Karin Mölling

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Karin Mölling, häufig als Moelling zitiert (* 7. April 1943 in Meldorf, Dithmarschen), ist eine deutsche Virologin, die sich insbesondere mit HIV befasst. Sie war unter anderem Professorin und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie an der Universität Zürich (1993–2008) und Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin (1976-1993). Seit 2008 ist sie emeritiert.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mölling, Tochter eines HNO-Arztes, ging in Eutin auf das Gymnasium und studierte Physik und Mathematik an der Universität Kiel und der Universität Göttingen, mit dem Physik-Diplom 1968 in Kiel am Institut für Kernphysik.[1] Danach wechselte sie das Forschungsgebiet. 1968/69 schloss sich ein Studium von Biochemie und Molekularbiologie als Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes an der University of California, Berkeley an. Sie wurde 1972 am Max-Planck-Institut für Virusforschung (bzw. Universität Tübingen) in Tübingen promoviert (Untersuchungen über den Replikationsmechanismus von RNS-Tumorviren) und war danach am Robert-Koch-Institut in Berlin (1972 bis 1975), am Institut für Virologie der Universität Gießen und ab 1976 als Forschungsgruppenleiterin am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik in Berlin, an dem sie bis 1993 blieb. 1983 wurde sie Professorin. 1977 habilitierte sie sich in Biophysik in Gießen (über Replikation von Retroviren). 1992 bis 1994 war sie Direktorin für Zell- und Molekularbiologie bei der US-Biotech-Firma Apollon Inc. (ein Spin-off von Centocor in Pennsylvania). Ab 1993 war sie Professorin für Virologie und Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie der Universität Zürich. Außerdem war sie Leiterin der Virusdiagnostik am Universitätsspital in Zürich. 2008 emeritierte sie und war 2008 bis 2010 Gastwissenschaftlerin an der Universität Zürich und am MPI für Molekulare Genetik in Berlin.[2]

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mölling forscht seit den 1980er Jahren an Aids.[3] Sie führte klinische Studien für Impfung mit HIV-DNA-Plasmiden durch (mit den Firmen Apollon und Centocor in Zürich)[4] und entwickelte eine neuartige Aidstherapie, bei der an der Ribonuklease H des Virus angesetzt wird. Diese dient den Retroviren dazu, überflüssige RNA zu zerschneiden. Mölling entwickelte in ihrer Gruppe künstliche, ösenförmige DNA-Stücke (hairpin looped DNA), die an die virale RNA ankoppeln, noch bevor diese sich in die Zell-DNA transkribiert. Die gekoppelten DNA-RNA-Komplexe werden dann von der Ribonuklease zerschnitten. Erste Erfolge hatte sie damit 2007 im Mausmodell, wenn die künstlichen DNA-Stücke gleich nach Infektion gespritzt wurden.[5]

Mölling entdeckte die Ribonuklease H (RNase H) als Bestandteil der Reversen Transkriptase in einem Retrovirus von Vögeln (Dissertation 1972).

Sie leistete auch bedeutende Forschung zu Onkogenen und isolierte das Krebsgen Myc[6] und charakterisierte es als Transkriptionsfaktor. Außerdem fand sie mit Kollegen das einem um 1983 entdeckten Proto-Onkogen entsprechende Raf-Kinase, ein Botenstoff in Zellen.[7] Sie fand, dass Raf nicht nur bei Zellwachstum, sondern auch zum Beispiel bei Differentiation von Zellen eine Rolle spielt, wobei für die unterschiedliche Wirkung die Wechselwirkung mit Protein Kinase B (Akt) eine Rolle spielt.[8]

Während der COVID-19-Pandemie (Corona-Virus) erregte Mölling Aufmerksamkeit durch ein Interview von Radio Eins am 14. März 2020, in dem sie erklärte, Corona sei kein schweres Killervirus; die Panikmache sei das Problem. Radio Eins veröffentlichte im Internet eine Klarstellung: Mölling vertrete eine Einzelmeinung, lasse bestimmte Fakten außer Acht, und ihre Aufrechnung mit anderen Todesfällen sei zynisch. Für den etwa entstandenen Eindruck der Verharmlosung entschuldigte sich die Redaktion.[9] Mölling nahm außerdem am 17. März 2020 an der Fernsehsendung „Phoenix Runde“ mit dem Thema „Die Coronakrise – Reichen die Maßnahmen?“ teil, in der sie ihre Meinung bekräftigte, die Maßnahmen der Regierung seien stark überzogen. Aufgrund der hochgerechneten Sterbezahlen, die von anderen Viren (Influenza, Multiresistente Keime) übertroffen würden, gebe es keinen Grund, die gesamte Bevölkerung in Quarantäne zu stellen. Die veröffentlichten Zahlen zur Pandemie seien unvollständig. Sie verspreche sich einen höheren Effekt und Schutz des Gemeinwohls, nur die Risikogruppen (zu denen sie auch zählt) durch Isolation zu schützen.[10]

Ehrungen, Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mölling erhielt 2007 den SwissAward.

Sie ist Mitglied der EMBO (European Molecular Biology Organization). 2009/10 war sie Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin. 1981 erhielt sie den Vincenz-Czerny-Preis für Onkologie, 1982 den Richtzenhain-Preis, 1986 einen Core Grant Award der Mildred-Scheel-Stiftung, 1986 den Meyenburg-Preis, 1987 den Aronson-Preis und 1992 den Heinz-Ansmann-Preis. Seit 2005 ist sie Honorarprofessorin an der Charité.

2018 erhielt sie das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse[11] sowie den Verdienstorden des Landes Berlin.[12]

Sie war Mitglied der Heisenberg-Kommission der DFG. 1981 bis 1983 war sie selbst Heisenberg-Stipendiatin.

Sie war Beraterin bei Novartis in Fragen von HIV.

Mölling war Mitherausgeberin der Zeitschrift Archives of Virology und ist Mitherausgeberin des Intervirology Journal.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mölling segelt und spielt Orgel (C-Prüfung als Organistin).

Mölling ist die Ururenkelin des bedeutenden deutschen Architekten Gottfried Semper, dem Erbauer der Semperoper in Dresden, des ETH-Hauptgebäudes in Zürich oder des Stadthauses Winterthur. Sie befasst sich intensiv mit ihrer Familiengeschichte und hat 2019 ein Buch zum Thema veröffentlicht.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bücher:

Audio-CD:

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thema der Diplomarbeit bei Erich Bagge und Joachim Trümper war Asymmetrie kosmischer Strahlung vom Krebsnebel.
  2. Forschung als Dienst am Menschen. In: Website des MPI für molekulare Genetik. 24. Januar 2018, abgerufen am 25. März 2020.
  3. Sie findet zum Beispiel in diesem Spiegel Artikel vom 28. April 1986 über deutsche Aidsforschung Erwähnung
  4. Sie ist Herausgeberin des Buches Viral DNA Vaccines. Karger, Basel u. a. 2001, ISBN 3-8055-7173-9.
  5. K. Matzen, L. Elzaouk, A. A. Matskevich, A. Nitzsche, J. Heinrich, K. Moelling: RNase H-mediated retrovirus destruction in vivo triggered by oligodeoxynucleotides. In: Nature Biotechnology. Band 25, Nummer 6, Juni 2007, S. 669–674, doi:10.1038/nbt1311, PMID 17546028.
  6. P. Donner, I. Greiser-Wilke, K. Moelling: Nuclear localization and DNA binding of the transforming gene product of avian myelocytomatosis virus. In: Nature. Band 296, Nummer 5854, März 1982, S. 262–269, doi:10.1038/296262a0, PMID 6278322.
  7. K. Moelling, B. Heimann, P. Beimling, U. R. Rapp, T. Sander: Serine- and threonine-specific protein kinase activities of purified gag-mil and gag-raf proteins. In: Nature. Band 312, Nummer 5994, 1984 Dec 6-12, S. 558–561, doi:10.1038/312558a0, PMID 6438534.
  8. S. Zimmermann, K. Moelling: Phosphorylation and regulation of Raf by Akt (protein kinase B). In: Science. Band 286, 1999, S. 1741–1744. (Abstract)
  9. Virologin Mölling warnt vor Panikmache. Radio Eins, 14. März 2020, abgerufen am 15. März 2020.
  10. Die Coronakrise – Reichen die Maßnahmen? Abgerufen am 24. März 2020.
  11. Forschung als Dienst am Menschen. 24. Januar 2018.
  12. Verleihung des Berliner Landesordens. In: Berlin.de. Presse- und Informationsamt des Landes Berlin, 27. September 2018, abgerufen am 28. September 2018.
  13. [1]