Chełmża

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Chełmża
POL Chełmża COA.svg
Chełmża (Polen)
Chełmża
Chełmża
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Powiat: Toruń
Fläche: 7,83 km²
Geographische Lage: 53° 11′ N, 18° 37′ OKoordinaten: 53° 11′ 11″ N, 18° 36′ 51″ O
Höhe: 92 m n.p.m
Einwohner: 14.965
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 87-140
Telefonvorwahl: (+48) 56
Kfz-Kennzeichen: CTR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DanzigToruń
Schienenweg: ToruńGrudziądz
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 7,83 km²
Einwohner: 14.965
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 1911 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0415011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jerzy Czerwiński
Adresse: ul. Gen. Hallera 2
87-140 Chełmża
Webpräsenz: www.chelmza.pl



Chełmża ([ˈxɛwmʒa], deutsch bis 1940 Culmsee, im 19. Jahrhundert Kulmsee,[2] 1940–45 wiederum Kulmsee) ist eine Stadt in der polnischen Wojewodschaft Kujawien-Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt liegt in der historischen Landschaft Westpreußen, östlich der Weichsel im Kulmerland an einem kleinen See, etwa vierzig Kilometer östlich der Stadt Bromberg (Bydgoszcz) und zwanzig Kilometer nördlich der Stadt Thorn (Toruń).

Stadtpanorama

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Culmsee östlich der Stadt Bromberg und nördlich der Stadt Thorn auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Stadttor aus dem 14. Jahrhundert
Basilika von Kulmsee
Nikolaikirche

Im 13. Jahrhundert bestand in der Gegend des heutigen Chełmża eine erste Befestigungsanlage. 1222 unter Bischof Christian von Preußen wurde Kulmsee erstmals erwähnt, der Name des Ortes war zu der Zeit Loza. Seit 1243 im Besitz der Bischöfe von Kulm, erhielt der Ort Culmsee 1251 das Stadtrecht von Heidenreich, Bischof von Kulm und wurde Sitz eines eigenen Bistums.[3] Am 22. Juli 1251 gründete Bischof Heidenreich die Kirche (Kathedrale), welche 1254 erbaut wurde. Die Mystikerin Jutta von Sangerhausen begründete 1256 das St.-Georgs-Hospital. Ein Stadtbrand zerstörte Kulmsee 1286 völlig.

1625 gründeten die Franziskaner (OFM) ein Kloster. Im 18. Jahrhundert lebte die Stadt Kulmsee vom Ackerbau und der Brauerei.

Durch die Erste Teilung Polen-Litauens 1772 wurde das westliche Preußen mit Kulmsee unter Friedrich II. von Preußen mit dem östlichen Teil des Königreichs Preußen in dem Maße wiedervereinigt, wie diese Teile zur Zeit des Deutschordensstaats miteinander verbunden gewesen waren. Die Bedeutung stieg im Jahre 1781 mit der Verlegung des Sitzes der Kulmer Bischöfe von Löbau nach Kulmsee, als 1824 Pelplin zum Bischofssitz wurde, versank Kulmsee in der Bedeutungslosigkeit.

Als 1881 eine Zuckerfabrik errichtet wurde, prägte diese bald das Leben in der Stadt. 1904 brannte die Fabrik ab und wurde zur größten europäischen Zuckerfabrik wieder aufgebaut. 1882 erhielt die Stadt einen Anschluss an die Eisenbahn. Die Einwohnerzahl wuchs rapide, eine neue Vorstadt, das Fabrikviertel entstand. Aus dem Ackerbürgerstädtchen Kulmsee war eine Stadt geworden, in der die Fabrikarbeiterschaft die Mehrheit der Bevölkerung stellte.

Bis 1919 gehörte die Stadt zum Landkreis Thorn im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs. Nach dem Ersten Weltkrieg musste sie aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1920 zur Einrichtung des Polnischen Korridors an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden. Durch den Polenfeldzug 1939 kam Kulmsee wieder zum Reich zurück und wurde mit dem Kreis Thorn dem Regierungsbezirk Bromberg im Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem es bis 1945 gehörte. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde die Stadt unter polnische Verwaltung gestellt. Anschließend wanderten polnische Zivilisten zu, die sich der Behausungen und Anwesen der deutschen Einheimischen bemächtigten und die Einwohner daraus verdrängten. Soweit die deutschen Einheimischen der Stadt nicht geflohen waren, wurden sie in der darauf folgenden Zeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1773 359 in 52 Wohngebäuden
1831 1.185 meist Katholiken[4]
1852 1.997 [5]
1864 2.378 darunter 800 Evangelische und 1.321 Katholiken[2]
1875 3.153 [6]
1880 3.429 [6]
1890 6.327 davon 4.165 Katholiken, 1.890 Evangelische, 269 Juden (1.800 Polen)[6]
1895 7.579 darunter 2.073 Evangelische und 279 Israeliten[7]
1905 10.007
1910 10.612
1943 12.277
2007 15.229 [8]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gotische Dreifaltigkeitskirche mit barockem Turm
  • St.-Nikolaus-Kirche von 1251[9]

