Stillen

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In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Zur Kulturgeschichte des Stillens leider nur zufällige Einzelfunde, was ein bisschen den Anschein erweckt, es habe hier nie eine Historie gegeben. Besser wäre ein eigener und vollständig ausgebauter Abschnitt zu diesem Thema. Dort müsste u. a. dargestellt werden, wie Autoren wie z. B. Luther Emmett Holt in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Idee popularisiert haben, dass Körperkontakt zwischen Mutter und Kind von Übel, und Flaschenfütterung dem Stillen folglich vorzuziehen sei.
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Internationales Symbol für das Stillen
Ein Säugling wird an der Mutterbrust gestillt.

Als Stillen oder Brusternährung wird die Ernährung des Säuglings und Kleinkinds an der Brust von Mutter, Amme oder einer anderen Frau bezeichnet (vergleiche den allgemeineren, auch auf Tiere bezogenen Begriff „Säugen“).

Wortherkunft[Bearbeiten]

Seit dem Althochdeutschen im 8. Jahrhundert nach Christus ist Stillen im Sinne von „zum Schweigen bringen“ als Synonym von „Säugen“ nachweisbar und beruht somit auf einer Verschiebung der Bedeutung, vielleicht als Hüllwort. Wahrscheinlich ist Stillen eine Ableitung vom Adjektiv/Adverb „still“ − welches eventuell aber selbst eine Rückbildung des Verbs sein könnte (da letzteres besser außergermanisch vergleichbar ist).[1] Interessant ist aber, dass im Neuhochdeutschen erst seit dem 16. Jahrhundert „ein Kind stillen“ anstelle von „säugen“ verwendet wird.[2] Beide Wörter sind nach wie vor synonym in Gebrauch, das Wort stillen aber häufiger als säugen.

Physiologische Perspektive[Bearbeiten]

In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Hier wird leider nur die Physiologie der Mutter dargestellt. Wie bereits ein Blick in den Artikel Haberman Feeder erahnen lässt, ist die Physiologie auch von der Säuglingsseite interessant und versteht sich keineswegs von selbst. So besteht die z.B. keineswegs nur in „Saugen“, d.h. Vakuumbildung, sondern in komplexen Melkbewegungen von Zunge und Kiefer. Es wäre schön, wenn das hier genauer dargestellt würde.
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Kolostrum aus der Brust einer Schwangeren kurz vor dem Entbindungstermin
Milchfluss

Bereits während der Schwangerschaft beginnt sich die Brust auf die Produktion der Milch (Laktation) vorzubereiten. Wird von Anfang an nicht gestillt bzw. das Stillen unterbrochen, geht die Milchproduktion zurück. Die noch in der Brust vorhandene Milch wird vom Körper resorbiert, was mehrere Monate dauern kann.

Da auch der Mann über rudimentäre Brustdrüsen verfügt, kann es prinzipiell auch bei Männern zur Bildung von Milch kommen. Alexander von Humboldt berichtete 1799 über einen venezolanischen Bauern, der nach dem Tod seiner Frau sein Kind monatelang gestillt haben soll.[3] In neuerer Zeit tritt das Phänomen der Milchproduktion nachweislich bei Männern auf, die mit weiblichen Hormonen behandelt werden, wie zum Beispiel gegen Prostatakrebs. Auch bei Babys beiderlei Geschlechts tritt häufig in den ersten Lebenstagen, ausgelöst durch plazentare Hormone, eine milchähnliche Flüssigkeit (umgangssprachlich: Hexenmilch) aus der Brust aus.

Erstes Stillen[Bearbeiten]

Ein gesundes Neugeborenes beginnt normalerweise innerhalb der ersten beiden Lebensstunden, nach der Brust der Mutter zu suchen. Der stark ausgeprägte Geruchssinn des Neugeborenen und seine Fähigkeit, hell-dunkel-Kontraste zu erkennen, erleichtern es ihm, anhand des Geruchs der Brustwarze und der seit der Schwangerschaft dunkleren Pigmentierung des Warzenhofes, die Brustwarze zu finden und sich anzusaugen. Die jetzt in der Brust gebildete Vormilch enthält eine besonders hohe Zahl an Immunstoffen, die das Kind, das soeben aus der völlig sterilen Umgebung innerhalb der Fruchtblase geboren wurde, vor den Keimen in seiner Umgebung schützt, wenn das mütterliche Immunsystem bereits mit diesen Keimen konfrontiert wurde und Antikörper dagegen bilden konnte.[4]

Oxytocinausschüttung[Bearbeiten]

Durch das Stillen wird im Körper der stillenden Frau das Wohlbefinden auslösende Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Oxytocin bewirkt ein Zusammenziehen des Uterus (Nachwehen) und beschleunigt dadurch den Wochenfluss und die Rückbildung der Gebärmutter.[5][6] Dieses „Sich-Zusammenziehen“ der Gebärmutter kann die stillende Mutter in den ersten Tagen als sehr stark und unangenehm empfinden. Dieses Gefühl setzt unmittelbar beim Stillen ein, klingt aber nach kurzer Zeit ab. Außerdem wird durch das Stillen und die damit verbundene Hormonausschüttung die Mutter-Kind-Bindung gefördert.

Relaktation[Bearbeiten]

Hat eine Mutter abgestillt, kann sie auch Monate später die Stillbeziehung zu ihrem Baby / Kind wieder aufnehmen (Relaktation). Es ist aber sehr schwierig und nur mit großem Aufwand zu bewerkstelligen (etwa durch wochenlanges regelmäßiges Abpumpen / Anlegen alle zwei Stunden). Außerdem kann bis dahin der Säugling die richtige Saugtechnik für die Brust verlernt haben, was nur schwer wieder anzutrainieren ist. Deshalb ist ein sehr frühes Abstillen nicht zu empfehlen.

Stillen eines nicht bzw. nicht direkt verwandten Kindes[Bearbeiten]

Um stillen zu können, braucht eine Frau nicht schwanger gewesen zu sein. Die Milchbildung kann auch ohne vorangegangene Schwangerschaft in Gang gebracht werden, was jedoch einer recht zeitaufwändigen Vorbereitung bedarf. Dieser Vorgang wird „Induktion der Milchbildung“ genannt.

Grundsätzlich gilt, dass jeder mechanische Reiz an der Brustwarze (und etwas geringer auch insgesamt an den Brüsten) schnell zur Ausschüttung des „Milchbildungs“-Hormons Prolaktin führt. Eine regelmäßige langanhaltende Reizung führt schließlich zum Ausbau/Wachstum des Milchdrüsengewebes und schließlich zur Milchsekretion. Wie schnell die Milchbildung in Gang kommt, hängt entscheidend von der Intensität ab, aber auch von anderen Faktoren wie den körperlichen Anlagen der Frau, psychischen Einflüssen und ihrem Lebensalter. Unter günstigsten Bedingungen und intensiver Induktion kann die Milchbildung nach drei Tagen in Gang gekommen sein und unter ungünstigen Bedingungen werden auch nach Monaten nur wenige Tropfen erreicht.

Das Baby sollte möglichst oft angelegt werden, auch (oder ganz besonders) wenn zunächst nur wenig Milch vorhanden ist. Das kann mit einem Brusternährungsset unterstützt werden, das aus einem mit Muttermilch oder künstlicher Säuglingsmilch gefüllten Beutel und einem feinen, flexiblen Schlauch besteht, dessen Ende neben der Brustwarze (= Mamille) befestigt wird, so dass das Baby an der Brust saugt und dabei Milch aus dem Beutel erhält. Dadurch wird die Milchbildung angeregt und das Kind bleibt motiviert, weiterhin an der Brust zu saugen.

Stillpraxis[Bearbeiten]

Vorteile des Stillens gegenüber der Flaschenfütterung[Bearbeiten]

Das Überdosieren von Muttermilch ist nicht möglich; Zubereitungsfehler (wie nicht abgekochte Fläschchen) oder Probleme wie schmutziges Wasser gibt es beim Stillen nicht, demnach macht das Stillen unabhängiger und Unsicherheiten der Mutter bezüglich der Ernährung des Kindes werden ausgeräumt.

