Kaiserlich Japanische Armee
| Kaiserlich Japanische Armee | |
|---|---|
Flagge der Kaiserlich Japanischen Armee (Kyokujitsuki), 1870 eingeführt | |
| Aktiv | 1867 bis 1945 |
| Land | |
| Typ | Heer |
| Stärke | 1870: 12.000 1885: 100.000 1900: 380.000 1941: 460.000 1945: 6,3 Mio. |
| Leitung | |
| Oberkommando | Generalstab |
| Oberkommando im Kriegsfall | Heeresministerium |
| Oberkommando im Kriegsfall | Daihon’ei |
Die Kaiserlich Japanische Armee (jap. 大日本帝國陸軍, Dai-Nippon Teikoku Rikugun; dt. „Heer des Kaiserreichs Groß-Japan“) war die offizielle Landstreitkraft des Japanischen Kaiserreichs von 1868 bis 1945. Sie wurde vom Generalstab und dem Heeresministerium kommandiert. Neben der Kaiserlich Japanischen Marine war sie eine von zwei Teilen der Streitkräfte im Japanischen Kaiserreich, in Kriegszeiten zusammen vom Daihon’ei kommandiert.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Geschichte
- 1.1 Konsolidierung des Meijistaates
- 1.2 Satsuma-Rebellion
- 1.3 Aufbau eines zentralisierten Heeres
- 1.4 Erster Japanisch-Chinesischer Krieg
- 1.5 Russisch-Japanischer Krieg
- 1.6 Zwanzigstes Jahrhundert
- 1.7 Politische Einflussnahme
- 1.8 Kampfeinsätze der Kaiserlich Japanischen Armee
- 1.9 Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen
- 2 Ideologie
- 3 Oberbefehl
- 4 Spezielle Ausnahmebefugnis des Kaisers
- 5 Stärke
- 6 Dienstränge
- 7 Siehe auch
- 8 Weblinks
- 9 Einzelnachweise
Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Konsolidierung des Meijistaates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Kaiserlich Japanische Armee wurde während des Boshin-Kriegs von der loyalistischen Fraktion als moderne militärische Streitmacht zum Sturz des Bakufu gegründet. Im März 1868 schuf die kaiserliche Regierung eine Garde nach westlichem Muster bestehend aus 500 zumeist Samurai. Der Personalbestand der Armee rekrutierte sich vorwiegend aus den kaisertreuen Hochburgen Satsuma und Chōshū. Neben Samuraieinheiten integrierte die Armee bereits in der loyalistischen Bewegung bestehende nach westlichem Muster kämpfende Einheiten. Ebenso wurde ein Militärangelegenheitenbüro geschaffen dass jeweils einen Zweig für die Armee und einen Zweig für die Marine umfasste. Das Büro gründete ebenso eine nach modernen Standards ausgerichtete Heeresoffizierschule. Die Regierung versuchte 1868 ein Rekrutierungssystem zu etablieren bei dem jeder Han pro 10.000 Koku 10 Rekruten stellen sollte. Das System funktionierte nur begrenzt und wurde 1869 wieder abgeschafft. 1869 wurde das Rekrutierungssystem abgeschafft und die Rekrutierung sollte national zentralisiert stattfinden. Der Armee gelang es nach der Eroberung der Hauptstadt Edo am 3. September 1969 bis Ende des Jahres die Unterstützer des Bakufu in ganz Japan in mehreren Kampagnen niederzuwerfen, wobei sich die westlichen Waffen insbesondere der Artillerie als kriegsentscheidend gegen die traditioniell kämpfenden Samurai erwies.[1]
Die Schaffung einer nach westlichem Muster die bestehenden Standesgrenzen aufhebenden Armee war ein Hauptanliegen und -instrument der Reformer um Kaiser Meiji um die politische und soziale Ordnung des Bakufu-Staates zu überwinden. Die Einführung der Wehrpflicht wurde von der regierenden Elite als Schule der Nation gesehen und sowohl mit militärischer Notwendigkeit im Konkurrenzkraft gegen die als überlegen wahrgenommen Mächte als auch als Rückgriff auf alte japanische Traditionen des verpflichtenden Militärdiensts gegenüber dem Kaiser begründet.[2] Nach dem Sieg im Bürgerkrieg wurde die Armee erweitert. Die kaiserliche Garde sollte auf 6.200 Mann bestehend aus moderner Infanterie, Artillerie und Kavallerie erweitert werden. Die Truppen wurden gemäß einem niederländischen Armeehandbuch von 1829 ausgebildet. 1872 nahm Japan die Produktion von französischen Bronzegeschützen auf. Ab Mitte der 1870er erfolgte zunehmend Importe von Geschützen der Firma Krupp. 