Kirchenfeldbrücke

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Kirchenfeldbrücke
Kirchenfeldbrücke
Nutzung Individualverkehr, Tram, Bus, Bahn Bern–Worb Dorf, Hauptstrasse Bern–Thun
Unterführt Aare
Ort Bern
Unterhalten durch Tiefbauamt der Stadt Bern – Betrieb und Unterhalt[1]
Konstruktion Stahlbogenbrücke
Gesamtlänge 229 m
Breite 13,2 m
Anzahl der Öffnungen 2
Längste Stützweite 78 m
Pfeilhöhe 22 m
Höhe 37 m
Baukosten 1,25 Mio. Schweizer Franken
Baubeginn 15. Dezember 1881
Eröffnung 24. September 1883
Bauzeit 21 Monate
Planer Moritz Probst, Jules Röthlisberger, Gottlieb Ott & Cie.
Lage
Koordinaten 600757 / 199407Koordinaten: 46° 56′ 45″ N, 7° 26′ 55″ O; CH1903: 600757 / 199407
Kirchenfeldbrücke (Stadt Bern)
Höhe über dem Meeresspiegel 537 m ü. M.

Die Kirchenfeldbrücke verbindet den Casinoplatz in der Altstadt von Bern über die Aare hinweg mit dem Helvetiaplatz im Kirchenfeldquartier.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1881 wurde in London die Erschliessungsgesellschaft Berne Land Company Ltd. gegründet mit dem Zweck, das Kirchenfeld zu kaufen, als Wohnquartier zu erschliessen und mit einer Brücke mit dem bestehenden Teil der Stadt Bern zu verbinden.[2]

Die Brücke wurde von den Ingenieuren Moritz Probst und Jules Röthlisberger der Metallbaufirma Gottlieb Ott & Cie. in Bern als gelenklose Bogenbrücke in einer genieteten Schweisseisen-Konstruktion entworfen, in 21 Monaten errichtet und am 24. September 1883 eingeweiht. Es war erst die dritte Brücke dieser Bauart in der Schweiz. Zuvor wurden die Javroz-Brücke bei Charmey und die Schwarzwasserbrücke zwischen Bern und Schwarzenburg BE in der gleichen Bauart errichtet.[3][4] Wegen der Finanzierung durch die englische Erschliessungsgesellschaft wurde die Brücke vom Volksmund bis Ende des 19. Jahrhunderts Englische Brücke genannt.[5]

1901 erhielt die Brücke das erste Strassenbahngleis für die elektrisch betriebene Linie III, die zwischen Breitenrain und Burgernziel verkehrte.

In den Jahren 1913 und 1914 musste die Brücke verstärkt werden, damit ein zweites Strassenbahngleis eingebaut werden konnte. Weiter sollte auch die Konstruktion so verstärkt werden, dass sie weniger schwingt. Von Beginn an machten sich vertikale Schwingungen bemerkbar, die vor allem von Pferden im Trabschritt angeregt wurden. Schwingungen in waagerechter Richtung wurden von im Gleichschritt gehenden Fussgängern angeregt. Zur Verbesserung des Tragwerkes wurden die Hauptpfeiler mit Stahlbeton ummantelt und die Fahrbahn über den Hauptpfeilern aufgetrennt, um das Tragwerk statisch bestimmter zu machen. Die ursprüngliche eiserne Fahrbahn wurde durch eine Stahlbetonplatte mit aufgelegtem Holzbelag ersetzt.[6][7][8][9]

In den 1960er Jahren meinte man, die Brücke müsse in absehbarer Zeit ersetzt werden, um den zunehmenden Auto-Tourismus verkraften zu können.[10]

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirchenfeldbrücke ist 229 m lang und besitzt zwei Bögen mit einer Stützweite von 78 m und einer Scheitelhöhe von 32 m. Für das Tragwerk wurden etwa 1300 t Stahl verbaut, die Fahrbahn wiegt weitere 2300 t. Es wird geschätzt, dass zwischen 200'000 und 250'000 Nieten an der Brücke verbaut sind.[3]

1968 wurden Leitplanken eingebaut und 1972 die gusseisernen Brüstungsgeländer durch solche aus Leichtmetall ersetzt.[11] 55 cm des ursprünglichen Geländers sind vis-à-vis der Kunsthalle noch vorhanden. Dies aufgrund einer Nacht-und-Nebel-Aktion von Kurt Moritz Gossenreiter, die nachträglich von den Behörden übernommen worden ist.[12]

Von April bis Oktober 2018 wurden umfangreiche Sanierungs- und Verstärkungsmassnahmen an der Brückenkonstruktion umgesetzt.[13][14]

Sicherheitsmassnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da bereits zahlreiche Personen durch einen Sprung von der Kirchenfeldbrücke Suizid begangen hatten, darunter auch Hans Eggimann, wurden zuerst bei den Brückenköpfen Informationstafeln der Telefonseelsorge-Organisation Die Dargebotene Hand angebracht.