Der Geschmack der Muttermilch ist abhängig von der Ernährung der Mutter. Das Kind erfährt somit früh eine große Bandbreite verschiedener Geschmäcker und ist auf Brei- und Familienkost besser vorbereitet. Muttermilch ist auf die Bedürfnisse des Kindes zugeschnitten, denn 100 g Muttermilch enthalten: 1,2 g Proteine, 7,0 g Kohlenhydrate und 4,0 g Fett.[7]

Stillpositionen[Bearbeiten]

Stillende Mutter in Madonna mit dem grünen Kissen von Andrea Solario

Als klassische Stillposition ist vor allem der so genannte Wiegegriff[8] bekannt, bei dem das Kind vorn in den Armen der Mutter liegt. Vor allem bei Neugeborenen ist es wichtig, dass das Baby dabei mit dem Gesicht der Mutter ganz zugewandt ist und in Höhe der Brustwarze liegt. Dabei kann das Kind beispielsweise durch Kissen so gestützt werden, dass Arm- und Schultermuskeln der Mutter entspannt sind. Zu diesem Zweck werden Kissen oder ein großes U-förmiges Stillkissen verwendet. Auch Armlehnen eines Sitzmöbels können diesem Zweck dienen. Einen zusätzlich wiegenden Effekt hat ein Schaukelstuhl oder Stillsessel.

Es bestehen eine Vielzahl weiterer Stillpositionen.[9] Das Kind kann im Sitzen, im Liegen oder im Stehen gestillt werden. Beim Rückengriff im Sitzen sind die Füße des Kindes zum Rücken der Mutter ausgerichtet; dabei ist die Stütze durch ein Stillkissen üblich. Ein Tandemstillen von Zwillingen ist zum Beispiel dadurch möglich, dass beide Kinder jeweils im Rückengriff liegen. Das Stillen im Liegen erlaubt eine völlige Entspannung der Mutter bis hin zum Schlaf. Ein Wechsel der Stillpositionen über den Tag gilt als hilfreich, um die Mutterbrust gleichmäßig zu entleeren und so Milchstau vorzubeugen. Üblicherweise wird zum gleichen Zweck beim Stillen zwischen zwei Brüsten abgewechselt. Ob dabei eine Stillmahlzeit aus beidseitigem Trinken besteht oder nicht, ist individuell und kulturell verschieden und hängt auch davon ab, ob die Mutter die Milchmenge steigern oder drosseln will.

Stillkleidung[Bearbeiten]

Viele stillende Frauen tragen spezielle Stillbüstenhalter, die es erlauben, für das Stillen nur eine einzige Brust freizulegen. Um Kleidung und BH trocken zu halten, werden darin oft Stilleinlagen eingelegt.

Steigerung der Milchmenge[Bearbeiten]

Folgende Maßnahmen können die von der Brust produzierte Milchmenge erhöhen:

  • Häufiges Anlegen des Babys, mindestens alle zwei Stunden, eventuell mit einer etwas längeren Pause nachts
  • Auf wirkungsvolles Saugen und eine korrekte Stillposition achten. Das Kind soll den Kopf nicht seitlich verdrehen oder überstrecken, sondern Bauch an Bauch eng bei der Mutter liegen
  • wechselnde Stillpositionen
  • Wechselstillen. Dafür wird das Kind an einer Seite angelegt, bis es die Brust von selbst loslässt. Anschließend wird es auf der anderen Seite angelegt, bis es aufhört zu saugen. Nun wird es wieder auf der ersten Seite angelegt, dann wieder auf der zweiten usw.
  • Brustmassagen zur Entspannung und zur Auslösung des Milchspendereflexes
  • Möglichst viel Ruhe für die Mutter, Ausschaltung von Stressfaktoren
  • Ausgedehnter Körperkontakt durch Tragen in einer Tragehilfe und gemeinsames Schlafen fördert die Milchbildung und die Saugbereitschaft des Babys

Traditionelle Überlieferungen bekunden eine verstärkte Milchbildung im Zusammenhang mit Bierkonsum der Mutter. Der gleiche Effekt wurde auch bei schwach- und nicht alkoholischen Biersorten wie Malzbier beobachtet. Ein überzeugender wissenschaftlicher Nachweis fehlt.[10] Säuglinge reagieren mit vermindertem Appetit auf Alkoholkonsum der Mutter.

Mittel wie Milchbildungsöl, Milchbildungstee haben keine nachweisliche Auswirkung auf die Milchmenge.

Tandemstillen[Bearbeiten]

Als Tandemstillen bezeichnet man das gleichzeitige Stillen von zwei oder mehr Kindern unterschiedlichen oder gleichen (Zwillinge) Alters. In der Regel werden Kinder abgestillt, bevor ein neues Baby geboren wird. Dies ist jedoch nicht notwendig, da auch das ältere Kind an der Brust der Mutter weitertrinken kann. Die Brust passt sich dem erhöhten Bedarf an.

Stilltypen[Bearbeiten]

Nach den Erkenntnissen des amerikanischen Kinderarztes G. R. Barnes können bei Säuglingen fünf verschiedene Stilltypen (Zauderer, Genießer bzw. Gourmet, Träumer und Aufgeregter bzw. wenig Effektiver, Barracuda) unterschieden werden, die durch ihr Verhalten an der Brust bereits Persönlichkeitsmerkmale und Charaktereigenschaften erkennen lassen.

Stillen und Verhütung[Bearbeiten]

Stillen ist nur unter sehr eingeschränkten Voraussetzungen eine zuverlässige Verhütungsmethode. Nach längeren Studien in den 1980er Jahren in verschiedenen Ländern wurden unter der Bezeichnung Lactational Amenorrhea Method die genauen Rahmenbedingungen veröffentlicht, unter denen von einer sicheren Schwangerschaftsverhütung ausgegangen werden kann. Unter diesen Bedingungen wurde ein Pearl-Index von 1 bis 2 ermittelt, das heißt, dass von 200 Frauen, die jeweils 6 Monate lang nach der Geburt keine weiteren Methoden zur Schwangerschaftsverhütung anwenden, eine bis zwei wieder schwanger werden.

Die Sicherheit der Methode ist jedoch nur gewährleistet:

  • wenn die Geburt noch nicht länger als sechs Monate zurückliegt,
  • wenn die Frau nach der Geburt noch keine Menstruationsblutung hatte,
  • wenn der Säugling tags alle vier Stunden und nachts mindestens alle sechs Stunden und dann für mindestens 20 Minuten gestillt wird. Finden längere Stillpausen statt, etwa wenn das Kind in der Nacht länger schläft, sinkt die Konzentration des für die Verhütung verantwortlichen Hormons Prolaktin so weit ab, dass die schwangerschaftsverhütende Wirkung nicht mehr gegeben ist.[11]

In der Stillzeit sind übliche Methoden der Empfängnisverhütung teils mehr, teils weniger geeignet; siehe hierzu: Empfängnisverhütung in der Stillzeit.

Stillhindernisse und -probleme[Bearbeiten]

Nur sehr wenige Frauen (unter 5 %) können nicht bzw. nur eingeschränkt stillen. Bei auftretenden Problemen sollte sich die stillende Mutter an eine Stillberaterin oder eine stillerfahrene Hebamme wenden, um – immer im Hinblick auf das Gedeihen des Kindes – die Stillbeziehung mit möglichst wenig Stress für beide Seiten zufriedenstellend weiterführen zu können. In Deutschland besteht während der gesamten Stillzeit Anspruch auf Hebammenhilfe.

