Langenseifen

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Langenseifen
Koordinaten: 50° 7′ 13″ N, 8° 0′ 34″ O
Höhe: 421 m ü. NHN
Fläche: 7,57 km²[1]
Einwohner: 498 (30. Jun. 2017)[2]
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner/km²
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65307
Vorwahl: 06124
Rathaus in der Ortsmitte

Langenseifen ist der westlichste Stadtteil der Stadt Bad Schwalbach im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langenseifen liegt westlich von Bad Schwalbach auf einem Höhenrücken, der zum Westlichen Aartaunus gehört, jedoch weit nach Westen abzweigt und hoch über die Täler des Dornbachs im Norden und des Fischbachs im Süden aufragt, die schon zum Wispertaunus gezählt werden.[3]

Langenseifen ist umgeben von ausgedehnten landwirtschaftlichen Flächen, die von teilweise steil abfallenden bewaldeten Talhängen umrahmt sind.[4]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Langenseifen erfolgte unter dem Namen Langensiven um das Jahr 1270.[1] Langenseifen wird im Jahr 1270 als Langensiven erstmals urkundlich erwähnt.

Es war eines der 15 überhöhischen Dörfer, die nach einer Grenzbeschreibung des Rheingauer Weistum von 1324[5] zum Kurmainzischen Territorium gehörten und außerhalb des Rheingauer Gebücks lagen. Der Mittelpunkt der überhöhischen Dörfer war Bärstadt.

Zur Zeit des Herzogtums Nassau gehörte Michelbach zum Amt Langen-Schwalbach. Nach der Annexion durch Preußen wurde es 1867 dem Untertaunuskreis im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Seit dem 31. Dezember 1971 ist die bis dahin selbständige Gemeinde Langenseifen nach einer freiwilligen Eingemeindung im Zuge der Gebietsreform in Hessen ein Stadtteil von Bad Schwalbach.[6] Wie für jeden Stadtteil außerhalb der Kernstadt wurde durch die Hauptsatzung auch für Langenseifen ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[7]

Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Langenseifen lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][8]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einwohnerstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Langenseifen 465 Einwohner. Darunter waren 15 (3,2 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 69 Einwohner unter 18 Jahren, 195 zwischen 18 und 49, 108 zwischen 50 und 64 und 93 Einwohner waren älter.[9] Die Einwohner lebten in 198 Haushalten. Davon waren 48 Singlehaushalte, 75 Paare ohne Kinder und 57 Paare mit Kindern, sowie 15 Alleinerziehende und 3 Wohngemeinschaften. In 42 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 132 Haushaltungen lebten keine Senioren/-innen.[9]

Einwohnerzahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langenseifen: Einwohnerzahlen von 1809 bis 2017
Jahr  Einwohner
1809
  
213
1827
  
243
1834
  
233
1840
  
268
1846
  
279
1852
  
285
1858
  
256
1864
  
265
1871
  
258
1875
  
257
1885
  
239
1895
  
210
1905
  
221
1910
  
205
1925
  
195
1939
  
199
1946
  
294
1950
  
278
1956
  
243
1961
  
244
1967
  
284
1970
  
289
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2005
  
498
2011
  
465
2015
  
393
2017
  
398
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: LAGIS[1]; Stadt Bad Schwalbach[10]; Zensus 2011[9]

Religionszugehörigkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quelle: Historisches Ortslexikon[1]
• 1885: 236 evangelische (= 98,74 %), 3 katholische (= 1,26 %) Einwohner[1]
• 1961: 194 evangelische (= 79,51 %), 48 katholische (= 19,67 %) Einwohner[1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ortsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ortsbild wird von folgenden historischen Gebäuden geprägt: der 1822 am westlichen Ortsausgang erbauten Schule (heute Heimatmuseum), dem Brunnenhaus von 1832 und dem 1839 in der Ortsmitte errichteten Rathaus.[11]

Kapelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kapelle Langenseifen

Seit 2012 steht die Evangelische Feldkapelle oberhalb des Ortes. Der einzigartige Kuppelbau aus natürlichem Lärchenholz bietet Platz für 60 Besucher.[12][13]

Ab 2005 wurden Ideen für den ersten Kirchenbau Langenseifens entwickelt. Als erster Schritt sollte ein Altar auf dem freien Feld errichtet werden. Der Bildhauer Holger Walter stellte eine 3,92 m hohe natürliche Basaltlava-Säule auf.[14] 2007 reiste eine Besuchergruppe aus Island eigens nach Langenseifen, um den „Altar auf dem Feld“ zu besichtigen.[15]

Anschließend entwarf Architektin Barbara Schmid die Kapelle, die um die bestehende Skulptur herum gebaut wurde. Die Skulptur steht nun im Gottesdienstraum und kann als Altar genutzt werden. Der ansonsten fensterlose Raum erhält nur durch ein rundes Glasfenster direkt über dem Altar natürliches Licht. Er besitzt eine charakteristische Atmosphäre und wird für verschiedene Veranstaltungen genutzt.[16]

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Vereinsleben gehören der Männergesangverein Liederkranz 1896, die Freiwillige Feuerwehr 1934, der Sportverein 1963, der Heimatverein „Bei uns deham“ und ein Seniorenclub.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langenseifen bietet sich Naturinteressierten als Ausgangspunkt für Wanderungen durch den Hinterlandswald im Wispertaunus an. Der Wispertaunus ist einer der waldreichsten Teile des Taunus und wurde zu großen Teilen als FFH-Gebiet ausgewiesen. Zudem ist die ganze Region Teil des Naturpark Rhein-Taunus, der den Menschen eine naturnahe Erholung ermöglichen will.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Langenseifen liegt an der L 3374, die in Ost-West-Richtung die kürzeste Verbindung von Bad Schwalbach zum Wispertal nach Geroldstein und Lorch darstellt. Drei Kilometer östlich von Langenseifen hat die Landstraße Anschluss an die Bundesstraße 260, über die man nach Süden Wiesbaden und das Rhein-Main-Gebiet erreichen kann.[4]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hanns Sinzig (1901–1992), 1948–1966 Landrat des Kreises Altenkirchen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Langenseifen, Rheingau-Taunus-Kreis. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 16. Oktober 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Vorbericht Haushalt 2018, Statistische Angaben. Einwohner inklusive Nebenwohnsitzen. In: Webauftritt. Stadt Bad Schwalbach, abgerufen im Oktober 2021.
  3. Westlicher Aartaunus, Zorner Hochfläche, Katzenelnbogener Hochfläche, Nastätter Mulde und Unterlahnhöhen
  4. a b Topografische Karte 1:25.000
  5. vgl. Hinterlandswald
  6. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart/Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  7. Hauptsatzung. (PDF; 85 kB) § 6. In: Webauftritt. Stadt Bad Schwalbach, abgerufen im Februar 2019.
  8. Michael Rademacher: Land Hessen. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: treemagic.org.
  9. a b c Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1,8 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt, S. 42 und 96;.
  10. Einwohnerzahlen der Stadt Bad Schwalbach unter 9. Statistische Angabe 2004–20014, 2007–20017 im Webarchiv.
  11. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Lorcher Straße 34: Rathaus In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  12. Kunst-Kapellen-Projekt
  13. Kapelle Kirchengemeinde
  14. Obo: Am Anfang steht der Altarstein. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. September 2005, Nr. 211, S. 70.
  15. Thorsten Stötzer: Altarstein beeindruckt Isländer. In: Wiesbadener Tagblatt, 21. November 2007
  16. Wie ein kleiner Dom. In: FAZ vom 4. Juni 2012, S. 37