Magnavox Odyssey

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Magnavox Odyssey
Logo
Magnavox Odyssey mit dazugehörigem Gamepad.
Hersteller Magnavox
Typ stationäre Spielkonsole
Generation 1. Konsolengeneration
Veröffentlichung
JapanJapan 1974
Vereinigte StaatenVereinigte Staaten September 1972
EuropaEuropa 1974
Hauptprozessor keiner
Grafikprozessor keiner
Speichermedien Steckkarten
Controller 2 mit der Konsole mitgelieferte Gamepads + Lightgun (separat erhältlich)
Online-Dienst keiner
Verkaufte
Einheiten
ca. 360.000
Vorgänger keiner
Nachfolger Odyssey 100/Philips G7000
Info Erste Spielkonsole der Welt
Originalverpackte Magnavox Odyssey mit deutscher Anleitung.

Die Magnavox Odyssey ist eine von dem Unternehmen Magnavox im September 1972 in den USA veröffentlichte dedizierte stationäre Spielkonsole der ersten Konsolengeneration. Sie ist die erste jemals erschienene Spielkonsole.[1] Entwickelt wurde der Prototyp namens Brown Box[1] von Ralph Baer bereits 1968. Die Magnavox Odyssey wurde in Deutschland unter dem Namen Odyssee von ITT Schaub-Lorenz vertrieben.[2] Im ersten Jahr wurden zwischen 69.000 und 100.000 Geräte verkauft - bis 1975 wurden laut Baer weltweit etwa 360.000 Einheiten der Magnavox Odyssey abgesetzt, davon rund 10.000 in Deutschland.[3][4]

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Magnavox Odyssey verfügt weder über einen Arbeitsspeicher, noch über eine CPU und basiert damit nicht wie heutige Konsolen auf einem digitalen Mikroprozessor, sondern auf speziellen Dioden-Transistor-Logik-Schaltungen. Entgegen zahlreicher Gerüchte handelt es sich nicht um einen Analogrechner im eigentlichen Sinne.[5] Für das System wurden aus Kostengründen nur 40 Transistoren verwendet. Es können dadurch maximal drei weiße Punkte bzw. Blöcke auf einem schwarzen Hintergrund dargestellt werden; Deshalb ist es, um ein Spiel zu spielen, meist notwendig, zuerst eine der mitgelieferten Plastikfolien mit dem Spielfeld des entsprechenden Spiels auf dem Fernsehbildschirm zu befestigen. Im Lieferumfang der Magnavox Odyssey befanden sich Plastikfolien von zwei Größen; Diese sind laut einem Magnavox Odyssey-Werbespot für Bildschirme der Größe 18 und 25 Zoll konzipiert. Die Spiele sind ähnlich wie Gesellschaftsspiele aufgebaut, es gibt beispielsweise zusätzlich zu den Vorgängen auf dem Bildschirm ein Spielbrett, Spielkarten, Spielsteine und mehr. Dies ist auch oft notwendig, denn beispielsweise einen Punktestand zu verwalten ist jenseits der technischen Möglichkeiten der Konsole. Alle Spiele sinf für zwei Spieler vorgesehen; Alleine gegen den Computer zu spielen ist nicht möglich.

Die Magnavox Odyssey verfügt noch nicht über Spielmodule im eigentlichen Sinne; die verschiedenen Spiele werden jeweils durch das Einstecken eines kleinen Pseudo-Moduls ausgewählt; Darin steckt kein Programm, sondern lediglich ein paar Drähte, die bestimmte Teile der festeingebauten Konsolen-Elektronik so elektrisch zusammenschalten, dass ein Bild auf dem Bildschirm erscheint. Teilweise werden auch mehrere verschiedene Spiele mit derselben Steckkarte, aber mit verschiedenen Bildschirmhintergründen, Zusatzmaterialien und Spielregeln gespielt.

Die zwei mitgelieferten Gamepads verfügen jeweils über drei Drehregler und eine Reset-Taste. Mit zweien der drei Drehregler kann die horizontale bzw. vertikale Position des Spielerquadrats bzw. der Spielfigur beeinflusst werden. Der dritte Regler beeinflusst die Position des Balls.[6] Die Reset-Tasten dienen dazu, das Spiel neu zu starten. Davon abweichend ist die Bedienung bei den Verfolgungs- und Lightgun-Spielen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Brown Box, der Prototyp der Magnavox Odyssey.

Der Prototyp der Magnavox Odyssey wurde von 1966 bis 1968 von Ralph Baer entwickelt.[4] Magnavox brachte die Konsole schließlich im September 1972 auf den amerikanischen Markt. In Deutschland wurde die Konsole ab 1974 von ITT Schaub-Lorenz unter dem Namen Odyssee vertrieben.[2] Der Startpreis der Konsole betrug in den USA 99 US-Dollar, 1973 rund 75 US-Dollar und 1974 nur noch etwa 50 US-Dollar. 1975 wurde die Produktion der Magnavox Odyssey aufgrund der Veröffentlichung des Nachfolgermodells Odyssey 100 eingestellt.