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Chełmża, zu welcher die Stadt Chełmża nicht gehört, hat eine Fläche von 178,72 km² auf welcher 9730 Menschen leben (30. Juni 2014). Zu ihr gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(1815–1920)
deutscher Name
(1939–1945)
Bielczyny Bielczyny
1870–1920 Bildschön
Bildschön
Bocień Bottschin 1939–1942 Bottschin
1942–1945 Botten
Bogusławki Boguslawken 1939–1942 Boguslawken
1942–1945 Ritterwall
Brąchnówko Bruchnowko 1939–1942 Bruchnowko
1942–1945 Fröben
Browina Browina 1939–1942 Browina
1942–1945 Gut Fröben
Chełmża Culmsee Kulmsee
Drzonówko Drzonowko 1939–1942 Drzonowko
1942–1945 Drenauhof
Dziemiony Dziemiony
1870–1920 Dreilinden
Dreilinden
Dźwierzno Dzwierzno
1874–1920 Schwiersen
Schwiersen
Głuchowo Gluchowo
1866–1920 Glauchau
Glauchau
Głuchowo-Windak Windak 1939–1942 Windak
1942–1945 Windack
Grodno Grodno 1939–1942 Grodno
1942–1945 Groden
Grzegorz Gregorsz
1867–1920 Falkenstein
Falkenstein
Grzywna Grzywna
1909–1920 Griffen
Griffen
Januszewo Janusch 1939–1942 Janusch
1942–1945 Hansberg
Kiełbasin Kielbasin 1939–1942 Kielbasin
1942–1945 Worst
Kończewice Konczewitz
1865–1920 Kunzendorf
Kunzendorf
Kuczwały Kuczwally 1939–1942 Kuczwally
1942–1945 Kunzwalde
Liznowo Elisenau Elisenau
Mirakowo Mirakowo 1939–1942 Mirakowo
1942–1945 Merch
Morczyny Morczyn
1902–1920 Mortschin
1939–1942 Mortschin
1942–1945 Merschen
Nawra Nawra 1939–1942 Nawra
1942–1945 Nefer
Nowa Chełmża Neu Culmsee Neukulmsee
Parowa Falęcka Parowo 1939–1942 Parowo
1942–1945 Dietrichsschlucht
Pluskowęsy Pluskowenz 1939–1942 Pluskowenz
1942–1945 Pleuskewend
Skąpe Alt Skompe
1901–1920 Hermannsdorf
Hermannsdorf
Sławkowo Slawkowo
1867–1920 Friedenau
Friedenau
Strużal Strusal Strusal
Świętosław Wenzlau Wenzlau
Szerokopas Scherokopaß 1939–1942 Scherokopaß
1942–1945 Schirkenpaß
Witkowo Wittkowo 1939–1942 Wittkowo
1942–1945 Wittkenfeld
Zajączkowo Zajonskowo
1904–1920 Senzkau
Senzkau
Zalesie Zalesie
Zelgno Zelgno
1902–1920 Seglein
Seglein
Zelgno-Bezdół

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 35–36, Nr. 3.).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 438–439, Nr. 50.
  • Georg Maximilian Franz von Steinmann: Der Kreis Thorn. Statistische Beaschreibung. Thorn 1866, S. 260–261.
  • H. Maercker: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleineren Städte des Kreises Thorn in seiner früheren Ausdehnung vor der Abzweigung des Kreises Briesen im Jahr 1888. Danzig 1899–1900, S. 133–251.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chełmża – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), archiviert vom Original am 7. Dezember 2014, abgerufen am 6. Dezember 2014.
  2. a b E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 208–209, Nr. 121.
  3. Preussische Regesten Preussische Regesten: Ann. Thor. Chron. terre Pruss. Ds.r.Pr. III 59, 468
  4. August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 438–439, Nr. 50.meist Katholiken
  5. http://www.westpreussen.de/cms/ct/ortsverzeichnis/details.php?ID=3729
  6. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/dan_thorn.html
  7. Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 4, Berlin und Wien 1898, S. 625.
  8. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007 (Memento vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)
  9. Kujot Stanisław; 1904; Kto założył parafię w dzisiejszej diecezyi chełmińskiej, S. 67, die Website der Stadt sagt hingegen 1248; http://www.region.powiattorunski.pl/chelmza.pl/index.php?strona=3660