1873 erfolgte die Gründung der Infanterieschule Toyama, die nach einer Übersetzung eines französischen Infanteriehandbuchs von 1869 unterrichtete. Spezielle Zweige wie Artillerie oder die Nachrichtentruppe bildeten eigene Ausbildungsstellen. 1875 erfolgte die Aufwertung der Heeresoffiziersschule zur Militärakademie. Während der 1870er musste die Regierung mehrmals große Kontingente an Samurai rekrutieren, um lokalen Samuraiaufständen und Bauernunruhen Herr zu werden, da die Kräfte der Armee hierfür nicht ausreichten. 1873 versuchte die Regierung ein Wehrpflichtmodell nach französischem Vorbild einzuziehen. Jeder körperlich geeignete Mann sollte drei Jahre aktiven Dienst und vier Jahre Reserve ableisten. Der tatsächliche Personalbedarf der 1873 17.900 Mann starken Armee ergab jedoch nur eine Einziehungsrate von 3 – 6 %. Die Einführung der Wehrpflicht stieß bei der Bauernschaft auf oftmals gewalttätigen Widerstand und die Pläne für ein Wehrpflichtsystem wurden von der Regierung zunächst verschoben und kurzzeitig ein Milizsystem propagiert.[3]
Satsuma-Rebellion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
1877 kulminierten die innenpolitischen Spannungen in der Satsuma-Rebellion. Unter Ex-General Saigō Takamori stellte eine Armee von 30.000 Samurai den Machtanspruch der Zentralregierung in Frage. Die Armee war zu diesem Zeitpunkt 25.000 Mann stark. Die Rebellenbewegung konnte sich während der Kämpfe auf 43.000 Mann vergrößern. Die Rekrutierung von Soldaten und vor allem traditioniell kämpfender Samurai erlaubten dem kaiserlichen Staat jedoch eine zahlenmäßige Überlegenheit zu erzielen. Kriegsentscheidend wirkte die 7 : 1 Überlegenheit der Armee an moderner Artillerie, welche die Regierung, welche den Finanzmitteln der Rebellen mit 40 Millionen Yen Finanzmitteln für das Militär die dreifache Summe entgegenstellte, aus dem Ausland importierte. Der Armee gelang es die Rebellion niederzuschlagen, jedoch mit hohen Verlusten von rund einem Drittel der Kämpfenden.[4]
Aufbau eines zentralisierten Heeres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Armee wurde nach der Niederschlagung der Revolte weiter erweitert und modernisiert. Basierend auf den persönlichen Erfahrungen in Deutschland von Hauptmann Katsuro Taro etablierte die Armee im Dezember 1878 einen Generalstab. Dieser orientierte sich am preußischen Modell eines mit direktem Zugang zum Kaiser von Einflussnahme der Politik und der militärischen Verwaltung unabhängigen Generalstabs. Ein Nebenaspekt war dass durch die eingeführte kollektive Führung des Militärs das Aufkommen eines hohen Offiziers mit politischen Ambitionen wie Saigo Takamori zu hintertreiben. Der Generalstab bestand aus einem östlichen und einem westlichen Zweig. Der östliche Zweig war für Hokkaido, Sibirien und die Mandschurei zuständig. Dem westlichen Zweig waren die restlichen japanischen Inseln, Korea und China zugeordnet. Erster Generalstabschef wurde Yamagata Aritomo. Beim Generalstabschef lag ihm Kriegsfall das Oberkommando im Namen des Kaisers zu führen. Mit der Gründung des Generalstabs wurde ebenso eine Superintendatur eingeführt. Diese umfasste drei regional zugeordnete Offiziere welche dem Kaiser direkt und unabhängig von anderen militärischen Stellen Bericht erstatteten.[5]