Steven Kent spricht in seinem Buch „History of Video Games“ von 100.000, Ralph Baer 1975 jedoch von 360.000 verkauften Einheiten.[3] Circa 10.000 Stück davon wurden laut ihm alleine in Deutschland verkauft.[2]

Im Jahr 1982 betrieb und gewann Magnavox ein Gerichtsverfahren gegen Atari wegen Patentverletzung, da Ataris Pong dem Tennis-Spiel der Odyssey glich. Drei Jahre später beantragte Nintendo, die Patente von Magnavox zu löschen, weil William Higinbotham bereits 1958 ein ähnliches Spiel namens Tennis for two entwickelt hatte. Nintendo scheiterte mit dem Versuch.[7]

Am 28. Juni 2013 nahm das Museum of Modern Art die Konsole als erste Hardware in seine Dauerausstellung zum Thema Computerspiele auf.[8]

Nachfolger[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Odyssey 200 (europäisches Modell von Philips)
Odyssey 300

Der Magnavox Odyssey folgten diverse Nachfolger-Konsolen: 1975 erschien die Odyssey 100 und im Jahr darauf vier weitere Nachfolger-Konsolen, die Magnavox Odyssey 200, Magnavox Odyssey 300, Magnavox Odyssey 400 und Magnavox Odyssey 500 genannt wurden. Bis 1977 erschienen noch die Modelle 2000, 3000 und 4000. Das Modell 5000 blieb in der Entwicklung und wurde nicht veröffentlicht.[9] Die Modelle unterscheiden sich nur geringfügig, meist beim Design des Gehäuses, der Grafikfähigkeiten oder den eingebauten Spielen, voneinander.

Nachdem Magnavox eine Tochtergesellschaft von Philips wurde, erschien 1978 die Konsole Philips G7000, die in den USA unter dem Namen Odyssey² vermarktet wurde.

Spiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Magnavox Odyssey-Cartridge (No. 6)

Es wurden insgesamt 28 Spiele mittels 12 Karten realisiert; Die Spiele No. 1 bis No. 6 davon befanden sich bereits im US-amerikanischen Lieferumfang (vier im deutschen). Die Spiele unterscheiden sich dadurch, dass unterschiedliches Zusatzmaterial (Overlays, Spielkarten, Würfel etc.) mit verschiedenen Karten verwendet wird. Es werden bis zu sechs verschiedene Spiele mit einer Karte gespielt, für wenige Spiele werden bis zu drei Karten im Wechsel genutzt.[10]

Bei den Spielen handelt es sich meist um Varianten von Pong, Simon Says und Renn- oder Labyrinthspiele, die oft den Charakter von Lernspielen hatten.[11] Die vier Spiele der Karten 9 und 10 sind Shoot 'em ups und wurden mit einer Lightgun gespielt.[12]

Odyssey-Karten und -Spiele:
Karte damit spielbare Spiele
1 Table Tennis
2 Ski, Fun Zoo, Percepts
3 Tennis, Analogic, Baseball, Hockey, Football, Soccer
4 Cat and Mouse, Football (Running), Haunted House, Invasion
5 Submarine, Invasion, Soccer, Wipeout (Autorennspiel)
6 Roulette, States, Invasion
7 Volleyball
8 Basketball, Handball
9 Shootout, Dogfight, Prehistoric Safari
10 Shooting Gallery
11 Basketball (wurde nie vertrieben)
12 Interplanetary Voyage

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Magnavox Odyssey – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b RP ONLINE: Eine Reise durch die Geschichte der Spielekonsolen: Die Entwicklung der Spielekonsolen. Abgerufen am 22. Mai 2019.
  2. a b c [1] Die Pong-Story: Odyssey Exports and Clones
  3. a b [2] Die Pong-Story: How the Odyssey sold in the USA
  4. a b Ralph Baer: Recovering the History of the Video Game. Archiviert vom Original am 2. November 2014; abgerufen am 13. Dezember 2015 (englisch).
  5. Marty Goldberg: Video Game Misconceptions: The Magnavox Odyssey is analog and not digital. In: GameSpy. Ziff Davis, archiviert vom Original am 29. Oktober 2012; abgerufen am 13. Dezember 2015 (englisch).
  6. [3] User Manual Page7
  7. [4] Telepolis: William Higinbothams Tennis for Two
  8. Paul Galloway: Video Games: Seven More Building Blocks in MoMA’s Collection (englisch) In: Inside / Out. A MoMA/MoMA PS1 Blog. Museum of Modern Art. 28. Juni 2013. Abgerufen am 29. Juni 2013.
  9. [5] The Pong-Story: Magnavox and the Odyssey system
  10. [6] The Pong-Story: The Operation of the Odyssey
  11. [7] Rezensionen der Odysseyspiele
  12. [8] The Pong-Story: Shooting Gallery, the Odyssey add-on Rifle