Lufthansa Technik

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Lufthansa Technik AG
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1. Januar 1995
Sitz Hamburg, Deutschland
Leitung Detlef Kayser
(Vorsitzender des Aufsichtsrates)
  • Sören Stark
    (Vorstandsvorsitzender)[1]
  • Harald Gloy
    (Chief Operations Officer, Accountable Manager & Chief Human Resources Officer)[1]
  • William Wilms
    (Finanzvorstand)[1]

[2]

Mitarbeiterzahl 20.569 (2021)[3]
Umsatz 4,003 Mrd. Euro (2021)[3]
Branche Luftfahrzeuginstandhaltung
Website [3]
Stand: 18. August 2022

Die Lufthansa Technik AG (kurz „LHT“) ist ein Anbieter für MRO-Dienstleistungen (Maintenance, Repair and Overhaul – Wartung, Reparatur und Überholung) von Flugzeugen mit 50 Standorten weltweit. Die Lufthansa Technik Group ist zu 100 Prozent im Besitz des Mutterkonzerns Deutsche Lufthansa AG und umfasst 32 technische Instandhaltungsbetriebe und Beteiligungen in Europa, Asien und Amerika mit mehr als 22.745 Mitarbeitern (Stand 31. Dezember 2020).

Ihre Basis hat Lufthansa Technik am Flughafen Hamburg, weitere wichtige deutsche Standorte sind die beiden Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München sowie Berlin.

Umsatz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weltweit hatte der MRO-Markt im Jahr 2008 für alle Fluggesellschaften zusammen ein geschätztes Volumen von 42 Milliarden US-Dollar. Davon beträgt der für LHT in Frage kommende Anteil 34 Milliarden US-Dollar. Mit einem Anteil von rund 15 Prozent an dieser Summe ist das Unternehmen Weltmarktführer.[4]

Nach vielen positiven Jahren mit steigendem Umsatz kam es bedingt durch die Corona-Krise 2020 zu einem Verlust von mehr als 380 Millionen Euro und mehreren Entlassungen bei Festangestellten und Leiharbeitern. Der Umsatz lag im Jahr 2020 bei 3,7 Milliarden Euro und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 43 Prozent eingebrochen.[5]

Haupteingang (Rochen) der Lufthansa Technik in Hamburg
Eine der fünf Lufthansa-Technik-Wartungshallen in Frankfurt

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1950[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1953 wurde bei der Neugründung der Lufthansa im westlichen Teil des Flughafens Hamburg der erste Grundstein für die technische Basis gelegt. Im März 1955 stand bereits die erste Doppelhalle, die Platz für drei viermotorige Propellermaschinen bot. 1957 kamen ein Bürogebäude und die Triebwerksüberholung mit Galvanik dazu.

1960[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1960, mit dem Beginn des Düsenzeitalters, baute die Lufthansa eine Wartungsbasis am Flughafen Frankfurt Main, um ihre Langstreckenflugzeuge dort zu stationieren. 1962 wurde in Hamburg ein Prüfstand für Jettriebwerke errichtet, ebenso die weltweit erste Lärmschutzhalle. Das Geschäft weitete sich auch auf externe Kunden aus. Die US-amerikanische Luftfahrtbehörde FAA erteilte der Lufthansa die Genehmigung, die Triebwerke und Flugzeuge der amerikanischen Airlines zu überholen.

1970[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Trotz der Ölkrise erreichten die Auftragseingänge zweistellige Zuwachsraten. Grund dafür war, dass die Lufthansa zu einem hochgeschätzten Technologieunternehmen gewachsen war. Der größte Zuwachs kam von einer Allianz aus Lufthansa, Air France, Sabena und Alitalia, der Atlas-Gruppe. 1976 wurde die erste Boeing 747 in Hamburg gewartet.

1980[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende der 1980er-Jahre entstand in Hamburg eine neue Halle für bis zu drei Großraumflugzeuge. Ebenfalls wurde eine Lackierhalle nach den neuesten Arbeits- und Umweltschutzrichtlinien gebaut.

1990[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994 entstand aus dem Technikbereich der Lufthansa die Lufthansa Technik AG, eine selbstständige 100-prozentige Tochter der Lufthansa.

2000[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

A380-Wartungshalle der Lufthansa Technik in Frankfurt
Ein Airbus A340 im Jahr 2003 vor der Lufthansa-Technik-Basis in Hamburg

Im Dezember 2007 wurde in Frankfurt die neue Wartungshalle für den Airbus A380 eröffnet. Der erste Airbus A380 wurde am 19. Mai 2010 an Lufthansa ausgeliefert.

Anfang 2009 wurde die neue 50 Millionen Euro teure Triebwerksüberholungshalle für die CFM-Familie eröffnet. Die neue Halle erweiterte die Produktionsfläche um 9.000 m², die Logistikfläche um 1.500 m² und die Büro- und Servicefläche um 9.000 m². Durch die neue Halle stieg die Kapazität der zu überholenden Triebwerke von rund 320 auf über 400 im Jahr. Im neuen Komplex wurden ca. 700 Mitarbeiter beschäftigt.