Nach einer Häufung von Suiziden im Jahr 2009 mit traumatisierten Augenzeugen beschloss die Stadt, die Geländer über der Aarestrasse und dem Sportplatz provisorisch mit einem drei Meter hohen Drahtgitterzaun zu sichern. Der Zaun wurde 2015 durch Fangnetze, wie bei der Münsterplattform, ersetzt.[15][16]

Erwähnungen in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2004 veröffentlichte Roman Nachtzug nach Lissabon (2013 verfilmt) des Berner Philosophen und Schriftstellers Pascal Mercier beginnt mit einem verhinderten Suizid auf der Brücke.

Friedrich Dürrenmatt erwähnte die Kirchenfeldbrücke mehrfach.[17] In der Erzählung Die Brücke gerät der fiktive F.D. am 15. Oktober 1943 «gedankenverloren auf die Brücke und unter den Meteor».[18]

Auch im Werk von Friedrich Glauser kommt die Kirchenfeldbrücke immer wieder vor, sein Wachtmeister Studer überquert sie.[19]

Carl Jacob Burckhardt beschrieb in einer Erinnerung, wie er in jungen Jahren von einem Freund fast über das alte gusseiserne Geländer der Kirchenfeldbrücke geworfen worden wäre.[20]

Verena Stefan hielt im Roman Fremdschläfer fest, beim Gehen über die Kirchenfeldbrücke dürfe man nicht zurückschauen, sonst könne man keinen Schritt mehr tun. «Man würde zusammengepresst vom Kondensat Bern.»[21]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kirchenfeldbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Betrieb + Unterhalt. In: bern.ch. Stadtverwaltung der Stadt Bern, abgerufen am 29. Januar 2018.
  2. Bundesratsbeschluss über den Rekurs des G. Lüscher-Staufer, Kaufmann in Bern, gegen einen Entscheid des Regierungsrates des Kantons Bern, wegen Nichteintragung der Berne Land Company. 8. Juni 1899, abgerufen am 15. Mai 2015.
  3. a b Factsheet Kirchenfeldbrücke (Memento vom 6. Oktober 2015 im Internet Archive). Stadt Bern, 4. April 2013 (PDF; 83 kB).
  4. C. Schmid: Die Kirchenfeldbrücke in Bern. In: Deutsche Bauzeitung. Nr. 12, 9. Februar 1884, S. 65–67 (PDF; 9,2 MB).
  5. Strecke BE 10, Bern–Thun, Linienführung über «Kirchenfeldbrücke» (Memento vom 5. Oktober 2015 im Internet Archive). In: Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (PDF; 684 kB).
  6. Wilhelm Ritter: Die Schwingungen der Kirchenfeldbrücke in Bern beim eidgen. Sängerfest am 8. und 9. Juli 1899. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 33/34, Nr. 12, 1899, S. 114–115, doi:10.5169/seals-21396.
  7. Arthur Rohn: Die Verstärkung der Kirchenfeldbrücke über die Aare in Bern. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 65/66, Nr. 20, 8. Mai 1915, S. 223–228, doi:10.5169/seals-32237.
  8. Arthur Rohn: Die Verstärkung der Kirchenfeldbrücke über die Aare in Bern (Fortsetzung). In: Schweizerische Bauzeitung. Band 65/66, Nr. 21, 8. Mai 1915, S. 235–239, doi:10.5169/seals-32238.
  9. Arthur Rohn: Die Verstärkung der Kirchenfeldbrücke über die Aare in Bern (Schluss). In: Schweizerische Bauzeitung. Band 65/66, Nr. 22, 8. Mai 1915, S. 247–250, doi:10.5169/seals-32242.
  10. Heinz Hofer: Der Fremdenverkehr der Stadt Bern. Eine Studie zum Problem des Städtetourismus. P. Haupt, 1968 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  11. Wahrzeichen unter der Lupe (Memento vom 20. Dezember 2016 im Internet Archive). In: Baublatt. 9. Dezember 2016.
  12. Dölf Barben: Tödliches Gusseisen. In: Der Bund. 12. Oktober 2018, abgerufen am 20. Oktober 2018.
  13. Sanierung Kirchenfeldbrücke (Memento vom 28. August 2018 im Internet Archive). In: Kirchenfeldbrücke.ch. 2018.
  14. Kirchenfeldbrücke soll verstärkt werden. In: www.bern.ch. Abgerufen am 3. April 2016.
  15. Hohe Netze an zwei Berner Brücken. In: Der Bund. 9. Dezember 2009.
  16. Clementine Hegner-van Rooden: Fangnetz im Gleichgewicht. In: www.espazium.ch. 17. März 2016, abgerufen am 3. April 2016.
  17. Friedrich Dürrenmatt: Labyrinth. Stoffe I–III. Der Winterkrieg in Tibet. Mondfinsternis. Der Rebell. Diogenes, 1990, ISBN 978-3-257-01851-6 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  18. Stefan Jörissen: Mathematik multimodal: Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung kommunikativer Verfahren im Hochschulunterricht. Waxmann Verlag, 2013, ISBN 978-3-8309-7815-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  19. Friedrich Glauser: Die Fieberkurve (= Friedrich-Glauser-Reihe. Nr. 3) (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  20. Carl Jacob Burckhardt: Briefe: 1908–1974. Fischer Digital, 2015, ISBN 978-3-10-560582-0 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  21. Verena Stefan: Fremdschläfer. Roman. Fischer Digital, 2015, ISBN 978-3-10-560348-2 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).