  • Das größte Stillhindernis stellen Falsch- bzw. Mangelinformationen der Mütter, fehlende Unterstützung bzw. der fehlende Wille zum Stillen dar. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist die wohlwollende Unterstützung des Vaters beim Stillen. Die Stilldauer hängt maßgeblich von seiner Befürwortung ab, wie verschiedene Studien und Befragungen zeigten.[12][13]
  • Schmerzen beim Beginn des Stillens durch wunde Brustwarzen.[14] Lassen die Schmerzen in den ersten Tagen des Stillens nicht von alleine nach, kann dies an einem angewachsenen Zungenbändchen (Ankyloglosson) beim Neugeborenen liegen. Eine Durchtrennung des Zungenbändchens kann dann Abhilfe schaffen.[15]
  • Besonders häufig treten Stillprobleme auf, wenn der Säugling nicht nach Bedarf, sondern nach einem Zeitplan bzw. Mindeststundenabstand gestillt wird.
  • Die Form der Brustwarzen hat keinen Einfluss darauf, ob eine Frau stillen kann oder nicht. Bei besonderen Merkmalen (sehr große Brustwarzen, Flach- oder Hohlwarzen) bedarf es allerdings in den meisten Fällen etwas mehr Geduld und der Unterstützung einer stillerfahrenen Beraterin. Bei Flach- oder Hohlwarzen kann bereits in der Schwangerschaft eine Art sanfte Umformung versucht werden, um den Stillstart einfach zu machen. Bei Schlupf- oder Hohlwarzen, kann bereits im Vorfeld durch die Anwendung von Nipletten entgegengewirkt werden.
  • Von einem Milchstau spricht man, wenn die Brust nicht in ausreichendem Maß geleert wird und es somit zu (vorübergehenden) teils schmerzenden Verhärtungen in der übervollen Brust kommt. Ein Milchstau kann sich unter Umständen zu einer Brust(-drüsen-)entzündung weiterentwickeln, die mit stillverträglichen Antibiotika behandelt werden kann. Angeblich senkt auch das Trinken von Salbei- oder Pfefferminztee die Milchproduktion. Eine Stillpause oder gar ein Abstillen ist dagegen hinderlich für das Überwinden eines Milchstaus bzw. einer Brustentzündung, denn bei beidem steht die Entleerung der übervollen Brust und das Einstellen der tatsächlich vom Kind benötigten Milchmenge im Vordergrund. Zur Vorbeugung von wiederkehrendem Milchstau oder Mastitis wird auch die Einnahme von Lecithine empfohlen. Zudem ist auf die Sauberkeit zu achten: die Brust sollte einmal täglich mit klarem Wasser gewaschen werden und die Stillende sollte ihre Brust nur mit sauberen Händen berühren;[16] das ist bei wunden Brustwarzen besonders wichtig. Bei einem Baby im Krabbelalter sollten beim Stillen auch Gesicht und Hände des Babys sauber sein, damit keine Bakterien vom Boden und von Gegenständen auf die Brust gelangen.[17]
  • Bei einer tatsächlich vorliegenden und nicht durch falsches Stillen selbst herbeigeführten Hypogalaktie (zu wenig Muttermilch), kann der Säugling durch Muttermilchspende oder Zwiemilchernährung ernährt werden, ohne dass die Mutter abstillen muss.
  • Bei der Zwiemilchernährung, bei der neben dem Stillen mit der Flasche zugefüttert wird, kann eine Saugverwirrung auftreten. Das Trinken aus einer Flasche verlangt vom Kind ein weniger differenziertes Saugverhalten, so dass es unter Umständen das korrekte Trinken an der Brust verlernt. Aus der Flasche läuft die Milch fast von allein, das Trinken verlangt lediglich eine Saug-Schluckbewegung. An der Brust muss sich das Kind mehr anstrengen, das Stillen erfordert eine Saug-Kau-Schluckbewegung. Hier sollten alternative Fütterungsmethoden angewandt werden, z. B. die Gabe mit einem Löffel, aus einem Becher oder mittels eines Brusternährungssets.
  • In manchen Fällen „streiken“ Säuglinge einige Stunden bis wenige Tage und wollen nicht an der Brust trinken, man spricht hier von Stillstreik, was keinesfalls ein Abstillen von Seiten des Säuglings bedeutet. Ein Stillstreik kann u. U. aufgrund eines durch die Mutter aufgenommenen Nahrungsmittels (bei manchen Säuglingen z. B. Knoblauch) ausgelöst werden. Die Milch nimmt diesen Geschmack an und schmeckt dem Säugling nicht. In so einem Fall ist durch Abpumpen und Wegschütten dieser Milch der Stillstreik schnell wieder zu beseitigen.
  • Bei notwendigen Medikamenteneinnahmen in der Stillzeit kann in seltenen Fällen eine Stillpause bzw. in sehr seltenen Fällen ein Abstillen erforderlich werden. Informationen zur Stillverträglichkeit können sich Ärzte und Stillende bei Forschungsinstituten einholen (siehe Weblinks). Die meisten Medikamente sind jedoch stillverträglich oder es besteht eine stillverträgliche Alternative.
  • Es gibt einige Erkrankungen, die das Stillen einschränken, z. B. Psychosen und aufgrund der Ansteckungsgefahr Tuberkulose oder AIDS. Die relativ häufig auftretende postpartale Depression kann stillverträglich behandelt werden (siehe Weblinks), viele Antidepressiva gehen jedoch in die Muttermilch über und dürfen von Stillenden nicht benutzt werden.
  • Eine schmerzhafte weißliche Verfärbung der Brustwarze während des Stillvorgangs kann auf das Raynaud-Syndrom hinweisen. In leichteren Fällen kann hier bereits die Einnahme von Magnesium Linderung bringen.
  • Bei sehr kleinen Frühgeborenen ist die oft damit verbundene Saugschwäche zu beachten. Allerdings ist die Muttermilch in ihrer Zusammensetzung sehr gut an die Bedürfnisse eines Früh- bzw. Mangelgeborenen angepasst. Sollte ein Stillen wegen einer Saugschwäche nicht direkt möglich sein, sollte abgepumpt und die so gewonnene Milch möglichst mit einer alternativen Füttermethode (Becher, Haberman Feeder u. a.) an das Baby verfüttert werden, um einer Saugverwirrung vorzubeugen.
  • Behinderungen des Kindes, wie z. B. Fehlbildungen im Verdauungs- und Atemtrakt, Herzfehler oder Hirnschädigungen können ein Stillen erschweren. Jedoch sind gerade für diese Kinder die besonders hochwertige Nahrung Muttermilch und die Nähe und Geborgenheit wichtig, die sie durch das Stillen erhalten.
  • Säuglinge mit Gaumensegelspalten können meist nicht oder nur sehr eingeschränkt gestillt werden. Nach der operativen Vereinigung des Segels kann das Stillen manchmal noch erfolgreich sein.
  • In sehr seltenen Fällen liegt bereits im Säuglingsalter eine Laktose-Unverträglichkeit vor.
  • Bei einem Brustwarzenpiercing (siehe Brustwarzenpiercings beim Stillen) sollte der Schmuck vorher herausgenommen werden, um dem Säugling das Saugen zu erleichtern und das Verschlucken des Schmucks zu verhindern. Außerdem muss das Piercing gut gepflegt und verheilt sein, um Infektionen zu vermeiden. Wurden beim Stechen des Piercings Milchgänge verletzt, kann das Milchstaus zur Folge haben, da die Milch nicht richtig entleert werden kann. Wenn das Piercing professionell durchgeführt wurde und richtig abgeheilt ist, sind jedoch keine Probleme beim Stillen zu erwarten.[18][19]

Wenn ein Stillen nicht möglich ist, wird der Säugling oder das Kleinkind im Allgemeinen über eine Saugflasche versorgt, man spricht dann auch von einem Flaschenkind. In der Gesamtbewertung der Vorteile der Muttermilch darf nicht übersehen werden, dass Schadstoffe sich in der Muttermilch anreichern. Das in den 70er Jahren gefundene DDT ist inzwischen zum Glück nur noch geringfügig oder gar nicht mehr in der Muttermilch nachweisebar. Aber andere Schadstoffe zum Beispiel Flammenschutzmittel oder aktuell (Juni 2015) Glyphosat werden in zum Teil beträchtlichem Umfang gefunden[20].

Stillberatung[Bearbeiten]

Stillberatung leisten Hebammen im Rahmen der Geburt und Nachbetreuung im Wochenbett und ist somit auch eine Leistung der Krankenkassen. Auch sogenannte Stillberaterinnen, Mütter mit eigener Stillerfahrung und entsprechender Aus- und Weiterbildung. Sie bieten auf ehrenamtlicher Basis Mutter-zu-Mutter-Beratungen bei Stilltreffen und in Stillgruppen an.

Die Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen e. V. (AFS) und die La Leche Liga Deutschland e. V. (LLL) bieten ehrenamtliche Stillberatung und Stillgruppenarbeit an und organisieren Ausbildungen zur Stillberaterin. Hauptziel dieser beiden Selbsthilfe-Organisationen ist die Förderung der Stillkultur in Deutschland und das Verbreiten fundierter Informationen rund ums Thema Stillen. Die La Leche Liga steht dem Attachment Parenting nahe, einer von William Sears entwickelten, wissenschaftlich umstrittenen Lehre, nach der bedarfsorientiertes Stillen, ständiges Tragen des Kindes und Co-Sleeping Störungen der Mutter-Kind-Bindung verhindern sollen.

Des Weiteren gibt es auch professionelle Still- und Laktationsberaterinnen („International Board Certified Lactation Consultant“, IBCLC, englisch für „international zertifizierte Laktationsberaterin“), die einen medizinischen Beruf ausüben und eine fundierte Ausbildung im Bereich des Stillens und der Stillberatung haben. Die Beratung ist für die Stillenden kostenpflichtig, in vielen Fällen übernimmt aber die Krankenkasse die Kosten dieser Beratung.

Beikostbereitschaft, Abstillen, Abstillalter[Bearbeiten]

siehe auch Hauptartikel Abstillen

Mit zunehmendem Alter des Säuglings, meist zwischen dem sechsten und neunten Monat, wird sich die steigende Bereitschaft zur Aufnahme von Beikost zeigen. Ein Baby ist bereit für Beikost, wenn:

  • der Zungenstoßreflex, durch den feste Nahrung automatisch aus dem Mund befördert wird, verschwunden ist
  • es Interesse an der Nahrung hat und diese selbst zum Mund befördern kann
  • es alleine sitzen kann
  • es ein gesteigertes Stillbedürfnis zeigt, das sich nicht nach wenigen Tagen wieder normalisiert und nicht auf andere Gründe, wie z. B. Zahnen, Erkrankung, Stress, Wachstum zurückzuführen ist.

Die Einführung von Beikost (also nicht Anstattkost) ist jedoch kein Grund abzustillen, denn das Stillen bietet weit über die ersten sechs Monate hinaus viele Vorteile. Wird der Säugling nach Bedarf gestillt und darf er den Zeitpunkt des Abstillens selbst bestimmen, so liegt der Zeitpunkt des Abstillens häufig erst nach dem zweiten oder dritten Geburtstag. Ein echtes Abstillen von Seiten des Kindes im ersten Jahr kommt so gut wie nie vor. Betrachtet man das Säugeverhalten von Säugetieren und passt die Daten an den Menschen an, so würde sich ein Abstillalter zwischen 2,5 und 7 Jahren ergeben. Der Vergleich des Abstillalters von 64 traditionellen Kulturen, wie er von Katherine Dettwyler und Stuart McAdam in „Breastfeeding: Biocultural Perspectives“, 1995, angestellt wird, kommt zu einer Kurve, deren Scheitelpunkt kurz vor dem 3. Geburtstag liegt. Der früheste Abstillzeitpunkt der untersuchten Kulturen liegt kurz vor dem ersten Geburtstag, der späteste bei etwa 5 1/2 Jahren.

Die WHO empfiehlt sechs Monate ausschließlich zu stillen und das Teilstillen bis zu 2 Jahren oder darüber hinaus.[21] Nach allergologischen Gesichtspunkten soll, zur Prävention atopischer Erkrankungen, mindestens bis zum vollendeten vierten Monat gestillt werden.[22]

Der Zeitpunkt der Einführung von Beikost ist regional unterschiedlich. Während zwischen 2000 und 2006 in Südasien 45 % und in Ostasien sowie im Pazifikraum 43 % aller Babys in den ersten sechs Monaten ausschließlich gestillt werden, liegt der Anteil in Subsahara-Afrika bei 30 %. Im Nordafrika und dem Nahen Osten sind es 28 % und in Mittel- und Osteuropa sowie in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten 19 % aller Babys. Zwischen 1996 und 2006 stieg der Anteil der in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich durch Stillen ernährten Säuglinge in allen genannten Regionen der Welt mit Ausnahme von Nordafrika und dem Nahen Osten.[23]

In jedem Fall sollte ein sanftes, d. h. ausschleichendes Abstillen angestrebt werden, gleichgültig, ob dies vom Kind oder von der Mutter ausgeht. Dadurch werden Verlustängste beim Säugling und gesundheitliche Probleme – wie Milchstau bei der Mutter – vermieden. Beim natürlichen Abstillen nach Bedarf des Kindes wird das Kind mit steigender Entwicklung und Reife immer weniger und seltener gestillt werden wollen. Bei einem von der Mutter eingeleiteten Abstillen sollte nur langsam, über Wochen hinweg, eine Stillmahlzeit nach der anderen durch eine Beikostmahlzeit ersetzt werden.

Verbreitung[Bearbeiten]

Deutschland[Bearbeiten]

Über die Verbreitung des Stillens sind in Deutschland bislang nur wenige Erhebungen durchgeführt worden. 2006 erschien die vom Robert-Koch-Institut geförderte KiGGS-Studie, die zeigte, dass von den 2005 in Deutschland geborenen Kindern 81,5 % zumindest zeitweilig gestillt wurden. Die bedeutendste Determinante, die diese Studie für die Stillbereitschaft von Müttern ermittelte, war deren Sozialstatus. Von den Müttern mit hohem Sozialstatus hatten 90,5 % gestillt, von den Müttern mit mittlerem Sozialstatus 80,0 % und von den Müttern mit niedrigem Sozialstatus 67,3 %. Mütter mit hohem Sozialstatus hatten auch länger gestillt (durchschnittlich 8,45 Monate) als Mutter mit mittlerem (6,81 Monate) oder niedrigem Sozialstatus (6,19 Monate). Am häufigsten und am längsten stillten Frauen, die in der 4. Lebensdekade geboren hatten (jünger als 20: 69 %, 5,49 Monate; 20–29 Jahre: 75,1 %, 6,21 Monate; 30–39 Jahre: 80,0 %, 7,85 Monate; 40+: 69,6 %, 7,69 Monate). Kinder aus Ostdeutschland (81,6 %) wurden zwar eher gestillt als Kinder aus Westdeutschland (75,7 %), die Stilldauer war im Mittel jedoch kürzer (Ostdeutschland: 6,3 Monate, Westdeutschland: 7,0 Monate; bundesweit: 6,9 Monate). Mütter mit Migrationshintergrund (79,1 %, 7,75 Monate) stillten etwas häufiger und länger als Nicht-Migrantinnen (76,2 %, 6,73 Monate). Das von der WHO empfohlene volle Stillen im ersten Lebenshalbjahr wurde vorzugsweise von westdeutschen Frauen mit hohem Sozialstatus praktiziert, die zwischen 30 und 39 Jahre alt waren.[24]

Eine Untersuchung aus Berlin ergab, dass dort 2 Monate nach der Geburt noch 73 % der Kinder gestillt wurden; nach 6 Monaten waren es etwa 56 %. In einer Untersuchung in Bayern waren es nach 2 Monaten 70 % und nach 6 Monaten etwa 50 %. Die Anteile der Kinder, die ausschließlich gestillt wurden, waren noch niedriger.[25] Die bedeutendste umfassende Studie zum Stillen in ganz Deutschland war 1997/1998 durchgeführt worden. Diese SuSe-Studie hatte gezeigt, dass die hohe Stillquote von 91 %, die in den teilnehmenden Krankenhäusern unmittelbar nach der Geburt festgestellt wurde, bereits innerhalb der ersten Wochen stark abfiel. Nach 4 Monaten wurden noch 33 % der Kinder ausschließlich gestillt; nach 6 Monaten waren es nur noch 10 %.[26]

Vereinigte Staaten[Bearbeiten]

Obwohl auch in den USA Frauen- und Kinderärzte das Stillen generell stark befürworten, sinkt dort der Anteil der stillenden Mütter nach der Geburt bis zum Ende des 6. Monats von 70,9 % auf 36,2 %. Nach 12 Monaten stillen noch 17,2 % der Mütter, nach 18 Monaten noch 5,7 %. Im Jahr 2003 waren 54 % der Mütter von Säuglingen berufstätig.[27][28] In den USA existiert kein bezahlter Mutterschaftsurlaub.[29]

In weißen Familien ist das Stillen stärker verbreitet als in afroamerikanischen. Von den 2010 geborenen weißen Babys wurden unmittelbar nach der Geburt 79 % gestillt, von den den schwarzen 62 %. Sechs Monate später wurden von den weißen noch 52 % gestillt, von den schwarzen nur noch 36 %.[30][31] Besonders verbreitet ist das Stillen unter Akademikerinnen; im Jahre 2014 haben 88,7 % aller Mütter mit Collegeabschluss gestillt; der Anteil der Mütter, die 6 Monate lang ausschließlich gestillt haben, betrug unter den Akademikerinnen 21,8 %, ebenfalls mehr als in allen anderen Vergleichsgruppen.[32]

Internationale Stillstatistik[Bearbeiten]

