Lützerath

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Lützerath
Stadt Erkelenz
Koordinaten: 51° 3′ 32″ N, 6° 25′ 37″ O
Höhe: ca. 95 m
Einwohner: 14 (31. Dez. 2020)[1]
Postleitzahl: 41812
Vorwahl: 02164
Karte
Lützerath im Abbaubereich Tagebau Garzweiler
Lützerath von oben (2019)[2]
Lützerath von oben (2019)[2]
Westlicher Ortseingang aus Richtung Landstraße 277 im Januar 2018

Lützerath ist eine kleine Ortschaft (Weiler) und ein Stadtteil von Erkelenz in Nordrhein-Westfalen. Wie ihre unmittelbar westlich gelegene Nachbargemeinde Immerath, plant RWE, auch Lützerath vollständig abzureißen, um den Tagebau Garzweiler auszudehnen. Die Umsiedlung des Ortes begann 2006 und soll nach Plänen des Unternehmens im September 2021 abgeschlossen sein.[3] Der Umsiedlungszielort ist, wie für Immerath, das weiter westlich gelegene neue Dorf Immerath (neu). Entsprechend wird Lützerath an anderer Stelle als eigenständiger Ortsteil nicht neu errichtet.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Norden grenzen das bereits vollständig abgebaggerte Alt-Borschemich und Keyenberg an Lützerath, im Osten Alt-Spenrath, im Süden Alt-Immerath und im Südwesten Holzweiler. Der Weiler liegt zwischen Düsseldorf und Aachen und ist von beiden Städten aus in unter einer halben Stunde mit dem PKW zu erreichen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ortschaft wurde erstmals 1168 in einer Urkunde als Lutzelenrode erwähnt. Aus dem Jahre 1651 ist der heutige Name überliefert. Im Ortsnamen ist der althochdeutsche Personenname Lutzelin, abgeleitet von Luzo (Ludwig), enthalten. Der Name bedeutet also Rodung des Luzelin und gehört wie Immerath zur Gruppe der Rodungsnamen.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Neuwerker oder Paulshof gehörte 1135 zur Abtei der Benediktinerinnen in Neuwerk.

Der Wachtmeisterhof war von 1265 bis 1802 im Besitz des Klosters der Zisterzienserinnen in Duissern bei Duisburg. Seit einigen Generationen gehört er einem Anwohner.[4]

Der Junkershof gehörte zunächst den Edelherren von Wevelinghoven, diese starben aber Ende des 14. Jahrhunderts aus und deren Herrschaft gelangte an die Grafen von Bentheim-Tecklenburg. Bis 1797 war der Hof in gräflichem Besitz.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 27. Februar 1945 nahmen während der Operation Grenade amerikanischen Soldaten des 116. Regiments der 29. US-Infanterie Division das Dorf ein.

Umsiedlung und Protestaktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proteste und Polizeieinsatz bei der Vorbereitung zu Abrissarbeiten im Januar 2021

Seit 2020 lässt der Tagebaubetreiber RWE in Lützerath roden und Häuser abreißen. Im Rahmen der Proteste von Braunkohlegegnern und Klimaschützern wurde eine Mahnwache installiert, Dorfspaziergänge und Demonstrationen veranstaltet und es kam wiederholt zu Hausbesetzungen.[5]

Im April 2021 kündigte Landwirt Eckhard Heukamp, der seinen Wohnsitz in Lützerath hat, an, die Inanspruchnahme seines Eigentums anzufechten. Vor dem Verwaltungsgericht Aachen wurde Widerspruch gegen einen „Grundabtretungsbeschluss“ eingelegt. Heukamps Anwalt sieht die Enteignung, unter anderem mit Bezug auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus 2013, als rechtswidrig an, denn die Braunkohleplanung der 1990er Jahre entspreche nicht mehr den Maßgaben neuerer Gesetze zum Klimaschutz und Kohleausstieg. Die RWE Power AG will den Ausgang einer Klage allerdings nicht abwarten und hat eine „vorzeitige Besitzeinweisung“ zum 1. November 2021 bei der bergbaurechtlich zuständigen Bezirksregierung Arnsberg beantragt,[6] welche jedoch nach dem Garzweiler-Urteil des Bundesverfassungsgerichts nicht zulässig ist.[7] Eine Entscheidung aus Arnsberg steht noch aus. Auf dem Grundstück des Landwirts war bereits 2020 ein Protestcamp eingerichtet worden, das unter anderem die vorzeitige Inbesitznahme durch RWE im Herbst 2021 erschweren soll. Dafür hat sich das Bündnis Lützerath lebt[8] aus lokalen und deutschlandweiten Bewegungen gebildet, in dem unter anderem Ende Gelände und Alle Dörfer bleiben beteiligt sind. Unterstützung erhielt die Bewegung vor Ort 2021 durch den Besuch internationaler Klimaaktivistinnen wie Greta Thunberg, Luisa Neubauer und Vanessa Nakate.

Verschiedenes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lützerath gehörte jahrhundertelang zur Gemeinde und Pfarre Immerath. Seine Postleitzahl war bis 1993 die 5141, anschließend 41812.[9]

Baudenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lützerath – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fortschreibung Bevölkerungstand am 31.12.2020. (PDF; 235 kB) In: Internetseite der Stadt Erkelenz. Abgerufen am 24. Februar 2021.
  2. Das Ortsbild ist in dieser Aufnahme noch intakt, Häuser und Bäume wurden bis dahin noch nicht entfernt.
  3. Der Hausbesuch: Der letzte Kämpfer. In: taz.de. taz Verlags u. Vertriebs GmbH, abgerufen am 14. April 2021.
  4. Lea de Gregorio: Der letzte Kämpfer, in: taz, 24./25. Oktober 2020, S. 23.
  5. Christos Pasvantis: Proteste in Lützerath: Polizei rechtfertigt Vorgehen am Tagebaurand. 18. November 2020, abgerufen am 5. Januar 2021.
  6. Gegen Enteignung - Landwirt klagt gegen den drohenden Verlust seines Grundstücks für einen Tagebau. In: www.neues-deutschland.de. Neues Deutschland Druckerei und Verlag GmbH, abgerufen am 23. Mai 2021.
  7. https://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2013/bvg13-076.html
  8. Lützerath Lebt. Abgerufen am 15. September 2021 (deutsch).
  9. GOV :: Lützerath. Abgerufen am 3. November 2017.