Adolfseck

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Adolfseck
Wappen der ehemaligen Gemeinde Adolfseck
Koordinaten: 50° 9′ 34″ N, 8° 4′ 46″ O
Höhe: 280 m ü. NHN
Einwohner: 237 (1970)
Eingemeindung: 31. Dezember 1971
Postleitzahl: 65307
Vorwahl: 06124

Adolfseck ist ein Stadtteil der Stadt Bad Schwalbach im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis. Nach der Einwohnerzahl ist er der kleinste Stadtteil.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolfseck mit gestauter ehemaliger Fluss-Schlinge (links) und Wasserfall (rechts) in einem Stich von Merian

Die frühere Burg und der Ortskern von Adolfseck liegen nördlich der Kernstadt Bad Schwalbach, im westlichen Hintertaunus, auf einem künstlichen Umlaufberg der Aar die diesen Berg ursprünglich in einer Flussschlinge von Süden, Osten und Norden umflossen hat. Schon seit dem Jahr 1355 im Spätmittelalter fließt aber die Aar westlich von Adolfseck durch einen künstlichen Durchbruch, dessen Gefälle zum Betrieb einer Mühle diente. Dazu wurde hinter dem Mühlendamm ein Weiher aufgestaut, der bis 1820 bestand. Seine feinklastischen Sedimente konnten im Jahr 2007 mittels Bohrungen noch eindeutig nachgewiesen werden.[1] Heute ist die Aar an dieser Stelle auf einer Länge von etwa 60 Meter unterirdisch kanalisiert, und mittels einer Turbine wird an einem Wehr elektrische Energie erzeugt.[2] Mithin kann die Lage des Ortskerns weder dem Ostufer noch dem Westufer der Aar eindeutig zugeordnet werden.[3] Der mit dem Durchbruch entstandene größte Wasserfall im Taunus ist durch den Wasserentzug nur bei hohem Wasserstand der Aar zu betrachten.

Die Gemarkung von Adolfseck liegt weit überwiegend östlich der Aar, ganz im Unterschied zu den anderen Bad Schwalbacher Stadtteilen. Nur etwa 20 Hektar liegen brückenkopfartig am Westufer.[4] Auf der Gemarkung befindet sich auch die Wüstung Rensfelden (50° 9′ 55,7″ N, 8° 4′ 39,7″ O)[5] sowie die Franzensberger Mühle (50° 10′ 10,3″ N, 8° 4′ 23,5″ O).

Bei Adolfseck beginnt die reizvollste Strecke des Aartals. Bis Michelbach ist es eng, zum Teil schluchtartig in den Taunus eingeschnitten, dabei stark gewunden, sehr waldreich und wenig besiedelt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Adolfseck als Adolfsekke in einem Lehensbrief des Mainzer Erzbischofs Gerlach von Nassau zu Gunsten seines Bruders, vom 18. Februar 1356. Darin wird erwähnt, dass Graf Adolf I. von Nassau gerade im Begriff sei, die Burg Adolfseck zu bauen und dass er dieselbe von dem Erzbischof zu Lehen erhalte.[6] Der Ort gehörte dadurch, dass sein Gebiet weitgehend östlich der Aar gelegen war, zur Grafschaft Nassau. Westlich der Aar begann die Grafschaft Katzenelnbogen.

Um die Burg siedelten sich bald die Bewohner des nahe gelegenen Ortes Rensfelden an. Bis zum Dreißigjährigen Krieg war der Beruf der Wollenweber in Adolfseck sehr stark vertreten, begünstigt durch die Walkmühlen an der Aar.

Im Jahr 1363 wurde der Name Adolfiseyke nachgewiesen. Im Jahr 1367 erhielt Adolfseck durch Kaiser Karl IV. zugleich mit Steckenroth und Heftrich das Frankfurter Stadtrecht.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Adolfseck durch Kurmainz zerstört. Von den seinerzeitigen Kämpfen zeugt heute noch die Schanze Adolfseck.