Land jemals
gestillt
(in Prozent)
ausschließlich gestillt (in Prozent) Quellen und Anmerkungen
3 Monate 4 Monate 6 Monate
Deutschland 81,5 34 22 Durchschnittliche Stilldauer: 6,9 Monate, durchschnittliche Dauer des vollen Stillens: 4,6 Monate[33]
Österreich 93,2 60 10 Nach 3 Monaten werden 72% der Kinder wenigstens teilweise gestillt, nach 6 Monaten 65%, nach 12 Monaten 17% (1% voll gestillt).[34]
Schweiz 88 48 32 14 [35]
Ägypten 95
Algerien 93
Australien 56 46
Bangladesh 97
Bahrein 97
Belgien 66 34 26
Belize 90
Benin 97
Bolivien 97
Brasilien 93
Burkina Faso 99
Dänemark 98 48 51
Dominikanische Republik 93
Ecuador 95
El Salvador 94
Elfenbeinküste 100
Eritrea 98
Finnland 93 51 34
Frankreich 74 10 11,5 74% der Mütter probieren Stillen im Krankenhaus einmal aus. 39% der Kinder werden nach 3 Monaten noch gestillt, 23% nach 6 Monaten noch. Nach 1 Jahr werden noch 9% aller Kinder gestillt.[36]
Ghana 99
Griechenland 86
Großbritannien 69 12
Guatemala 96
Haiti 96
Honduras 96
Indien 96 33 [37]
Indonesien 96
Iran 98
Irland 34 1 81% der Mütter stillen ihr Baby mindestens 1mal, beim Verlassen des Krankenhauses stillen aber nur noch 34%; nach 2 Monaten werden noch 15 % der Kinder voll gestillt[38]
Island 97 69 46
Israel 78,5 [39]
Italien 85 20 19 32
Japan 96 38 37 35
Jemen 97
Jordanien 95
Kamerun 97
Kanada 84 38 19
Kasachstan 96
Kenia 98
Kirgisistan 95
Kolumbien 95
Komoren 96
Kuba 99 48.6 17,1% der Kinder werden noch mit 2 Jahren gestillt.[40]
Libanon 88
Madagaskar 97
Malawi 97
Mali 95
Marokko 95
Mauretanien 95
Mauritius 72
Mexiko 92 18 10 3
Mosambik 95
Namibia 95
Neuseeland 88 56 39
Niederlande 75 35 35 25
Nicaragua 92
Niger 97
Nigeria 97
Norwegen 99 63 46
Oman 99
Pakistan 94
Paraguay 94
Peru 97
Philippinen 88
Portugal 93 55
Ruanda 97
Rumänien 91 34
Russland 98,7 [41]
Sambia 98
Schweden 97 60 15
Senegal 97
Simbabwe 99
Slowakei 87 63 55
Slowenien 97
Spanien 91 41
Sudan 96
Südkorea 81 50 40,5 11,4 [42]
Syrien 92
Tansania 97
Thailand 97
Togo 97
Tschad 98
Tschechien 94 61
Türkei 95
Uganda 98
Ungarn 96 96
Usbekistan 96
Vereinigte Arabische Emirate 93
Vereinigte Staaten 74 31 12
VR China 98,3 46 30 13 [43]
Zentralafrikanische Republik 97
Zypern 78 52 15

Quelle, wenn nicht anders vermerkt: OECD[44] und LLL[45]

Medizinische Perspektive[Bearbeiten]

Nachgewiesener oder vermuteter Nutzen für das Kind[Bearbeiten]

Immunschutz[Bearbeiten]

Antikörper und Abwehr-Enzyme
in Kolostrum und Muttermilch[46]
Inhaltsstoff in 100 ml Kolostrum in 100 ml reifer Muttermilch
Immunglobulin A 600 mg 80 mg
Immunglobulin G 80 mg 30 mg
Immunglobulin M 125 mg 30 mg
Lysozym 370 mg 240 mg[47]
Lactoferrin 580 mg 200 mg
→ Siehe auch Hauptartikel: Kolostrum, Muttermilch

Die Entwicklung des Immunsystems beim Fötus und beim Säugling ist noch wenig erforscht. Obwohl es Hinweise gibt, dass Kinder bereits unmittelbar nach der Geburt über abwehrbereite eigene T-Lymphozyten verfügen,[48] gehen viele Autoren davon aus, dass Neugeborene noch kein funktionierendes eigenes Immunsystem besitzen. Unstrittig ist, dass Föten und Neugeborene Antikörper, Enzyme und Leukozyten von der Mutter erhalten. Vor der Geburt geschieht dies über die Plazenta, unmittelbar nach der Geburt durch das Kolostrum und schließlich – in deutlich geringerem Umfang – durch die Muttermilch. Die Konzentration der Antikörper und Enzyme ist in der Tabelle dargestellt. Die Enzyme Lysozym und Lactoferrin werden heute auch manchen Flaschennahrungen zugesetzt.[49] Die Menge der Leukozyten, die im Kolostrum gemessen werden, schwankt von Studie zu Studie stark und beträgt etwa 2000–3200 Makrophagen und 200–300 Lymphozyten pro mm³.[50] Im Verlaufe der ersten Stillwochen nimmt der Anteil der Leukozyten signifikant ab; nach 3 Monaten werden noch etwa 40% der ursprünglichen Konzentration gemessen.[51]

Die transplacentalen Antikörper werden im Blut des Neugeborenen nur langsam abgebaut und schützen das Kind einige Wochen lang vor vielen Viren, Bakterien und Pilzsporen. Am schnellsten verliert sich der mütterliche Immunschutz gegen Keuchhusten und Hib, darum werden Kinder heute bereits zwei Monate nach der Geburt gegen diese Krankheiten geimpft.[52] Kolostrum und Muttermilch ersetzen keine Impfungen, können den „Nestschutz“, den das Kind über die Plazenta erhalten hat, aber etwas aufstocken.

Den größten immunologischen Nutzen bietet das Stillen Säuglingen in armen Ländern, die, wenn sie voll gestillt werden, signifikant seltener von lebensbedrohlichen Durchfallerkrankungen befallen werden als flaschengefütterte Kinder.[53] Aber auch an Mittelohrentzündungen und Atemwegsinfektionen erkranken gestillte Kinder etwas seltener als flaschengefütterte Kinder.[54] Eine spanische Studie kam im Jahre 2006 zu dem Ergebnis, dass von den Kindern, die im vierten Lebensmonat noch voll gestillt worden waren, 4,2 % im Laufe ihres ersten Lebensjahres wegen einer Infektionskrankheit ins Krankenhaus eingeliefert worden waren. In der Vergleichsgruppe war dies bei 6,6 % der Kinder der Fall.[55]

Säuglingssterblichkeit und generelle Gesundheit[Bearbeiten]

Eine am National Institute of Environmental Health Sciences in North Carolina durchgeführte Studie zeigte im Jahre 2004, dass Stillen die Säuglingssterblichkeit erheblich vermindert.[56] Darüber hinaus wurde in Studien gezeigt, dass Stillen verschiedene positive Langzeiteffekte auf die Gesundheit gestillter Kinder hat.[57] Gestillte Kinder sind im Vergleich zu mit künstlicher Säuglingsnahrung ernährten Babys seltener krank.[58]

Darmflora und Diabetes[Bearbeiten]

Darüber hinaus enthält die Muttermilch Substanzen, die die Darmflora, namentlich bestimmte Bifidobakterien, positiv beeinflussen.[59]

Gestillte Kinder erkranken seltener an Diabetes mellitus; außerdem scheint die Muttermilch die Darmflora positiv zu programmieren.

