. Die Tragödie der deutschen Wehrmacht in Rumänien und Ungarn. Holstein-Verlag, Hamburg 1956.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Theimer, Walter: Des Teufels Generale. In: Gewerkschaftliche Monatshefte. Heft 10, 1951, S. 534 – 540
  • Mazulenko, Viktor Antonovič: Die Zerschlagung der Heeresgruppe Südukraine: August – September 1944. Berlin 1959
  • Bert-Oliver Manig: Die Politik der Ehre. Die Rehabilitierung der Berufssoldaten in der frühen Bundesrepublik. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, ISBN 978-3-89244658-3; S. 401–447 (= Kapitel Die Frießner-Krise und das Platzen einer politischen Spekulationsblase).
  • Schönherr, Klaus: Die Rückzugskämpfe in Rumänien und Siebenbürgen im Sommer/Herbst 1944. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 8, München 2011, S. 731 – 848
  • Krisztián Ungváry: Kriegsschauplatz Ungarn. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Bd. 8, München 2011, S. 849 – 958

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Frießner, Hans: Forderung der Wehrmacht an die Jugenderziehung. Gebr. Scheur, Bonn 1941, S. 6 f.
  2. Manfred Rauh, Geschichte des Zweiten Weltkriegs, Berlin 1998, Bd. 3, S. 226.
  3. Bundesarchiv, Abteilung Militärarchiv, Signatur RH 19-V
  4. Franz Thomas / Günter Wegmann (Hg.), Die Ritterkreuzträger der Deutschen Wehrmacht 1939–1945, Teil III (Infanterie), Band 7, Bissendorf 2009, S. 251.
  5. Schönherr, Klaus: Die Rückzugskämpfe in Rumänien und Siebenbürgen im Sommer/Herbst 1944. In: Militärgeschichtliches Forschungsamt (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 8. dva, München 2011, ISBN 978-3-421-06235-2, S. 731 – 848.
  6. Brauers, Die FDP in Hamburg 1945 bis 1953, Seite 500 ff.
  7. Bert-Oliver Manig: Die Politik der Ehre. Die Rehabilitierung der Berufssoldaten in der frühen Bundesrepublik. Wallstein Verlag, Göttingen 2004, S. 412 f.
  8. Theimer,Walter: Des Teufels Generale. In: Gewerkschaftliche Monatshefte. Nr. 10, 1951, S. 534–540.
  9. a b c d e Rangliste des Deutschen Reichsheeres, Mittler & Sohn Verlag, Berlin, S. 135.
  10. a b Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945, Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-93884517-2, S. 321.