Lindenau-Museum

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Das Lindenau-Museum (Postkarte von 1914)
Das Lindenau-Museum heute

Das Lindenau-Museum in Altenburg (Thüringen) beherbergt als kunsthistorisches Museum die Sammlungen des sächsisch-thüringischen Staatsmannes, Gelehrten und Kunstsammlers Bernhard August von Lindenau (1779–1854). Das prachtvolle, von Julius Robert Enger, einem Schüler Gottfried Sempers, errichtete Gebäude wurde im Jahr 1876 fertiggestellt.

Sammlungen[Bearbeiten]

Berühmt ist Lindenaus Sammlung früher italienischer Tafelbilder. Mit 180 Werken besitzt das Lindenau-Museum die größte Spezialsammlung außerhalb Italiens, die den internationalen Rang des Museums begründet. Schwerpunkte sind Werke von Meistern aus Siena, Florenz und Umbrien aus dem 13. bis 16. Jahrhundert. Hinzu kommen etwa 300 Gipsabgüsse nach Meisterwerken der griechisch-römischen Antike, aber auch von Kunstwerken aus Ägypten und Mesopotamien, außerdem der italienischen Renaissance und des Klassizismus.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Sammlungen unter Direktor Hanns-Conon von der Gabelentz um europäische Malerei des 16. bis 20. Jahrhunderts und deutsche Plastik des 19. und 20. Jahrhunderts erweitert. Das Museum beherbergt zudem eine Graphische Sammlung von etwa 50.000 Blatt, deren Schwerpunkt auf druckgraphischen Mappenwerken aus den 1920ern (Sammlung Alfred Hoh, Fürth) und auf dem Werk Gerhard Altenbourgs (1926–1989) liegt.

2009 kaufte das Museum mit Unterstützung der Hermann-Reemtsma-Stiftung, der Kulturstiftung der Länder, des Landes Thüringen, weiterer staatlicher Institutionen und Geldinstitute mehr als 100 unikale Arbeiten des Künstlers Gerhard Altenbourg im Wert von einer Million Euro. Das Museum besitzt dadurch die größte Altenbourg-Sammlung weltweit.

Durch die Ernst von Siemens Kunststiftung München konnte 2014 die Replik der Sixtinische Madonna wieder erworben werden. Bernhard von Lindenau ließ das Bild durch den Dresdner Maler Louis Castelli im Jahr 1847 anfertigen. Es wurde in den 1960er Jahren mit rund 190 anderen Repliken des Museum verkauft.

Geschichte[Bearbeiten]

Bernhard von Lindenau trug eine Sammlung von 400 antiken griechisch-etruskischen Keramiken und eine historische Kunstbibliothek zusammen, die der Erforschung seiner Sammlungen diente und dient. Seine Sammlungen machte Lindenau bereits 1848 der Öffentlichkeit zugänglich. Zugleich rief er eine Kunstschule ins Leben, die seit 1971 unter dem Namen Studio Bildende Kunst bis heute fortgeführt wird. Die enge Verzahnung einer Kunstschule mit einem Museum ist in Deutschland einzigartig.

Das Lindenau-Museum wurde in das im Jahre 2001 erschienene Blaubuch aufgenommen. Das Blaubuch ist eine Liste national bedeutsamer Kultureinrichtungen in Ostdeutschland und umfasst zurzeit 23 sogenannte kulturelle Leuchttürme.

Nach einer baulichen Sanierung des Gebäudes und Renovierungsarbeiten in den Ausstellungssälen wurde das Museum am 5. November 2006 mit der Sonderausstellung „Paris, 158 Boulevard Haussmann“ (50 italienische Meisterwerke aus dem Musée Jacquemart-André, Paris) wiedereröffnet.

Bis zu ihrem Ruhestand 2012 leitete Jutta Penndorf rund dreißig Jahre das Museum. Ihre Nachfolgerin wurde 2012 die Kunst- und Literaturhistorikerin Julia M. Nauhaus.

Zu Beginn des Jahres 2016 war eine Führungskrise des Lindenau-Museums Gegenstand der Kulturberichterstattung. Als Folge der auf die Landrätin Michaele Sojka zurückgeführten Nichtverlängerung des Vertrages der erfolgreichen Museumsdirektorin Julia Nauhaus erklärten vier von 16 Mitgliedern des Kuratoriums für den alle zwei Jahre vergebenen Gerhard-Altenbourg-Preis aus Protest ihren Austritt aus dem Kuratorium. Die für 2016 vorgesehene Preisträgerin, die Schweizerin Miriam Cahn, lehnte den Preis inzwischen ab.[1] [2] Julia Nauhaus übernimmt mit dem April 2016 die Leitung der Gemäldegalerie und des Kupferstichkabinetts der Akademie der bildenden Künste in Wien.[3]

Förderkreis und Förderprogramme[Bearbeiten]

Der Förderkreis Freunde des Lindenau-Museums e. V. wurde 1994 gegründet und ist mit mehr als 200 Mitglieder einer der größten im Altenburger Land.

Das Lindenau-Museum vergibt seit 1998 im zweijährlichen Rhythmus den Gerhard-Altenbourg-Preis, der mit einer Ausstellung im Lindenau-Museum sowie einem Preisgeld verbunden ist und dem Künstler Gerhard Altenbourg gewidmet ist.

Außerdem wird an Absolventen mitteldeutscher Kunsthochschulen das Bernhard von Lindenau Stipendium vergeben.

Ausgestellte Werke[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus Jena, Ingeborg Titz-Matuszak, Miklos Boskovits: 150 Jahre Lindenau-Museum Altenburg. Lindenau-Museum, Altenburg 1998, ISBN 3-86104-032-8.
  • Ruth Gleisberg, Barbara John, Margit Mahn: Frühe italienische Malerei im Lindenau-Museum Altenburg. Seemann, Leipzig 1998, ISBN 3-363-00688-8.
  • Eberhard Paul: Antike Keramik im Lindenau-Museum. Die Sammlungen des Staatlichen Lindenau-Museums Altenburg. Lindenau-Museum, Altenburg 1992, ISBN 3-86104-015-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lindenau-Museum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Regina Mönch: Wenn das Wasser und die Mikroben kommen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2016, S. 13.
  2. "Streit am Lindenau-Museum - Gerhard Altenbourgs Heimstätte in Schieflage", Deutschlandradio Kultur vom 13. Januar 2016, abgerufen am 9. Februar 2016
  3. Julia M. Nauhaus neue Leiterin der Gemäldegalerie der Akademie, Der Standard vom 22. Januar 2016, abgerufen am 9. Februar 2016


50.99188888888912.444944444444Koordinaten: 50° 59′ 31″ N, 12° 26′ 42″ O