Chełmża

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Chełmża
POL Chełmża COA.svg
Chełmża (Polen)
Chełmża
Chełmża
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Powiat: Toruń
Fläche: 7,83 km²
Geographische Lage: 53° 11′ N, 18° 37′ OKoordinaten: 53° 11′ 11″ N, 18° 36′ 51″ O
Höhe: 92 m n.p.m.
Einwohner: 14.867
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 87-140
Telefonvorwahl: (+48) 56
Kfz-Kennzeichen: CTR
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DanzigToruń
Schienenweg: Toruń–Grudziądz
Chełmża–Bydgoszcz
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 7,83 km²
Einwohner: 14.867
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1899 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0415011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Jerzy Czerwiński
Adresse: ul. Gen. Hallera 2
87-140 Chełmża
Webpräsenz: www.chelmza.pl



Chełmża ([ˈxɛwmʒa], deutsch bis 1940 Culmsee, 19. Jahrhundert & 1940–45 Kulmsee[2]) ist eine Stadt in der polnischen Wojewodschaft Kujawien-Pommern.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kleinstadt liegt in der historischen Landschaft Kulmerland, östlich der Weichsel an einem kleinen See, etwa vierzig Kilometer östlich von Bydgoszcz (Bromberg) und zwanzig Kilometer nördlich von Toruń (Thorn).

Stadtpanorama

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Culmsee östlich der Stadt Bromberg und nördlich der Stadt Thorn auf einer Landkarte der Provinz Posen von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Stadttor aus dem 14. Jahrhundert
Katholische Basilika von Kulmsee (1251 erbaut, 1422 erneuert)[3]
St.-Nikolaus-Kirche, bis 1945 evangelische Stadtkirche

Im 13. Jahrhundert bestand in der Gegend des heutigen Chełmża eine erste Befestigungsanlage. 1222 unter Bischof Christian von Preußen wurde Kulmsee erstmals erwähnt, der Name des Ortes war zu der Zeit Loza. Seit 1243 im Besitz der Bischöfe von Kulm, erhielt der Ort Culmsee 1251 das Stadtrecht von Heidenreich, Bischof von Kulm und wurde Sitz eines eigenen Bistums.[4] Am 22. Juli 1251 gründete Bischof Heidenreich die Kirche (Kathedrale), welche 1254 erbaut wurde. Die Mystikerin Jutta von Sangerhausen begründete 1256 das St.-Georgs-Hospital. Ein Stadtbrand zerstörte Kulmsee 1286 völlig.

1625 gründeten die Franziskaner (OFM) ein Kloster. Im 18. Jahrhundert lebte die Stadt Kulmsee vom Ackerbau und der Brauerei.

Bei der Wiedervereinigung West- und Ostpreußens 1772 kam Kulmsee an das Königreich Preußen. Die Bedeutung der Stadt stieg im Jahre 1781 mit der Verlegung des Sitzes der Kulmer Bischöfe von Löbau nach Kulmsee, als 1824 Pelplin zum Bischofssitz wurde, verlor Kulmsee an Bedeutung.

Als 1881 eine Zuckerfabrik errichtet wurde, prägte diese bald das Leben in der Stadt. 1904 brannte die Fabrik ab und wurde zur größten europäischen Zuckerfabrik wieder aufgebaut. 1882 erhielt die Stadt einen Anschluss an die Eisenbahn. Die Einwohnerzahl wuchs rapide, eine neue Vorstadt, das Fabrikviertel entstand. Aus dem Ackerbürgerstädtchen Kulmsee war eine Stadt geworden, in der die Fabrikarbeiterschaft die Mehrheit der Bevölkerung stellte. Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Kulmsee eine schöne katholische Domkirche (1251 erbaut, 1422 erneuert, nachdem sie von den Litauern eingeäschert worden war)[5], eine evangelische Kirche, eine Synagoge und ein Amtsgericht.[3]

Bis 1919 gehörte die Stadt zum Landkreis Thorn im Regierungsbezirk Marienwerder der Provinz Westpreußen des Deutschen Reichs.

Nach dem Ersten Weltkrieg musste sie aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags 1920 zum Zweck der Einrichtung des Polnischen Korridors an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden. Im Jahr 1834 kündigte die polnische Staatsregierung das deutsch-polnische Minderheitenschutzabkommen einseitig auf. Als Folge des Polenfeldzugs 1939 wurde das Territorium des Polnischen Korridors in das Reichsgebiet zurückgegliedert, und Kulmsee wurde mit dem Kreis Thorn dem Regierungsbezirk Bromberg im Reichsgau Danzig-Westpreußen zugeordnet, zu dem es bis 1945 gehörte.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Nach Kriegsende wurde Kulmsee im Sommer 1945 von der sowjetischen Besatzungsmacht gemäß dem Potsdamer Abkommen zusammen mit ganz Westpreußen und der südlichen Hälfte Ostpreußens vorläufig unter polnische Verwaltung gestellt. Die deutsche Bevölkerungsgruppe wurde in der Folgezeit größtenteils von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Kulmsee vertrieben.

Demographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung bis 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
1773 0 359 in 52 Wohngebäuden
1802 0741 [6]
1816 0 820 davon 274 Evangelische, 490 Katholiken und 56 Juden[6]
1821 0862 [6]
1831 1.185 meist Katholiken[5]
1852 1.997 [7]
1864 2.378 darunter 800 Evangelische und 1.321 Katholiken[2]
1871 2.986 davon 950 Evangelische und 1.600 Katholiken (1.560 Polen)[8]
1875 3.153 [9]
1880 3.429 [9]
1890 6.327 davon 4.165 Katholiken, 1.890 Evangelische, 269 Juden (1.800 Polen)[9]
1895 7.579 darunter 2.073 Evangelische und 279 Israeliten[10]
1900 8.987 davon 2.164 Evangelische und 327 Juden[3]
1905 10.007
1910 10.612
1943 12.277
Einwohnerzahlen seit 1945
Jahr Einwohner Anmerkungen
2007 15.229 [11]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gotischer Dom mit barockem Turm, 1251 angelegt, 1422 erneuert[3]
  • St.-Nikolaus-Kirche, bis 1945 evangelische Stadtkirche

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof Chełmża liegt an der Kreuzung der Bahnstrecke Toruń–Malbork mit der östlich Chełmżas stillgelegten Bahnstrecke Brodnica–Bydgoszcz. Früher begann hier auch die Kleinbahn Culmsee–Melno.

Die Droga krajowa 91 umfährt Chełmża westlich.

Landgemeinde Chełmża[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Chełmża, zu der die Stadt selbst nicht gehört, hat eine Fläche von 178,7 km², auf der 9761 Menschen leben (Stand: 30. Juni 2015).

Hauptartikel: Chełmża (Landgemeinde)

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preussen. Zweiter Theil, welcher die Topographie von West-Preussen enthält. Kantersche Hofdruckerei, Marienwerder 1789, S. 35–36, Nr. 3.).
  • August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 438–439, Nr. 50.
  • Georg Maximilian Franz von Steinmann: Der Kreis Thorn. Statistische Beschreibung. Thorn 1866, S. 260–261.
  • H. Maercker: Geschichte der ländlichen Ortschaften und der drei kleineren Städte des Kreises Thorn in seiner früheren Ausdehnung vor der Abzweigung des Kreises Briesen im Jahr 1888. Danzig 1899–1900, S. 133–251.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Chełmża – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b E. Jacobson: Topographisch-statistisches Handbuch für den Regierungsbezirk Marienwerder, Danzig 1868, S. 208–209, Nr. 121.
  3. a b c d Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 11, Leipzig und Wien 1907, S. 786–787.
  4. Preussische Regesten Preussische Regesten: Ann. Thor. Chron. terre Pruss. Ds.r.Pr. III 59, 468
  5. a b August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde. Königsberg 1835, S. 438–439, Nr. 50.
  6. a b c Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 5: T–Z, Halle 1823, S. 314–315, Ziffer 349.
  7. http://www.westpreussen.de/cms/ct/ortsverzeichnis/details.php?ID=3729
  8. Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 51–52, Ziffer 6.
  9. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/dan_thorn.html
  10. Brockhaus' Konversations-Lexikon. 14. Auflage, Band 4, Berlin und Wien 1898, S. 625.
  11. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007 (Memento vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)