1882 standen 32 Generalstabsoffiziere zur Verfügung. Im selben Jahr verabschiedete die Regierung einen Zehnjahresplan zur Aufstellung eines Heeres aus sieben Divisionen vor dem Hintergrund der militärischen Macht Chinas und Russlands. Die Armee umfasste im selben Jahr 46.000 Soldaten. 1887 schaffte die Armee das bisherige Garnisonssystem ab und ersetzte es durch das System der modernen Infanteriedivision. Im Jahr 1891 erreichte die Armee das gesteckte Ziel von sieben in Friedenszeiten einsatzbereiten Divisionen. Ebenso verfügte sie über Reserven von 240.000 Mann. Das Militärbudget durch Heer und Marine stieg von 14 % Anteil am nationalen Haushalt auf 31 % im Jahr 1892.[5] 1884 unternahmen der Armeeminister Ōyama Iwao und drei weitere Generäle eine einjährige Inspektionsreise in Europa. Daraus resultierte das Engagement von Jacob Meckel und maximal sechs weiterer deutscher Offiziere welche an der Generalstabsakademie unterrichteten. Meckel prägte durch sein Wirken die moderne japanische Militärausbildung maßgeblich. Ebenso dienten 1884 – 1896 einige wenigen italienische Militärberater bei der Herstellung und Wartung in Japan hergestellter Bronzeartilleriegeschütze. Die japanische Armee während dieser Zeit rund 20 Generalstabsoffiziere in Europa, vor allem in Frankreich und Deutschland.[6] 1883 und 1889 erfolgten Anpassung der Wehrwesens ans preußische Vorbild, so wurde die Reserve in drei Kategorien unterteilt und die einjährige freiwillige Wehrpflicht zur Bildung eines Reserveoffizierskorps eingeführt. Ebenso wurde für die regulären Divisionen ein regionales Rekrutierungssystem eingeführt. Rund 80 % der eingezogenen Wehrpflichtigen kamen vom Land und waren in der Regel zweite und dritte Söhne von Bauernfamilien.[7] In den 1880er-Jahren initiierte die Regierung ein Bauprogramm für Strategische Eisenbahnen mit dem Ziel innerhalb Japans durch rasche Truppenverschiebungen der Armee die Abwehr einer Invasion möglich zu machen. Das Eisenbahnnetzwerk schuf erstmals eine durchgehende Bahnverbindung zwischen Ost und Westjapan. 1890 führte die Armee nahe Nagoya eine Großübung zur Invasionsabwehr erfolgreich durch. 1889 führte die Armee das in Japan produzierte und konstruierte Murata-Gewehr als Standardwaffe des stehenden Heeres ein. 1892 inkorporierte die Armee die Samuraimiliz welche die Regierung in den 1870ern in Hokkaido geschaffen hatte als inkomplette Division und beseitigte somit die letzten irregulären Militärformationen. 1893 erfolgte die Gründung eines unabhängigen Marinegeneralstabs. Bedingung der Armee hierfür war die Schaffung eines Kaiserlichen Großen Hauptquartiers welches von der Armee kontrolliert wurde als Hauptkommandoinstitution in Kriegszeiten. 1893 umfasste die Armee 6.000 Offiziere, 12.000 Unteroffiziere und 60.000 Wehrpflichtige im stehenden Heer. Die Reserven 1. Klasse umfassten 120.000 Mann. Die Reserven 2. Klasse 150.000 Soldaten.[8]
Erster Japanisch-Chinesischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Hauptartikel: Erster Japanisch-Chinesischer Krieg
1890 erklärte Yamagata als Premierminister öffentlich dass sobald die Transsibirische Eisenbahn fertig gestellt sei Korea unter russischen Einfluss fallen werde und Japan dies verhindern müsse. Die japanische Armee beschäftigte sich seit 1889 mit Kriegsplanungen gegen China und Korea. 1893 kam der Vizegeneralstabschef Kawakami Soroku zum Schluss die chinesischen Streitkräfte seien wegen des Mangels moderner Ausrüstung, Doktrin und Infrastruktur den japanischen qualitativ unterlegen und ein siegreicher Krieg sei möglich. Der Donghak-Aufstand 1894 und die Entsendung chinesischer Truppen auf Bitten des koreanischen Königs dienten der japanischen Regierung als Vorwand am 5. Juni 1893 eigene Truppen zu entsenden. Am selben Tag wies Kaiser Meiji die Armee an das Kaiserliche Große Hauptquartier zu bilden. Am 2. Juli 1894 kam das zivile Kabinett mit den Generalstabschefs formell überein den Krieg zu beginnen. Nach Kriegsbeginn gelang es der Armee Korea zu besetzen und der Marine die chinesische Marine entscheidend zu schlagen. Die Armee hatte 1.161 Tote im Gefecht, davon 44 Offiziere und 118 Unteroffiziere. Zur Kriegsführung in Korea warb die Armee 153.000 koreanische Träger an. Dieses System brachte massive Probleme mit sich, rund ein Viertel der transportierten Güter wurden gestohlen. Die Armee selbst machte international durch ein Massaker an chinesischen Zivilisten in Port Arthur Schlagzeilen. Armee und Regierung verschwiegen die Übergriffe, die Armeedisziplin bestrafte jedoch keine Übergriffe gegen Zivilisten.[9] Zu Anfang des Krieges wurden chinesische Gefangene von japanischer Seite aus propagandistischen Gründen gut behandelt. Mit Fortschreiten des Krieges waren die japanischen Truppen kaum mehr bereit Gefangene zu machen oder feindliche Verwundete zu versorgen.[10]