Alkoholismus[Bearbeiten]

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Gestillte Kinder haben eine reduzierte Wahrscheinlichkeit an Alkoholismus zu erkranken, wie eine Auswertung der „Copenhagen Perinatal Cohort“ Studie ergab. Die Langzeituntersuchung umfasst die Daten von 6562 inzwischen 44- bis 46-jährigen Kopenhagenern. Das Risiko, alkoholabhängig zu werden, war für Probanden, die als Kind nur kurz die Brust bekamen, fast um 50 Prozent höher als das von Teilnehmern, die länger gestillt wurden. Außerdem litten nur kurz gestillte Kinder häufiger unter Schizophrenie.[60]

Sprachentwicklung[Bearbeiten]

Stillen ist von großer Bedeutung für die altersgemäße Sprachentwicklung des Kindes, da das Bewegungsmuster der kindlichen Mundmuskulatur beim Stillen alle für das Erlernen der Lautbildung wichtigen anatomischen Bereiche im Mund (Zunge, Gaumensegel, Kiefermuskulatur) fördert. Dies ist bei der Ernährung mit der Flasche, welche eine passive Zungenlage und minimale Kieferaktivität erzwingt, nicht gegeben.[61]

Intelligenzentwicklung[Bearbeiten]

Mehrere Studien weisen einen positiven Zusammenhang von Stillen und Intelligenzentwicklung nach. Demnach entwickeln Kinder, die in den ersten Lebensmonaten gestillt wurden, einen um bis zu sieben Punkte höheren IQ. Einer Studie zufolge tritt dieser Effekt allerdings nur dann auf, wenn das Kind eine bestimmte Version des Gens FADS2 aufweist.[62] Laut einer Langzeitstudie der University of Bristol, welche die Entwicklung von 1400 zwischen 1937 und 1939 geborenen Menschen über 60 Jahre untersuchte, hatten diejenigen, welche als Kinder gestillt worden waren, besonders häufig einen höheren Status als ihre Eltern. Sie stiegen 41 % häufiger auf als Menschen, welche nicht gestillt worden waren.[63] Auch andere Studien fanden einen positiven Einfluss des Stillens auf die Intelligenz.[64][65][66]

Einige Studien haben argumentiert, dass es sich beim Zusammenhang zwischen Stillen und Intelligenz um eine Scheinkorrelation handele: Intelligentere Mütter stillen mit höherer Wahrscheinlichkeit und haben mit höherer Wahrscheinlichkeit intelligentere Kinder. Der Zusammenhang von Stillen und Intelligenzentwicklung sei also nicht ursächlich.[67][68]

Nachgewiesener oder vermuteter Nutzen für die Mutter[Bearbeiten]

Osteoporose[Bearbeiten]

Frauen ohne Kinder und Frauen, die nie gestillt haben, haben ein erhöhtes Risiko, im Alter an Osteoporose zu erkranken.[69] Während der Schwangerschaft und während des Stillens erhöht sich die Effektivität der Calciumaufnahme im mütterlichen Organismus.[70] Oxytocin stimuliert in diesem Zusammenhang die Proliferation von Osteoblasten, die für den Knochenaufbau zuständig sind.[71] Selbstverständlich ist ungeachtet dieser Ergebnisse eine ausgewogene und den Erfordernissen angepasste Ernährung der stillenden Mutter notwendig.

Brustkrebsprävention durch Stillen?[Bearbeiten]

Viele Studien haben gezeigt, dass Frauen, die gestillt haben, geringfügig seltener an Brustkrebs erkranken als Frauen, die weder geboren noch gestillt haben. Die mit der University of Oxford verbundene Collaborative Group on Hormonal Factors in Breast Cancer publizierte 2002 die Ergebnisse einer Metastudie, der die Daten aus 47 Einzelstudien aus 30 Ländern zugrundelagen, für die an Brustkrebs erkrankte Frauen mit gesunden Frauen verglichen wurden. Diese Metastudie zeigte, dass die erkrankten Frauen durchschnittlich 2,2 Kinder geboren hatten (die gesunden Frauen: 2,6), 71 % von ihnen hatten gestillt (vs. 79 %), die durchschnittliche Gesamtstillzeit hatte 9,8 Monate betragen (vs. 15,6 Monate). Einige weitere Größen, die für die Metastudie ebenfalls ausgewertet wurden (Alter der Frauen, Alter bei der Geburt des ersten Kindes, Land), erwiesen sich für die Krebshäufigkeit als nicht signifikant; nicht berücksichtigt wurden jedoch mögliche Auswirkungen von Krebsbehandlungen auf die Anzahl der Schwangerschaften und auf die Stilldauer.[72] 7 % der Frauen, bei denen ein Mammakarzinom diagnostiziert wird, sind unter 40 Jahren alt, also mehrheitlich noch in der Lage, Kinder zu bekommen.[73] Brustkrebspatientinnen, die sich einer Chemotherapie unterziehen, wird gewöhnlich geraten abzustillen.[74] Während einer Strahlentherapie kann mit der nicht-behandelten Brust weitergestillt werden.[75] Ein Großteil der Brustkrebspatientinnen wird im Anschluss an die eigentliche Krebsbehandlung mehrere Jahre lang mit Hormonhemmern wie Tamoxifen weiterbehandelt, die den Menstruationszyklus während der Dauer der Behandlung unterdrücken und eine Schwangerschaft damit ausschließen.[76] Selbst wenn man davon ausgeht, dass die Statistik von Krebsbehandlungsfolgen bereinigt wurde, bleibt die krebspräventive Wirkung des Stillens um ein Vielfaches geringer als die anderer Vorsorgemaßnahmen, etwa der Vermeidung von Übergewicht.[77]

Weitere medizinische Einzelfragen[Bearbeiten]

Stillen und Rauchen[Bearbeiten]

Durch Aufnahme von Nikotin während der Stillzeit besteht die Gefahr, dass das Kind weniger zunimmt und unruhiger ist. Da Nikotin sehr schnell in die Muttermilch übergeht, sollten stillende Mütter das Rauchen aufgeben oder zumindest stark einschränken.[78]

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Zahlreiche Substanzen der Zigarette treten nachweislich in die Milch über und können dort in einer ähnlichen Konzentration wie im Blut der Mutter festgestellt werden. Zu solchen Krebs verursachenden Substanzen aus der Zigarette zählen neben dem Nikotin beispielsweise auch Dioxine, Nitrosamine, Schwermetalle oder Benzpyrene.

Auswirkung auf das Kind

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Wie stark die Auswirkungen der Aufnahme von schädlichen Substanzen aus der Zigarette über die Muttermilch sind, wird nicht nur durch die Konzentration der Substanzen beeinflusst, sondern auch dadurch, wie der Darm des Kindes diese aufnimmt. Neben den oben genannten Gefahren wurden auch bei Kindern, deren Mütter rauchen und stillen, Koliken, Erbrechen und ein reduziertes Saugvermögen bemerkt. Eine Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Krebserkrankungen im späteren Leben und Kindern, deren Mutter während der Stillzeit rauchte, ist schwer durchzuführen, da natürlich mehrere Faktoren diesbezüglich eine Rolle spielen. Im Laufe der Kindheit werden jedoch bei Kindern, die von Raucherinnen gestillt wurden, vermehrt Atemwegs- und Lungenerkrankungen festgestellt. Dies ist jedoch nicht ausschließlich auf das Rauchen während der Stillzeit zurückzuführen. Wahrscheinlicher werden solche Erkrankungen durch das Passivrauchen der Kinder.[79]

Die Risiken für einen Säugling sind jedoch nach Aussage der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen noch größer, wenn eine Mutter raucht und nicht stillt, als wenn sie raucht und stillt.[80]

Impfungen[Bearbeiten]

Nach aktuellen Empfehlungen des in Deutschland dafür zuständigen Robert-Koch-Instituts sind Impfungen in der Stillzeit generell ohne Beschränkungen möglich. Ferner sind Totstoff-Impfungen kein Grund zum Aufschub einer (weiteren) Schwangerschaft. Ist eine weitere Schwangerschaft geplant, sind ab drei Monaten vor einer (und dann während der gesamten) Schwangerschaft lediglich Impfungen mit Lebendimpfstoffen (wie gegen Masern, Mumps und Röteln) kontraindiziert.[81]

Stillkontroverse[Bearbeiten]

Im englischsprachigen Raum, wo nicht nur der Slogan Breast is best („Brust ist am besten“), sondern auch William Sears’ radikal stillfreundliches Attachment Parenting weite Verbreitung gefunden hat, sind manche Thesen der Stillbefürworter und der gesellschaftliche Druck, dem nicht-stillende Mütter heute oft ausgesetzt sind, in jüngerer Zeit wiederholt kritisiert worden.[82] So berichtet etwa die Journalistin und Autorin Hanna Rosin, wie sie das Experiment unternommen hat, befreundeten Müttern anzukündigen, dass sie ihren einmonatigen Säugling demnächst abstillen werde: „Die Reaktion war immer dieselbe: Zugehörigkeiten wurden neu bestimmt, sodass ich in einer Klasse von Müttern landete, die, pointiert gesagt, bereit wären, ihr Baby mit pürierten Chicken McNuggets zu füttern.“[83] Die Zeit-Autorin Jeannette Otto hat bemerkt, dass auch in Deutschland Mut dazu gehöre, eine „bekennende Nichtstillerin“ zu sein.[84]

