Branitzer Park

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Schloss Branitz:
der Wohnsitz von Hermann von Pückler-Muskau

Der Fürst-Pückler-Park Branitz ist ein von Fürst Hermann von Pückler-Muskau gestalteter Landschaftspark bei Branitz und die bedeutendste der Cottbuser Parkanlagen. Im Zentrum des zonierten Landschaftsgartens befindet sich Schloss Branitz, Alterssitz Fürst Pücklers. Das Wahrzeichen des Parks sind die beiden weltweit einmaligen Erdpyramiden, die Landpyramide sowie die Seepyramide, auch Tumulus genannt, welche Fürst Pückler als seine letzte Ruhestätte inszenierte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sichtachse vom Hermannsberg mit Blick auf die Schlangenseebrücke und die Landpyramide

Die Herrschaft Branitz gelangte 1696 in den Besitz der Grafenfamilie Pückler. 1785 zog die Familie nach Muskau, Branitz wurde verpachtet. Die Gestaltung des Branitzer Parks begann 1845, als Hermann von Pückler-Muskau seinen damaligen Wohnsitz Schloss Muskau und den dortigen Park aufgrund finanzieller Probleme verkaufte und nach Branitz zog. Im Alter von 60 Jahren begann er hier diesen weiteren Landschaftspark nach englischem Vorbild anzulegen. Bis in die 1850er Jahre wurden zunächst der Pleasureground und der Innenpark um das Schloss herum gestaltet, im Anschluss entstand die Pyramidenebene mit den beiden Erdpyramiden. Unter dem Nachfolger des Fürsten Pückler, dessen Stiefcousin Heinrich Graf von Pückler, erfolgten im Park weitere Um- und Ausgestaltungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie von Pückler enteignet und Park und Schloss Branitz in Volkseigentum überführt. Durch die Bodenreform wurden anschließend Teile der Ländereien, vor allem im Außenpark, sowie die Gutsökonomie und die Schlossgärtnerei, in Privateigentum bzw. volkseigene Betriebe überführt. Seit 1995 wird der Innenpark mit Pleasureground und Schloss von der kommunalen Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz verwaltet und gepflegt. Nach und nach konnten Teile der ehemaligen Gutsökonomie sowie die Schlossgärtnerei saniert und wieder in den Park integriert werden.

Durch seine Parkschöpfungen, insbesondere in Muskau und Branitz, zählt Hermann Fürst von Pückler-Muskau neben Peter Joseph Lenné und Friedrich Ludwig Sckell zu den bedeutendsten deutschen Gartenkünstlern des 19. Jahrhunderts.

Der Branitzer Park steht als Gartendenkmal auf der Denkmalliste des Landes Brandenburg. Darüber hinaus gibt es Bestrebungen, die Anlage in das UNESCO-Weltkulturerbe aufnehmen zu lassen.[1][2]

Der Fürst-Pückler-Park Branitz ist Mitglied im Europäischen Parkverbund Lausitz – „Von Graf Brühl bis Fürst Pückler“ – weitere Mitglieder sind der Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, der Ostdeutsche Rosengarten Forst und der Schlosspark Brody/Pförten.

Für das Jahr 2012 konnten rund 200.000 Besucher für die Parkanlagen und 63.000 Besucher für die Museen und sonstige Veranstaltungen ermittelt werden.[1] Seit Ende August 2015 ist der Tumulus, die Grabpyramide von Fürst Pückler, in restauriertem Zustand zu sehen.[3]

Gliederung und Gestaltung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fürst Pückler ließ den Branitzer Park nach dem Vorbild Humphry Reptons als einen zonierten Landschaftsgarten anlegen. Dabei steigert sich die gestalterische wie auch die pflegerische Intensität der Anlage von außen nach innen, mit dem Schloss und dem Pleasureground im Zentrum der Anlage. Um das Schloss herum legte der Fürst einen mit Blumenbeeten, Plastiken und Ziergehölzen ausgestatteten Pleasureground an. Wie er in seinem Fachbuch „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ schreibt, sollte dieser Pleasureground mit mehreren Sondergärten als Fortsetzung der Räume des Schlosses unter freiem Himmel gestaltet werden.[4] Er war dem Fürsten, seiner Familie und seinen Gästen vorbehalten, während der anschließende Innenpark von Anfang an der Öffentlichkeit zugänglich war. Um den Pleasureground vom Innenpark zu trennen und auch zu ästhetischen Zwecken umgab den Pleasureground eine vielgestaltige Einfriedung. Diese ist heute nicht mehr vorhanden, soll aber wiederhergestellt werden.