Der japanische Staat stieg durch den Sieg über China zur international akzeptierten Macht auf. Innerhalb Japans wurde der Krieg zum Symbol des Erfolges der Meiji-Restauration.[11] Zur Absicherung der im Krieg gewonnen Kolonie Taiwan und des Einflusses in Korea fasste das Militär 1896 den Plan einer Erweiterung der Armee auf 13 Divisionen. Dies führte zu einer Einziehungsrate zum Wehrdienst von rund einem Fünftel. Der Aufbau der neuen Truppenteile wurde 1898 begonnen und war 1903 abgeschlossen. Zur Sicherung des Offiziersnachwuchses schuf die Armee sechs regionale Kadettenanstalten. Um mit der technischen Entwicklung in Europa mitzuhalten importierte Japan Anfang des Zwangzigsten Jahrhunderts rund 1.000 teil- und vollmontierte Artilleriegeschütze aus dem Deutschen Kaiserreich. Im neu angegliederten Taiwan kämpfte die Armee von 1895 bis 1897 gegen eine Guerillabewegung der einheimischen Bevölkerung. Die Kampagne umfasste rund 50.000 Soldaten und 26.000 angeworbene Zivilisten. Bis zur Befriedung der Insel hatte die Armee rund 700 Todesopfer zu verzeichnen. Das Militärbudget im Jahr 1900 machte 41 % des Staatshaushaltes aus wobei die Armee etwas weniger als die Hälfte des Budgets erhielt.[12] Während des Boxeraufstands stellte die japanische Armee 13.000 des 33.000 Mann starken Expeditionskorps der Interventionsmächte. Das japanische Militär wurde von britischen Beobachtern als modern und diszipliniert eingeschätzt, allerdings wurde eine Tendenz hohe Verluste in Kauf zu nehmen kritisiert. Bezüglich der Behandlung der Zivilbevölkerung setzte die Armeeführung mit drakonischen Strafen für Übergriffe eine straffe Disziplin durch. Jedoch beteiligten sich japanische Soldaten wie auch andere Teile des Kontingents an Plünderungen nach dem Sieg in Peking. Durch die Beteiligung kam es zu einer Annäherung an das im Burenkrieg stehende Großbritannien welches durch das japanische Kontingent entlastet wurde. Die 1902 geschlossene Allianz zwischen England und Japan wurde in der japanischen Armeeführung als strategischer Wendepunkt gesehen, da sie die Gefahr einer Invasion oder westlichen Intervention gegen Japan unmöglich mache. Ebenso erhielt die Armee durch den Sieg über den Boxeraufstand das Recht auf eine dauerhafte Militärpräsenz in Nordchina, wozu der Generalstab die Garnisonsarmee Nordchina dauerhaft stationierte.[13]
Russisch-Japanischer Krieg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Armee identifizierte seit ihrer Gründung Russland als möglichen Kriegsgegner aufgrund der Konkurrenzsituation in Nordostasien. Die ersten tatsächlichen Kriegplanungen begannen ab 1900, wobei die Pläne mehrmals der Lage angepasst wurden und sowohl offensive und defensive Optionen existierten. 1903 teilte der Generalstabschef Ōyama Iwao dem Kaiser mit dass eine weitere Einmischung Russlands in Korea die nationale Sicherheit bedrohe. Die politische Führung kam übererst eine diplomatische Lösung zu versuchen legte sich aber bei einem Scheitern zum Krieg fest. Vizegeneralstabschef Kodama Gentarō einen offensiven Kriegsplan welcher die Mandschurei und Korea gegenüber Russland sichern sollte. Ziel des Krieges war die Vernichtung der militärischen Verbände Russlands im Fernen Osten durch Einkreisung durch in Nordchina angelandete Streitkräfte. Die japanische Armee plante vier Armeen, davon eine in Korea und vier in Nordchina ein um diese Ziele zu erreichen. Die Durchführbarkeit des Plans war von der Seeherrschaft über das Gelbe Meer abhängig. Im Zuge der Kriegsplanungen konnte die Marine gegenüber der Armee an politischem Gewicht gewinnen und erhielt einen eigenständigen Generalstab dessen Chef wie sein Heerespendant direkten Zugang zum Kaiser hatte. Am 4. Februar 1904 beschloss der Kronrat unter Vorsitz Yamagatas den Krieg gegen Russland. Zwei Tage später eröffnete die Marine die Gefechte und die Armee begann erste Truppenverschiffunen.[14]
