Kuckum

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51.0830555555566.390833333333378Koordinaten: 51° 4′ 59″ N, 6° 23′ 27″ O

Kuckum
Stadt Erkelenz
Höhe: 78 m
Einwohner: 465 (31. Dez. 2014)
Postleitzahl: 41812
Vorwahl: 02164
Karte

Lage von Kuckum im Rheinischen Braunkohlerevier

Ortseingangsschilder Kuckum

Kuckum ist eine ländliche Ortschaft im nordrhein-westfälischen Kreis Heinsberg und seit 1972 ein Ortsteil der Stadt Erkelenz. Das Dorf liegt im zukünftigen Abbaugebiet des Braunkohletagebaues Garzweiler II und soll daher in der Zukunft umgesiedelt werden.

Geographie[Bearbeiten]

Die Niers kurz hinter ihrer Quelle

Bei Kuckum befindet sich das Quellgebiet der Niers. Der Ort liegt am nördlichen Talrand der Niers in einer Höhe von 76-78 m über NN, das Gelände fällt im Süden leicht zur Niers ab, im Norden steigt es bis zu 84 m über NN an.

Lage[Bearbeiten]

Kuckum liegt östlich von Erkelenz. Im Nordosten liegt Wanlo (Stadt Mönchengladbach), im Osten Keyenberg, im Süden Oberwestrich und Unterwestrich, im Westen Kaulhausen, im Nordwesten Venrath.

Gewässer (Die Niers und ihre Quelle)[Bearbeiten]

„Die Niers entspringt in Kuckum bei Wanlo in einem Ziegenstall.“ So lernten es die Kinder noch in den 30er und 50er Jahren in der Schule. Tatsächlich liegt der Nullpunkt der Niers in Kuckum.

In verschiedenen Büchern findet man Hinweise auf weitere Quellen und Zuflüsse der Niers. So schreibt Norbert Banritzer in der von der Stadt Erkelenz herausgegebenen Dokumentation „Kulturlandschaft Erkelenzer Börde. Gestaltete Heimat“: „Die Niers besaß in den Weihern des Zourshofes und im Talgraben zwischen Unterweststrich und Kuckum zahlreiche Quellen. Am bekanntesten war der ‚Klocken Sprung'... Neben den Quellen versorgte u.a. auch die Köhm die Niers mit Wasser.“

Der römische „Niers-Stein“

Das älteste Schriftzeugnis, welches die Niers erstmals erwähnt, stammt aus der Römerzeit. Es handelt sich hierbei um den sogenannten Matronenstein, der auf das 1. - 4. Jahrh. n. Chr. datiert wird. Er ist den Niersmatronen geweiht und trägt folgende Aufschrift:

MATRONIS
VATUIABUS
NERSIHENIS
PRIMINIA
JUSTINA
PRO SE ET SUIS
EX IMPERIO IPSARUM LM

Bedeutung: ‚Den Nersihener Vatuvischen Matronen hat auf deren Geheiß Priminia Justina dies Denkmal für sich und die Ihren hinterlassen'. Die Bezeichnung ‚Nersihener' wird von ‚Niers' abgeleitet.(ebd., 9; vgl. auch Niersverband 2002, 4f.).

Aus dieser ersten urkundlichen Erwähnung der Niers wird 855 n. Chr. zunächst NERSE, später NIERS. Der Stein gehört heute zum Fundus des Rheinischen Landesmuseums Bonn.

  • Mehr Informationen über die Niers

Siedlungsform[Bearbeiten]

Kuckum entwickelte sich als Straßendorf im Norden, parallel der nahen Niers.

Geschichte[Bearbeiten]

Mairie de Kuckum, 1806

1385 gehörte Kuckum zum Dingstuhl Wanlo im Amt Kaster des Herzogtums Jülich. Diese Zugehörigkeit blieb bis 1794 bestehen.

Am 23. April 1758 zerstörte eine Feuersbrunst fast den gesamten Ort.

Unter der französischen Herrschaft von 1794 bis 1814 wurde die Mairie Kuckum im Kanton Erkelenz errichtet. Sie bestand aus den Orten Berverath, Borschemich, Kaulhausen, Keyenberg, Kuckum, Venrath und Westrich.

Kuckum gelangte 1815 zum Königreich Preußen. Die ehemalige Mairie Kuckum wurde aufgehoben. Die bisherigen Orte dieser Mairie wurden in die neu gebildete Bürgermeisterei Keyenberg im Landkreis Erkelenz eingegliedert - aber ohne Kuckum. Das Dorf kam zur Bürgermeisterei Wanlo im Landkreis Grevenbroich. Im Jahre 1934 wurden Kuckum und Wanlo in die Gemeinde Wickrath eingemeindet.

Am 1. Januar 1972 wurde Kuckum aus der Gemeinde Wickrath aus- und in die Stadt Erkelenz eingegliedert.[1]

Der Ortsnamen[Bearbeiten]

Verschiedene Schreibweisen des Ortsnamens liegen vor. 1300 Kucheym, 1398 Kocheim, 1456 Kuckhem, 1470 Koukkum, 1474 Kockem und schließlich 1535 Kuckum. Der Ortsname besteht aus dem Wort Kuch- oder Kuck und dem Grundwort -heim. Das Beiwort leitet sich von dem althochdeutschen Personennamen Gug oder Gugo ab. Die -heim Ortsnamen stammen aus der ältesten fränkischen Landnahmezeit. Orte aus dieser Periode wurden schon im 6. Jahrhundert gegründet. Kuckum bedeutet Heim des Gugo.

