Karlino

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Karlino
Wappen von Karlino
Karlino (Polen)
Karlino
Karlino
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Białogard
Fläche: 9,00 km²
Geographische Lage: 54° 2′ N, 15° 53′ OKoordinaten: 54° 2′ 17″ N, 15° 52′ 36″ O
Höhe: 8 m n.p.m.
Einwohner: 5961
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 78-230
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZBI
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 6 KołbaskowoPruszcz Gdański
DW 163 KołobrzegWałcz
Schienenweg: Bahnstrecke Szczecinek–Kołobrzeg
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 28 Ortschaften
15 Schulzenämter
Fläche: 141,00 km²
Einwohner: 9279
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 66 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3201033
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeister: Waldemar Miśko[2]
Adresse: Pl. Jana Pawła II 6
78-230 Karlino
Webpräsenz: www.karlino.pl



Karlino (deutsch Körlin an der Persante) ist eine Stadt und Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde im Powiat Białogardzki (Belgarder Kreis) der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die Stadt Karlino sollte nicht mit dem Ort Korlino (deutsch: Körlin, im ehemaligen Kreis Schlawe) verwechselt werden.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt in Hinterpommern am Zusammenfluss von Persante (Parsęta) und Radüe (Radew), etwa 27 Kilometer südwestlich der Stadt Köslin und 110 Kilometer nordöstlich der Stadt Stettin.

Hier kreuzen sich die Landesstraße 6 (StettinDanzig, ehemalige deutsche Reichsstraße 2, heutige Europastraße 28) und die Woiwodschaftsstraße 163 (Kołobrzeg (Kolberg) –Wałcz (Deutsch Krone), ehemalige Reichsstraße 124), und es besteht Anschluss an die Bahnstrecke Szczecinek–Kołobrzeg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Körlin auf der Lubinschen Karte von 1618.
Körlin südöstlich der Ostseestadt Kolberg und südwestlich der Stadt Köslin auf einer Landkarte von 1910.
Straßenzug mit dem Rathaus (links im Bild)
Gemeindewappen am Portal des Rathauses von Karlino (Körlin)
Kirche (bis 1945 evangeliscg).
Kösliner Straße (Aufnahme 2007).
Rathaus-Vorplatz in der Abenddämmerung (Aufnahme 2012).

Körlin hat lange von seiner einst günstigen Verkehrslage profitiert. Münzfunde aus der Eisenzeit (um 900 v. Chr.) lassen vermuten, dass bereits in dieser Epoche an der Kreuzung der Heerstraße nach Danzig und der Salzstraße nach Süden ein Handelsplatz bestanden hat. In einer Beschreibung über das Bistum Cammin aus dem Jahre 1240 gibt es erstmals einen Hinweis auf die Ortschaft Körlin. In einer Urkunde von 1299 ist von der „civis in Corlin“ die Rede. 1372 wurde Körlin von Bischof Philipp von Rehberg zu einer der Residenzen des Bistums Cammin erhoben, und mit finanzieller Hilfe der Stadt Stolp wurde eine Schutzburg errichtet. Im Jahre 1385 erhielt Körlin durch den Bischof das lübische Stadtrecht. Als es 1409 zu Streitigkeiten zwischen dem pommerschen Herzog Bogislaw VIII. und den Camminer Bischöfen kam, überfiel der Herzog Körlin und zerstörte es bis auf die bischöfliche Burg völlig.

Nach der Einführung der Reformation in Pommern verlor das Bistum Cammin 1556 seine politische Eigenständigkeit und kam unter die Herrschaft der pommerschen Herzöge. Die nunmehr evangelischen Bischöfe verwandelten die Körliner Burg in den folgenden Jahren in ein Schloss im Renaissancestil und sorgten für wirtschaftlichen Aufschwung in der Stadt. Auf Grund besonderer Privilegien entwickelte sich ab 1594 ein leistungsfähiges Braugewerbe, und ein Sägewerk entstand. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Körlin durch die kaiserlichen Truppen geplündert. 1668 wurde die Stadt zur brandenburgischen Staatsdomäne. Am Karsamstag 1685 brach ein Brand aus, der die Stadt mit Ausnahme der Kirche und des Schlosses einäscherte. Ein zweiter Brand vernichtete 1765 die Körliner Vorstadt. Während des Siebenjährigen Krieges überfielen russische Truppen die Stadt und zerstörten das bischöfliche Schloss, das danach nicht wieder aufgebaut wurde. Als im Februar 1807 die napoleonische Armee Kolberg belagerte, wurde Körlin zum französischen Hauptintendantenlager bestimmt. Durch die Stationierung der Soldaten kam es zum Ausbruch einer Ruhrepidemie, der ein Drittel der Bevölkerung zum Opfer fiel.

Auch nach der preußischen Verwaltungsneuordnung von 1818 verblieb Körlin vorerst in dem unveränderten Verwaltungsbereich „Camminer Fürstenthum“. 1849 war die Straße von Kolberg nach Neustettin in eine moderne Chaussee umgebaut worden, und Körlin kam dadurch zu einer günstigen Nord-Süd-Verbindung. Allerdings gelang es nicht, die Stadt auch an die wirtschaftlich wichtige Bahnlinie Stettin–Köslin anzubinden, diese wurde sechs Kilometer südlich durch Belgard verlegt. Nur durch die Stichbahn Belgard–Kolberg wurde Körlin 1859 überhaupt an das Bahnnetz angeschlossen. So hielt die moderne Industrie erst im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts Einzug. Es wurden mehrere neue Mühlen, darunter eine Spezialmühle zum Mahlen von Eichenrinde, eingerichtet, ein großes Sägewerk und eine Maschinenfabrik entstanden, und auf dem Gelände des ehemaligen Bischofsschlosses wurde ein großer Speicher gebaut. Zu dieser Zeit gehörte Körlin bereits zum 1872 neu gebildeten Kreis Kolberg-Körlin und hatte rund 3.100 Einwohner.

1905 wurde in der Stadt ein Neubau für das Amtsgericht eingeweiht, und zwei Jahre später musste ein neues Rathaus gebaut werden, weil das bisherige einem Feuer zum Opfer gefallen war. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu einem Bevölkerungszuwachs durch ehemalige Bewohner der durch den Versailler Vertrag verloren gegangenen Ostprovinzen. Dadurch weitete sich die Stadt nach Norden hin aus.

Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden noch ein Sportzentrum und eine Jugendherberge errichtet. Gegen Kriegsende erging am 3. März 1945 an die Stadt der Befehl, die Zivilbevölkerung zu evakuieren. Der Aufruf kam jedoch zu spät, denn bereits einen Tag danach wurde Körlin von den sowjetischen Truppen eingenommen. Bald darauf wurde die Stadt zusammen mit ganz Hinterpommern unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen Bevölkerung bemächtigten und die schutzlosen Einwohner daraus verdrängten. Die Einwohner wurden in den nachfolgenden Monaten von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Körlin vertrieben.

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Anzahl
Einwohner
Anmerkungen
1740 566 [3]
1782 894 darunter 32 Juden[3]
1791 898 darunter 19 Juden[3]
1794 909 darunter zehn Juden[4]
1812 1.060 darunter ein Katholik und 21 Juden[4]
1816 1.225 darunter zehn Katholiken und 55 Juden[4]
1831 1.745 darunter sechs Katholiken und 96 Juden[4]
1843 2.193 darunter elf Katholiken und 95 Juden[4]
1852 2.633 darunter 14 Katholiken und 131 Juden[4]
1861 2.147 darunter zwölf Katholiken und 148 Juden[4]
1875 3.157 [5]
1880 3.301 [5]
1890 3.128 darunter 23 Katholiken und 97 Juden[5]
1825 3.057 darunter 2.954 Evangelische, 20 Katholiken und 22 Juden[6]
1833 3.365 [5]
1839 3.429 [5]

Bevölkerungsentwicklung Körlin.png

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gmina Karlino[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Karlino umfasst eine Fläche von 141,03 km² und zählt etwas mehr als 9.000 Einwohner. Bei insgesamt 114 Gemeinden in der Woiwodschaft Westpommern steht die Gmina Karlino an 75., einwohnermäßig an 41. Stelle. Vom Gebiet des Powiat Białogardzki nimmt sie 16,7 % ein.

Im Gemeindegebiet ist die einheitliche Postleitzahl 78-320 gültig.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Gmina Karlino gehören insgesamt 28 Ortschaften, die 17 Ortsteilen (sołectwo)[8] zugeordnet sind:

Ortsteile:

Übrige Ortschaften:

Die frühere Ortschaft Fuchsmühle (polnischer Name: Lisiny) ist nicht mehr existent.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 67–70 (online).
  • Heinrich Berghaus: Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. Teil III, Band 1, Anklam 1867, S. 162–168 (online)
  • Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 518–525 (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Karlino – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Gemeinde, Burmistrz Karlina, abgerufen am 10. April 2015
  3. a b c Christian Friedrich Wutstrack, Hrsg.: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung des königlich-preußischen Herzogtums Vor und Hinterpommern. Stettin 1793, S. 600.
  4. a b c d e f g Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1965, S. 69.
  5. a b c d e http://www.verwaltungsgeschichte.de/kolberg.html#ew39kolkorli
  6. http://stadt.koerlin.kreis-kolberg-koerlin.de/
  7. http://www.karlino.home.pl/
  8. http://www.karlino.home.pl/_portal/118188720646722ae650d66/So%C5%82ectwa.html