Kind 44 (Film)

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Filmdaten
Deutscher TitelKind 44
OriginaltitelChild 44
ProduktionslandVereinigte Staaten,
Vereinigtes Königreich,
Tschechien,
Rumänien
OriginalspracheEnglisch, Russisch
Erscheinungsjahr2015
Länge137 Minuten
AltersfreigabeFSK 16[1]
Stab
RegieDaniél Espinosa
DrehbuchRichard Price
ProduktionRidley Scott,
Michael Schaefer,
Greg Shapiro
MusikJon Ekstrand
KameraPhilippe Rousselot
SchnittDylan Tichenor,
Pietro Scalia
Besetzung

Kind 44 (Originaltitel: Child 44) ist ein Thriller von Daniél Espinosa aus dem Jahr 2015. Das Drehbuch zum Film schrieb Richard Price, es basiert auf dem gleichnamigen Roman von Tom Rob Smith aus dem Jahr 2008. In den Hauptrollen spielen Tom Hardy, Gary Oldman, Noomi Rapace, Joel Kinnaman, Paddy Considine, Jason Clarke und Vincent Cassel. Der Film wurde am 17. April 2015 in den USA veröffentlicht[2] und erhielt gemischte bis negative Kritiken. An den Kinokassen floppte der Film.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Leo Demidow wuchs in der Sowjetunion als Waisenkind auf, da sein Vater beim Holodomor verhungert ist. Während des Zweiten Weltkriegs nimmt er als Soldat der Roten Armee an der Eroberung Berlins teil und wird landesweit bekannt, als er die Flagge auf dem Reichstag hisst. Sein Kamerad Alexej war eigentlich dafür vorgesehen, da er aber den ganzen Arm voller gestohlener Uhren hatte, wählte man Leo dafür aus. Jahre später leben Alexej und Leo in Moskau und sind Schergen des Ministeriums für Staatssicherheit (MGB) im stalinistischen Terrorstaat. Sie verhaften willkürlich Verdächtige, die dann durch Druck oder Folter dazu gezwungen werden, sich selbst und weitere Unschuldige zu denunzieren. Als bei einer dieser Verhaftungsaktionen sein Kamerad Wassili Nikitin ein Bauernehepaar liquidiert, gerät Leo mit diesem aneinander und schlägt ihn. Wassili wird dessen Todfeind und auch Leos Vorgesetzter ist wenig begeistert, dass Leo seinen Kameraden geschlagen hat.

Privat sind Leo und Alexej immer noch befreundet. Leo ist verheiratet mit der Lehrerin Raissa und er ist froh, mit ihr seine große Liebe gefunden zu haben. Als Alexejs Sohn ermordet aufgefunden wird, deutet vieles auf einen Triebtäter hin. Allerdings lehnen die ermittelnden Behörden es ab, in diese Richtung zu ermitteln. Im postulierten „sozialistischen Paradies“ könne es keine Kindermörder geben und daher wird in die Akten aufgenommen, es handele sich um einen Zugunfall. Leo warnt Alexej davor, selbst zu ermitteln oder zu behaupten, es sei Mord gewesen. Dies könnte als Kritik am Staat aufgefasst werden und ihn in den Gulag bringen.

Leos Vorgesetzter Kuzmin will dessen ultimative Treue zum Regime testen und fordert ihn auf, seine Geliebte Raissa zu denunzieren und zu verhaften. Leo diskutiert dies mit seiner Familie, die ihn dazu auffordert, da bei einer Weigerung die ganze Familie verurteilt würde. Raissa sagt Leo daraufhin, dass sie schwanger sei. Leo bringt es nicht fertig, sie zu verhaften und so werden beide von der Geheimpolizei abgeholt. Leo wird degradiert, Raissa darf dann ihren Beruf nicht ausüben, und beide werden in die Provinzstadt Wolsk verbannt.

