Lubawa

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Dieser Artikel befasst sich mit der früher deutschen Stadt Löbau in Westpreußen. Zur gleichnamigen Stadt in der Oberlausitz siehe Löbau.
Lubawa
Wappen von Lubawa
Lubawa (Polen)
Lubawa
Lubawa
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Ermland-Masuren
Powiat: Iława
Fläche: 16,84 km²
Geographische Lage: 53° 30′ N, 19° 45′ OKoordinaten: 53° 30′ 0″ N, 19° 45′ 0″ O
Einwohner: 10.199
(31. Dez. 2016)[1]
Postleitzahl: 14-260
Telefonvorwahl: (+48) 89
Kfz-Kennzeichen: NIL
Wirtschaft und Verkehr
Schienenweg: Działdowo–Iława
Nächster int. Flughafen: Bydgoszcz
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 16,84 km²
Einwohner: 10.199
(31. Dez. 2016)[1]
Bevölkerungsdichte: 606 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2807021
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Edmund Standara
Adresse: ul. Rzepnikowskiego 9 A
14-260 Lubawa
Webpräsenz: www.lubawa.pl



Lubawa [luˈbava] (deutsch Löbau in Westpreußen) ist eine Stadt im Powiat Iławski (Powiat Deutsch Eylau) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren, mit etwa 9500 Einwohnern.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt liegt im ehemaligen Westpreußen unmittelbar südwestlich der Kernsdorfer Höhe am Flüsschen Sandela und wird vom Fluss Welle weiträumig umflossen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Löbau in Westpreußen, südöstlich von Marienwerder und östlich von Graudenz, auf einer Landkarte von 1908
Stadt und Schloss Löbau im 17. Jahrhundert
Platz im Stadtzentrum
St.-Anna-Kirche
St.-Anna-Kirche aus anderer Perspektive
St.-Barbara-Kirche
St.-Johannes-Kirche

Erstmals Erwähnung findet die terra Lubavia 1216 im Zusammenhang mit einer Preußenburg. Für die Stadt datiert der erste schriftliche Nachweis von 1260. Über die Bedeutung des Namens sind sich die Linguisten nicht einig. Er dürfte jedoch eine Landschaftsbeschreibung darstellen (prußisch "loba":Tal, Vertiefung; vgl. dazu lettisch "lubene": Wiese). Stadt und Burg wurden 1269 durch die Sudauer zerstört. Die Bischöfe von Kulm ließen Stadt und Feste wieder aufbauen und residierten im Schloss, bis sie 1781 ihren Sitz nach Kulmsee verlegten.

Von 1466 bis 1772 gehörte Löbau dem autonomen Preußen königlichen Anteils an, das sich freiwillig der Oberhoheit der polnischen Krone unterstell hatte. Das Land Löbau, Lateinisch: Lobovia, wurde geteilt. Durch sein Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Sejm kündigte König Sigismund II. August die Autonomie Westpreußens unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[2][3] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 als Fremdherrschaft empfunden wurde.[4]

1724 zerstörte ein Stadtbrand große Teile der Stadt. Davon erholte sich Löbau nur schwer, 50 Jahre später hatte es nur 624 Einwohner und über 100 Grundstücke lagen noch wüst. Es gab kaum massive Häuser, vorherrschend waren Fach- und Schurzwerkbauten.

Im Rahmen der ersten polnischen Teilung kam Löbau 1772 unter Friedrich II. von Preußen zum Königreich Preußen. Zur Zeit von Napoleon Bonaparte war Löbau von 1807 bis 1815 vorübergehend dem Herzogtum Warschau angegliedert. 1813 brannte das Schloss nach einem Blitzeinschlag aus und wurde abgebrochen. Auf dem Wiener Kongress wurde Löbau an Preußen zurückerstattet. Die Einwohnerzahl stieg bis 1819 auf 1.300 an.

