Kirchenfeldbrücke

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Koordinaten: 46° 56′ 44,7″ N, 7° 26′ 54,9″ O; CH1903: 600757 / 199407

Kirchenfeldbrücke
Kirchenfeldbrücke
Kirchenfeldbrücke 2004
Nutzung Individualverkehr, Tram, Bus, Bahn Bern–Worb Dorf, Hauptstrasse Bern–Thun
Überführt

Aare

Ort Bern
Konstruktion Stahlbogenbrücke
Gesamtlänge 229 m
Breite 13,2 m
Anzahl der Öffnungen 2
Längste Stützweite 78 m
Pfeilhöhe 22 m
Höhe 37 m
Baukosten 1,25 Mio. Schweizer Franken
Baubeginn 15. Dezember 1881
Eröffnung 24. September 1883
Bauzeit 21 Monate
Planer Moritz Probst, Jules Röthlisberger, Gottlieb Ott & Cie.
Lage
Kirchenfeldbrücke (Kanton Bern)
Kirchenfeldbrücke
Höhe über dem Meeresspiegel 537 m ü. M.

Die Kirchenfeldbrücke verbindet den Casinoplatz in der Altstadt von Bern über die Aare hinweg mit dem Helvetiaplatz im Kirchenfeldquartier.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1881 wurde in London die Erschliessungsgesellschaft Berne Land Company Ltd. gegründet mit dem Zweck das Kirchenfeld zu kaufen, als Wohnquartier zu erschliessen und mit einer Brücke mit dem bestehenden Teil der Stadt Bern zu verbinden.[1]

Die Brücke wurde von den Ingenieuren Moritz Probst und Jules Röthlisberger der Metallbaufirma Gottlieb Ott & Cie. in Bern als gelenklose Bogenbrücke in einer genieteten Schweisseisen-Konstruktion entworfen, in 21 Monaten errichtet und am 24. September 1883 eingeweiht. Es war erst die dritte Brücke dieser Bauart in der Schweiz. Zuvor wurden die Javroz-Brücke bei Charmey und die Schwarzwasserbrücke zwischen Bern und Schwarzenburg BE in der gleichen Bauart errichtet.[2] Wegen der Finanzierung durch die englische Erschliessunsgesellschaft wurde die Brücke vom Volksmund bis Ende des 19. Jahrhunderts als Englische Brücke bezeichnet.[3]

1901 erhält die Brücke das erste Strassenbahngleis für die elektrisch betriebene Linie III, die zwischen Breitenrain und Burgernziel verkehrte.

In den Jahren 1913 und 1914 musste die Brücke verstärkt werden, damit ein zweites Strassenbahngleis eingebaut werden konnte. Weiter sollten auch die Konstruktion so verstärkt werden, damit sie weniger schwingt. Von Beginn an machten sich vertikale Schwingungen bemerkbar, die vor allem von Pferden im Trabschritt angeregt wurden. Schwingungen in waagerechter Richtung wurden von im Gleichschritt gehenden Fussgängern angeregt. Zur Verbesserung des Tragwerkes wurden die Hauptpfeiler mit Stahlbeton ummantelt und die Fahrbahn über den Hauptpfeilern aufgetrennt um das Tragwerk statisch bestimmter zu machen. Die ursprüngliche eiserne Fahrbahn wurde durch eine Stahlbetonplatte mit aufgelegtem Holzbelag ersetzt.[4][5][6][7]

In den 1960er Jahren meinte man, die Brücke müsse in absehbarer Zeit ersetzt werden, um den zunehmenden Auto-Tourismus verkraften zu können.[8]

1972 wurden die gusseisernen Brüstungsgeländer durch solche aus Leichtmetall ersetzt.[9]

Bauwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirchenfeldbrücke ist 229 m lang und besitzt zwei Bogen mit einer Stützweite von 78 m und einer Scheitelhöhe von 32 m. Für das Tragwerk wurden etwa 1300 t Stahl verbaut, die Fahrbahn wiegt weitere 2300 t. Es wird geschätzt, dass zwischen 200'000 und 250'000 Nieten an der Brücke verbaut sind.[2]

In den Jahren 2018/2019 ist eine Verstärkung der Brückenkonstruktion geplant.[10]

Sicherheitsmassnahmen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da bereits zahlreiche Personen durch einen Sprung von der Kirchenfeldbrücke Suizid begangen haben, darunter auch Hans Eggimann, wurden zuerst bei den Brückenköpfen Informationstafeln der Telefonseelsorge-Organisation Die Dargebotene Hand angebracht.

