Lubawa

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Lubawa
Wappen von Lubawa
Lubawa (Polen)
Lubawa
Lubawa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Iława
Fläche: 16,84 km²
Geographische Lage: 53° 30′ N, 19° 45′ OKoordinaten: 53° 30′ 0″ N, 19° 45′ 0″ O
Einwohner: 10.133
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 14-260
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NIL
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Działdowo–Iława
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 16,84 km²
Einwohner: 10.133
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 602 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2807021
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Edmund Standara
Adresse: ul. Rzepnikowskiego 9 A
14-260 Lubawa
Webpräsenz: www.lubawa.pl



Lubawa [luˈbava] (deutsch Löbau in Westpreußen) ist eine Stadt im Powiat Iławski (Deutsch Eylauer Distrikt) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, mit etwa 9500 Einwohnern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im ehemaligen Westpreußen unmittelbar südwestlich der Kernsdorfer Höhe am Flüsschen Sandela und wird von der Wel weiträumig umflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löbau südöstlich von Marienwerder und östlich von Graudenz auf einer Landkarte von 1908.
Platz im Stadtzentrum

Erstmals Erwähnung findet die terra Lubavia 1216 im Zusammenhang mit einer Preußenburg. Für die Stadt datiert der erste schriftliche Nachweis von 1260. Über die Bedeutung des Namens sind sich die Linguisten nicht einig. Er dürfte jedoch eine Landschaftsbeschreibung darstellen (prußisch "loba":Tal, Vertiefung; vgl. dazu lettisch "lubene": Wiese). Stadt und Burg wurden 1269 durch die Sudauer zerstört. Die Bischöfe von Kulm ließen Stadt und Feste wieder aufbauen und residierten im Schloss, bis sie 1781 ihren Sitz nach Kulmsee verlegten.

Von 1466 bis 1772 gehörte Löbau zum unter polnischer Hoheit stehenden, autonomen Preußen königlichen Anteils. Das Land Löbau, Lateinisch: Lobovia, wurde geteilt. 1724 zerstörte ein Stadtbrand große Teile der Stadt. Davon erholte sich Löbau nur schwer, 50 Jahre später hatte es nur 624 Einwohner und über 100 Grundstücke lagen noch wüst. Es gab kaum massive Häuser, vorherrschend waren Fach- und Schurzwerkbauten.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Löbau unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. Zur Zeit des französischen Usurpators Napoleon Bonaparte war Löbau von 1807 bis 1815 vorübergehend dem Herzogtum Warschau angegliedert. 1813 brannte das Schloss nach einem Blitzeinschlag aus und wurde abgebrochen. Auf dem Wiener Kongress wurde Löbau an Preußen zurückerstattet. Die Einwohnerzahl stieg bis 1819 auf 1.300 an.

Im Jahr 1884 bekam Löbau Anschluss an die Eisenbahn. In der Stadt war kaum Industrie ansässig, es dominierten das kleine Handwerk und die Krämerei. Von 1818 bis 1920 gab Löbau dem Landkreis Löbau seinen Namen, Gemeindesitz war aber das benachbarte Neumark. Löbau und sein Landkreis gehörten zum Regierungsbezirk Marienwerder in der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Während der gesamten Zugehörigkeit zu Preußen bzw. ab 1871 zum Deutschen Reich bestand die Bevölkerung von Stadt und Umland aus deutschen, polnischen und masurischen Sprachgruppen und war überwiegend katholischer Konfession. Im Jahr 1890 bestand die Bevölkerung der Stadt Löbau zur Hälfte aus Polen.[2]

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Löbau aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Durch den Polenfeldzug 1939 kam das entnommene Territorium des Polnischen Korridors an das Reichsgebiet zurück. Das Kreisgebiet wurde dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem Löbau bis 1945 gehörte.

