Česká Lípa

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Česká Lípa
Wappen von Česká Lípa
Česká Lípa (Tschechien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Liberecký kraj
Bezirk: Česká Lípa
Fläche: 6609,6322[1] ha
Geographische Lage: 50° 41′ N, 14° 32′ OKoordinaten: 50° 41′ 12″ N, 14° 32′ 13″ O
Höhe: 258 m n.m.
Einwohner: 37.201 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 470 01
Kfz-Kennzeichen: L
Verkehr
Straße: I/9
Bahnanschluss: 080 Bakov nad Jizerou–Ebersbach
081 Děčín–Česká Lípa
086 Liberec–Česká Lípa
087 Lovosice–Česká Lípa
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 15
Verwaltung
Bürgermeister: Romana Žatecká (Stand: 2014)
Adresse: nám. T. G. Masaryka 1
470 01 Česká Lípa
Gemeindenummer: 561380
Website: www.mucl.cz
Lage von Česká Lípa im Bezirk Česká Lípa
Karte

Česká Lípa (deutsch Böhmisch Leipa) ist eine Stadt im Liberecký kraj im Norden Tschechiens.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftbild des Stadtgebiets (2006)

Die Stadt liegt 263 m über dem Meeresspiegel am Fluss Ploučnice (Polzen), in den am westlichen Stadtrand die Bäche Šporka (Rohnbach) und Robečský potok (Robitzer Bach) einmünden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Historische Altstadt mit dem Rathaus
Kloster
Rotes Haus

Die Stadt war ursprünglich eine kleine Siedlung im Besitz der Herren von Leipa. Sie erhielt 1381 Stadtrechte. Die Stadt gehörte wechselnden Herrschaftsinhabern; von 1634 bis 1848 war sie im Besitz der Familie Kaunitz. 1850 wurde Böhmisch Leipa zur Bezirksstadt und zu einem Eisenbahnknotenpunkt in der Monarchie Österreich-Ungarn. Des Weiteren befand sich der Sitz des Gerichtsbezirks Böhmisch Leipa in der Stadt. Seit 1864 verfügte die Stadt über eine staatliche Realschule.[3] Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte Böhmisch Leipa mehrere industrielle Produktionsbetriebe, darunter auch eine Pianofabrik, und außer einer Oberrealschule auch ein Gymnasium.[4]

Nach dem Ersten Weltkrieg fiel der Ort 1918 an die Tschechoslowakei aufgrund des Vertrags von Saint-Germain. Durch das Münchner Abkommen wurde die Stadt 1938 bis 1945 als Teil des Sudetenlandes dem Deutschen Reich eingegliedert. Sie war Sitz des Landkreises Böhmisch Leipa im Reichsgau Sudetenland, Regierungsbezirk Aussig. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 wurde ein Großteil der deutschböhmischen Bevölkerung 1945 bis 1946 vertrieben, unter Berufung auf die Beneš-Dekrete enteignet und zum Verlassen der Stadt gezwungen.

Am 1. Dezember 1930 hatte Böhmisch Leipa 13.714 Einwohner, am 17. Mai 1939 waren es 12.000 und am 22. Mai 1947 11.991. Viele Neubürger aus Mittelböhmen und der Slowakei, sogenannte „Repatrianten“, und Roma siedelten sich in der Nachkriegszeit hier an.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bis 1945 war Böhmisch Leipa überwiegend von Deutschböhmen besiedelt, die vertrieben wurden.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1830 05.804 in 700 Häusern, darunter 639 Juden (in 21 Häusern)[5][6]
1857 08.442 am 31. Oktober[7]
1900 09.217 (als Gemeinde 10.731) fast ausschließlich deutsche Einwohner[4]
1910 09.916 davon 495 Tschechen[8]
1930 13.714 davon 3.081 Tschechen[8]
1939 11.963 davon 1.089 Evangelische, 10.306 Katholiken, 114 sonstige Christen und 22 Juden[8]
Einwohnerzahlen seit Ende des Zweiten Weltkriegs
Jahr 1950 1961 1970 1980 1991 2001 2011
Einwohner 14.932 15.864 17.658 24.862 39 463 39.358 36.017

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Česká Lípa leitet sich von dem alten böhmischen Adelsgeschlecht von Leipa (tschechisch z Lipé) bzw. dem tschechischen Wort Lípa für Linde ab.

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Česká Lípa besteht aus den Ortsteilen Častolovice (Schaßlowitz), Česká Lípa (Böhmisch Leipa), Dobranov (Dobern), Dolní Libchava (Niederliebich), Dubice (Kleinaicha), Heřmaničky (Hermsdorf), Lada (Jägersdorf), Manušice (Manisch), Okřešice (Aschendorf), Písečná (Pießnig), Stará Lípa (Altleipa), Vítkov (Leskenthal), Vlčí Důl (Wolfsthal) und Žizníkov (Schießnig)[9].

Grundsiedlungseinheiten sind Častolovice, Česká Lípa-historické jádro, Dobranov, Dolní Libchava, Dolní Špičák (Niederspitzberg), Dubice, Dubická, Heřmaničky, Holý vrch, Horní Špičák (Oberspitzberg), K Manušicím, Ke Stružnici, Kopeček, Lada, Manušice, Městský park, Na Bídě, Nádražní, Nový Žizníkov, Obecní les, Okřešice, Písečná, Pod Holým vrchem, Poříčí, Průmyslový obvod, Rasova Hůrka, Robeč (Robitz), Sídliště Lada, Sídliště Sever, Sídliště Střelnice, Slovanka, Smetanovo nábřeží, Stará Lípa, Střední Špičák (Mittelspitzberg), Svárov (Schwora), Špičák (Spitzberg), U hřbitova, U Libchavy, U nemocnice, U Okřešického rybníka, U panelárny, U stadiónu, U staré cihelny, Vítkov, Vlčí Důl, Vřesoviště, Za Starou Lípou und Žizníkov[10].

