Kirchvers

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Kirchvers
Gemeinde Lohra
Ehemaliges Wappen on Kirchvers
Koordinaten: 50° 41′ 18″ N, 8° 36′ 28″ O
Höhe: 211 m ü. NHN
Fläche: 6,72 km²[1]
Einwohner: 1000
Bevölkerungsdichte: 149 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1974
Postleitzahl: 35102
Vorwahl: 06426
Bild von Kirchvers

Kirchvers ist mit etwa 1000 Einwohnern der zweitgrößte Ort der Großgemeinde Lohra. Die Ortschaft liegt auf 211 m ü. NHN im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1130 wurde Kirchvers zum ersten Mal als Ferse erwähnt. Das Mainzer St. Stephansstift bezieht Einkünfte aus dortigem Besitz.[1] Unklar ist bis heute, ob es sich bei Ferse um Kirchvers oder um den Nachbarort Altenvers handelt. Während des Dreißigjährigen Krieges brannte ein Großteil des Dorfes nieder, auch die Kirchenbücher gingen in den Flammen verloren.

Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen wurde Kirchvers am 1. Juli 1974 kraft Landesgesetz der Großgemeinde Lohra angegliedert.[2][3]

Territorialgeschichte und Verwaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Kirchvers lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][4]

Gerichte seit 1821[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. Nun waren Justizämter für die erstinstanzliche Rechtsprechung zuständig, die Verwaltung wurde von Landkreisen übernommen. Der Kreis Marburg war für die Verwaltung und das Justizamt Fronhausen war als Gericht in erster Instanz für Kirchvers zuständig. Das Oberste Gericht war das Oberappellationsgericht in Kassel. Untergeordnet war das Obergericht Marburg für die Provinz Oberhessen. Es war die zweite Instanz für die Justizämter.[8]

Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde das Justizamt Rauschenberg 1867 zum königlich Preußischen Amtsgericht Fronhausen. Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung in den zum vormaligen Kurfürstentum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[9] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Fronhausen. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Marburg und das Appellationsgericht Kassel.[10]

Das Amtsgericht Fronhausen wurde 1943 geschlossen. Es wurde zunächst als Zweigstelle des Amtsgerichts Marburg geführt und 1948 endgültig aufgelöst. Der Gerichtsbezirk wurde dem Amtsgericht Marburg zugeschlagen.

In der Bundesrepublik Deutschland sind die übergeordneten Instanzen das Landgericht Marburg, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1502: 16 Hausgesesse
• 1577: 43 Hausgesesse
• 1630: 26 Hausgesesse (einschließlich 3 Witwen). 2 dreispännige, 8 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 10 Einläuftige.
• 1681: 23 hausgesessene Mannschaften
• 1838: 30 nutzungsberechtigte, 12 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 3 Beisassen
Kirchvers: Einwohnerzahlen von 1745 bis 1967
Jahr  Einwohner
1745
  
190
1834
  
221
1840
  
243
1846
  
263
1852
  
279
1858
  
279
1864
  
295
1871
  
301
1875
  
333
1885
  
328
1895
  
309
1905
  
345
1910
  
372
1925
  
402
1939
  
426
1946
  
570
1950
  
587
1956
  
520
1961
  
550
1967
  
665
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1861: 291 evangelisch-lutherische Einwohner
• 1885: 324 evangelische (= 98,78 %), keine katholischen, 4 andere Christen (= 1,22 %)
• 1961: 475 evangelische (= 86,36 %), 36 katholische (= 6,55 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1745: Erwerbspersonen: 3 Schneider, 2 Müller, 1 Maurer, 1 Leineweber, 1 Weißbinder, 1 Wirt, 1 Branntweinbrenner, 2 Schmiede, 1 Braumeister, 2 Zimmerleute, 5 Tagelöhner (-innen).
• 1838: Familien: 29 Ackerbau, 11 Gewerbe, 3 Tagelöhner.
• 1961: Erwerbspersonen: 116 Land- und Forstwirtschaft, 137 Produzierendes Gewerbe, 16 Handel und Verkehr, 15 Dienstleistungen und Sonstiges.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • besonders sehenswert ist die romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert
  • das Waldschwimmbad, das in den 1990er Jahren durch Eigeninitiative eines Fördervereins renoviert wurde
  • JF-Freizeitgelände der Hess. Jugendfeuerwehr (mit Übernachtungsmöglichkeit in vier Schlafräumen mit 15 Betten u. Zeltplatz)[11]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben einer Fußballabteilung, die inzwischen zusammen mit dem VfB Altenvers in einer Fußballspielgemeinschaft als SG Versbachtal am Spielbetrieb teilnimmt und seine Heimspiele auf dem Kunstrasenplatz in Altenvers austrägt, hat der SV Kirchvers auch eine Volleyball- und eine Turnabteilung. Zudem gestalten mit der Freiwilligen Feuerwehr, dem Männergesangverein „Concordia“ Kirchvers und der Burschenschaft „Club Einigkeit 1951“ weitere Vereine das dörfliche Leben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirchvers (Lohra) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g Kirchvers, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 24. April 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Hessische Minister des Innern: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Biedenkopf und Marburg und der Stadt Marburg (Lahn) (GVBl. II 330-27) vom 12. März 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 9, S. 154, § 10 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 3,0 MB]).
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 404.
  4. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  5. Georg Landau: Beschreibung des kurfürstenthums Hessen. T. Fischer, Kassel 1842, S. 385 (online bei HathiTrust’s digital library).
  6. Kur-Hessischer Staats- und Adress-Kalender: 1818. Verlag d. Waisenhauses, Kassel 1818, S. 112 (online bei Google Books).
  7. Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August., (kurhessGS 1821) S. 223–224.
  8. Neueste Kunde von Meklenburg/ Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und den freien Städten, aus den besten Quellen bearbeitet. im Verlage des G. H. G. privil. Landes-Industrie-Comptouts., Weimar 1823, S. 158 ff. (online bei HathiTrust’s digital library).
  9. Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)
  10. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 221–224)
  11. JF-Freizeitgelände bei gruppenhaus.de