Ludwig Barnay

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Ludwig Barnay; Fotografie um 1880/90
Bildnis Ludwig Barnay
Beilage zum Darmstädter Tagblatt, Nr. 26/1886

Ludwig Barnay (Pseudonym für Ludwig Weiß; * 11. Februar 1842 in Pest, heute zu Budapest; † 31. Januar 1924 in Hannover) war ein bekannter Heldendarsteller und später auch Theaterleiter.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ludwig Barnay war ein Sohn des Kantors der Synagoge von Pest. Mit 18 Jahren konnte Barnay 1860 unter dem Namen Lacroix in Trautenau (Riesengebirge) erfolgreich debütieren. Nach einem kleinen Engagement in seiner Heimatstadt wurde er an das Burgtheater nach Wien verpflichtet.

1862 wurde er Mitglied der Vereinigten Theater Pest-Ofen und hatte Gastauftritte am Landestheater in Graz. Im darauffolgenden Jahr begannen ausgedehnte Tourneen, welche ihn für beinahe fünf Jahre an die Theater in Mainz, Prag, Riga und Leipzig führten. Ab 1868 fand er eine längere Anstellung am Hoftheater Weimar.

1864 heiratete er die jugendliche Sängerin Marie Kreuzer (1839–1904),[1] Tochter des bekannten Tenors Heinrich Kreuzer (1819–1900) von der Wiener Hofoper. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor, von denen nur die 1872 in Frankfurt am Main geborene Charlotte, später als "Lolo Barnay" eine erfolgreiche Berliner Malerin und Sängerin, das Erwachsenenalter erreichte.[2]

Ludwig Barnay war im Jahre 1870 ein noch verhältnismäßig unbekannter Schauspieler am Stadttheater zu Frankfurt am Main. Damals, so bekannte er, bestimmte deshalb das Motto (frei nach „Qu'est-ce que le tiers état?“ von Emmanuel Joseph Sieyès):

Wir sind nichts - was wir wollen, ist alles

seine Handlungsweise. Er stand uneigennützig im Dienste der Sache als einer unter vielen Gleichgesinnten.

Die Interessen der Arbeitgeber vertrat seit 1861 der Deutsche Bühnenverein die als Vereinigung aller Theaterdirektoren unter dem Vorsitz des Intendanten der Königlichen Schauspiele Botho von Hülsen. Es existierte aber kein Verband, der für die Rechte der Arbeitnehmer eingetreten wäre. Deshalb verfolgte er zielgerichtet die Wahrnehmung der Interessen der Schauspieler, und so kam es 1871 zur Gründung der ersten Interessengemeinschaft der Schauspieler, der GDBA.

Barnay war im Juli 1871 der Gründer und später Ehrenpräsident der Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger, der ersten Interessengemeinschaft für Schauspieler. Barnay, der Initiator, konnte sich in seiner Arbeit auf eine große Tradition berufen. Conrad Ekhofs und Friedrich Ludwig Schröders Bemühungen galten diesem Ziel: die Schauspieler von wirtschaftlichen Nöten zu befreien, sie zu vereinigen, zu bilden und ihr Standesbewußtsein zu stärken, um ihnen gesellschaftliche Achtung und bürgerliche Anerkennung zu verschaffen.

Dieser Gedanke ist seither nie mehr vergessen worden, immer wieder fanden sich Männer, die versuchten, ihn zu verwirklichen. Die Jagd nach persönlichen Erfolgen und die Sucht, als Einzelner zu glänzen, untergruben Standesgeist und Gemeinsinn, soziale Grundsätze, für welche die führenden Schauspieler des 19. Jahrhunderts, von der Neuberin bis zu August Wilhelm Iffland, gekämpft hatten.

Von 1874 bis 1876 und weiterhin 1881 und 1885 war Barnay am Hoftheater in Meiningen engagiert und nahm an den erfolgreichen Gastspielreisen der Meininger teil, die in dieser Zeit u.a. nach Berlin, London und St. Petersburg führten. Am 5. März 1874 wurde er zum Ehrenmitglied des Meininger Hoftheaters ernannt.

1883 heiratete Ludwig Barnay in zweiter Ehe die Schauspielerin Minna, geborene Arndt (1852–1932).[3]

Gemeinsam mit Adolph L’Arronge (eigentlich Aaron, 1838–1908) gründete Barnay am 29. September 1883 die Sozietät Deutsches Theater im Hause des Friedrich-Wilhelmstädtischen Theaters in der Schumannstraße 13a in Berlin und blieb dort bis zum 24. Juni 1884, am 1. Juli 1884 beendete er auch seine Funktion als Leiter der Sozietät. Er war Gründer und Leiter des Berliner Theaters in der Charlottenstraße in Kreuzberg (1888-94). Nach seiner Tätigkeit als Direktor des Berliner Theaters lebte Ludwig Barnay in Wiesbaden.

Barnay wurde Geheimer Intendanz- und Hofrat und leitete seit 1906 das Königliche Schauspielhaus in Berlin und von 1908 bis 1912 das Hoftheater in Hannover.

Ab 1909 bewohnte Barnay eine Villa in der damaligen Corvinusstraße, die nach Plänen des Architekten Franz Hoffmann schon 1907 fertiggestellt worden war. Nach zu Lebzeiten des Anliegers wurde die Straße im Hindenburgviertel 1922 nach dem geheimen Hofrat und Opernintendanten umbenannt, während sein ehemaliges Wohngebäude Ludwig-Barnay-Straße 3[4] im heutigen hannoverschen Stadtteil Zoo erst später unter Denkmalschutz gestellt wurde.[5]

Ludwig Barnay starb in Hannover 11 Tage vor seinem 82. Geburtstag am 31. Januar 1924.

Grabmaldenkmal[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Grabdenkmal von Ludwig Barnay findet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover, Abteilung 23E, Grabnummer 48.[6] Das Denkmal ist eine die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darstellende Figurenplastik von dem Bildhauer Roland Engelhard[3] und wurde 1926 geschaffen.

Rollen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Barnay als Mark Anton; Holzstich von Adolph Neumann in: Die Gartenlaube, 1878

Werke (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erinnerungen. Henschel-Verlag, Berlin 1953 (Repr. d. Ausg. Berlin 1903)
der Schauspieler Siegwart Friedmann behauptete mit Recht von diesem Buch, sie seien interessant, weil keiner eine so eingehende Charakterisierung über Barnay hätte schreiben können als Barnay selbst.

„Juristen, Ärzte, Maler, Architekten, Bäcker, Schuster und Schneider und Gott weiß was für Künste und Gewerbe tagen seit Jahren in Deutschland und genießen den Segen ihrer Assoziationsbestrebungen. Warum wollen wir Schauspieler denn gar nicht zur Erkenntnis unseres Standesbewußtseins gelangen, warum sollen wir nicht die Gelegenheit ergreifen, uns auch einmal über unsere nächsten künstlerischen und materiellen Interessen aussprechen.“

Der zitierte Artikel bezeichnet den Beginn der Geschichte der »Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger« als eines Verbandes, der in den Jahren der stärker und stärker sich entwickelnden Arbeiterbewegung die Gedanken und Anliegen der Väter der deutschen Schauspielkunst verwirklichte und der im Laufe der Zeit immer mehr zu einer sozialen Kampforganisation wurde.

Ehrungen und Orden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

(aus dem Schauspielerkatalog von 1906)

sowie weitere Verdienstkreuze und Medaillen für Kunst und Wissenschaften

  • Die 1902 angelegte Corvinusstraße in Hannover wurde 1922 umbenannt in Ludwig-Barnay-Straße, da der Opernintendant hier wohnte (in der Zeit des Nationalsozialismus galt von 1933 bis 1945 wieder der ursprüngliche Straßenname).[7]

Zu Barnays Ehren wurde der ehemalige Laubenheimer Platz (1909−1963) in der Künstlerkolonie Berlin am 1. November 1963 umbenannt in Ludwig-Barnay-Platz.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Ludwig Barnay – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marie Kreuzer bei Operissimo auf der Basis des Großen SängerlexikonsVorlage:Operissimo/Wartung/Verwendung von Parameter 2
  2. Der 1884 in Wien geborene Theaterdirektor und Schriftsteller Paul Barnay war nicht - wie in verschiedenen Quellen behauptet (z. B. Munzinger) - sein Sohn, sondern sein Neffe.
  3. a b Hugo Thielen: Barnay (eigtl. Weiß), (1) Ludwig, in: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 40; online über Google-Bücher
  4. Helmut Zimmermann: Die „Kleine Bult“ wurde zum Stadtteil „Zoo“, in ders.: Zwischen Maschsee und Eilenriede Harenberg, Hannover 1985, ISBN 3-89042-015-X, S. 60–64; hier: S. 63
  5. Wolfgang Neß: Bauliche Entwicklung zwischen Seelhorststraße, Scharnhorststraße und Plathnerstraße, in: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover (DTBD), Teil 1, Band 10.1, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbH, Braunschweig 1983, ISBN 3-528-06203-7, S. 149–152; sowie Zoo im Addendum zu Teil 2, Band 10.2: Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand: 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Veröffentlichungen des Instituts für Denkmalpflege, S. 10f.
  6. Karin van Schwartzenberg (Verantw.): Ehrengräber und Gräber bedeutender Persönlichkeiten auf dem Stadtfriedhof Engesohde, Faltblatt DIN A3 mit Übersichtsskizze, hrsg. von der Landeshauptstadt Hannover, Der Oberbürgermeister, Fachbereich Umwelt und Stadtgrün, Bereich Städtische Friedhöfe, Sachgebiet Verwaltung und Kundendienst, Hannover, 2012
  7. Helmut Zimmermann (s.d.): Ludwig-Barnay-Straße, in: Die Straßennamen der Landeshauptstadt Hannover, S. 164