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Častolovice u České Lípy, Česká Lípa, Dobranov, Dolní Libchava, Dubice u České Lípy, Heřmaničky u Dobranova, Lada, Manušice, Okřešice u České Lípy, Písečná u Dobranova, Stará Lípa, Vítkov u Dobranova, Vlčí Důl und Žizníkov[11].

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsansichten vor 1900
  • Augustinerkloster, gegründet im Jahre 1627 von Albrecht von Waldstein, genannt Wallenstein, an der Stelle eines kleinen Schlosses der Adelsfamilie Berka von Dubá, gemeinsam mit der Gründung einer Lateinschule. In der Mitte des Kreuzganges befindet sich eine Loreto-Kapelle aus dem Jahr 1698. In der Achse des westlichen Flügels des Kreuzganges befindet sich die ehemalige Kapelle der Heiligen Dreifaltigkeit mit einem Altarbild von Ignaz Raab. Im Kloster befinden sich heute ein Heimatmuseum und Galerie mit Sammlungsstücken der Heimatforscher Franz Hantschel und Anton Amand Paudler.
  • Historisches Zentrum, Marktplatz mit erhaltener historischer Bebauung, mit Springbrunnen und Pestsäule der Heiligsten Dreifaltigkeit mit Statuen des Zittauer Bildhauers J. Ch. Ulrich aus dem Jahr 1681.
  • Städtischer Park, angelegt im Jahre 1875, mit sieben Hektar einer der größten Parks in Böhmen
  • Kirche der Kreuzerhöhung, einschiffiger gotischer Bau mit fünfseitiger Vorhalle und Zeltdach aus dem Jahre 1385 und Hauptaltar aus dem Jahre 1697. An der Südseite ein gotisches Portal mit Wappen des Geschlechts Berka von Duba und Leipa.
  • Maria-Magdalenen-Kirche aus dem 13. Jahrhundert. An der Nordseite der Kirche befindet sich die barocke Propstei.
  • Renaissance-Lustschloss, Rotes Haus, ehemaliges Jagdschloss aus dem Jahre 1583, erbaut von Dietrich Georg Berka von Duba. Im Jahre 1883 wurde das Schloss von Professor Steffen stilvoll restauriert. Die inneren Wandgemälde wurden größtenteils vernichtet, an der Stirnfassade ein Streifen mit Jagdszenen und Säulengalerie mit Männer- und Frauenköpfen – der mittlere Kopf stellt wohl den Dichter Dante dar.
  • Burg Lipý, Wasserburg aus dem 13. Jahrhundert, erhalten sind lediglich ein Teil des Mauerwerks und zwei gotische Tore. Die Burg wurde im 15. und 17. Jahrhundert als Schloss im Renaissance-Stil umgebaut, diente später als Zuckerfabrik und wurde in den 1950er Jahren gesprengt.
  • Bewegliches Klappenwehr am Polzen-Fluss, mitten in der Stadt, errichtet im Jahre 1910 nach einer Konstruktion von J. Záhorský.
  • Alter Jüdischer Friedhof von 1479 und Neuer Jüdischer Friedhof von 1905. Der älteste Grabstein befand sich an der Ostfront des alten Friedhofs. Unter den vielen wertvollen Grabsteinen ist die Pyramidensäule aus schwarzem Granit besonders denkwürdig: Sie bezeichnet die letzte Ruhestätte 32 jüdischer Opfer mit ihrem Rabbiner, die bei einem Überfall im Jahre 1745 von Panduren barbarisch zu Tode gefoltert worden waren.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Illustrirte Chronik von Böhmen (herausgegeben vom Verein vaterländischer Gelehrter und Künstler). Band 1, Prag 1852, S. 48–54, S. 118–120, S. 177 und S. 237-242.
  • Die Leipaer Kirchenchronik. In: Illustrirte Chronik von Böhmen (herausgegeben vom Verein vaterländischer Gelehrter und Künstler). Band 1, Prag 1852, S. 121–122,
  • W. Ernst: B. Leipa vor und unter Wallenstein. Culturhistorische Skizze. In: Jahres-Bericht der Ober-Realschule in Böhmisch-Leipa für das Schuljahr 1864. Böhmisch-Leipa 1865, S. 9–28.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Česká Lípa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/561380/Ceska-Lipa
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. E. Seewald: Die Errichtung der Oberrealschule. In: Jahres-Bericht der Ober-Realschule in Böhmisch-Leipa für das Schuljahr 1864. Böhmisch-Leipa 1865, S. 29 ff..
  4. a b Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 2, Leipzig und Wien 1905, S. 162.
  5. Johann Gottfried Sommer: Das Königreich Böhmen. Band 1: Leitmeritzer Kreis, Prag 1833, S. 320, Ziffer 26).
  6. Jahrbücher des böhmischen Museums für Natur- und Länderkunde, Geschichte, Kunst und Literatur. Band 2, Prag 1831, S. 197, Ziffer 4).
  7. Statistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 40, rechte Spalte.
  8. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/sud_bleipa.html
  9. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/561380/Obec-Ceska-Lipa
  10. http://www.uir.cz/zsj-obec/561380/Obec-Ceska-Lipa
  11. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/561380/Obec-Ceska-Lipa
  12. Meyers Lexikon (abgerufen am 23. Juni 2015)