Nach einer Häufung von Suiziden im Jahr 2009 mit traumatisierten Augenzeugen beschloss die Stadt, die Geländer über der Aarestrasse und dem Sportplatz provisorisch mit einem drei Meter hohen Drahtgitterzaun zu sichern. Der Zaun wurde 2015 durch Fangnetze, wie bei der Münsterplattform, ersetzt.[11][12]

Erwähnungen in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der 2004 veröffentlichte Roman Nachtzug nach Lissabon (2013 verfilmt) des Berner Philosophen und Schriftstellers Pascal Mercier beginnt mit einem verhinderten Suizid auf der Brücke.

Friedrich Dürrenmatt erwähnte die Kirchenfeldbrücke mehrfach.[13] In der Erzählung Die Brücke gerät der fiktive F.D. am 15. Oktober 1943 "gedankenverloren auf die Brücke und unter den Meteor".[14]

Auch im Werk von Friedrich Glauser kommt die Kirchenfeldbrücke immer wieder vor, sein Wachtmeister Studer überquert sie.[15]

Carl Jacob Burckhardt beschrieb in einer Erinnerung, wie er in jungen Jahren von einem Freund fast über das alte gusseiserne Geländer der Kirchenfeldbrücke geworfen worden wäre.[16]

Verena Stefan hielt im Roman Fremdschläfer fest, beim Gehen über die Kirchenfeldbrücke dürfe man nicht zurückschauen, sonst könne man keinen Schritt mehr tun. "Man würde zusammengepresst vom Kondensat Bern."[17]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirchenfeldbrücke – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bundesratsbeschluss über den Rekurs des G. Lüscher - Staufer, Kaufmann in Bern, gegen einen Entscheid des Regierungsrates des Kantons Bern, wegen Nichteintragung der Berne Land Company. 8. Juni 1899, abgerufen am 15. Mai 2015.
  2. a b Factsheet Kirchenfeldbrücke. Stadt Bern, 4. April 2013, abgerufen am 15. Mai 2015.
  3. Strecke BE 10 Bern - Thun, Linienführung über "Kirchenfeldbrücke". In: Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz. Abgerufen am 15. Mai 2015.
  4. W. Ritter: Die Schwingungen der Kirchenfeldbrücke in Bern beim eidgen. Sängerfest am 8. und 9. Juli 1899. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 33/34, Nr. 12, 1899, S. 114–115, doi:10.5169/seals-21397.
  5. A. Rohn: Die Verstärkung der Kirchenfeldbrücke über die Aare in Bern. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 65/66, Nr. 20, 1915, S. 223–228, doi:10.5169/seals-32237.
  6. A. Rohn: Die Verstärkung der Kirchenfeldbrücke über die Aare in Bern (Fortsetzung). In: Schweizerische Bauzeitung. Band 65/66, Nr. 21, 1915, S. 234–239, doi:10.5169/seals-32238.
  7. A. Rohn: Die Verstärkung der Kirchenfeldbrücke über die Aare in Bern (Schluss). In: Schweizerische Bauzeitung. Band 65/66, Nr. 22, 1915, S. 247–250, doi:10.5169/seals-32242.
  8. Heinz Hofer: Der Fremdenverkehr der Stadt Bern: eine Studie zum Problem des Städtetourismus. P. Haupt, 1968 (google.ch [abgerufen am 11. August 2017]).
  9. Wahrzeichen unter der Lupe. In: Baublatt. Abgerufen am 15. Mai 2015.
  10. Kirchenfeldbrücke soll verstärkt werden. In: www.bern.ch. Abgerufen am 3. April 2016.
  11. Artikel über die Sicherheitszäune auf derbund.ch, abgerufen am 4. Januar 2010
  12. Fangnetz im Gleichgewicht - TEC21 - espazium.ch. In: www.espazium.ch. Abgerufen am 3. April 2016.
  13. Friedrich Dürrenmatt: Labyrinth: Stoffe I-III : Der Winterkrieg in Tibet ; Mondfinsternis ; Der Rebell. Diogenes, 1990, ISBN 978-3-257-01851-6 (google.ch [abgerufen am 11. August 2017]).
  14. Stefan Jörissen: Mathematik multimodal: Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung kommunikativer Verfahren im Hochschulunterricht. Waxmann Verlag, 2013, ISBN 978-3-8309-7815-2 (google.ch [abgerufen am 11. August 2017]).
  15. Kirchenfeldbrücke Glauser. In: Google-Books. Abgerufen am 11. August 2017.
  16. Carl J. Burckhardt: Briefe: 1908–1974. FISCHER Digital, 2015, ISBN 978-3-10-560582-0 (google.ch [abgerufen am 11. August 2017]).
  17. Verena Stefan: Fremdschläfer: Roman. FISCHER Digital, 2015, ISBN 978-3-10-560348-2 (google.ch [abgerufen am 11. August 2017]).