Die Nationalsozialisten zerstörten die städtische Synagoge. 1943 lebten 5657 Einwohner in der Stadt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Löbau im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Bald danach wurde Löbau unter polnische Verwaltung gestellt. Es begann nun die Zuwanderung polnischer Zivilisten, die sich der Behausungen und Anwesen der eingesessenen deutschen Stadtbewohner bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Als Ortsname wurde die polnische Bezeichnung Lubawa eingeführt. Soweit die deutschen Stadtbewohner nicht geflohen waren, wurde sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungszahlen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 625 [3]
1785 1.115 meistens römisch-katholische Polen[4]
1819 1.297 [3]
1831 2.126 meistens Polen[5]
1864 3.951 davon 1.244 Evangelische und 2.154 Katholiken[6]
1875 4.506 [7]
1880 4.857 [7]
1890 4.593 davon 1.651 Protestanten, 2.604 Katholiken und 338 Juden (2.300 Polen)[7]
1900 4.451 meistens Katholiken[8]
1921 4.600 400 Deutsche[9]
1943 5.657 [3]
2006 9.328

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Lubawa ist Endpunkt der noch als Anschlussgleis betriebenen Bahnstrecke Zajączkowo Lubawskie–Lubawa. Der Ort Rakowice in der Gemeinde Lubawa hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Landgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Lubawa, zu welcher die Stadt selbst nicht zählt, umfasst ein Territorium von 237 km² mit 10.624 Einwohnern (30. Juni 2015). Dazu zählen die folgenden kleineren Ortschaften:

Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1920 und 1939–1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1920 und 1939–1945)
Polnischer Name Deutscher Name
(bis 1920 und 1939–1945)
Byszwałd Bischwalde Lubstyn Lubstein
1911–1945 Groß Lobenstein
Rożental Rosenthal
1942–1945 Rosental
Czerlin Czerlin
1942–1945 Klein Nappern
Lubstynek Klein Lobenstein Rumienica Rommen
Fijewo Fiewo
1942–1945 Fienau
Ludwichowo Ludwigsthal
1942–1945 Ludwigstal
Sampława Samplawa
1908–1945 Samplau
Gierłoż Preußisch Görlitz
1914–1945 Görlitz
Mortęgi Mortung Szczepankowo Szepankowo
1866–1945 Stephansdorf
Gierłoż Polska Groß Görlitz Napromek Gut Nappern Targowisko Targowisko
1904–1945 Tergewisch
Grabowo Grabau Omule Omulle
1942–1945 Mole
Tuszewo Tuszewo
1903–1942 Tuschau
1942–1945 Tinnwalde
Gutowo Guttowo
1942–1945 Gutau
Pomierki Pomierken
1942–1945 Pommerken
Wałdyki Waldiki
1865–1939 Waldek
1939–1945 Waldeck
Kazanice Kazanitz
1942–1945 Kasenitz
Prątnica Prontnitza
1866–1945 Pronikau
Zielkowo Zielkau
1942–1945 Schilkendorf
Łążyn Londzyn
1942–1945 Lansen
Raczek Raczek
1942–1945 Rasen
Złotowo Zlottowo
1942–1945 Güldenbach
Losy Lossen Rakowice Rakowitz
1942–1945 Rakel

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 44–45, Nr. 4.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 433–434, Nr. 38..
  • Franz Wenzlaff: Löbau im Jahre 1656 (Aus dem „Vorwort“ des Programms zur öffentlichen Prüfung der Stadtschule zu Löbau. Elbing 1839). In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Andere Folge, Band 8, Heft 5, Königsberg 1855, S. 381–388.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lubawa – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikisource: Lobau in der Topographia Electoratus Brandenburgici et Ducatus Pomeraniae (Matthäus Merian) – Quellen und Volltexte

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Landkreis Löbau
  3. a b c Handbuch der historischen Stätten: Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 123-124.
  4. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 44–45, Nr. 4.
  5. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 433–434, Nr. 38.
  6. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 90–91, Nr. 96.
  7. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Löbau/Neumark (2006).
  8. Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 12, Leipzig und Wien 1908, S. 641, Nr. 1).
  9. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 11, Leipzig 1932, S. 506–507, Nr. 2).