2013 beschrieb die Soziologin Joan B. Wolf (Texas A&M University), wie Gesundheitsthemen im gesellschaftlichen Diskurs einen so hohen Stellenwert und die Frage, was eine verantwortungsvolle Mutter ausmache, ein solches Maß an Dogmatismus erlangt haben, dass die Qualität von Studien, die die Überlegenheit des Stillens gegenüber der Flaschenfütterung beweisen, kaum hinterfragt werde.[85] Der schwerwiegendste Vorwurf, der gegen fast alle bisherigen Studien vorgebracht worden ist, besteht darin, dass darin nicht etwa gestillte Kinder mit nicht-gestillten verglichen wurden, sondern Kinder aus stillenden Familien mit Kindern aus nicht-stillenden Familien, d. h. dass potenzielle sozioökonomische Faktoren nicht systematisch ausgeschlossen wurden. Dieses Problem hat im Jahre 2014 Cynthia G. Colen (Ohio State University) umgangen, indem sie ausschließlich solche Familien untersuchte, in denen mindestens ein Kind gestillt wurde und mindestens ein anderes Flaschenkost erhielt. Sie konnte in dieser Studie aufweisen, dass die mit der Flasche aufgezogenen Kinder sich in puncto körperlicher, emotionaler und intellektueller Entwicklung von ihren gestillten Geschwistern nicht signifikant unterschieden.[86] Eine vergleichbar angelegte Studie, die Eirik Evenhouse und Siobhan Reilly 2005 am Mills College durchgeführt hatten, war zu ähnlichen Ergebnissen gelangt.[87] In Weißrussland hat Michael S. Kramer 2008 eine echte randomisierte Studie durchgeführt, indem er die Mütter einer der beiden Vergleichsgruppen gedrängt hat, länger und ausschließlicher zu stillen, als diese ursprünglich geplant hatten. Auch in diesem Falle wiesen die Kinder gesundheitlich am Ende nur sehr wenige signifikante Unterschiede auf.[88] Hanna Rosin, die die medizinische Fachliteratur systematisch geprüft hat, kommt zu dem Ergebnis, dass Stillen gegenüber der Flaschenfütterung offenbar tatsächlich kleine gesundheitliche Vorteile hat, dass diese jedoch nicht signifikant genug sind, um die Doktrinhaftigkeit zu rechtfertigen, die den gesellschaftlichen Diskurs ums Stillen gegenwärtig prägt.[83]

Kulturelle, gesellschaftliche und politische Perspektive[Bearbeiten]

Stillkorsett mit abnehmbarem Brustzugang (etwa 1880)

Stillen in der Öffentlichkeit (Europa und USA)[Bearbeiten]

Das Stillen in der Öffentlichkeit ist zumindest im europäischen Kulturraum weithin akzeptiert. Ein Still-BH, der einseitig geöffnet werden kann, erlaubt es der Mutter, zu stillen und dabei weitestgehend bekleidet zu sein. Die Brust kann dabei großenteils durch Kleidung und den Kopf des Kindes bedeckt sein. Das Kind kann dabei unter der Oberbekleidung liegen, umgekehrt kann auch der Ausschnitt der Kleidung geöffnet oder verschoben werden. Auch „Stilltops“ als eigens für das Stillen konzipierte Kleidungsstücke sind erhältlich.

In den USA ist das Stillen in der Öffentlichkeit nicht durchgängig akzeptiert. Nach Umfragen der American Dietic Association lehnen 57 % der Amerikaner das Stillen in der Öffentlichkeit ab.[89] Das deutsche Auswärtige Amt weist darauf hin, dass das Stillen in der Öffentlichkeit in fast allen Staaten der USA zwar inzwischen ausdrücklich von Strafvorschriften gegen Exhibitionismus ausgenommen sei, rät aber dazu, es „zumindest in Restaurants und Bars bzw. in weniger ‚liberalen‘ Gegenden“ zu unterlassen.[90]

Förderung des Stillens in Deutschland[Bearbeiten]

Um das Stillen in Deutschland zu fördern, hat die Bundesregierung 1994 die Nationale Stillkommission gegründet.

Die Nationale Stillkommission setzt sich aus Wissenschaftlern, Kinderärzten, Vertretern der Stillverbände, der Hebammen und Geburtshelfern sowie Kinderkrankenschwestern zusammen. Die Geschäftsführung der Kommission ist am Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) angesiedelt.

Aufgabe der Nationalen Stillkommission ist es, die Bundesregierung zum Thema Stillen zu beraten. Sie nimmt zu einer Vielzahl an Themen rund um das Stillen Stellung und gibt Empfehlungen.[91] Des Weiteren zählt zu ihren Aufgaben, Initiativen zur Beseitigung bestehender Stillhindernisse zu unterstützen.

Stillen und Berufstätigkeit[Bearbeiten]

In Deutschland stehen jeder Mutter, die während der Stillzeit arbeitet, Stillpausen und weitere Sonderregelungen gesetzlich zu. Eine berufliche Tätigkeit ist also kein Grund zum Abstillen (vergleiche hierzu das Mutterschutzgesetz).

Auch die Europäische Sozialcharta in der Revision vom 3. Mai 1996 beinhaltet in Artikel 8 die Verpflichtungen für die Vertragsparteien, „sicherzustellen, daß Mütter, die ihre Kinder stillen, für diesen Zweck Anspruch auf ausreichende Arbeitsunterbrechungen haben“.[92]

Das Stillen lässt sich mit einer Betreuung durch eine andere Person kombinieren. Dies ist umso einfacher, je älter das Kind ist, da die Zahl der Stillmahlzeiten meist geringer wird. Ist der Arbeitsplatz der Mutter in der Nähe, kann sie ihre Arbeit zum Stillen unterbrechen, womöglich auf Abruf durch die betreuende Person; andernfalls kann das Abpumpen der Muttermilch sinnvoll sein, oder das Kind nimmt tagsüber andere Nahrung zu sich. Das Stillen abends, nachts und morgens kann weiterhin Teil der Mutter-Kind-Beziehung bleiben.

Viele Kinderkrippen unterstützen das Stillen in jeder Hinsicht und ermöglichen es den Müttern, die Einrichtung nach Bedarf zum Stillen zu besuchen. Teilweise ist eine entsprechende Regelung institutionalisiert: so wurde beispielsweise 2002 per Dekret das Stillen in allen Kinderkrippen in Paris erlaubt.[93]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Sozial- und Kulturgeschichte des Stillens

  • Antonia Charlotte Freiin Teuffel von Birkensee: Das Stillverhalten von Akademikerinnen in der Zeit von 1950 bis 1990. Dissertation. Düsseldorf 2014, DNB 1063085063/34