Die Kuckumer Windmühle[Bearbeiten]

Die Windmühle lag an der Straßenkreuzung Kuckum-Venrath Lützerath-Venrath. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde sie errichtet und 1901 abgebrochen.

Religion[Bearbeiten]

Die Bevölkerung ist mehrheitlich katholisch. Kuckum gehörte bis 1923 zur Pfarre Wanlo. 1535 wurde erstmals eine Kapelle erwähnt. Standort war ein kleiner Platz auf der Dorfstraße an der Einmündung des Westricher Weges. 1794, noch vor dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen, wurde sie neu erbaut.

Um eine größere Kirche zu erstellen, wurde 1888 ein Kapellenbauverein gegründet. Die Kapelle wurde abgerissen und an gleicher Stelle eine neugotische Kirche erbaut. 1890 wurde der Grundstein gelegt, die Kirche wurde 1891 schon benutzt und am 16. Mai 1893 geweiht. Am 10. Juli 1921 bekam Kuckum einen eigenen Pfarrrektor. Am 7. März 1923 wurde Kuckum zur Kapellengemeinde mit eigener Vermögensverwaltung erhoben. Seit dem 1. Januar 2010 wurde die Kapellengemeinde mit weiteren Pfarrgemeinden zur Pfarrgemeinde St. Maria und Elisabeth Erkelenz fusioniert.

Die Kirche ist wie ihr Vorgängerbau, die Kapelle dem Heiligen Kreuz geweiht.

1925 wurde ein Friedhof eingeweiht, bis dahin wurde der Friedhof in Wanlo benutzt.

Die evangelischen Einwohner gehören zur Kirchengemeinde Wickrathberg.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeit[Bearbeiten]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Schützen- und Heimatfest
  • Das Oktoberfest im Doppelfestzelt hat einen legendären Ruf.

Vereine[Bearbeiten]

  • Bürgerinitiative STOP - RHEINBRAUN e.V.
  • SV Niersquelle Kuckum 1927
  • St. Antonius-Schützenbruderschaft Kuckum 1909
  • Angelfreunde Kuckum e.V.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Egidius Post (* 25. Juli 1891 in Köln, † 20. März 1965 in Wickrath) war über 40 Jahre Lehrer an der einklassigen Volksschule. Er war Ortsvorsteher von Kuckum und der erste Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg. Am 18. Dezember 1957 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. In Kuckum ist eine Straße nach ihm benannt.
  • Dr. med. Heinrich Heinrichs (* 6. April 1865 in Kuckum, † 18. Januar 1948 in Kuckum) ließ sich 1897 in seinem Geburtsort als Landarzt nieder. In Kuckum ist eine Straße nach ihm benannt.
  • Wilhelm Ohlert (* 30. August 188x in Engelgau / Kreis Schleiden, † 22. Juni 1967 in Wickrath) war von 1923 bis 1963 Pfarrer in Kuckum gewesen. In Kuckum ist eine Straße nach ihm benannt.
  • Helmut Clever bekam 2004 als zweiter Kuckumer das Bundesverdienstkreuz für sein Engagement und seine Leistungen im Vereinsleben. Helmut Clever ist Ehrenvorsitzender des SV Niersquelle Kuckum. Der Kuckumer Fußballplatz trägt den Namen „Helmut-Clever-Stadion“.

Kurioses: Känguru-Alarm in Kuckum![Bearbeiten]

Im Sommerloch 1998 erlangte Kuckum bundesweite Berühmtheit. Im August 1998 gelang es dem Rotnackenwallaby „Manni“, aus seinem Gehege im Bad Pyrmonter Tierpark zu entwischen. Manni war phänomenal. Das Beuteltier schaffte es in den folgenden Tagen, zeitgleich in Bad Pyrmont und im rheinischen Erkelenz gesehen zu werden, außerdem in Chemnitz. Schließlich wurde Manni in einem Feld bei Kuckum von seinen Verfolgern gestellt.

Ein Auszug: „Das entsprungene Känguru ist noch immer unterwegs. Seine Verfolger, darunter Willi Krings "Tierretter aus Heinsberg" mit einem Narkose-Gewehr, vermuteten das Känguru am Montagmittag in einem Maisfeld in Erkelenz-Kuckum. Dort war es von Willi Krings zwar gesichtet worden, konnte aber nicht eingefangen werden, weil es am Abend zuvor von einigen Laien gejagt wurde. Willi Krings gelang es jedoch einige Tage später mit einem gezielten Schuss mit Narkosegewehr, das Tier zu sedieren.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- u. Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen u. Reg.-Bez. vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 307.

Literatur[Bearbeiten]

  • Karl L. Mackes, Erkelenzer Börde und Niersquellgebiet, Schriftenreihe der Stadt Erkelenz Nr.6, Mönchengladbach 1985
  • Josef Schophoven, Doktor, Lehrer, Pfarrer. Drei Persönlichkeiten prägten Kuckum für viele Jahrzehnte, In: Aus der Geschichte des Erkelenzer Landes, Erkelenz 1992

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kuckum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien