Klaus Kreimeier

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Klaus Kreimeier (* 8. November 1938 in Hannover) ist ein deutscher Publizist und Medienwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Kreimeier wuchs in Linz und in Salzgitter auf. Nach dem Abitur 1958 studierte er Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München und ab 1959 an der Freien Universität Berlin. Neben dem Studium arbeitete er als Regisseur an der Studentenbühne des Theaterwissenschaftlichen Instituts in Berlin sowie als freier Lektor für die UFA-Fernsehproduktion in Tempelhof. 1964 promovierte er zum Dr. phil. mit einer stilgeschichtlichen Dissertation über das moderne Bühnenbild.

1964 bis 1968 arbeitete Kreimeier als Programmreferent, danach als Fernsehdramaturg beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main, danach war er Kulturredakteur beim Spiegel in Hamburg. Ab 1969 lebte er als freier Publizist in West-Berlin; er schrieb und produzierte filmhistorische und filmkritische Fernsehsendungen für den Westdeutschen Rundfunk, den Bayerischen Rundfunk und das ZDF. 1971 bis 1976 war er Dozent an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin für Filmgeschichte und Medientheorie, ferner Gastdozent und Lehrbeauftragter an in- und ausländischen Universitäten. 1973 veröffentlichte er das Buch Kino und Filmindustrie in der BRD. Ideologieproduktion und Klassenwirklichkeit nach 1945.

Unterrichtstätigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach einer Berufung auf eine Professur an der Universität Oldenburg wurde Kreimeier 1974 wegen seiner aktiven Betätigung in der Vietnamkrieg-Oppositionsbewegung vom Niedersächsischen Kultusministerium aufgrund des Radikalenerlasses als Hochschullehrer abberufen. 1981 habilitierte er sich als Medienwissenschaftler an der Universität Osnabrück; nach seiner Berufung an die Philipps-Universität Marburg wurde er, diesmal vom hessischen Kultusministerium, erneut aus politischen Gründen abgelehnt.

Ab 1976 lebte Kreimeier als freier Publizist in Köln; hier arbeitete er für die Rundfunkanstalten (überwiegend WDR und Deutschlandfunk) und schrieb zahlreiche Literaturkritiken sowie film- und medienkritische Beiträge für die Frankfurter Rundschau, Die Zeit, der Freitag, Die Woche, Tageszeitung und epd-Film. Bis 1981 war er Mitherausgeber und Redakteur der Kulturzeitschriften Kämpfende Kunst (der Zeitschrift der maoistischen Vereinigung Sozialistischer Kulturschaffender), Kunst und Gesellschaft und Spuren. Zwischen 1979 und 1987 unternahm er mehrere Reisen nach Kenia, Tansania, Sambia, Ghana, Nigeria, Simbabwe und Uganda. Daraus entstanden Rundfunksendungen und Studien über die zeitgenössische anglophone Literatur Afrikas, aus denen 1985 das Buch Geborstene Trommeln. Afrikas zweite Zerstörung. Literarisch-politische Expeditionen hervorging. 1996 folgte eine Reise nach Südafrika mit Recherchen zur Arbeit der Truth and Reconciliation Commission für WDR und Deutschlandfunk.

In den 1980er und -90er Jahren war Kreimeier Mitglied in den Auswahlkommissionen der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen und der Duisburger Filmwoche; ferner reiste er als Filmreferent für das Goethe-Institut in den Nahen Osten, nach Spanien, Indien, in mehrere Balkanländer sowie nach Georgien. In dieser Zeit entstanden größere monographische Arbeiten über Andrzej Wajda, Rosa von Praunheim, F. W. Murnau, Fritz Lang, Joris Ivens, Andrei Tarkowskij, Akira Kurosawa und Wim Wenders (vor allem in der Reihe Film des Carl Hanser Verlags) sowie Publikationen über Elia Kazan, G.W. Pabst und die Kulturgeschichte der Femme fatale für die Retrospektiven der Internationalen Filmfestspiele Berlin; daneben filmhistorische Studien unter anderem über Joe May und Richard Oswald.