Zur Zeit des Herzogtums Nassau gehörte Adolfseck zum Amt Langen-Schwalbach. Nach der Annexion durch Preußen wurde es 1867 dem Untertaunuskreis im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Anlässlich der Gebietsreform in Hessen wurde die Gemeinde Adolfseck am 31. Dezember 1971 zusammen mit fünf Nachbargemeinden auf freiwilliger Basis in die Stadt Bad Schwalbach eingegliedert.[7] Wie für jeden Stadtteil außerhalb der Kernstadt wurde durch die Hauptsatzung auch für Adolfseck ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 14. Juni 1967 wurde der Gemeinde Adolfseck im damaligen Untertaunuskreis, Regierungsbezirk Wiesbaden, ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: In blauem, mit goldenen Schindeln bestreutem Feld ein sitzender rotgekrönter, -bezungter und -bewehrter goldener Löwe.[8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Aar-Wasserfall im Ortszentrum; links das Druckrohr des Wasserkraftwerks

500 Meter nördlich von Adolfseck quert der Obergermanisch-Raetische Limes das Aartal. Zur Grenzsicherung war am Ostufer im Tal das Kleinkastell Adolfseck erbaut worden, von dem jedoch keine sichtbaren Spuren erhalten sind.[4][9]

Von der Burg sind nur Reste von Mauern und eines Brunnens erhalten. Die einstige Valentinskapelle steht heute unter Denkmalschutz[10] und wird von der evangelischen Kirchengemeinde als Kirche genutzt wird.

Der Aar-Wasserfall liegt durch die hydroelektrische Nutzung meist trocken, ist aber bei hohem Wasserstand sehenswert. Ähnlich entstandene Wasserfälle gibt es noch in Sommerau (Hunsrück), am Elzbach bei Burg Pyrmont (Eifel) und in Coo (Belgien). Die Dammmühle an der Stelle des Damms, der die Aar zum Burgweiher staute, wurde erstmals 1710 erwähnt und steht heute unter Denkmalschutz.[11]

Außerdem sind die 1912 erbaute ehemalige Volksschule[12] und die Gesamtanlage Taunusstraße[13] Kulturdenkmäler nach dem Hessischen Denkmalschutzgesetz.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolfseck ist wie die ganze Region Teil des Naturpark Rhein-Taunus, der den Menschen eine naturnahe Erholung ermöglichen will. Das landschaftlich reizvolle Aartal und Kurstadt Bad Schwalbach laden zu Ausflügen ein.

Durch den Ort führt der Deutsche Limes-Radweg. Dieser folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Adolfseck liegt an der Bundesstraße 54, die als Aarstraße von Diez an der Lahn bis Taunusstein im Aartal verläuft. Auf diese Weise liegt Adolfseck verkehrsgünstig in der Nähe der Kreisstadt Bad Schwalbach. Wiesbaden und das Rhein-Main-Gebiet sind schnell zu erreichen.[3] Adolfseck verfügte früher über einen Haltepunkt an der Aartalbahn, die den Umlaufberg im 150 m langen Adolfsecker Tunnel durchsticht. Das denkmalgeschützte Südportal ist mit Bruchsteinen verkleidet und hat eine gequaderte Bogenöffnung.[14]

Die Rheingau-Taunus-Verkehrsgesellschaft (RTV) ist die lokale Nahverkehrsgesellschaft des Rheingau-Taunus-Kreis. Sie ist Gesellschafterin des Rhein-Main-Verkehrsverbundes.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Adolfseck – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. C. Stolz, J. Grunert: Floodplain sediments of some streams in the Taunus and Westerwald MTs., Western Germany, as evidence of historical land use. Zeitschrift für Geomorphologie, 52, p. 349–373.
  2. Wiesbadener Tagblatt vom 24. September 2004: Aarschleife steht vor ihrer Reaktivierung. Bürger sind trotz Vorteile noch skeptisch. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung wurden erstmals die Planungen zur Reaktivierung der Aarschleife bei Adolfseck den Bürgern des Bad Schwalbacher Stadtteils vorgestellt.
  3. a b Topografische Karte 1:25.000
  4. a b Hessisches Landesvermessungsamt: Kreiskarte 1:50.000 Wiesbaden Rheingaukreis Untertaunuskreis, Ausgabe 1969
  5. „Rensfelden, Rheingau-Taunus-Kreis“. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  6. Adolfseck bei www.dilibri.de (PDF-Datei 2,4 MB)
  7. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 377.
  8. Der Hessische Minister des Inneren: Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Adolfseck, Landkreis Untertaunuskreis, Regierungsbezirk Wiesbaden vom 14. Juni 1967. In: Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1967 Nr. 27, S. 7798, Punkt 649 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 5,9 MB]).
  9. Deutsche Limesstraße: Limes bei Adolfseck@1@2Vorlage:Toter Link/www.limesstrasse.de (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiveni Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Evangelische Kapelle In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  11. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Ehemalige Damm-Mühle In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  12. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): ehemalige Volksschule In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  13. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Gesamtanlage Taunusstraße In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  14. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Adolfecker Tunnel In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen