Otto Geßler

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Otto Geßler

Otto Karl Geßler (* 6. Februar 1875 in Ludwigsburg; † 24. März 1955 in Lindenberg im Allgäu) war ein deutscher Politiker (DDP) und vom 27. März 1920 bis zum 19. Januar 1928 Reichswehrminister.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geßler stammte aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Er studierte Jura in Erlangen, wo er im Wintersemester 1894/95 Mitglied der musischen Studentenverbindung AMV Fridericiana Erlangen[1] wurde, außerdem in Tübingen und Leipzig, wo er 1900 promoviert wurde. 1904[1] wurde er Staatsanwalt in Straubing, 1906[1] Gewerberichter in München und 1910[1] Bürgermeister von Regensburg sowie 1914[1] Oberbürgermeister von Nürnberg. Wegen einer Erkrankung nahm er nicht aktiv am Ersten Weltkrieg teil.

Otto Geßler war Ende 1918 einer der Gründer der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). Im Oktober 1919 übernahm er das neu geschaffene Amt des Wiederaufbauministers im Kabinett Bauer. Zwei Wochen nach dem Kapp-Putsch bildete Hermann Müller (SPD) ein neues Kabinett und berief Geßler zum Nachfolger von Reichswehrminister Gustav Noske (SPD). Dieses leitete Geßler unter mehreren Reichskanzlern (zuletzt im Kabinett Marx IV) fast acht Jahre lang. Er arbeitete als Reichswehrminister eng mit dem Chef der Heeresleitung Hans von Seeckt zusammen, der ihm aber als „bloßem Zivilisten“ mit Abneigung gegenüberstand. 1923 wurde Geßler für kurze Zeit die gesamte staatliche Exekutivmacht übertragen. 1925 beabsichtigte er, um die Nachfolge von Friedrich Ebert als Reichspräsident zu kandidieren, scheiterte aber vor allem am Widerstand des Reichsaußenministers Gustav Stresemann. Im Oktober 1926 erreichte Geßler die Entlassung Seeckts. Geßlers Ziel war die Einrichtung einer überparteilichen, neutralen Reichswehr. Er blieb trotz häufiger Regierungswechsel nahezu acht Jahre im Amt. Am 3. Dezember 1926 rat er aus der DDP aus.[2] In dieser Zeit wurden die Angriffe der SPD gegen ihn immer heftiger. Unter anderem wurde ihm eine Nähe zu rechtsgerichteten Kreisen und zur Großindustrie vorgeworfen.

Geßler mit seinem Nachfolger im Amt des Reichswehrministers, Wilhelm Groener. Aufnahme aus dem Jahr 1928

Wegen des Vorwurfs finanzieller Unregelmäßigkeiten in seinem Ministerium im Zusammenhang mit der geheimen Aufrüstung der Reichswehr (Lohmann-Affäre) musste Geßler am 28. Januar 1928 zurücktreten, offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Groener (parteilos).

Von Dezember 1928 bis Februar 1932 war Geßler Präsident des Volksbunds deutscher Kriegsgräberfürsorge.[2] Am 31. März 1931 wurde er Vorsitzender des Luther-Bundes (Bund zur Erneuerung des Reiches).[2] Im Herbst 1931 scheiterte sein Versuch, Innenminister im Kabinett Brüning II zu werden;[2] Brüning beauftragte Reichswehrminister Groener zusätzlich mit der Leitung dieses Ministeriums.

Nach der Machtübernahme des NS-Regimes zog er sich 1933 aus der Politik zurück. Er war Mitglied der Widerstandsgruppe um Franz Sperr, hatte Kontakte zum Kreisauer Kreis[2], war 1944 in Pläne des Widerstands eingeweiht und im Schattenkabinett Beck/Goerdeler für den Fall eines gelungenen Staatsstreiches als Politischer Beauftragter im Wehrkreis VII (München) eingeplant. Zwei Tage nach dem Attentat auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944 wurde er verhaftet[2] und war bis zum 24. Februar 1945 im KZ Ravensbrück[1] interniert.[3]

1945 beriet er den bayerischen Ministerpräsidenten Fritz Schäffer. 1949 bis 1955 war er Präsident des Bayerischen Roten Kreuzes, 1950 bis 1952 Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, danach dessen Ehrenpräsident.[1]

Von 1950 bis 1955 war Geßler Mitglied des Bayerischen Senats. In Nürnberg wurde im Bezirk Schleifweg die Otto-Geßler-Straße nach ihm benannt, ebenso gibt es in seinem Geburtsort Ludwigsburg, in Regensburg und in Lindau am Bodensee eine ihm zu Ehren benannte Straße.

Ehrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Otto Geßler: Reichswehrpolitik in der Weimarer Zeit. Deutsche Verlags Anstalt, Stuttgart 1958.
  • Otto Gessler: Auf dem Nürnberger Bürgermeisterstuhl im Weltkrieg. 1914-1918. In: Festgabe für Seine Königliche Hoheit Kronprinz Rupprecht. Verlag Bayerische Heimatforschung, München 1953, S. 98-126.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peter Hoffmann: Widerstand, Staatsstreich, Attentat. Der Kampf der Opposition gegen Hitler. München: Piper 1969, 1985.
  • Heiner Möllers: Reichswehrminister Otto Geßler. Eine Studie zu "unpolitischer" Militärpolitik in der Weimarer Republik (= Europäische Hochschulschriften. Reihe 3. Geschichte und ihre Hilfswissenschaften. Bd. 794). Lang, Frankfurt am Main u.a. 1998, ISBN 3-631-33191-6.
  • Martin Schumacher (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung, 1933–1945. Eine biographische Dokumentation. 3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, ISBN 3-7700-5183-1.
  • Thilo Vogelsang: Geßler, Otto Karl. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 6, Duncker & Humblot, Berlin 1964, ISBN 3-428-00187-7, S. 350 (Digitalisat).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Otto Geßler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Karl Eduard Haas: Die Akademisch-Musikalische Verbindung Fridericana im Sondershäuser Verband, vormals Studentengesangverein Erlangen. Erlangen 1982, im Selbstverlag.
  2. a b c d e f hdbg.de: biografische Tabelle
  3. laut hdgb/Tabelle verhaftet und im KZ Ravensbrück interniert; Folter; später in verschiedenen Berliner Gefängnissen inhaftiert.