Im Jahr 1820 wurde das örtliche Bernhardinerkloster aufgehoben.[5] Die Klosterkirche wurde der evangelischen Gemeinde zugewiesen.[6] In den übrigen Klostergebäuden wurde später eine Schule eingerichtet.[5]

Im Jahr 1884 bekam Löbau Anschluss an die Eisenbahn. In der Stadt war kaum Industrie ansässig, es dominierten das kleine Handwerk und die Krämerei. Von 1818 bis 1920 gab Löbau dem Landkreis Löbau seinen Namen, Gemeindesitz war aber das benachbarte Neumark. Löbau und sein Landkreis gehörten zum Regierungsbezirk Marienwerder in der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Während der gesamten Zugehörigkeit zu Preußen bzw. ab 1871 zum Deutschen Reich bestand die Bevölkerung von Stadt und Umland aus deutschen, polnischen und masurischen Sprachgruppen und war überwiegend katholischer Konfession. Im Jahr 1890 waren die Hälfte der Stadtbewohner Polen.[7] Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Löbau eine evangelische Kirche, drei katholische Kirchen, eine Synagoge, ein Progymnasium, ein evangelisches Schullehrerseminar, eine Präparandenanstalt und ein Amtsgericht.[5]

Nach dem Ersten Weltkrieg musste Löbau aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an Polen abgetreten werden. Im Jahr 1934 kündigte die polnische Staatsregierung das deutsch-polnische Minderheitenschutzabkommen einseitig auf. Nach dem Überfall auf Polen im September 1939 wurde das Kreisgebiet vom Deutschen Reich annektiert und dem Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem Löbau bis 1945 gehörte.

Die Nationalsozialisten zerstörten die städtische Synagoge. 1943 lebten 5657 Einwohner in der Stadt.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Löbau im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Soweit die deutschen Stadtbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit aus Löbau vertrieben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1772 0625 [8]
1785 1.115 meistens römisch-katholische Polen[9]
1802 1.269 [10]
1816 1.007 davon 207 Evangelische, 585 Katholiken und 215 Juden[10]
1819 1.297 [8]
1821 1.598 [10]
1831 2.126 meistens Polen[11]
1852 3.310 [12]
1864 3.951 davon 1.244 Evangelische und 2.154 Katholiken[13]
1871 4.224 darunter 1.350 Evangelische und 2.350 Katholiken (2.200 Polen)[14]
1875 4.506 [15]
1880 4.857 [15]
1890 4.593 davon 1.651 Protestanten, 2.604 Katholiken und 338 Juden (2.300 Polen)[15]
1900 4.451 meistens Katholiken[5]
1921 4.600 400 Deutsche[16]
1943 5.657 [8]
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2006 9.328

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Lubawa ist Endpunkt der noch als Anschlussgleis betriebenen Bahnstrecke Zajączkowo Lubawskie–Lubawa. Der Ort Rakowice in der Gemeinde Lubawa hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Warszawa–Gdańsk.

Landgemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Lubawa, zu der die Stadt selbst nicht zählt, umfasst ein Territorium von 237 km² mit 10.716 Einwohnern (31. Dezember 2016). Der Sitz der Landgemeinde befindet sich im Dorf Fijewo.

Hauptartikel: Lubawa (Landgemeinde)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

in der Reihenfolge des Erscheinens
  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 44–45, Nr. 4.
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 433–434, Nr. 38.
  • Franz Wenzlaff: Löbau im Jahre 1656 (Aus dem „Vorwort“ des Programms zur öffentlichen Prüfung der Stadtschule zu Löbau. Elbing 1839). In: Neue Preußische Provinzial-Blätter. Andere Folge, Band 8, Heft 5, Königsberg 1855, S. 381–388.
  • Gustav Liek: Die Stadt Löbau in Westpreussen mit Berücksichtigung des Landes Löbau, Marienwerder 1893 (E-Kopie).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Lubawa – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of December 31, 2016. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 5,19 MiB), abgerufen am 29. September 2017.
  2. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  3. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  4. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  5. a b c d Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Band 12, Leipzig und Wien 1908, S. 641, Nr. 1).
  6. Max Toeppen: Historisch-comparative Geographie von Preussen. Gotha 1858, S. 363.
  7. Landkreis Löbau
  8. a b c Handbuch der historischen Stätten: Ost und Westpreußen, Kröner, Stuttgart 1981, ISBN 3-520-31701-X, S. 123–124.
  9. Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Teil II: Topographie von West-Preussen, Marienwerder 1789, S. 44–45, Nr. 4.
  10. a b c Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, 330–331, Ziffer 403.
  11. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 433–434, Nr. 38.
  12. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 359.
  13. E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 90–91, Nr. 96.
  14. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 50, Ziffer 4.
  15. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Provinz Westpreußen, Kreis Löbau/Neumark (2006).
  16. Der Große Brockhaus, 15. Auflage, Band 11, Leipzig 1932, S. 506–507, Nr. 2).