Pyramidensee mit Blick auf die Seepyramide, Begräbnisstätte Fürst Pücklers und seiner Frau Lucie

Der sogenannte Innenpark stellt im Gegensatz zum reich ausgeschmückten Pleasureground eine „zusammengezogne idealisirte Natur“[4] dar. Pückler ließ dazu Seen und Kanäle ausheben und aus dem Aushub Hügel modellieren, sodass aus der ursprünglich flachen Ebene ein natürlich anmutendes, doch komplett künstlich geschaffenes Relief entstand. Der Innenpark erstreckt sich von der Parkschmiede und der Gutsökonomie im Osten, zum Branitzer Torhaus im Süden und dem Cottbuser Torhaus im Norden bis an die Kiekebuscher Straße bzw. Pyramidenstraße im Westen. Im westlichen Innenpark befindet sich die ab den 1850er Jahren angelegte Pyramidenebene. Hier ließ Fürst Pückler 1856 die Seepyramide, von ihm Tumulus genannt, als seine Grabstätte anlegen. Der Tumulus ist mit drei Arten Weinreben bepflanzt, welche sich im Herbst überwiegend leuchtend rot färben. Nach Fürst Pücklers Tod am 4. Februar 1871 wurden seine sterblichen Überreste gemäß seinem Wunsch mit Chemikalien übergossen und anschließend am 9. Februar 1871 in der Seepyramide beigesetzt. Etwas südlich davon befindet sich die 1860–1863 auf einem künstlichen Hügel errichtete und ursprünglich 12-stufige Landpyramide. Sie sollte ursprünglich als Grabstätte für Pücklers Frau Lucie von Pückler-Muskau dienen. Da Lucie aber bereits 1854 starb und sich auf dem alten Branitzer Dorffriedhof beisetzen ließ, wurde die Landpyramide nie zum Grab. Die sterblichen Überreste der Fürstin Lucie wurden 1884 unter Graf Heinrich Pückler in den Tumulus umgebettet.

Der Innenpark mit Pleasureground und Schloss umfasst eine Fläche von etwa 112 Hektar. Auch die umliegenden landwirtschaftlichen Flächen des Gutes Branitz bezog Fürst Pückler mit in sein Konzept ein. Diesen sogenannten Außenpark gestaltete er als „Ornamental Farm“, eine ausgeschmückte Landwirtschaft. Insgesamt umfasste die gestaltete Branitzer Parklandschaft ein Areal von ca. 622 Hektar. Heute ist ein Teil des Außenparks überformt bzw. umgenutzt, beispielsweise durch die Branitzer Siedlung, das Stadion der Freundschaft, den Eliaspark, den Spreeauenpark und den Tierpark Cottbus. Weitere Flächen werden bis heute land- und forstwirtschaftlich genutzt.

Schloss Branitz, Ausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zentrum des Parks liegt das von 1770 bis 1772 im Barockstil erbaute und um 1850 umgebaute Schloss. Es zeigt in zahlreichen historisch ausgestalteten restaurierten Räumen in sehr lebendiger Form die Wohnwelt des Fürsten Pückler. Außerdem wird eine Gemäldesammlung von Werken des in Cottbus geborenen Landschaftsmalers Carl Blechen gezeigt. Ausstellungen zum Leben und Werk von Hermann Fürst von Pückler-Muskau, die Museumspädagogische Ausstellung „Auf der Suche nach dem versteinerten Prinzen“ sowie regelmäßig wechselnde Sonderausstellungen werden im Besucherzentrum auf dem Gutshof sowie im Marstall gezeigt.