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Stillen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikibooks: Babybuch: Stillen – Lern- und Lehrmaterialien
 Wiktionary: stillen – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kluge Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 24. Auflage.
  2. Duden-Sprachberatung, Duden-Newsletter vom 15. Juli 2005.
  3. Alexander von Humboldt: Die Forschungsreisen in die Tropen Amerikas. In: Darmstädter Ausgabe. Band, II, Teilband I, Darmstadt, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 2008, S. 241ff.
  4. Hannah Lothrop: Das Stillbuch. aktualisierte Ausgabe. Kösel-Verlag, 2004, S. 133–135.
  5. Entrez GeneGen-ID: 5020 (Oxytocin)
  6. Oxytocin. In: Online Mendelian Inheritance in Man (engl.).
  7. Kraftspendende Muttermilch. auf: kleinesonne.de
  8. Stillpositionen, stillbaby.info (abgerufen am 2. Februar 2008).
  9. Stillen ja, aber richtig (abgerufen am 2. Februar 2008).
  10. B. Koletzko, F. Lehner: Beer and breastfeeding. In: Advances in experimental medicine and biology. Band 478, 2000, S. 23–28, ISSN 0065-2598. doi:10.1007/0-306-46830-1_2, PMID 11065057.
  11. Planned Parenthood: „Breastfeeding as Birth Control at a Glance“.
  12. Der Einfluß werdender Väter auf die Entscheidung zum Stillen (Memento vom 28. Dezember 2005 im Internet Archive)
  13. Väter und Stillen
  14. Stillen soll nicht schmerzhaft sein. In: Deutsche Hebammen Zeitschrift. 1/2007, S. 52–55. (PDF; 142 kB)
  15. J. L. Ballard u. a.: Ankyloglossia: Assessment, Incidence, and Effect of Frenuloplasty on the Breastfeeding Dyad. In: Pediatrics. 2002; 110, S. e63 Volltext online (engl.)
  16. Carol Green: Maternal Newborn Nursing Care Plans. 2011, Jones & Bartlett, ISBN 978-0-7637-7742-5, S. 357. (in englischer Sprache)
  17. Elaine Stillerman: The Danger of Mastitis. In: Massage Today. Juni 2008, Band 8, Nr. 6. (englisch)
  18. Breastfeeding With Nipple Piercings - California Chronicle
  19. *Nipple Piercing: Is It Compatible with Breastfeeding? – Beitrag der La Leche Liga.
  20. Glyphosat in Muttermilch nachgewiesen. Süddeutsche Zeitung, 26. Juni 2015, abgerufen am 28. Juni 2015 (deutsch).
  21. who.int
  22. gpau.de (PDF)
  23.  United Nations Children’s Fund (UNICEF) (Hrsg.): Progress for Children: A World Fit for Children Statistical Review (No. 6). UNICEF, New York 2007, ISBN 978-92-806-4194-3, S. 10 (unicef.org (PDF; 4 MB), abgerufen am 2012–12-20).
  24. Verbreitung, Dauer und zeitliche Trend des Stillens in Deutschland (KiGGS). Abgerufen am 21. April 2015.
  25. Stillen in Deutschland - eine Bestandsaufnahme; Stillverhalten in Bayern
  26. Fakten zum Stillen in Deutschland Ergebnisse der SuSe-Studie
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  28. P. McGovern, B. Dowd, D. Gjerdingen, C. R. Gross, S. Kenney, L. Ukestad, D. McCaffrey, U. Lundberg: Postpartum health of employed mothers 5 weeks after childbirth. In: Annals of family medicine. Band 4, Nummer 2, 2006 Mar-Apr, S. 159–167, doi:10.1370/afm.519, PMID 16569720, PMC 1467019 (freier Volltext), ISSN 1544-1717.
  29. Maternity Leave
  30. Who, What, Why: Why do African-American women breastfeed less?
  31. Progress in Increasing Breastfeeding and Reducing Racial/Ethnic Differences – United States, 2000–2008 Births.
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  33. KiGGS-Studie. Abgerufen am 28. April 2015.
  34. Kdolsky: Neue Studie zum Thema Stillen und dem Ernährungsverhalten von Säuglingen. Abgerufen am 28. April 2015.; Säuglingsernährung heute. Abgerufen am 24. April 2015 (PDF).
  35. [www.bag.admin.ch/themen/.../index.html Stillen - Bundesamt für Gesundheit.] Abgerufen am 24. April 2015. Fünfter Schweizer Ernährungsbericht. (PDF)
  36. Les mères françaises allaitent moins que leurs voisines européennes et moins longtemps. Abgerufen am 28. April 2015.
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  42. Chung, Woojin: Breast-feeding in South Korea: factors influencing its initiation and duration, Public Health Nutrition, Band 11, Heft 3, S. 225–229 (Abstract); Chung, Sung Hoon u. a.: Trends of Breastfeeding Rate in Korea (1994–2012): Comparison with OECD and Other Countries, J Korean Med Sci, Band 28, Heft 11, November 2013, S. 1573–1580 (PMC 3835497 (freier Volltext) Abstract)
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  47. Nach einigen Quellen steigt die Lysozym-Konzentration mit der Zeit im Gegenteil an. G. M. Hendricks, M. Guo: Bioactive components in human milk. In: Mingruo Guo (Hrsg.): Human Milk Biochemistry and Infant Formula Manufacturing Technology. Elsevier, 2014, ISBN 978-1-84569-724-2, S. 37, S. 33–54.
  48. Immune system of newborn babies stronger than previously thought. Abgerufen am 23. April 2015.
  49. G. M. Hendricks, M. Guo: Bioactive components in human milk. In: Mingruo Guo (Hrsg.): Human Milk Biochemistry and Infant Formula Manufacturing Technology. Elsevier, 2014, ISBN 978-1-84569-724-2, S. 37, S. 33–54; Esmat Aly, Gaspar Ros, Carmen Frontela: Structure and Functions of Lactoferrin as Ingredient in Infant Formulas. In: Journal of Food Research. Band 2, Heft 4, 2013 (Abstract)
  50. C. W. Smith, A. S. Goldman: The Cells of Human Colostrum. In: Pediatric Research. Band 2, 1968, S. 103–109 (Abstract); Swarma Rekha Bhat: Nutrition. Normal Nutrition and Malnutrition. In: Swarma Rekha Bhat (Hrsg.): Achar’s Textbook of Pediatrics. 4. Auflage. Universities Press, Hyderabad 2009, S. 37; F. C. Ho, R. L. Wong, J. W. Lawton: Human colostral and breast milk cells. A light and electron microscopic study. In: Acta Paediatr Scand. Band 68, Heft 3, Mai 1979, S. 389–396, PMID 443039
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  53. S. Arifeen u. a.: Exclusive breastfeeding reduces acute respiratory infection and diarrhea deaths among infants in Dhaka slums. In: Pediatrics. Band 108, Heft 4, Oktober 2001, S. E67, PMID 11581475. L. M. Lamberti u. a.: Breastfeeding and the risk for diarrhea morbidity and mortality. In: BMC Public Health. Band 11, Suppl. 3, 2011, S. S15 (Review)
  54. Mittelohrentzündung: B. Duncan u. a.: Exclusive breast-feeding for at least 4 months protects against otitis media. In: Pediatrics. Band 91, 1993, S. 867–872; K. G. Dewey, M. J. Heinig, L. A. Nommsen-Rivers: Differences in morbidity between breast-fed and formula-fed infants. In: J. Pediatr. Band 126, Heft 5, Teil 1, 1995, S. 696–702; J. Golding, P. M. Emmett, I. S. Rogers: Does breast feeding protect against non-gastric infections. In: Early Hum Dev. Band 49 (Suppl.), 1997, S. S105–S120; Atemwegserkrankungen: A. L. Wright u. a.: Breast feeding and lower respiratory tract illness in the first year of life. In: Group Health Medial Associates. BMJ. Band 299, 1989, S. 946–949; A. Pisacane u. a.: Breast feeding and acute lower respiratory infection. In: Acta Paediatr. Band 83, 1994, S. 714–718; A. H. Cushing u. a.: Breastfeeding reduces risk of respiratory illness in infants. In: Am J Epidemiol. Band 147, 1998, S. 863–870; V. Bachrach, E. Schwarz, L. R. Bachrach: Breastfeeding and the risk of hospitalization for respiratory disease in infancy: a meta-analysis. In: Arch Pediatr Adolesc Med. Band 157, 2003, S. 237–243.
  55. J. M. Paricio Talayero u. a.:Full Breastfeeding and Hospitalization as a Result of Infections in the First Year of Life. In: Pediatrics. Band 118, Heft 1, Juli 2006, S. e92–e99, doi:10.1542/peds.2005-1629 (Abstract)
  56. Aimin Chen, Walter J. Rogan: Breastfeeding and the Risk of Postneonatal Death in the United States. In: Pediatrics. Vol. 113 No. 5 May 2004, S. e435–e439.
  57. WHO-Metastudie 2007: Evidence on the long-term effects of breastfeeding (PDF; 648 kB).
  58. Schlumpf, Lichtensteiger: Humanmilch. Universität Zürich, 1993.
  59. Nahrungsmittel für Säuglinge: Prebiotische Nahrungsfasern für eine gesunde Darmflora (Memento vom 18. März 2009 im Internet Archive)
  60. Regiona Albers: Suchtforschung: Stillen schützt vor Alkoholismus. In: Focus online. 25. April 2006 focus.de
  61. D. L. Dee u. a.: Associations between breastfeeding practices and young children’s language and motor skill development. In: Pediatrics. 2007 Feb;119 Suppl 1, S. S92–S98.
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  63. Stillen macht intelligent und führt zu sozialem Aufstieg.
  64. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBreastfeeding 'helps to boost IQ'. BBC, 6. Mai 2008, abgerufen am 6. Mai 2008 (englisch).
  65. Länger gestillte Babys haben höhere Intelligenz.
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