Der Armee gelang es zwar in der Mandschurei zahlreiche siegreiche Schlachten gegen die russische Armee zu schlagen eine kriegsentscheidende Einkreisung gelang jedoch nicht. Die Armee ging mit einer veralteten Doktrin welche die Infanterie in sehr engen Formationen feindlichem Feuer aussetzte in den Krieg und erlitt infolgedessen sowohl im Militär wie der Zivilbevölkerung nicht vorausgeahnte Verluste. Die Marine zwang Russland durch den Sieg über die Baltische Flotte bei der Seeschlacht von Tsushima in Friedensverhandlungen einzutreten. Der Staat erhob den Sieg zur Ikone des japanischen Militarismus. Im Gegensatz zur offiziellen Version existierte für Generalstabsoffiziere eine Vorlesung welche die Schwächen der Armee und der japanischen Kriegswirtschaft offenlegte. Nach eigener Einschätzung wäre ein längerer Krieg nicht möglich gewesen da die Berechnungen für den Landkrieg an Material und Menschen mehrfach die Vorkriegsplanungen überstieg und die japanische Industrie nicht für einen dauerhaften modernen Krieg bereit gewesen sei. Der als Kriegsheld international gefeierte Eroberer von Port Arthur Nogi Maresuke musste wegen mangelnder Qualifikation durch einen vom Kaiser gesandten Generalstabschef entmachtet werden um die Belagerung zu Ende zu bringen, da er aus politischen Gründen nicht abgelöst werden konnte. Die Armee verzeichnete 120.000 Soldaten als Verluste, davon rund 60.000 Kriegstote 58.000 Invaliden und 2.600 Kriegsgefangene.[15]
Zwanzigstes Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Armee wurde mit Hilfe US-amerikanischer, britischer, französischer und schließlich deutscher Berater aufgebaut. Dadurch wuchs sie zur modernsten Armee Asiens heran: gut ausgebildet, gut ausgestattet und mit hoher Kampfmoral. 1940 standen 376.000 Mann im aktiven Dienst, die Armee verfügte über 2 Millionen Reservisten in 31 Divisionen. Es fehlte ihr jedoch im Vergleich zu zeitgenössischen europäischen Armeen an ausreichender Artillerie, an Panzern und anderen gepanzerten Fahrzeugen. Da Japan keine Luftwaffe als eigenständige Waffengattung besaß, entwickelte die Armee auch eine kampfstarke Luftstreitkraft, die Japanischen Heeresluftstreitkräfte, die mit modernen Flugzeugen eigener Produktion ausgerüstet waren und vor allem Bodenoperationen taktisch unterstützen sollten.
Politische Einflussnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Politisch einflussreich war die Armee seit der Gründung während der Meiji-Restauration. Die Kaiserlich Japanische Armee und die Kaiserlich Japanische Marine hatten seit 1900 auch formal ein Vetorecht bei der Kabinettsbildung. In den 1930er Jahren kam es zu mehreren Putschversuchen des Militärs, so zum März-Zwischenfall, zum Oktober-Zwischenfall 1931 und zum Mai-Zwischenfall 1932 (Ermordung des Premiers Inukai Tsuyoshi). Seit spätestens 1935/36 war eine Militärfraktion dominierend, die einen nationalistisch engeren Panjapanismus anstrebte, eine Konföderation der asiatischen Staaten unter japanischer Führung (vgl. Kokutai). In ihr sollte Japan mit seinen Kolonien Chōsen (Korea) und Taiwan, sowie dem Staat Mandschukuo zur Großostasiatischen Wohlstandssphäre werden. Zwar wurde noch 1936 ein weiterer ultranationalistischer Aufstand eines Teils der japanischen Streitkräfte blutig niedergeschlagen, aber die Weichen einer aggressiven Expansionspolitik des japanischen Kaiserreiches in Ostasien waren gestellt, die letztlich im Rahmen des Zweiten Weltkriegs zum Pazifikkrieg ab Dezember 1941 führte.
Die Kaiserlich Japanische Armee wurde schließlich im September 1945 nach der bedingungslosen Kapitulation durch die Alliierten aufgelöst und später durch die japanischen Selbstverteidigungsstreitkräfte ersetzt.
Kampfeinsätze der Kaiserlich Japanischen Armee[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Erster Chinesisch-Japanischer Krieg (1894–1895)
- Besetzung von Taiwan, vormals Formosa (1895)
- Russisch-Japanischen Krieg (1905)
- Annexion Koreas (1910)
- Besetzung der deutschen Kolonie Kiautschou um Qingdao im Ersten Weltkrieg
- Okkupation der Mandschurei (1931)
- Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg
- Hauptinstrument der aggressiven Expansionspolitik des japanischen Kaiserreiches in Ostasien während des Zweiten Weltkriegs im Pazifikkrieg seit Dezember 1941.
Völkerrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Während des Chinesisch-Japanischen Krieges und des Zweiten Weltkriegs wurde die japanische Armee bekannt für ihren Fanatismus und ihre Brutalität gegen Kriegsgefangene wie auch Zivilisten. Nach der Kapitulation Japans im Sommer 1945 wurden viele ihrer Offiziere für Kriegsverbrechen und Grausamkeiten in den Tokioter Prozessen vor Gericht gestellt und verurteilt.
Bekannte Fälle während des Zweiten Weltkrieges:
- Einheit 731: Biologische und chemische Menschenversuche an Zivilisten und Kriegsgefangenen
- Trostfrauen: Zwangsprostituierte in japanischen Armeebordellen
- Nanjing-Massaker: Ermordung von bis zu 300.000 Zivilisten und Kriegsgefangenen und Vergewaltigung von über 20.000 Kindern und Frauen
- Death Railway: Zwangsarbeit durch Zivilisten und Kriegsgefangene mit über 100.000 Todesopfern
- Todesmarsch von Bataan: Kriegsverbrechen an Kriegsgefangenen
Ideologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Japanischer Nationalismus bedeutete, dass das Militär um ein Konzept dieser Zeit aufgebaut wurde: Ein reiches Land hat ein starkes Militär (fukoku kyōhei). Japan als Land sei heilig, und das japanische Volk sei etwas Besonderes, was auf die Kombination des Zen-Buddhismus in Japan mit anderen Formen des Japanischen Buddhismus und Shinto zurückgeführt wurde.
Der Dienst in der Armee wurde als Dienst am japanischen Kaiser gesehen. Jeder Soldat wurde verpflichtet, es als große Ehre anzusehen, für den Kaiser zu sterben, da das Konzept des Samurai, zu dienen, tief in der gesamten soldatischen Kultur verankert war. Jeder Soldat solle sein Leben hinter sich lassen und benötige nichts als Ehre. Den eigenen Namen in Ehre zu halten und das Gesicht zu wahren, bedeutete ihnen alles. In diesem Sinne bedeutete Yamato-Damashi den alten japanischen Geist der Selbstbeherrschung im Angesicht großer Gefahr, um niemals aufzugeben.
Das Konzept des Yamato-Damashi gab jedem Soldaten vor, sich nie gefangen nehmen zu lassen, nie zusammenzubrechen, nie zu kapitulieren. Ein Feigling zu sein, oder gefangen genommen zu werden, war eine Schande für die Familie, die Gemeinde und das Land. Jeder Soldat wurde ausgebildet, bis zum Tod zu kämpfen und es wurde von ihm erwartet, den Tod der Schande vorzuziehen. Dieser einzigartige Code verbot jedem Soldaten jemals Kriegsgefangener zu werden. Jeder Soldat akzeptierte dies als Teil des Bushidō- Verhaltenskodex. Der Armeetheoretiker Sadao Araki empfahl auch die Anpassung des Bushido an die aktuellen Verhältnisse in Form der Seishin Kyoiku („Spirituelle Ausbildung“) – Doktrin für die Indoktrination der Armee und die operative Ausbildung. Diese Einstellung gegenüber dem Tod als Soldat und der Kriegsgefangenschaft kann teilweise auch die Behandlung fremder Kriegsgefangener durch die kaiserliche Armee erklären: Wer sich ergibt und in Gefangenschaft begibt, hat seine Ehre verloren; die von Japan unterzeichnete Haager Landkriegsordnung wurde deshalb oft prinzipiell missachtet.
Oberbefehl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Zwar verkörperte der Kaiser als Symbol die japanische Staatsmacht. Tatsächlich aber beinhaltete die Rolle des Kaisers keine faktische Machtausübung. Die tatsächliche Macht wurde von Bürokraten in der staatlichen Hierarchie unter ihm ausgeübt. Der Kaiser war zwar in der Theorie Oberkommandierender der Streitkräfte, in der Praxis aber folgte er den „Bitten“ der Regierung. Der Kaiser trug jedoch stets die Uniform des Oberkommandierenden, und ihm wurde bei allen offiziellen Gelegenheiten von allen Angehörigen der Streitkräfte salutiert.
Die Regierung konnte die Mobilmachung der Streitkräfte nur anordnen, wenn alle Minister des Kabinetts darüber einstimmig entschieden. Dem Monarchen kam hierbei nur die Rolle der formellen Bestätigung des Beschlusses zu. Der Kaiser musste bei allen offiziellen Sitzungen der Minister der Regierung anwesend sein, damit deren Beschlüsse bindend werden konnten. Während der Beratungen pflegte er zu schweigen und sorgte doch durch seine Zustimmung dafür, die Politik der Regierung vor dem japanischen Volk zu legitimieren.
Spezielle Ausnahmebefugnis des Kaisers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Nur bei seltenen Gelegenheiten des kaiserlichen Rates, wenn die Minister völlig unfähig zu einer Einigung waren, und wenn die Abstimmung aller Minister unentschieden ablief, fragten die Minister den Kaiser um seine Ansicht. Sie legten dem Kaiser die möglichen Optionen vor, und der Kaiser gab seine Ansicht kund und musste dabei im Rahmen der vorgelegten Optionen bleiben.
Im Zweiten Weltkrieg benutzte Kaiser Hirohito dieses Verfahren, um eine Beendigung des Krieges herbeizuführen. 1945 befahl Kaiser Hirohito das erste und letzte Mal in seiner Rolle als Oberkommandierender direkt über eine vorab aufgezeichnete Radiosendung allen Japanern, sich den amerikanischen Streitkräften zu ergeben.
Stärke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- 1870: 12.000 Mann
- 1885: 7 Divisionen einschließlich der Kaiserlichen Garde-Division.
- Anfang des 20. Jahrhunderts bestand die Armee aus 12 Divisionen und zahlreichen anderen Einheiten:
- 380.000 Mann im aktiven Dienst und in der 1. Reserve (Rekruten der Klassen A und B1 dienten nach 2 Jahren aktivem Dienst 17 1/2 Jahre in der Reserve)
- 50.000 Mann in der 2. Reserve (wie obenstehend, jedoch Tauglichkeit B2)
- 220.000 Mann in der Heimatarmee
- 1. Heimatarmee – 37 bis 40 Jahre alte Männer nach Ausscheiden aus der 1. Reserve.
- 2. Heimatarmee – nicht ausgebildete 20-jährige sowie alle über 40-jährigen Reservisten.
- 4.250.000 Männer, die sonst für Armeedienst und Mobilmachung verfügbar waren
- 1934 Stieg die Armeestärke auf 17 Divisionen
- 1940 – 376.000 Mann im aktiven Dienst mit 2 Millionen Reservisten in 31 Divisionen
- 2 Divisionen in Japan (Kaiserliche Garde und eine weitere)
- 2 Divisionen in Chōsen
- 27 Divisionen in China und Mandschukuo
- Ende 1941 – 460.000 aktiv in 41 Divisionen
- 2 Divisionen in Japan und Korea
- 12 Divisionen in der Mandschurei
- 27 Divisionen in China
- 1945 – 145 Divisionen (inkl. 3 Kaiserlichen Garden), dazu zahlreiche einzelne Einheiten, insgesamt über 6,3 Millionen Mann (inkl. Kaiserlich Japanische Heeresluftstreitkräfte), mit etwa 1 Million Reservisten.
- Die japanische Verteidigungsarmee 1945 hatte 55 Divisionen mit 2,6 Millionen Mann, mit etwa 16 Millionen zivilen Reservisten und Nationalgarde.
Zusätzlich zu den Kampftruppen betrieb die Armee verschiedene Arsenale, in denen neben technischer Entwicklung und Kriegswaffenherstellung auch zivile Waffen hergestellt wurden.
- Arsenal Sagami – mit Mitsubishi, entwickelte und produzierte Panzer
- Arsenal Sasebo – mit Mitsubishi, stellte Panzer her
- Arsenal Heijo – mit Kijiro Nambu, stellte Hand- und Infanteriewaffen her
- Arsenal Mukden – mit Nambu, stellte Infanteriewaffen her
- Arsenal Tachikawa – entwickelte und produzierte Flugzeuge
Dienstränge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Die Tabelle zeigt die Dienstränge zur Zeit des Pazifikkrieges.
| jap. Rangbezeichnung | deutsche Übersetzung | kommandiert | |
|---|---|---|---|
| Ehrentitel[16] | 元帥 gensui | Feldmarschall | Hauptarmee, Regionalarmee |
| Generäle | (陸軍)大将 (rikugun) taishō | General | Hauptarmee, Regionalarmee, Armee |
| (陸軍)中将 (rikugun) chūjō | Generalleutnant | Regionalarmee, Armee, Division | |
| (陸軍)少将 (rikugun) shōshō | Generalmajor | Brigade | |
| Stabsoffiziere | (陸軍)大佐 (rikugun) taisa | Oberst | Regiment |
| (陸軍)中佐 (rikugun) chūsa | Oberstleutnant | Regiment | |
| (陸軍)少佐 (rikugun) shōsa | Major | Bataillon | |
| Truppenoffiziere | (陸軍)大尉 (rikugun) taii | Hauptmann | Kompanie |
| (陸軍)中尉 (rikugun) chūi | Oberleutnant | Kompanie, Zug | |
| (陸軍)少尉 (rikugun) shōi | Leutnant | Zug | |
| Unteroffiziere | (陸軍)准尉 (rikugun) jun’i | Stabsfeldwebel | Zug |
| (陸軍)曹長 (rikugun) sōchō | Oberfeldwebel | Zug | |
| (陸軍)軍曹 (rikugun) gunsō | Feldwebel | Gruppe | |
| (陸軍)伍長 (rikugun) gochō | Unteroffizier | Gruppe | |
| Mannschaften | |||
| (陸軍)兵長 (rikugun) heichō | Hauptgefreiter | ||
| (陸軍)上等兵 (rikugun) jōtōhei | Obergefreiter | ||
| (陸軍)一等兵 (rikugun) ittōhei | Gefreiter | ||
| (陸軍)二等兵 (rikugun) nitōhei | Soldat |
Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Kempeitai
- Kriegsverbrechen der Japanischen Armee im Zweiten Weltkrieg
- Kaiserlich Japanische Marine
- Heeresluftwaffe
- Fallschirmtruppe der Kaiserlich Japanischen Heeres
- Divisionen des Kaiserlich Japanischen Heeres
- Senshi Sōsho (japanische Kriegsgeschichte des Zweiten Weltkrieges)
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Glossar der Rang- und Funktionsbezeichnungen (englisch, japanisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 10 - 19
- ↑ Mark Ravina : To Stand with the Nations of the World. Oxford, 2017, S. 5 - 10
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 23 - 31
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 31 - 46
- ↑ a b Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 48 - 56
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 57 - 61
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 66 - 69
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 28, S. 71 - 75
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 79 - 86
- ↑ S.C.M. Paine : The Sino-Japanese War. Cambridge, 2017, S. 176 - 178
- ↑ S.C.M. Paine : The Sino-Japanese War of 1894 - 1895. Cambridge, 2017, S. 295 - 300
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 93 - 96
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 97 - 100
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 100 - 104
- ↑ Andrew J. Drea : Japan's Imperial Army. Lawrence, 2009, S. 104, S. 108 - 111, S. 122
- ↑ vom Tennō für besondere Verdienste an Generäle verliehen. Der Titel gensui wurde dem militärischen Dienstrang taishō vorangestellt.