Leckmittel

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Das Leckmittel, oder die Latwerge, ist eine Arzneiform, die besonders in der Medizin des Mittelalters Verwendung fand. Leckmittel enthalten als Arzneimischung in Form eines steifen Breis zur oralen Einnahme neben den verschiedenen Arzneidrogen stets Honig. Im Lateinischen war die Bezeichnung electuarium (von gr. ἐκλεικτόν ekleikton, „was aufgeleckt wird“) gebräuchlich, die aber auch für Honig enthaltende Zäpfchen und Salben verwendet wurde.[1][2] Der Honig wird hier als Konservierungsmittel eingesetzt.[3] Bisweilen haben Leckmittel, bestehend aus Pulvern und weichen oder flüssigen Komponenten (Sirup, Honig oder Mus), eine dem Mus ähnliche Konsistenz[4] – so wird auch Pflaumenmus als „Latwerge“ bezeichnet.[5]

Leckmittel finden sich unter anderem[6] bei Marcellus Empiricus (4.–5. Jahrhundert), im Lorscher Arzneibuch (um 795), im fünften Buch von Avicennas Kanon der Medizin (um 1030), im Antidotarium Nicolai (11. Jahrhundert), bei Hildegard von Bingen († 1179) und im Compendium aromatariorum des Saladin von Ascoli (15. Jahrhundert)[4][7] sowie bei dem durch Al-Kindi[8] beeinflussten Wundarzt Albert Birchtel (Ende des 15. Jahrhunderts).[9] In der Klosterheilkunde werden sie auch heute noch verwendet.[10]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Rudolph Weinberger: Latwerge / Electuarium. In: Arznei-Verordnungslehre und vollständiges Recept-Taschenbuch. Wien 1857, S. 70 (online).
  2. Latwerge im Wahrig Lexikon, Fremdwörterlexikon und Herkunftswörterbuch. In: wissen.de. Abgerufen am 10. Juni 2014.
  3. Peter Schantz: Weißdorn und Herzgespann. Medizinhistorische Untersuchungen zur europäischen Tradition dieser Arzneipflanzen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Kassel 2009. S. 46.
  4. a b Annette Geuther: Naturwissenschaftler in ihrer Zeit: Justus von Liebig (1803–1873) und Hildegard von Bingen (1098–1179). Gießen 2004, S. 31.
  5. Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854–1961, Eintrag Latwerge (Online).
  6. Thomas Sänger und Christian Tenner: Ein Beipackzettel zu einer Pestlatwerge aus dem 15. Jahrhundert. In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 2, 1984, S. 19–28.
  7. Bernward Notker Zorn: Wirkung und Anwendung von Hyssopus officinalis L. – eine medizinhistorische Studie. Würzburg 2012, S. 46.
  8. Alfred Siggel: Al-Kindī's Schrift über die zusammengesetzten Heilmittel. In: Sudhoffs Archiv 37, 1953, S. 389–393.
  9. Gerhard Eis: Albert Birchtels Traktat von den sechszehn Latwergen. In: Medizingeschichte in unserer Zeit. Festschrift Edith Heischkel-Artelt und Walter Artelt. Hrsg. von Hans-Heinz Eulner u. a., Stuttgart 1971, S. 111–117; auch in: Gerhard Eis: Medizinische Fachprose des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit. Amsterdam 1982 (= Amsterdamer Publikationen zur Sprache und Literatur, 48), S. 130–136.
  10. Bittere Medizin aus Wein und Honig. auf echo-online.de, 27. Juli 2010.