Von 1987 bis 1992 arbeitete Kreimeier an einer umfassenden Geschichte des Ufa-Konzerns, die 1992 erschien. Daneben war er Fachberater bei großen filmhistorischen Ausstellungen (Murnau, Bielefeld 1988; Ufa, Berlin 1992). Aus der Auseinandersetzung mit der deutschen Medienlandschaft nach der Einführung des Privatfernsehens 1984 ging 1995 sein Buch Lob des Fernsehens hervor.

Von 1997 bis 2004 war Kreimeier Professor für Medienwissenschaft und Sprecher des Medienstudiengangs an der Universität Siegen. Von 1999 bis 2005 leitete er das Teilprojekt „Weimarer Republik“ im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungsprojekt „Geschichte und Ästhetik des dokumentarischen Films in Deutschland 1895–1945“. 2001 gründete er die medienwissenschaftliche Zeitschrift Navigationen. Seit 2002 leitet er mit Joseph Garncarz das Teilprojekt „Industrialisierung der Wahrnehmung“ im von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Forschungskolleg „Medienumbrüche“ an der Universität Siegen. 2006 wirkte er als Gastdozent an der Philosophischen Fakultät (Germanistik) der Universität Sarajevo.

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1964 Illusion und Ironie. Gegenkräfte im modernen Bühnenbild. Dissertation FU Berlin
  • 1971 Das Kino als Ideologiefabrik. Leitbilder und Stereotypen in der Geschichte des deutschen Films. Berlin: Kinemathek 45 (Buchfassung einer WDR-Fernsehserie)
  • 1973 Kino und Filmindustrie in der BRD. Ideologieproduktion und Klassenwirklichkeit nach 1945. Kronberg Ts.: Scriptor
  • 1976 Joris Ivens. Ein Filmer an den Fronten der Weltrevolution. Berlin: Oberbaum
  • 1978 Zeitgenosse Chaplin (als Herausgeber). Berlin: Oberbaum
  • 1985 Geborstene Trommeln. Afrikas zweite Zerstörung. Literarisch-politische Expeditionen. Frankfurt: Verlag Neue Kritik
  • 1991 Nadine Gordimer. München: edition text + kritik
  • 1992 Notizen im Zwielicht. Fernsehalltag und Bildschirmwirklichkeit. Marburg: Schüren (Auswahl von Fernsehkritiken)
  • 1992 Die Ufa-Story. Geschichte eines Filmkonzerns. München: Carl Hanser (französische Übersetzung 1994 bei Flammarion - Preis der französischen Filmkritik für das beste ausländische Filmbuch; amerik. Ausgaben bei Hill and Wang, NY, 1996 sowie University of California Press, Berkeley und Los Angeles, 1999; japan. Ausgabe bei Hirata, Tokio, 2005)
  • 1994 Die Metaphysik des Dekors. Raum, Architektur und Licht im klassischen deutschen Stummfilm (als Herausgeber). Marburg: Schüren
  • 1995 Lob des Fernsehens. München: Carl Hanser
  • 2005 Geschichte des dokumentarischen Films in Deutschland. Band 2: Weimarer Republik (1918-1933). (als Autor und Herausgeber mit Antje Ehmann und Jeanpaul Goergen) Stuttgart: Reclam
  • 2008 Prekäre Moderne. Essays zur Film- und Kinogeschichte. Marburg: Schüren
  • 2011 Traum und Exzess. Die Kulturgeschichte des frühen Kinos. Wien: Zsolnay

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Martin Papenbrock, Norbert Schneider (Hrsg.): Kunstgeschichte nach 1968. Jahrbuch der Guernica-Gesellschaft, Kunst und Politik, Band 12. 1. Auflage 2010. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht unipress ISBN 978-3-89971-617-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]