Kulmerland

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Altpreußische Landschaften mit dem Kulmer Land im Weichselknie

Das Kulmerland (auch Kulmer Land, Culmerland oder Culmer Land, polnisch Ziemia chełmińska) ist eine historische Landschaft im Nordosten Polens, benannt nach ihrer Hauptstadt Culm/Kulm (Chełmno). Das flache und fruchtbare Land wird von den Flüssen Weichsel im Osten, Drewenz im Süden und Ossa im Norden begrenzt.

Der Name Kulm stammt aus dem slawischen Wort chlm, das einen (bewaldeten) Hügel bezeichnet und als Kulm ins Deutsche entlehnt worden ist. Kulm lag zunächst am wenige Kilometer entfernten Lorenzberg (poln. Góra Św. Wawrzyńca).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kulmerland zählt zu den Landschaften der zwölf prußischen Stämme. Mit der Expansion der Slawen sind die ersten slawischen Siedlungen im Gebiet des heutigen Kulmerlandes aufgrund archäologischer Funde ins 8. Jahrhundert datiert, doch noch im 13. Jahrhundert war es baltisch-slawisches Mischgebiet.[1]

Seit dem Ende des 10. Jahrhunderts versuchten die polnischen Herrscher das grenznahe Kulmerland zu unterwerfen. Seit der Christianisierung Polens war die Förderung der Missionierung heidnischer Gebiete ein Mittel zur territorialen Expansion feudaler Herrschaften.

Die Stadt Kulm wird 1065 in einer von König Bolesław II. ausgestellten Urkunde an das Kloster in Mogilno erstmals erwähnt.

Während der feudalen Zersplitterung Polens (1138–1320) waren südlich gelegene Grenzteile des Kulmerlands zeitweilig von Herrschern des Herzogtums Masowien erobert, konnte durch die Prußen jedoch immer wieder befreit werden.

Zu Verteidigungszwecken war es in Burgbereiche unterteilt, die sich während des 12. Jahrhunderts zu größeren administrativen Einheiten, den Kastellaneien, zusammengeschlossen hatten. Diese wurde im Namen des Herzogs von Wojwoden verwaltet. Die Kastellanei von Kulm beispielsweise verteidigte die nördlichen Ränder des Kulmerlandes gegen die Einfälle der Pomesanier, eines weiteren Stammes der Prußen, die damals noch Heiden waren und in den ersten Jahrzehnten des 13. Jahrhunderts eine ständige Bedrohung für das Kulmerland darstellten.

1215 nahm mit Christian von Preußen, einem Zisterzienser aus Łekno, der erste Bischof Preußens seinen Sitz in Kulm. Von hier aus wurden nun die Versuche der Christianisierung der Prußen forciert. Diese wehrten sich erbittert gegen die fortschreitende polnische Expansion und den ihnen aufgezwungenen fremden Glauben, so dass das Kulmerland ebenso wie Masowien zum umkämpften Grenzgebiet wurde.

Beim prußischen Einfall von 1216 wurde nicht nur die Burg von Kulm zerstört, sondern auch Kirchen und Dörfer in Schutt und Asche gelegt sowie deren Bewohner verschleppt. In den folgenden Jahren unternommene Gegenstöße polnischer und deutscher Kreuzfahrer, die von Bischof Christian mitorganisiert worden waren und an denen auch polnische Kleriker teilnahmen, brachten militärisch keinerlei Entscheidung. Da der damalige polnische Herzog, Konrad von Masowien, diesen Überfällen selbst nicht mehr Herr werden konnte und die Prußen auch andere Regionen seines Machtbereiches bedrohten, rief er wohl auf Vorschlag Heinrichs des Bärtigen, des Herzogs von Schlesien, den Deutschen Orden zu Hilfe. Der Orden erhielt im April 1228 das Kulmerland verliehen, das er von den ihm ebenfalls übertragenen Besitzungen in Kujawien aus planmäßig zu erobern begann. Damit ging auch die Unterwerfung und Christianisierung der Prußen einher.

Im Laufe des Jahres 1232 hatten die Ordensritter schließlich den größten Teil des Kulmerlandes besetzt und konnten nun mit dem Wiederaufbau und der Wiederbesiedlung der von den Prußen zerstörten Siedlungen und Burgen beginnen. Im Jahr 1230 eroberte der Deutsche Orden die Orte Nessau, 1231 Thorn, 1232 Kulm, 1234 Rehden und 1234 Graudenz. 1233 erhielten Kulm und Thorn mit der Kulmer Handfeste als erste Ansiedlungen im Kulmerland das Stadtrecht verliehen.[2]

In einem Dokument vom 28. Juli 1243 wurde Preußen vom päpstlichen Legaten Wilhelm von Modena in vier Bistümer – das Kulmer-, Erm- und Samland sowie Pomesanien – aufgeteilt, die dem Erzbistum Riga unterstellt wurden. Gleichzeitig wurde festgelegt, dass zwei Drittel der durch den Deutschen Orden eroberten prußischen Gebiete ihm selbst und ein Drittel den Kulmer Bischöfen gehören sollte. Der Deutsche Orden eroberte 1308 das benachbarte Herzogtum Pomerellen mit Danzig westlich des Prußengebiets und blieb durch den Vertrag von Soldin, 1309, im Besitz dieses Gebiets. Für das Versprechen, in Zukunft jedweder Ansprüche auf Pommerellen sowie auf das Kulmerland und das Michelauer Land zu entsagen, erhielt Polen 1343 im Gegenzug durch den Friedensvertrag von Kalisch das vom Orden eroberte Kujawien und das Dobriner Land zurück.

Nach dem Dreizehnjährigen Krieg zwischen dem Königreich Polen und dem Deutschen Orden kam das Kulmerland im Zweiten Thorner Frieden unter polnische Oberhoheit. Es wurde, erweitert um das Michelauer Land, einer der vier Landesteile des autonomen Königlichen Preußens. Dieses wurde 1569 durch die Union von Lublin Teil der I. Rzeczpospolita.

Im 18. Jahrhundert siedelten im Kulmerland zahlreiche protestantische Exulanten aus dem Salzburger und Berchtesgadener Land, aus Friesland und den Niederlanden. Sie erhielten Ländereien nach dem sog. Holländerrecht, welches sie vom Frondienst und vom Zehnten befreite, ihnen Glaubensfreiheit und eine Reihe weiterer Privilegien einräumte. Sie prägten noch bis vor dem Zweiten Weltkrieg auch die hier gesprochene Mundart.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit dem Kulmerland und dem Michelauer Land unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. Das Gebiet kam zur neuen Provinz Westpreußen, die zwischen 1824 und 1878 mit Ostpreußen als Provinz Preußen vereinigt war und danach wieder selbständig wurde. Bis 1920 blieb das Kulmerland preußisch, mit Ausnahme der Jahre von 1807 bis 1815, in denen es zum Herzogtum Warschau gehörte. Die Provinz war von 1849 bis 1851 Teil des Deutschen Bundes und ab 1871 des Deutschen Reichs. Das bis auf die Städte Graudenz und Umgebung und Thorn mehrheitlich polnischsprachige Kulmerland bildete darin die Reichstagswahlkreise 25 und 26 (Graudenz und Thorn), Hochburgen der Nationalliberalen Partei. Ohne Volksabstimmung erlangte die neuerstandene Zweite Polnische Republik durch den Friedensvertrag von Versailles am 20. Januar 1920 das Kulmerland als Teil des Polnischen Korridors.

Während des Zweiten Weltkriegs gehörte das Kulmerland von 1939 bis 1945 zum Reichsgaus Danzig-Westpreußen des Deutschen Reichs. Damit verbunden war die Unterdrückung der polnischen Bevölkerung und deren teilweise Vertreibung in das Generalgouvernement. Mit dem Ende der deutschen Besatzungsherrschaft im Zuge der Weichsel-Oder-Operation der Roten Armee kam das Kulmerland Ende Januar 1945 zum neuerstehenden Polen. Die deutsche Bevölkerung wurde vertrieben.

Legende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Sage nach war Chelmo der zwölfte Sohn des Königs Widowuto, der das Land zwischen Mokra, Istula (Weichsel) und Driwantza (Drewens) erhielt. Er baute sich eine Feste namens Chelmo, die später Althaus Culm hieß. Eine weitere Feste benannte er nach seinem Sohn Potto, die später Potterberg hieß.

Staatliche Zugehörigkeit (Übersicht)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kulmerland (Ulmigeria, Culmigeria) im Altpreußenland[3] wechselte in seiner Geschichte mehrfach die politische Zugehörigkeit. Hier eine kurze Zusammenfassung:

Verweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brauns: Geschichte des Culmerlandes bis zum Thorner Frieden. Thorn 1881.
  • Kazimieras Buga: Die Vorgeschichte der aistischen Stämme. Leipzig 1924.
  • Albrecht Duwe: Damerau, Essen.
  • Georg Gerullis: Die altpreußischen Ortsnamen. Berlin, Leipzig 1922.
  • Lęga: Das Kulmerland z. Z. des Übergangs von der Bronze- zur Eisenzeit. In: Rocznik Grudziądzki, 1960.
  • Hans Maerker: Geschichte der ländlichen Orte und der drei kleinen Städte des Kreises Thorn. Danzig 1899/1900.
  • Franz Schulz: Geschichte der Stadt und des Kreises Kulm, Danzig 1876.
  • Mariana Biskupa: Ziemia Chełmińska w przeszłości: wybór tekstów źródłowych. Toruń 1961, (Digitalisat.)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Kulmerland – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. We, the Balts
  2. Das auf der Kulmer Handfeste fußende Kulmer Recht galt später für den gesamten Deutschordensstaat.
  3. Ulmigeria, Culmigeria in Alt- Preussenland Karte

Koordinaten: 53° 25′ N, 18° 50′ O