2009 gründete das Unternehmen die Lufthansa Technik Maintenance International (LTMI) mit Sitz in Frankfurt, in der auch die Condor/Cargo Technik (CCT) aufging. Bei der LTMI wurden ca. 1000 Mitarbeiter beschäftigt. Sie kümmerte sich um die Wartung der Kundenflugzeuge außerhalb der Lufthansa-Gruppe.

2010[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mitte 2012 wurde in Hamburg die Abteilung für Flugzeuglackierungen geschlossen. Die Flugzeuglackierung sollte künftig an anderen Standorten der Lufthansa Technik Gruppe ausgeführt werden. Im Gegenzug wurde das VIP-Geschäft im Hamburger Werk ausgebaut.[6]

Ende Mai 2017 beschloss die Geschäftsführung, die seit 60 Jahren in Hamburg ansässige Flugzeugüberholung ebenfalls zu schließen und diese an anderen Standorten der Gruppe ausführen zu lassen.[7]

Geschäftsbereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wichtigsten Produkte der Lufthansa Technik sind die Wartung und Überholung der Flugzeuge, die Triebwerks- und Fahrwerksüberholung, Komponenten und Logistik und der Bereich VIP-Flugzeuge. Weiter bietet Lufthansa Technik den Total Component Support TCS für Geräte und Triebwerksteile und den Total Technical Support TTS an. Dieses Produkt integriert sämtliche Dienstleistungen des Unternehmens.

Die Lufthansa Technik teilt sich in fünf Segmente:

  • Wartung & Flugzeugüberholung
  • Triebwerke
  • Komponenten
  • Digitale Flottenlösungen
  • Erstausstattung, aber auch Neuausstattung und Wartung von VIP-Flugzeugen

VIP-Flugzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lufthansa Technik in Hamburg ist weltweit führend in der Umrüstung von Passagierflugzeugen in Privatjets wie z. B. 747, A320, 777 etc. Auf Basis der A319 entwickelte Airbus den Corporate Jetliner (ACJ), der auf der Werft der Lufthansa Technik mit VIP-Innenausstattungen versehen wird. Der Airbus A318 Elite, die VIP-Version des Airbus A318, wurde ebenfalls durch Lufthansa Technik in Hamburg ausgestattet – mittlerweile wurde die A318-Elite-Ausstattung zu der Firma BizJet International, einer 100-%igen Tochterfirma der Lufthansa Technik AG, an den Standort Tulsa im US-Bundesstaat Oklahoma verlagert. Weiterhin werden Boeing 747-8 und viele andere Modelle in Hamburg umgerüstet.[8]

Beteiligungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Lufthansa Technik Gruppe gehören weltweit 31 technische Instandhaltungsbetriebe. Das Unternehmen ist direkt und indirekt an 53 Gesellschaften beteiligt.[9]

Firma Anteile Sitz Geschäftsfeld
Lufthansa Technik Shannon 100 % Irland Shannon Überholung von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen
Lufthansa Technik Turbine Shannon 100 % Irland Shannon Reparatur von Triebwerksteilen
Lufthansa Technik Airmotive Ireland 100 % Irland Dublin Triebwerksüberholung – 2014 geschlossen[9]
Lufthansa Technik Brussels 100 % Belgien Brüssel Wartung von Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen
Lufthansa Technik Maintenance International 100 % Deutschland Frankfurt Externes Kundengeschäft in der Flugzeugwartung
Lufthansa LEOS 100 % Deutschland Frankfurt Bodendienstleistungen
Lufthansa Technik AERO Alzey 100 % Deutschland Alzey Überholung von Triebwerken der Regionalflugzeuge
Lufthansa Technik Logistik/Lufthansa Technik Logistik Services 100 % Deutschland Hamburg Transport und Bevorratung von Luftfahrteilen
Lufthansa Technical Training 100 % Deutschland Hamburg Ausbildung und Schulung von Lufthansa-Mitarbeitern
Hawker Pacific Aerospace 100 % Vereinigte Staaten Sun Valley Überholung von Fahrwerken
Lufthansa Technik Landing Gear Services UK (vormals Hawker Pacific Aerospace) 100 % Vereinigtes Konigreich London Überholung von Fahrwerken
BizJet International 100 % Vereinigte Staaten Tulsa Wartung und Überholung von Geschäfts- und VIP-Flugzeugen
Lufthansa Technik Component Services 100 % Vereinigte Staaten Tulsa Instandhaltung von Komponenten
Lufthansa Technik Switzerland (2008–2013) 100 % Schweiz Basel Technischen Betreuung von VIP- und Geschäftsreiseflugzeugen – 2013 geschlossen[10]
Lufthansa Technik Milan 100 % Italien Mailand Geräteversorgung
Lufthansa Technik Services India 100 % Indien Bengaluru Ersatzteilversorgung der indischen Kunden
Lufthansa Technik Vostok 100 % Russland Moskau Ersatzteilversorgung der russischen Kunden
Lufthansa Technik Puerto Rico[11] 100 % Puerto Rico Aguadilla Wartung und Überholung der Airbus-A320-Familie
Lufthansa Technik Budapest 085 % Ungarn Budapest Überholung der Boeing-737- und Airbus-A320-Familie
Lufthansa Technik Sofia 075,1 % Bulgarien Sofia Überholung der Boeing-737- und Airbus-A320-Familie
Lufthansa Technik Shenzhen 080 % China Volksrepublik Shenzhen Reparatur von Flugzeugteilen und Schubumkehrern
Lufthansa Technik Philippines 051 % Philippinen Manila Wartung und Überholung von Flugzeugen der Philippine Airlines und andere asiatische Kunden
Lufthansa Technik Intercoat 051 % Deutschland Kaltenkirchen Reparaturbeschichten von Luftfahrtteilen
Lufthansa Bombardier Aviation Services 051 % Deutschland Berlin Wartung und Überholung von Bombardier-Businessjets (Learjet, Challenger & Global)
Lufthansa Technik Malta 092 % Malta Malta C-Checks und D-Checks an der Boeing-737- und Airbus-A320-Familie sowie C, D und IL-Checks am A330/A340 Classic
Spairliners 050 % Deutschland Hamburg Versorgung von Komponenten für die A380 und die Embraer-E-Jet-Familie
IDAIR 050 % Deutschland Hamburg Entwicklung, Herstellung und Vertrieb von Inflight-Entertainment
N3 Engine Overhaul Services 050 % Deutschland Arnstadt Überholung der RR-Trent-Motoren
Airfoil Services 050 % Malaysia Kuala Lumpur Reparatur von Triebwerksschaufeln
Inairvation 050 % Osterreich Edlitz-Thomasberg Innenausstattung von Geschäftsflugzeugen
Lumics 050 % Deutschland Hamburg Beratung von industriellen Produktions- und Fertigungsunternehmen
Ameco Beijing 040 % China Volksrepublik Peking Wartung und Überholung von Triebwerken und Flugzeugen der Air China und anderer Kunden
Heico Aerospace 020 % Vereinigte Staaten Hollywood Produktion von Triebwerksteilen
XEOS (bis 2021) 051 % Polen Breslau Überholung von den GE-Triebwerksmustern GEnx-2B und GE9X
Ausgemusterte Boeing B737-500 (D-ABJI) der Lufthansa als Trainingsflugzeug für die Auszubildenden der LHT Frankfurt

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Oktober 2020 wurde bekannt, dass die Lufthansa Technik für die Wartung des Regierungsflugzeugs des belarussischen Diktators Aljaksandr Lukaschenka zuständig ist. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft hat sich in einer Erklärung an die Angestellten der Lufthansa Technik gewandt und darauf hingewiesen, dass Arbeiter und Gewerkschaften in Belarus schweren Repressalien ausgesetzt seien.[12] Teile der Belegschaft von Lufthansa Technik weigerten sich, Arbeiten an dem Flugzeug des Diktators durchzuführen. Am 27. Oktober 2020 wurde es nach seiner Wartung wieder zurück nach Belarus geflogen.[13]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Lufthansa Technik – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Vorstand und Aufsichtsrat der Lufthansa Technik AG. lufthansa-technik.com, abgerufen am 23. Juni 2015.
  2. [1]
  3. a b [2]
  4. Lufthansa-Geschäftsbericht 2008, Seite 95/96
  5. NDR: Corona-Krise: Lufthansa Technik rutscht tief ins Minus. Abgerufen am 24. März 2021.
  6. Lufthansa Technik schließt Flugzeuglackierung. abendblatt.de, 16. November 2011, abgerufen am 23. Juni 2015.
  7. Lufthansa Technik: Flugzeugüberholung in Hamburg wird eingestellt. 13. Dezember 2016, abgerufen am 10. April 2019.
  8. Lufthansa Technik baut VIP 747-8 aus. 31. August 2012, abgerufen am 15. Dezember 2021.
  9. a b Lufthansa Technik - Jahresbericht 2014, Seite 5–7. Abgerufen am 23. Juni 2014.
  10. LHT Pressemeldung vom 11. Februar 2013
  11. Lufthansa Technik Puerto Rico lufthansa-technik.com, abgerufen am 23. Juni 2015
  12. Die Welt: Lufthansa Technik wartet offenbar Regierungsmaschine von Lukaschenko. 15. Oktober 2020, abgerufen am 16. Oktober 2020.
  13. Nicht jeder wollte am Lukaschenko-Flieger arbeiten. In: aeroTELEGRAPH. 5. November 2020, abgerufen am 5. November 2020 (Schweizer Hochdeutsch).