Dort wird Leo dem General Nesterow unterstellt, der ihm zuerst feindselig gegenübertritt. Sollte Leo versuchen, ihn oder seine Kollegen in Moskau als inkompetent darzustellen, werde er dafür sorgen, dass Leo im Lager ende. Raissa darf in einer Schule arbeiten, aber nur als Putzfrau. Raissa wird telefonisch von Wassili dazu aufgefordert, Leo zu verlassen und mit ihm in Moskau zu leben, was sie ablehnt. Sie gesteht Leo, dass sie ihn nie geliebt hat und sie nur mit ihm ausgegangen sei, weil sie Angst hatte einen Geheimdienstoffizier abblitzen zu lassen. Für Leo bricht eine Welt zusammen.

In Wolsk wird eine weitere Knabenleiche gefunden und Leo bespricht mit General Nesterow seine Theorie über den Serienmörder. Nesterow ist zunächst empört, dass Leo die offizielle Version anzweifelt. Dennoch beginnen beide zu ermitteln. Sie finden heraus, dass insgesamt 44 Kinder vermutlich vom selben Täter ermordet worden waren und der Staat jedes Mal Unschuldige als Täter präsentiert und abgeurteilt hatte. Sie gehen davon aus, dass der Täter in Rostow zu finden sei. Leo und Raissa wollen ermitteln und reisen heimlich nach Moskau, wo sie neben Alexej auch auf Raissas ehemaligen Vorgesetzten treffen. Dieser hatte als Schulleiter öfters gegen die Verhaftung Unschuldiger protestiert und war in Raissas Augen vertrauenswürdig. Zu ihrem Entsetzen findet sie heraus, dass er in Wirklichkeit Teil des Terrorregimes war und das Image des kritischen Denkers nur Fassade war. Leo ermordet ihn. Leo und Raissa werden schließlich verhaftet, gefoltert und auf den Weg ins Lager nach Sibirien geschickt. Auf Befehl des Staates werden einige Mitgefangene dazu aufgefordert, das Paar im Gefangenentransport zu erstechen.

Leo und Raissa gelingt es, die Attentäter zu töten, ebenso einen weiteren Wachmann. Sie springen vom Zug und entkommen unerkannt. Wegen dieses Versagens gerät Kuzmin unter Druck. Dieser fordert Wassili auf, die Flüchtigen zu finden, da er ihn sonst mit ins Verderben reißen würde. Wassili lässt Alexej in seinem Büro erscheinen und bedroht ihn und seine Familie, falls er ihm nicht helfe. Alexej teilt Wassili noch mit, dass Leo wohl in Rostow nach dem Mörder suchen werde, dann erschießt Wassili ihn.

In Rostow findet Leo schließlich den Täter: Wladimir Malewitsch arbeitet für eine Automobilfabrik und war geschäftlich landesweit mit dem Zug unterwegs, wo er die Jungen immer in der Nähe der Bahngleise tötete. Er sagt Leo noch, dass dieser selbst ein Mörder sei. Während Leo jedoch aus freien Stücken handele, sei er triebgesteuert und wolle eigentlich kein Mörder sein. Dann taucht Wassili auf und erschießt Malewitsch. Anschließend will er seinen Todfeind Leo ermorden, jedoch kann dieser ihm die Waffe aus der Hand schlagen und es beginnt ein Kampf auf Leben und Tod. Leo und Raissa können Wassili schließlich töten.

Als die Soldaten und Geheimdienstoffiziere erscheinen, erzählt Leo diesen, dass der Kindermörder den „Helden“ Wassili ermordet habe. Die Behörden glauben ihm. Leo und Raissa werden rehabilitiert, Kuzmin wird in den Gulag geschickt und Leo wird eine Position bei der Polizei angeboten. Der Kindermörder wird offiziell als „Werwolf“ bezeichnet. Er sei das Produkt einer Droge der Nazis gewesen und während seiner Kriegsgefangenschaft von den Deutschen umgedreht worden. Leo bittet darum, eine Polizeiabteilung für Serientäter gemeinsam mit Nesterow aufzubauen, was ihm gestattet wird. Gemeinsam mit Raissa, die mit ihm zusammenbleiben will, adoptiert er die zwei Bauernkinder, die durch Wassili zu Waisen gemacht worden waren.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dreharbeiten zum Film starteten im Juni 2013 in Prag, Ostrava und Kladno in Tschechien.[3] Der Film weist deutliche Ähnlichkeiten mit dem Filmdrama Citizen X aus dem Jahr 1995 auf. In Russland wurden die Vorführungen nur einen Tag vor dem Premieren-Termin untersagt, mit der Begründung, der Film wäre im Vorfeld der Erinnerungsfeiern zum Kriegsende unpassend.[4] Nach der russischen Entscheidung wurde der Film in den Ländern Weissrussland,[5] der Ukraine,[6] Kasachstan,[7] und Kirgistan verboten.[8] Der ukrainische Regisseur und Produzent Oleksandr Rodnjanskyj kritisierte die russische Zensur[9].

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Film erhielt gemischte bis negative Kritiken. Bei Rotten Tomatoes sind 23 % der Kritiken positiv bei insgesamt 64 Kritiken; die durchschnittliche Bewertung beträgt 4,6/10. Im Kritikerkonsens heißt es: „Die Story von Kind 44 ist packend und die Darstellung von Tom Hardy in der Hauptrolle solide, aber insgesamt mangelt es dem Film an genügend Nervenkitzel.“[10] Bei Metacritic erhält der Film eine Bewertung von 41/100, basierend auf 25 Kritiken.[11] Anke Sterneborg von der Süddeutschen Zeitung kritisiert, dass der Film zu viel auf einmal sein will und bemängelt zudem: Beim Versuch, das üppige Material auf Spielfilmformat zu stutzen, hat Drehbuchautor Richard Price („The Wire“) ein paar merkwürdige Entscheidungen getroffen. Besonders fatal ist, dass er dem Täter, dessen Biografie im Roman auf abgründige Weise mit der des Ermittlers verzahnt ist, das Handlungsmotiv nimmt – und damit der ganzen Geschichte ihren Sog.[12]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2016: Central Ohio Film Critics Association 2
    • Nominierung für Tom Hardy als Schauspieler des Jahres (auch für Legend, Mad Max: Fury Road und The Revenant)
  • 2015: Golden Trailer Awards
    • Nominierung für das Beste Drama-Poster

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freigabebescheinigung für Kind 44. Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft, Mai 2015 (PDF; Prüf­nummer: 151 421 K).
  2. Jen Yamato: Tom Hardy, Noomi Rapace Thriller ‘Child 44’ Gets April 2015 Date. Deadline.com, 18. Februar 2014, abgerufen am 15. Juli 2014.
  3. Filming of Tom Rob Smith’s Child 44 begins. In: Curtis Brown. 6. August 2013, abgerufen am 10. Juli 2013.
  4. Russia bans American film ‘Child 44′ because it makes Stalin look bad, Washington Post, 15. April 2015.
  5. Belarus bans Child 44 movie day after Russia. In: TASS. 16. April 2015. Abgerufen am 17. April 2015.
  6. Hollywood movie 'Child 44' will not be shown in Ukraine. In: Ukraine Today. 17. April 2015. Abgerufen am 17. April 2015.
  7. American film Child 44 banned in Kazakhstan for distorting history. In: azh.kz.
  8. Nick Holdsworth: 'Child 44' Ban Rolls Out Across Former Soviet States. In: The Hollywood Reporter. 17. April 2015. Abgerufen am 18. April 2015.
  9. Elizabeth Surganov, Sergei Sobolev: Голливудский фильм про СССР сняли с российского проката (Russian) In: RBC. 15. April 2015. Abgerufen am 18. April 2015.
  10. Child 44. In: Rotten Tomatoes. Abgerufen am 29. April 2015: „There’s a gripping story at the heart of Child 44 and a solid performance from Tom Hardy in the lead, but it all still adds up to a would-be thriller that lacks sufficient thrills.“
  11. Child 44. In: Metacritic. Abgerufen am 22. April 2015.
  12. Anke Sterneborg: Total paranoid In: Süddeutsche Zeitung Online, 3. Juni 2015.