Keyenberg

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Keyenberg
Stadt Erkelenz
Koordinaten: 51° 5′ 0″ N, 6° 24′ 43″ O
Höhe: 73 m
Fläche: 6,34 km²
Einwohner: 830 (31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 131 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Postleitzahl: 41812
Vorwahl: 02164
Karte
Lage von Keyenberg im Rheinischen Braunkohlerevier
Keyemberg und Nachbarorte auf der Tranchotkarte um 1806

Keyenberg ist ein ländlich geprägter Stadtteil von Erkelenz im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen. In den kommenden Jahren (bis spätestens 2025)[2]Vorlage:Zukunft/In 5 Jahren soll das Dorf dem Tagebau Garzweiler der RWE Power AG weichen und muss daher umgesiedelt werden.

Ortseinfahrt Keyenberg

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keyenberg liegt am Rande der Erkelenzer Börde im Quellgebiet der Niers.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keyenberg 1806

An Keyenberg grenzt im Norden Mönchengladbach-Wanlo, im Osten Alt-Borschemich, im Süden Lützerath und Holzweiler, sowie im Westen Westrich und Kuckum.

Gewässer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Untergrund liegen Braunkohleflöze aus dem Tertiär.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 893 wurde der Ort erstmals urkundlich als cheyenburghc erwähnt. Damals befand sich ein befestigter Herrenhof im Besitz der Abtei Prüm, hinzu kamen die Kirche und zehn kleinere Höfe. Jener Herrenhof lag nicht auf einem Berg, sondern in der Niersniederung. 1381 wurde er Keyenberch genannt.

Im Dorf existierten im Mittelalter zwei Rittersitze; Haus Keyenberg und Haus Patteren, die letztere Burg wurde 1642 zerstört.

Spätestens seit dem 14. Jahrhundert gehörte Keyenberg zum Herzogtum Jülich. Von 1398 bis 1554 bildete der Dingstuhl Keyenberg mit Berverath und Westrich ein eigenes Gericht, dann wurde es dem Gericht Wanlo zugeschlagen. Wanlo wiederum lag im jülischen Amt Kaster.

Im Achtzigjährigen Krieg hatte das Dorf in den Jahren 1585 und 1586 unter dem Einfall spanischer Truppen zu leiden. Im März des Jahres 1642 zerstörten hessische Truppen im Dreißigjährigen Krieg mehrere Häuser, darunter den Rittersitz Patteren.

Unter der französischen Herrschaft von 1794 bis 1814 gehörte Keyenberg zur Mairie Kuckum im Kanton Erkelenz.

1815 gelangte Keyenberg zu Preußen. Die ehemalige Mairie Kuckum wurde zur Bürgermeisterei Keyenberg im Landkreis Erkelenz, aber ohne den Ort Kuckum, das zur Bürgermeisterei Wanlo kam. Die neue Bürgermeisterei Keyenberg bestand aus den Orten Berverath, Borschemich, Kaulhausen, Keyenberg, Venrath und Westrich.

1848 wurde die Bürgermeisterei in die drei Spezialgemeinden Keyenberg, Borschemich und Venrath aufgeteilt. Zu Keyenberg gehörten Berverath und Westrich, zu Venrath Kaulhausen. Die Bürgermeisterei blieb aber weiterhin bestehen.

Am 27. Februar 1945 nahmen während der Operation Grenade amerikanischen Soldaten des 175. Regiments der 29. US-Infanterie Division das Dorf ein.

1938 wurden die Bürgermeistereien Keyenberg und Immerath zum neuen Amt Holzweiler zusammengelegt. Am 1. Januar 1972 wurde das Amt aufgelöst und seine Gemeinden Teil der Stadt Erkelenz.[3]

Schulgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1606 wird in Keyenberg eine Schule erwähnt. Zunächst diente das Küsterhaus als Schule. 1717 wurde aber neben dem Pfarrhaus ein neues Schulgebäude errichtet, das gut hundert Jahre diesen Zweck erfüllte. 1814 waren außerhalb der Erntezeiten 86 Kinder schulpflichtig und zahlten dem Lehrer je 4 1/2 Stüber Schulgeld. 1828 wurde auf amtliche Anordnung westlich der Kirche ein neues Schulgebäude errichtet und etwas später eine Lehrerwohnung angegliedert. Schon 1849 war ein größeres Gebäude mit zwei Schulsälen notwendig geworden, dem 1875 ein dritter Schulsaal und eine zweite Lehrerwohnung angefügt wurde. 1963 zog die katholische Volksschule in ein neues Gebäude an der Lindenallee und wurde 1969 zur Gemeinschaftsgrundschule umgewandelt. Diese wird und auch von den Kindern der Nachbarorte besucht.[4]

