Katharina von Kardorff-Oheimb

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Katharina von Oheimb

Katharina Franziska Paula Maria „Kathinka“ von Kardorff-Oheimb, geb. van Endert (* 2. Januar 1879 in Neuss; † 22. März 1962 in Düsseldorf) war eine deutsche Politikerin (DVP) und Salondame.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina von Kardorff-Oheimb, die dem evangelischen Glauben angehörte, erhielt in ihrem Elternhaus bis zur Sekunda Privatunterricht durch Oberlehrerinnen und katholische Geistliche. 1894 bestand sie die Abschlussprüfung an einem Gymnasium in Münster. Von 1895 bis 1897 besuchte sie die Klosterschule der Ursulinerinnen in Lyon. In der Zeit zwischen ihrer ersten und zweiten Ehe lebte sie im niederländischen Noordwijk und arbeitete unter anderem als Verkäuferin im belgischen Ostende. Nach dem plötzlichen Tod ihres zweiten Ehemannes 1911 übernahm sie die Leitung von keramischen Fabriken der Chemischen Werke H. & E. Albert in Klingenberg am Main, Worms und Offstein.

Politische Aktivitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina von Kardorff-Oheimb betätigte sich in der bürgerlichen Frauenbewegung und trat nach dem Ersten Weltkrieg in die 1918 gegründete nationalliberale Deutsche Volkspartei (DVP) ein. Ein Jahr später beteiligte sie sich an der Gründung des Nationalverbandes deutscher Frauen und Männer, dem sie in der Folgezeit vorstand. Daneben leitete sie politische Ausbildungskurse in ihrer Villa Oberer Triftweg 30 in Goslar. Ihre Kurse dienten der politischen Emanzipation der Frau. Hinzu kam eine Tätigkeit als Dozentin an der Lessing-Hochschule zu Berlin.

Kardorff-Oheimb gehörte von 1920 bis 1924 – als eine von 36 Frauen unter den insgesamt 466 Abgeordneten – dem Reichstag der Weimarer Republik an. Im Parlament vertrat sie den Wahlkreis 11 (Magdeburg). Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 befürwortete sie die Aufstellung von Reichswehrminister Otto Geßler als gemeinsamen Kandidaten von SPD, DDP, Zentrum und DVP. Nachdem sich jedoch die Parteiführung der DVP um Gustav Stresemann für Paul von Hindenburg als Kandidaten ausgesprochen hatte, trat sie aus der Partei aus und wurde Mitglied der Wirtschaftspartei. Ihre Mitgliedschaft dort endete 1927. Drei Jahre später übernahm sie den Vorsitz der Nationalen Arbeitsgemeinschaft. 1931 war sie als Schriftführerin für das Pro Palästina Komitee beschäftigt.

Ihre wesentliche politische Arbeit leistete Kardorff-Oheimb von 1919 bis 1930 mit Beiträgen für die Magdeburgische Zeitung. 1924 gründete sie die Allgemeine Bilderzeitung, als deren Herausgeberin und Verlegerin sie fungierte.

In den Jahren der Weimarer Republik betrieb sie einen der bedeutendsten politischen Salons der Berliner Gesellschaft, der erst in ihrem Haus am Kurfürstendamm 181 geführt wurde (1919–1926) und später in ihre neue Wohnung in der Matthäikirchstraße 32 wechselte. Die weitgefächerte soziale und politische Tätigkeit Kardorff-Oheimbs – unter anderem war sie im prominenten Vereinsvorstand der Ostpreußenhilfe – veranlasste Kurt Tucholsky 1930, das Gedicht „An die Gräfin Oheimb“ zu verfassen.[1] Darüber hinaus ermöglichte ihr der Salonbetrieb Kontakte zu führenden Persönlichkeiten aus Industrie, Politik und Militär.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten endete Kardorff-Oheimbs politische Aktivität für zwölf Jahre. Im Anschluss an den Zweiten Weltkrieg wurde sie 1945 von der sowjetischen Besatzungsbehörde für kurze Zeit als Bürgermeisterin von Ahrensdorf eingesetzt. Sie trat in die Liberaldemokratische Partei (LDP) ein und war Vorsitzende der Frauenarbeitsgemeinschaft des Berliner LDP-Landesverbandes. 1947 trat sie aus der Partei aus. Zwei Jahre später zog sie nach Düsseldorf, wo sie am 22. März 1962 verstarb.

Privates[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katharina von Kardorff-Oheimb war die Tochter des Möbel- und Seidenwarenfabrikanten Rudolf van Endert (1835–1881) und dessen Frau Elisabeth (1847–1928). Sie war viermal verheiratet. In erster Ehe heiratete sie den Metallindustriellen Felix Daelen, Gründer der „Glyco-Metallwerke“. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, wobei das vierte, Paul Felix, schon von ihrem zweiten Mann stammte, das aber später Direktor der Glyco-Werke wurde. Diese Ehe wurde 1905 geschieden, nachdem sie die Familie verlassen hatte. Die zweite Ehe ging sie mit Ernst Albert (1877–1911), Sohn des Industriellen Heinrich Albert, ein, aus der ein Sohn und eine Tochter entsprossen; Tochter Elisabeth heiratete in zweiter Ehe den Dirigenten Wilhelm Furtwängler, nachdem dieser zuvor mit ihrer Halbschwester Maria Daelen, einer anderen Tochter von Katharina von Kardorff-Oheimb, liiert gewesen war. Kardorff-Oheimb ist somit Großmutter der Schauspielerin Kathrin Ackermann und Urgroßmutter der Schauspielerin Maria Furtwängler.

Albert starb 1911 durch einen Unfall beim Bergsteigen in Tirol, und ein Jahr später heiratete Katharina von Kardorff-Oheimb dessen besten Freund, den Rittergutsbesitzer Hans Joachim von Oheimb.[2] Die Ehe wurde 1921 geschieden. Ihre vierte Ehe ging sie 1927 mit ihrem ehemaligen Fraktionskollegen im Reichstag Siegfried von Kardorff (1873–1945) ein, der in den späteren 1920er Jahren als zweiter Vizepräsident des Reichstags amtierte.[3]

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Politik und Lebensbeichte. Paul Georg Hopfer-Verlag, Tübingen o. J. (1962). Herausgegeben von Dr. Ilse Reicke.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Das Gedicht sei lange „verschollen“ gewesen und erst 1994 bei einer Auktion in München wieder aufgetaucht, heißt es in der Rezension von Kirsten Liese. - Kurt Tucholsky: „An Frau von Oheimb“
  2. Hannelore Giesecke: Emilie.Ein leiser Abschied, 2009, S.99ff., in: [1]
    Klaus Lang: Elisabeth Furtwängler. Mädchen mit 95 Jahren?, 2007, S. 18ff. Elisabeth Furtwängler gibt in ihrem Buch an, ihre Mutter habe ihren ersten Mann aus finanziellen Gründen verlassen, da Albert Millionär gewesen sei. Später kam es zu einer jahrelangen rechtlichen Auseinandersetzung zwischen Katharina von Kardorff-Oheimb und ihren Kindern um das Erbe der Großmutter.
  3. Petra Wilhelmy: Der Berliner Salon im 19. Jahrhundert (1789-1914), 1989, S. 700, in: [2]