Panoramablick vom Branitzer Schloss auf den Pergolagarten

Veranstaltungen in Park und Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schloss Branitz und im Besucherzentrum finden regelmäßig Konzerte, Vorträge, Lesungen, Tagungen und weitere Veranstaltungen statt. Auf dem Gelände der Schlossgärtnerei wird jeweils im Mai das Gartenfestival veranstaltet, auf dem Gelände der Gutsökonomie im Dezember der Adventsmarkt. Alljährlich findet am letzten Sonntag im August die Vorstellung des neuen Spielplans des Staatstheaters Cottbus im Branitzer Park statt.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Berthold Ettrich: Entdeckungen im Park zu Branitz, ein idealer Spaziergang des Fürsten Pückler. Ein „Pfadfinder“ mit zwei Übersichtskarten. Hrsg. v.d. Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz. Maxroi Graphics, Görlitz 2004, DNB 973517794.
  • Fürst-Pückler-Museum Park und Schloß Branitz (Hrsg.): Fürstliche Bilder. Pücklers Park und Schloß Branitz in Fotografien aus drei Jahrhunderten. Alfa, Cottbus 2004, ISBN 3-935513-12-7.
  • Thomas Kläber, Matthias Körner, Gisela Tobianke: Park und Schloss Branitz, auf den Spuren Fürst Pücklers. Regia, Cottbus 2001, ISBN 3-936092-32-X (deutsch-englisch-polnischer Park- und Schlossführer)
  • Axel Klausmeier (Hrsg.): Kulturlandschaft Fürst-Pückler-Park, der Branitzer Außenpark im Brennpunkt widerstreitender Interessen. Westkreuz, Berlin/ Bonn 2005, ISBN 3-929592-89-4.
  • Arielle Kohlschmidt, René Beder, Jürgen Heinrich (Hrsg.): Branitz. Park & Schloss, ein Wegbegleiter durch Pücklers Meisterwerk. CGA, Cottbus 2006, ISBN 3-937503-14-5.
  • Kommunale Stiftung Fürst-Pückler-Museum - Park und Schloß Branitz (Hrsg.): 150 Jahre Branitzer Park. Garten-Kunst-Werk, Wandel und Bewahrung. Kolloquium der Stiftung Fürst-Pückler-Museum - Park und Schloß Branitz. Cottbus/Branitz, 10. - 12. Oktober 1996. Edition Branitz. Bd 3. Kommunale Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloß Branitz, Cottbus 1998.
  • Rolf Schneider: Fürst Pückler in Branitz. be.bra verlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-86124-641-1.
  • Stiftung Fürst Pückler Museum, Park und Schloß Branitz (Hrsg.): Im Spiegel der Erinnerung - der Branitzer Park - Gartenparadies des Fürsten Pückler. 21 Beiträge von 1804 bis 1939. Edition Branitz. Bd 2. Fürst-Pückler-Museum, Branitz 1997.
  • Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz: Fürst-Pückler-Park Branitz – Park- und Schlossführer. Cottbus 2013, ISBN 978-3-910061-22-4.
  • Claudius Wecke: »...mein Tumulus wird bleiben, solange die Erde steht.« Die Seepyramide im Fürst-Pückler-Park Branitz: Geschichte und Restaurierung, be.bra verlag, Berlin 2015, ISBN 978-3-95410-070-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Branitzer Park – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Niederlausitz-aktuell: Branitzer Park mit 200.000 Besuchern in 2012
  2. Branitzer Park kämpft ums Weltkulturerbe
  3. Letzte Ruhestätte als Wahrzeichen. Die Grabpyramide von Fürst Pückler im Branitzer Park ist restauriert. dpa-Artikel, abgedruckt z. B. im neuen deutschland, 27. August 2015, S. 12
  4. a b Hermann Fürst von Pückler-Muskau: Andeutungen über Landschaftsgärtnerei, verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau. Stuttgart 1834, S. 52/53.

Koordinaten: 51° 44′ 34″ N, 14° 21′ 48″ O