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Keyenberg hat die älteste Kirche im Erkelenzer Land. 893 war sie Eigenkirche der Abtei Prüm. Im 13. Jahrhundert gelangte die Kirche vermutlich vorübergehend an das Haus Wickrath. 1289 wurde erstmals das Kölner Stift St. Maria im Kapitol als Patronatsherr erwähnt, bis 1794 verblieb die Keyenberger Kirche in dessen Besitz. Um 1720 entstand durch den damaligen Pfarrer die Legende, dass die Kirche in Keyenberg durch die Heilige Plektrudis errichtet worden sei. Die Reformation hatte anders als in Otzenrath, in Keyenberg und Borschemich nicht Fuß fassen können. Im 18. Jahrhundert feierten die katholischen Keyenberger jeden Übertritt eines evangelischen Erwachsenen mit Böllerschüssen. Bis 1804 gehörte der Nachbarort Borschemich als Filialkirche zu Keyenberg, bevor dieser dann selbstständige Pfarrgemeinde wurde. Am 1. Januar 2010 wurde die Kirchengemeinde mit zehn anderen Kirchengemeinden zur Pfarrgemeinde St. Maria und Elisabeth Erkelenz zusammengeschlossen. Die Mehrheit der Bevölkerung ist heute katholisch. Die evangelischen Einwohner gehören zur Gemeinde Wickrathberg.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerzahlen der Ortschaft Keyenberg seit 1746:[5][6]

Jahr 1767 1818 1871 1895 1961 1970 2008 2009 2010 2014 2016
Ew 334 558 599 585 723 802 882 881 872 826 830

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick auf Haus Keyenberg durch den Torbogen der Vorburg

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der erste Kirchenbau war eine spätkarolingische Saalkirche. Im Laufe der Jahrhunderte erlebte der Bau verschiedene Um- und Neubauten. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1912 mit einem neugotischen Chor von 1868. Eine romanische Inschrifttafel aus den Jahren 1089–1099 ist erhalten. Das Bild im Turmeingang wurde von dem Wanloer Maler Gustav Kaspers gemalt und ist noch erhalten.
  • Haus Keyenberg, eine ehemalige Wasserburg mit fünfseitiger Vorburg und einem erneuerten zweiflügligen Herrenhaus.
  • Die Keyenberger Motte war im frühen Mittelalter eine befestigte fränkische Bauernsiedlung.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • TUS Keyenberg
  • Schützenbruderschaft „St. Sebastianus“
  • Musikverein „St. Josephs“ Keyenberg
  • Keyenberger Karnevalsgesellschaft Grubenrand Piraten e. V.

Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katholischer Kindergarten Keyenberg
  • Gemeinschaftsgrundschule Keyenberg
  • Freiwillige Feuerwehr Erkelenz - Löschgruppe Keyenberg

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straße[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nächste Autobahnanschlussstelle befindet sich bei MG-Wanlo an der A 61.

Bahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Jüchen-Hochneukirch befindet sich der nächstgelegene Bahnhof an der Bahnstrecke Mönchengladbach–Köln. Dieser wird von Regionalzügen im Berufsverkehr im Halbstundentakt und in der Nebenverkehrszeit im Stundentakt angefahren.

Bus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Buslinien EK 1 (Erkelenz–Kaulhausen–Keyenberg) und EK 3 (Erkelenz–Holzweiler–Keyenberg) fahren Keyenberg montags bis freitags an. Am Wochenende kann der MultiBus im Bedarfsverkehr genutzt werden.

Linie Verlauf
EK1 Erkelenz Bf – Terheeg – Venrath – Kuckum – Keyenberg – Holzweiler – Immerath – Erkelenz Bf
EK3 Erkelenz Bf – Immerath – Holzweiler – Keyenberg – Kuckum – Venrath – Terheeg – Erkelenz Bf

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Matthias Claessen (* 1677 in Keyenberg; † 1734) war 34 Jahre lang Pfarrer in Keyenberg und Verfasser der örtlichen Plektrudis-Legende.
  • Wilhelm Corsten (* 20. Juli 1890 in Keyenberg; † 3. März 1970 in Köln), Dr. theol., von 1921 bis 1934 Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär des Kölner Erzbischofs Karl Joseph Schulte, ab 1941 Kölner Domkapitular und Päpstlicher Hausprälat.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl L. Mackes: Erkelenzer Börde und Niersquellgebiet. (= Schriftenreihe der Stadt Erkelenz Nr. 6). Mönchengladbach 1985.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Fortschreibung Bevölkerungstand am 31.12.2016 (PDF). In: Internetseite der Stadt Erkelenz. Abgerufen am 25. Januar 2017.
  2. http://www.rp-online.de/nrw/staedte/erkelenz/ein-dorf-verschwindet-aid-1.3967128
  3. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 307.
  4. K. L. Mackes: Erkelenzer Börde und Niersquellgebiet. 1985, S. 439 ff.
  5. K. L. Mackes: Erkelenzer Börde und Niersquellgebiet. 1985, S. 145.
  6. erkelenz.de

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Erkelenz#Keyenberg Kuckum – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien