König Lear

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König Lear und der Hofnarr von William Dyce

König Lear (englisch The Tragedy of King Lear) gilt als eine der herausragenden Tragödien aus der Feder William Shakespeares. Die erste Fassung ist mit Sicherheit nicht vor 1603, vermutlich jedoch erst 1605 entstanden. Im Stationers’ Register ist eine Aufführung am 26. Dezember 1606 am englischen Hof verzeichnet. Der erste Druck liegt in der Quartoausgabe von 1607/1608 William Shak-speare: His True Chronicle of the life and death of King Lear and his three Daughters ;“With the unfortunate life of Edgar, sonne and heire to the Earle of Gloster, and his fullen and assumed humor of TOM of Bedlam:” vor. Auch in der Folioausgabe von 1623 ist das Stück unter dem Titel The Tragedy of King Lear enthalten. Die Quarto- und Folioausgabe weisen allerdings erhebliche strukturelle Unterschiede auf; in jüngerer Zeit wird in der Shakespeare-Forschung zunehmend die Eigenständigkeit der beiden Textfassungen hervorgehoben.

Die Person König Lears und seine Geschichte basieren auf der Figur des König Leir (auch Llyr oder Lir), eines der legendären Könige Britanniens aus der vorrömischen Zeit. Die Sage von Leir und seinen Töchtern war zu Shakespeares Zeit in verschiedenen Fassungen überliefert und bereits in Erzählungen, Gedichten und Versen sowie zu Dramen verarbeitet. Ihre Grundstruktur findet sich in der Historia Regum Britanniae (um 1136) des Geoffrey von Monmouth aus Wales; im elisabethanischen Zeitalter fand sie Eingang in alle bekannten historischen Darstellungen, so auch in Holinsheds Chronicles of England, Scotland, and Ireland (1577 und 1587), die Shakespeare als eine seiner wesentlichen Quellen für die englische Geschichte nutzte.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

König Lear ist von Herrschsucht und Eitelkeit geblendet, was ihn dazu verleitet, die Zuneigung und Bescheidenheit seiner jüngsten Tochter zu verkennen und sie bei der Verteilung seines Erbes sehr ungerecht zu behandeln, ein Fehler, der letztlich zu seinem Untergang führt.

Goneril ist die durchtriebene älteste Tochter König Lears und Gattin des Herzogs von Albany.

Regan ist die sittlich verdorbene zweite Tochter Lears und Gattin des Herzogs von Cornwall.

Cordelia ist die jüngste Tochter Lears, die ein edles Herz besitzt und ihren Vater selbstlos und aufrichtig liebt.

Der Herzog von Albany (Albany = Schottland, gäl. Alba) ist der Gatte Gonerils. Diese verachtet ihn wegen seiner „undurchsichtigen Schmeicheleien“. Er selbst wendet sich später gegen seine Frau, weil er ihre intrigante Bosheit nicht länger erträgt.

Der Herzog von Cornwall ist der Gatte Regans und wird von seiner Frau zum Hochverrat angestiftet. Nachdem er den Grafen von Gloucester geblendet hat, wird er von einem Diener angegriffen und tödlich verletzt.

Der König von Frankreich heiratet die enterbte Cordelia.

Der Graf von Gloucester ist der Vater Edgars und Edmunds. Letzterer ist sein illegitimer Sohn. Edmund intrigiert gegen Edgar, sodass dieser fliehen muss und den Decknamen Tom of Bedlam annimmt.

Der Graf von Kent ist ein treuer Berater König Lears, wird aber von diesem verbannt, weil er das Verhalten des Königs gegenüber Cordelia nicht gutheißen kann. Er kehrt jedoch mit verändertem Aussehen und unter falschem Namen an den Hof zurück und dient dem König weiter, ohne ihm seine Identität zu offenbaren.

Edmund ist Graf Gloucesters unehelicher Sohn. Im Bund mit Goneril und Regan verfolgt er skrupellos seine Interessen und Ambitionen. Er ist eine von Shakespeares düstersten und zugleich charismatischsten Schurkenfiguren.

Edgar, der legitime Sohn des Grafen von Gloucester, hat einen edlen Charakter. In der Maske des Tom of Bedlam steht er seinem blinden Vater bei, der ihn nicht erkennt. Am Ende des Stückes übernimmt er die Herrschaft im Königreich.

Oswald ist der Diener Gonerils und deren williger Helfershelfer bei allen ihren Schandtaten. Auf Bitten Regans, die er körperlich begehrt, versucht Oswald zuletzt, den blinden Grafen Gloucester zu töten, wird aber von Edgar daran gehindert und kommt bei dem Mordversuch selbst zu Tode.

Der Hofnarr taucht hin und wieder in der Umgebung König Lears auf und scheut nicht davor zurück, unangenehme Wahrheiten auf drastische Weise auszusprechen.

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Goneril und Regan von Edwin Austin Abbey

Der alternde König Lear beschließt, sein Reich unter seinen drei Töchtern Goneril, Regan und Cordelia aufzuteilen, da er sich einen ruhigen Lebensabend ohne die Verantwortung eines Herrschers wünscht. Hierzu veranstaltet er einen „Liebestest“, um zu erfahren, welche seiner Töchter ihn am meisten liebt. Er erwartet, dass seine Lieblingstochter Cordelia als Siegerin aus dem Wettbewerb hervorgehen wird, und will ihr dann den größten Teil seines Reiches vermachen. Während die anderen Schwestern ihre angebliche Liebe zum Vater mit falschen Schmeicheleien beteuern, erklärt Cordelia, der Unaufrichtigkeit zuwider ist, sie liebe ihn eben so, wie eine Tochter ihren Vater zu lieben habe, nicht mehr und nicht weniger. Aufgebracht über ihre seiner Ansicht nach lieblosen und undankbaren Worte, enterbt Lear seine jüngste Tochter und teilt ihren Anteil unter den beiden älteren Schwestern auf. Als der Graf von Kent für Cordelia Partei ergreift und Lear seine Ungerechtigkeit vorhält, verbannt Lear ihn aus seinem Reich. Obwohl Cordelia nun enteignet ist, nimmt der König von Frankreich sie zur Gemahlin, und beide verlassen England.

Von den beiden verbliebenen Töchtern und ihren Ehemännern verlangt Lear als Gegenleistung für seine Großzügigkeit nur, ihm seinen Ruhestand zu finanzieren und einhundert Ritter zu seinem Schutz zu stellen. Goneril und Regan beschließen aber schon bald, sich ihres Vaters zu entledigen, der ihnen nun nur noch lästig ist. Lear lässt sich unterdessen von einem zugewanderten Narren unterhalten, den er lieb gewinnt. Neben anderen frechen und geistreichen Bemerkungen lässt der Hofnarr den König auch wissen, dass er mit der Machtübergabe an seine beiden Töchter einen Fehler begangen habe, was Lear zunächst nicht wahrhaben will und daher den dreisten Narren zurechtweist. Als Goneril aber tatsächlich vom König verlangt, er solle die Hälfte seiner hundert Ritter fortschicken, verlässt Lear erbost das Schloss und sucht Regan auf, um sie in der Sache zu Rede zu stellen. Diese bietet ihm jedoch nur die Stirn und fordert ihn auf, von nun an alle seine Bediensteten aufzugeben. Von seinen Töchtern verstoßen und nur von dem Narren und einem Getreuen begleitet (der verbannte Graf von Kent incognito, der Lears Gefolge in guter Absicht sucht, um dem dickköpfigen König beizustehen), zieht Lear hinaus in einen Sturm. Durch widrige Umstände verliert er seine Begleiter, irrt ziellos durch die Ödnis der ostenglischen Heide und verfällt schließlich dem Wahnsinn. Als er in dieser Sturmszene auf den fast nackten Tom of Bedlam (Edgar von Gloucester incognito) trifft, erkennt er an dessen Elend den Menschen als das, was er seiner Natur nach wirklich ist: ein armes, nacktes Tier. Hier zeigt König Lear zum ersten Mal Mitleid und sein Weg aus dem Wahnsinn heraus hin zur Selbsterkenntnis beginnt.

In der Zwischenzeit ist der Graf von Gloucester von seinem unehelichen Sohn Edmund heimtückisch betrogen worden. Edmund hatte ihn mithilfe gefälschter Briefe zu der Überzeugung gebracht, sein anderer, ehelicher Sohn Edgar plane seine Ermordung. Gloucester hat außerdem von dem Mordkomplott der Erbfolgerinnen gegen Lear erfahren und gibt dem treuen Kent den Rat, den alten König zu Verbündeten nach Dover in Sicherheit zu bringen. Sein Versuch, König Lear beizustehen, wird jedoch an Goneril, Regan und ihren Prinzgemahl Cornwall verraten. Sie lassen Gloucester verhaften und blenden. Ein Diener, der diese Grausamkeit nicht zulassen will, bringt dem Prinzgemahl Cornwall in einem Handgemenge versehentlich eine tödliche Verletzung bei. Die mitleidlose Regan offenbart dem geblendeten Gloucester sodann, dass die verräterischen Absichten in Wahrheit von seinem Bastard Edmund ausgehen und nicht von seinem legitimen Sohn Edgar. Goneril verlässt unterdessen ihren Ehemann, den Herzog von Albany, weil er sich – von ihrer Bosheit angewidert – auf die Seite des alten Königs geschlagen hat.

Durch die ostenglische Heide irrend trifft der verzweifelte Graf von Gloucester auf seinen Sohn Edgar, der sich als Tom of Bedlam ausgibt und seine wahre Identität nicht preisgibt, da ihm von Seiten seines Vaters – aufgrund der falschen Einflüsterungen Edmunds – Repressionen drohen. Auf Gloucesters Wunsch führt ihn „Tom“ nach Dover, wo er einzig noch seinem Leben durch den Sprung von einer Klippe ein Ende setzen will. Edgar wendet den Selbstmordversuch durch eine List ab und kann auch das Attentat des von Regan angestifteten Dieners Oswald an Gloucester vereiteln.

Cordelia erfährt vom Sinneswandel und der Not ihres Vaters und kehrt mit der französischen Armee nach Britannien zurück, um die Machtverhältnisse im Reich neu zu ordnen. In der Heide trifft sie auf ihren Vater und verzeiht ihm. Allerdings werden in der Schlacht, in die sie nun gegen die eigene englische Armee zieht, ihre Truppen geschlagen. Edmund, der hier inzwischen zum Heerführer avanciert ist und um dessen Gunst sich die machtbesessenen Schwestern Regan und Goneril nun streiten, lässt Lear und Cordelia vorführen und befiehlt ihren Tod. Inzwischen wendet sich die Verschlagenheit der intriganten Königstöchter schicksalhaft gegen sie selbst: Goneril vergiftet erst ihre Schwester Regan und tötet sich dann selbst. Edgar geht als verspäteter Held aus dem Drama hervor: Er besiegt Edmund im Duell. Der überwältigte Edmund bereut inzwischen auch seinen Befehl, Cordelia hängen zu lassen, doch sein Eilbote mit dem Widerruf des Urteils kommt zu spät, es ist bereits vollstreckt. Als Lear dies erfährt, ist er so erschüttert vom Verlust seiner 'einzigen' Tochter, dass er jede Autorität und Herrscherkraft verliert. Trotz seines nach außen hin verwirrt erscheinenden Geisteszustands erlangt Lear in innerer Hellsichtigkeit Erkenntnis über sich selbst sowie den wahren Charakter seiner Mitmenschen und stirbt an seinem tiefen Gram. Fortan regieren Chaos und Leere das Land; es bleibt am Ende offen, ob Edgar in Zukunft die Regentschaft übernehmen wird.

Literarische Vorlagen und kulturelle Bezüge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Titelseite des ersten Quarto aus dem Jahre 1608.

Shakespeares Drama greift teilweise auf ältere Überlieferungen der Geschichte des sagenumwobenen Königs Leir und seiner drei Töchter zurück. Der Legende nach soll Leir ungefähr im achten Jahrhundert vor Christus nahezu sechzig Jahre lang als König von Britannien geherrscht haben, bevor er sein Reich nach einem vermeintlichen Liebesbeweis unter seinen beiden älteren Töchtern aufteilte. Danach wurde er jedoch von diesen vertrieben und konnte erst durch die Unterstützung seiner jüngsten Tochter, die er selber zuvor verstoßen hatte, seine Herrschaft wiedererlangen. Nach seinem Tode übernahm Leirs jüngste Tochter die Herrschaft, bis sie einige Jahre später von den beiden Söhnen ihrer Schwestern gestürzt wurde und sich in der Gefangenschaft das Leben nahm.

Die früheste heute noch erhaltene Fassung dieser Geschichte Leirs und seiner Töchter Gonorilla, Regau und Cordeilla findet sich im Buch II (Kapitel 11–15) der Historia Regum Britanniae des Geoffrey von Monmouth, die um 1136 ursprünglich in lateinischer Sprache verfasst wurde.[1] Die in der elisabethanischen Zeit verbreiteten historischen Darstellungen greifen an vielen Stellen auf Monmouths Historia zurück; auch Holinsheds Chronicles of England, Scotlande, and Irelande von 1577, die 1587 in einer erweiterten Fassung neu veröffentlicht und von Shakespeare wiederholt als historische oder stoffliche Quelle verwendet wurden, beruhen zum Teil auf dieser Historia Regum Britanniae.[2]

Um 1155 wurde Monmouths Historia von dem normannischen Dichter Wace ins Französische übertragen; vermutlich unter dem Einfluss walisischer Tradition veränderte er in seiner Reimchronik Roman de Brut den Namen des legendären britannischen Königs zu Llŷr. Dieser walisische Name, der im Englischen auch in der Schreibweise Llyr oder Lir existiert, geht seinerseits zurück auf einen Meeresgott in der keltischen Mythologie. Außer der Übereinstimmung im Namen gibt es jedoch keine weiteren Bezüge oder Verbindungen zwischen der historischen Sagengestalt des Königs Leir und der mythologischen Meeresgottheit.[3]

Die Legende von Lear und seinen Töchtern war den Elisabethanern so aus zahlreichen Erzählungen oder anderen Darstellungen in unterschiedlichen Fassungen bekannt, die jedoch allesamt für Lear kein tragisches Ende hatten. Als bereits dramatisierte Bühnenversion lag die Geschichte darüber hinaus in dem anonymen Stück The True Chronicle History of King Leir vor, das erstmals 1605 als Quarto gedruckt wurde, jedoch aller Wahrscheinlichkeit nach schon Anfang April 1594 in Henslowes Rose-Theater aufgeführt worden war. Heutige Shakespeare-Forscher und Herausgeber halten es allgemein für erwiesen, dass Shakespeare dieses frühere Werk eines unbekannten Autors aus seiner Erinnerung als Zuschauer oder möglicherweise sogar als Schauspieler kannte und als eine seiner Hauptquellen für King Lear nutzte. In The True Chronicle History of King Leir kommen Cordella (Cordelia) und der gallianische (französische) König als Bauern verkleidet dem nach seiner Entmachtung mittellosen und notleidenden Lear zur Hilfe; im Gegensatz zu Shakespeare hat das Stück am Ende für den Titelhelden auch hier einen glücklichen Ausgang. Es fehlt ebenso die Parallelhandlung mit Gloucester und seinen beiden Söhnen, die Shakespeare aus Sidneys Arcadia entnommen hat.

Für den Stoff der Haupthandlung des King Lear nutzte Shakespeare daneben vor allem die bereits oben erwähnten Chronicles of England, Scotlande, and Irelande von Holinshed als Quelle. Der Name Cordelia geht in dieser Form vermutlich auf Edmund Spensers The Faerie Queene (1590) zurück. Auch Spensers Cordelia stirbt durch Erhängen ebenso wie die Cordelia in König Lear.[4]

Andere Vorlagen, die wahrscheinlich Shakespeares Gestaltung des King Lear beeinflusst haben, sind A Mirror for Magistrates (1574) von John Higgins, The Malcontent (1604) von John Marston, The London Prodigal (1605) sowie Montaignes Essays, die 1603 von John Florio ins Englische übersetzt wurden; weitere Quellen könnten An Historical Description of the Iland of Britaine von William Harrison, Remaines Concerning Britaine von William Camden (1606) und Albion’s England von William Warner (1589) sein.[5]

In den Passagen von Edgar bzw. Poor Tom lassen sich darüber hinaus textkritisch verschiedene Entlehnungen aus A Declaration of Egregious Popish Impostures von Samuel Harsnett (1603) nachweisen, beispielsweise in der Aufzählung der Teufelsnamen.[6]

Aufführungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die frühe Aufführungsgeschichte des Werkes ist nicht überliefert; mitunter wird aus heutiger Sicht allerdings die Vermutung geäußert, das Stück habe nach seiner Erstaufführung um 1605 möglicherweise aufgrund seiner Grausamkeiten und düsteren Momente beim zeitgenössischen Theaterpublikum weniger Anklang gefunden als etwa Hamlet oder Othello.[7] Nach der Schließung der Theater zwischen 1642 und 1660 war King Lear seit dem Ende der Restaurationszeit auf englischen Bühnen im 17. und 18. Jahrhundert einzig in einer Adaption von Nahum Tate aus dem Jahre 1681 zu sehen, in der er das Drama der neoklassizisten Ästhetik seiner Zeit entsprechend radikal umgeschrieben und mit einem glücklichen Ende versehen hatte. Tate strich die Figur des Narren und machte aus Cordelia und Edgar ein Liebespaar. In seiner Fassung endet das Stück mit der Wiederherstellung einer gerechten Ordnung; Cordelia und Edgar übernehmen die Herrschaft über das Königreich, während Gloucester, Lear und Kent sich auf ihr Altenteil zurückziehen. Tates Bearbeitung des Dramas blieb über 150 Jahre lang im englischsprachigen Raum auf der Bühne erfolgreich; auch in bekannten amerikanischen Aufführungen des King Lear wurde seit der Erstvorstellung 1754 bis zum Jahre 1875 nur diese Version gespielt.

In einer deutschen Inszenierung des Lear mit Friedrich Ludwig Schröder in der Titelrolle wurde 1778 gleichfalls das Ende des Shakespeareschen Stückes umgestaltet; die dramaturgischen Eingriffe in das Original fielen allerdings weniger drastisch aus als bei Tate. Lear stirbt in dieser Bearbeitung nach einem Herzanfall, ausgelöst durch die falsche Annahme, Cordelia sei gestorben. Diese trauert in der Schlussszene dann um ihren toten Vater. Ein glückliches Ende zeigte im deutschsprachigen Raum ebenso die ansonsten vergleichsweise werkgetreue Inszenierung des Wiener Burgtheaters aus dem Jahr 1822 in einer Fassung von Joseph Schreyvogel; Cordelia wird hier auf wundersame Weise wieder zum Leben erweckt; der Vorhang fällt nach einer zusätzlichen Szene, in der Cordelia mit ihrem Vater vereint ist.

Kritik an solchen Werkveränderungen und Umgestaltungen des tragischen Endes wurde anfangs vor allem in intellektuellen Kreisen geäußert. So kritisierte Charles Lamb 1811 in seinem Essay On the Tragedies of Shakespeare die Absurdität eines glücklichen Ausgangs. Zugleich betonte er indes, dass Shakespeares Lear eher zum Lesen als zur Aufführung geeignet sei, weil nur das Lesen es ermögliche, sich vollständig in Lear hineinzuversetzen. 1817 betrachtete William Hazlitt King Lear in seinen Characters of Shakespear’s Plays als das gelungenste Drama Shakespeares. Andere Kritiker der Romantik wie Coleridge, Keats, Shelley oder Schlegel rühmten gleichermaßen Shakespeares King Lear, der auch für sie nur in der Originalversion Geltung hatte; Tates Bearbeitung mit ihrem glücklichen Ausgang lehnten sie verächtlich ab. Dabei sahen sie Shakespeares Werk allerdings in erster Linie als Poesie: Ihrer Auffassung nach konnte der Text nur in der Imagination des Lesers lebendig werden und war im grob-sinnlichen Spiel auf der Bühne nicht angemessen darstellbar.

In der Aufführungspraxis folgte allmählich eine eher vorsichtige Rückkehr zu der (zunächst gekürzten) Originalfassung. Im Februar 1823 spielte Edmund Kean als Lear wieder das tragische Ende, und im Januar 1838 wurde mit William Charles Macready der komplette Shakespeare-Text im Covent Garden Theatre (London) erneut aufgeführt.[8]

Im 19. und 20. Jahrhundert folgten zahlreiche weitere Aufführungen. Obwohl das Stück zumeist als nur schwer auf der Bühne realisierbar galt, stand es im Repertoire der Theater immer wieder an prominenter Stelle. Ein Großteil der jüngeren Inszenierungen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dabei maßgeblich durch die Shakespeare-Deutung Jan Kotts beeinflusst. Wegweisend für diese neue Form der Darbietung des King Lear als eines Endspiels nach dem Modell des modernen absurden Theaters war vor allem die Inszenierung von Peter Brook 1962 in Stratford, in der er radikal mit der Tradition einer christlich-humanistischen Interpretation der Tragödie brach. Brooks Aufführung, die nachhaltig auf eine ganze Generation von Regisseuren wirkte, zeigte Lear in einem zugleich grausamen und sinnlosen Universum, das keinerlei Erlösung mehr bietet. Berühmtheit erlangte im deutschsprachigen Raum auch Peter Zadeks Inszenierung des Shakespeareschen Lear 1974 in Bochum mit ihrer Betonung des Absurden bis ins Bizarr-Groteske. Die Aufführung der Royal Shakespeare Company 1982 unter der Regie von Adrian Noble stand ebenso stark unter dem Einfluss des absurden Theaters; zudem versuchte Noble das Stück zu aktualisieren, indem er Parallelen zum Falklandkrieg zog.[9]

Auf dem Hintergrund feministisch ausgerichteter Analysen oder Neudeutungen stand in der jüngeren Rezeptionsgeschichte des Werkes teilweise auch die Frage nach der Konstellation der Geschlechter und den Machtbeziehungen zwischen ihnen im Mittelpunkt des Interesses; hinterfragt wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls die Polarisierung der weiblichen Figuren im King Lear. In einer international beachteten, hochstilisierten Inszenierung im Schauspielhaus in Frankfurt a. M. besetzte der amerikanische Regisseur Robert Wilson 1990 die Titelrolle des Lear mit einer Frau, der Schauspielerin Marianne Hoppe. Zuvor hatte bereits die britische Women‘s Theatre Group 1987 eine feministische Adaption des Stückes unter dem Titel Lear‘s Daughters auf die Bühne gebracht und darin die Geschichte von Goneril und Regan ins Zentrum gestellt.[10]

Adaptionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie viele andere Shakespeare-Dramen wurde König Lear mehrmals verfilmt. Die älteste Verfilmung stammt aus dem Jahr 1909 von dem Filmpionier J. Stuart Blackton. 1953 spielte Orson Welles Lear in einem Fernsehfilm. Als eine der bedeutendsten Adaptionen gilt die Version des sowjetischen Regisseurs Grigori Kosinzew von 1969. Die Filmmusik schrieb Dmitri Schostakowitsch. 1971 spielte Paul Scofield König Lear in einer Verfilmung von Peter Brook, die wie seine Bühneninszenierung aus dem Jahre 1962 stark von der Shakespeare-Interpretation Jan Kotts geprägt war. Größere Beachtung fand auch die Neubearbeitung der Shakespeare’schen Vorlage in Edward Bond’s Bühnenadaption Lear aus demselben Jahr. Der Komponist Aribert Reimann vertonte das Drama in den 1970er-Jahren, seine Oper Lear wurde am 9. Juli 1978 in München uraufgeführt. Der japanische Regisseur Akira Kurosawa verfilmte Shakespeares Werk erneut unter dem Titel Ran; der Film wurde 1986 mit dem Oscar für beste Kostüme ausgezeichnet. Das Geschehen wird nach Japan in die Sengoku-Zeit des 16. Jahrhunderts verlagert und entsprechend angepasst, beispielsweise werden die drei Töchter zu Söhnen. Die amerikanische Schriftstellerin Jane Smiley versuchte demgegenüber 1991 eine Modernisierung der Lear-Thematik aus feministischer Perspektive; ihr mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman A Thousand Acres, der 1997 unter dem Titel Tausend Morgen verfilmt wurde, rückt die Geschichte der beiden älteren Töchter in den Mittelpunkt. In seinem Roman Fool aus dem Jahre 2009 erzählt Christopher Moore das Drama neu aus Sicht des Hofnarren Pocket.

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aaron Thompson, J.A. Giles. (Hrsg.): Geoffrey of Monmouth: History of the Kings of Britain. Cambridge, Ontario 1999.

Textausgaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Englisch
  • Charlton Hinman, Peter W. M. Blayney (Hrsg.): The Norton Faksimile. The First Folio of Shakespeare. Based on the Folios in the Folger Library Collection. 2. Auflage. W.W. Norton, New York 1996, ISBN 0-393-03985-4.
  • John Jowett, William Montgomery, Gary Taylor, Stanley Wells (Hrsg.): The Oxford Shakespeare. The Complete Works. 2. Auflage. Oxford University Press, Oxford 2005, ISBN 978-0-19-926718-7.
  • Reginald A. Foakes (Hrsg.): William Shakespeare: King Lear. The Arden Shakespeare. Third Series. Methuen, London 1997, ISBN 978-1-903-43659-2
  • Jay L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Tragedy of King Lear. The New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 978-0-521-61263-0
  • Stanley Wells (Hrsg.): William Shakespeare: King Lear. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 978-0-19-953582-8
Deutsch
  • Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: König Lear. Zweisprachige Ausgabe. dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-12489-8

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lexika

Anthony Davies: King Lear, in: Michael Dobson, Stanley Wells (Hrsg.): The Oxford Companion to Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2001. ISBN 978-0-19-280614-7, S. 244–248.

Englische Übersichtsdarstellungen
  • John Russell Brown: The Shakespeare Handbooks. King Lear. A Guide to the Text and the play in Performance. MacMillan, New York 2009, ISBN 978-1-4039-8689-4
  • Claire McEachern (Hrsg.): The Cambridge Companion to Shakespearean Tragedy. 2. Auflage, Cambridge University Press, Cambridge 2013, ISBN 978-1-107-64332-1
  • Jay L. Halio: King Lear: A Guide to the Play. Greenwood Press 2001, ISBN 978-0313316180.
  • Grace Ioppolo (Hrsg.): William Shakespeare's King Lear: A Sourcebook. Routledge 2003, ISBN 978-0415-23472-6, S. 10 ff.
  • J. Lawrence Guntner: Hamlet, Macbeth and King Lear on film, in: Russell Jackson (Hrsg.): The Cambridge Companion to Shakespeare on Film. 2. Auflage, Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-68501-6, S. 120–140.
  • Mark Sokolyansky: Grigori Kozintsev's Hamlet and King Lear, in: Russell Jackson (Hrsg.): The Cambridge Companion to Shakespeare on Film. 2. Auflage, Cambridge University Press, Cambridge 2007, ISBN 978-0-521-68501-6, S. 203–215.
Deutsche Übersichtsdarstellungen
Einleitungen
  • Anthony D. Cousins: Shakespeare. The Essential Guide to the Plays. Firefly, Buffalo 2011, ISBN 978-1-55407-928-5, S. 180–189.
  • Andrew Dickson: The Rough Guide to Shakespeare. 2. Auflage, Penguin, New York 2007, ISBN 978-1-85828-443-9, S. 184–197.
  • Marjorie Garber: Shakespeare after all. Anchor Books, New York 2004, ISBN 978-0-385-72214-8, S. 649–694.
Monographien
  • Andrew C. Bradley: Shakespearean Tragedy: Lectures on Hamlet, Othello, King Lear, Macbeth. London 1937, ISBN 978-1-171-854-357, S. 243–330.
  • Rachel Bromwich: Trioedd Ynys Prydein: The Triads of the Island of Britain. University of Wales Press. Fourth Edition 2015. ISBN 978-1783161454.
  • Alexandra Braun-Rau: William Shakespeares "King Lear" in seinen Fassungen : ein elektronisch-dialogisches Editionsmodell. Niemeyer Verlag, Tübingen 2004, Nachdruck 2011, ISBN 978-3-11-093989-7.
  • Lesley Ferris: Lear‘s Daughters and Sons – Twisting the Canonical Landscape., in: Sharon Friedman (Hrsg.): Feminist Theatrical Revisions of Classic Works – Critical Essays. MacFarland, Jefferson (North Carolina) und London 2009, ISBN 978-0-7864-3425-1, S. 97–104.
  • Reginald A. Foakes: Hamlet versus Lear. Cultural Politics and Shakespeare's Art. Cambridge University Press, Cambridge 1993, ISBN 978-0-521-607-056, S. 45–77: The reception of King Lear.; S. 181–219: A shaping for King Lear.
  • Paulina Kewes, Ian W. Archer und Felicity Heal (Hrsg.): The Oxford Handbook of Holinshed's Chronicles. Oxford University Press 2012, ISBN 978-0199565757
  • Wilson Knight: The Wheel of Fire. Routledge Classics, London/New York 1989, ISBN 978-0-415-253-956, S. 181–200: King Lear and the comedy of the Grotesque.; S. 201–234: The Lear Universe.
  • Janice Norwood: A reference guide to performances of Shakespeare‘s plays in nineteenth-century London., in: Gail Marshall (Hrsg.): Shakespeare in the Nineteenth Century. Cambridge University Press, Cambridge 2012, ISBN 978-0-521-51824-6, S. 348–416.
  • Gerd Stratmann: King Lear., in: Interpretationen – Shakespeares Dramen. Reclam ju. Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-017513-2, S. 317–342.
  • Stanley Wells, Gary Taylor: William Shakespeare: A Textual Companion. Oxford University Press, Oxford 1987, ISBN 978-0-393316674, S. 501–542.
Englische Editionen
  • Reginald A. Foakes (Hrsg.): William Shakespeare: King Lear. The Arden Shakespeare. Third Series. Methuen, London 1997, ISBN 978-1-903-43659-2, S. 1–151.
  • Jay L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Tragedy of King Lear. The New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 978-0-521-61263-0, S. 1–96 und 265–292.
  • Stanley Wells (Hrsg.): William Shakespeare: King Lear. The Oxford Shakespeare. Oxford University Press, Oxford 2000, ISBN 978-0-19-953582-8, S. 1–93.
Deutsche Editionen
  • Frank Günther: Vom Sprechen und Schweigen des Textes oder Die ontologische Klamotte, in: Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: König Lear. Zweisprachige Ausgabe. dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-12489-8, S. 269–288.
  • Sabine Schülting: Good Girls – Bad Girls? King Lear und seine Töchter, in: Frank Günther (Hrsg.): William Shakespeare: König Lear. Zweisprachige Ausgabe. dtv, München 2007, ISBN 978-3-423-12489-8, S. 354–375.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: König Lear – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Geoffrey of Monmouth: History of the Kings of Britain. Translated by Aaron Thompson, with revisions by J.A. Giles. Cambridge, Ontario 1999, S. 28–33. Diese 1718 von Thompson übersetzte und 1842 von Giles überarbeitete englische Fassung der Historia Monmouths ist als Volltext auch auf wikisource verfügbar [1]; in Teilen ist dort auch die lateinische Originalfassung gespeichert.
  2. Vgl. zu Holinsheds Rückgriffen auf die Historia Regum Britanniae von Monmouth Paulina Kewes, Ian W. Archer und Felicity Heal: The Oxford Handbook of Holinshed's Chronicles. Oxford University Press 2012, ISBN 978-0199565757, S. 64.
  3. Vgl. Rachel Bromwich: Trioedd Ynys Prydein: The Triads of the Island of Britain. University of Wales Press. Fourth Edition 2015. ISBN 978-1783161454, S. 420. In Monmouths Historia geht der Name Leir dagegen höchstwahrscheinlich nicht auf walisische Quellen zurück, sondern wird anscheinend aus dem altenglischen Laegreceaster bzw. Kaerleir oder in der alten sächsischen Form Leircestre abgeleitet, das heißt mit der Stadt Leicester in Verbindung gebracht. Vgl. Rachel Bromwich, ebenda. Siehe dazu auch Buch II, Kapitel 11, der Historia Regum Britanniae in der Übersetzung von Thompson und Giles auf wikisource [2].
  4. Vgl. soweit Ina Schabert: Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-520-38605-2, S. 547 f., Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. 3. durchgesehene und ergänzte Auflage, Reclam, Dietzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 361 f., Hans-Dieter Gelfert: William Shakespeare in seiner Zeit. C. H. Beck Verlag, München 2014, ISBN 978-3-406-65919-5, S. 359. Ebenso Michael Dobson and Stanley Wells: The Oxford Companion to Shakespeare. OUP 2001. ISBN 978-0-19-280614-7. Second Edition 2015. ISBN 978-0-19-870873-5, S. 279, sowie detailliert William Shakespeare: King Lear. The Oxford Shakespeare. Oxford Worlds Classics. Edited by Stanley Wells. 2000. ISBN 978-0-19-953582-8, Introduction, bes. S. 15–30, William Shakespeare: The Tragedy of King Lear. NCS The New Cambridge Shakespeare. Edited by Jay L. Halio. CUP 1992. Updated Edition 2005. ISBN 978-0-521-61263-0, Introduction, bes. S. 1–6, und William Shakespeare: King Lear. The Arden Shakespeare. Third Series. Edited by R. A. Foakes. 1997. ISBN 978-1-903-43659-2, Introduction, bes. S. 95 ff., 100–105 sowie 107.
  5. Vgl. Ina Schabert: Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-520-38605-2, S. 547 f. Siehe auch detaillierter William Shakespeare: King Lear. The Arden Shakespeare. Third Series. Edited by R. A. Foakes. 1997. ISBN 978-1-903-43659-2, Introduction, bes. S. 104 f. und 108, William Shakespeare: King Lear. The Oxford Shakespeare. Oxford Worlds Classics. Edited by Stanley Wells. 2000. ISBN 978-0-19-953582-8, Introduction, bes. S. 27–30, und William Shakespeare: The Tragedy of King Lear. NCS The New Cambridge Shakespeare. Edited by Jay L. Halio. CUP 1992. Updated Edition 2005. ISBN 978-0-521-61263-0, Introduction, bes. S. 2 f. und 11 f. Vgl. ferner Grace Ioppolo (Hrsg.): William Shakespeare's King Lear: A Sourcebook. Routledge 2003, ISBN 978-0415-23472-6, S. 10 ff.
  6. Vgl. Ina Schabert: Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-520-38605-2, S. 546, und Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. 3. durchgesehene und ergänzte Auflage, Reclam, Dietzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 360 f. Siehe auch detaillierter William Shakespeare: King Lear. The Oxford Shakespeare. Oxford Worlds Classics. Edited by Stanley Wells. 2000. ISBN 978-0-19-953582-8, Introduction, bes. S. 27 ff., und William Shakespeare: King Lear. The Arden Shakespeare. Third Series. Edited by R. A. Foakes. 1997. ISBN 978-1-903-43659-2, Introduction S. 91 f. und 102 104., sowie William Shakespeare: The Tragedy of King Lear. NCS The New Cambridge Shakespeare. Edited by Jay L. Halio. CUP 1992. Updated Edition 2005. ISBN 978-0-521-61263-0, Introduction, bes. S. 8 ff.
  7. Vgl. z. B. Ralf Weskamp: King Lear. Leicht veränderte Fassung des in Roland Petersohn und Laurenz Volkmann (Hrsg.): Shakespeare didaktisch II. Ausgewählte Dramen und Sonette für den Unterricht, Stauffenburg Verlag, Tübingen 2006, ISBN 978-3-86-057997-8, S. 93–106, erschienenen Aufsatzes. Online abrufbar: (PDF; 110 kB). Ähnlich äußert sich Suerbaum, der davon ausgeht, dass in den ersten beiden Jahrhunderten nach der Werkentstehung die Rezipienten nicht bereit gewesen seien, dass Stück in seiner ursprünglichen Gestalt zu akzeptieren, obwohl sie dessen Qualitäten und emotionale Eindringlichkeit durchaus verspürt hätten. Mit der Blendung Gloucesters, dem unschuldigen Tod Cordelias, dem grausamen Ende Lears, der sich ja keiner todeswürdigen Vergehen schuldig gemacht habe, sowie der am Ende fehlenden Wiederherstellung der Ordnung habe das Werk – so Suerbaum – den Zuschauern besonders in der damaligen Zeit jedoch viel abverlangt. Vgl.Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. 3. durchgesehene und ergänzte Auflage, Reclam, Dietzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 364 f. Auch der Herausgeber der New Cambridge Ausgabe des Lear, J. L. Halio, hält es für möglich, dass das Werk anfangs nicht zu den beliebteren Stücken Shakespeares zählte, obwohl keine Aufführungsberichte aus dieser Zeit bekannt sind. Vgl. Jay L. Halio (Hrsg.): William Shakespeare: The Tragedy of King Lear. The New Cambridge Shakespeare. Cambridge University Press, Cambridge 2005, ISBN 978-0-521-61263-0, Introduction S. 32 f.
  8. Vgl. Ina Schabert: Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-520-38605-2, S. 552 ff. und Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. 3. durchgesehene und ergänzte Auflage, Reclam, Dietzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 364–368. Siehe dazu auch Michael Dobson and Stanley Wells: The Oxford Companion to Shakespeare. OUP 2001. ISBN 978-0-19-280614-7. Second Edition 2015. ISBN 978-0-19-870873-5, S. 282, und Jay L. Halio: King Lear: A Guide to the Play. Greenwood Press 2001, ISBN 978-0313316180, Chapter Six: The Play in Performance, bes. S. 95–97, sowie William Shakespeare: King Lear. The Oxford Shakespeare. Oxford Worlds Classics. Edited by Stanley Wells. 2000. ISBN 978-0-19-953582-8, Introduction, bes. S. 62–75. Siehe zu den Aufführungsdaten ebenso Emily Mullin: Macready's Triumph: The Restoration of King Lear to the British Stage. In: Penn History Review, Volume 18, Issue 1, 2010, S. 17 ff., online zugänglich auf den Seiten der University of Pennsylvania unter [3], abgerufen am 15. Januar 2016, sowie Janice Norwood: A reference guide to performances of Shakespeare‘s plays in nineteenth-century London. In: Gail Marshall (Hrsg.): Shakespeare in the Nineteenth Century. Cambridge University Press 2012, ISBN 978-0-521-51824-6, S. 348–416, bes. S. 374.
  9. Vgl. Ina Schabert: Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-520-38605-2, S. 553, und Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. 3. durchgesehene und ergänzte Auflage, Reclam, Dietzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 367 ff. Siehe zu Brooks Inszenierung auch detailliert Jay L. Halio: King Lear: A Guide to the Play. Greenwood Press 2001, ISBN 978-0313316180, Chapter Six: The Play in Performance, bes. S. 107 f. Eine zusammenfassende überblickhafte Darstellung über die jüngeren Entwicklungen in der Lear-Kritik und Rezeption findet sich bei Gerd Stratmann: King Lear. In: Interpretationen – Shakespeares Dramen. Reclam ju. Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-017513-2, S. 317–342.
  10. Vgl. Ina Schabert: Shakespeare Handbuch. Kröner, Stuttgart 2009. ISBN 978-3-520-38605-2, S. 553, und Ulrich Suerbaum: Der Shakespeare-Führer. 3. durchgesehene und ergänzte Auflage, Reclam, Dietzingen 2015, ISBN 978-3-15-020395-8, S. 371 f. Siehe auch Lesley Ferris: Lear‘s Daughters and Sons – Twisting the Canonical Landscape. In: Sharon Friedman (Hrsg.): Feminist Theatrical Revisions of Classic Works – Critical Essays. MacFarland, Jefferson (North Carolina) und London 2009, ISBN 978-0-7864-3425-1, S. 97–104, bes. 99 f. und 102. Eine gegengeschlechtliche Rollenbesetzung und Umkehr der Geschlechterhierarchie war 1990 ebenso kennzeichnend für die New Yorker Lear-Inszenierung des Theaterkollektivs Mabou Mines unter der Regie von Lee Breuer. Die weibliche Titelgestalt war dort eine Südstaatlerin mit drei Söhnen. Siehe ebenda, S. 100 ff. Vgl. zu den Inszenierungen von Wilson und Breuer auch die Rezension von Arthur Holmberg ‘Lear’ Girds for a Remarkable Episode. In: The New York Times, 20. Mai 1990. Abgerufen am 17. Januar 2016.