Hercules Magusanus

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Hercules Magusanus (auch Hercules Magusenus) ist der Name eines germanischen Gottes, der überwiegend im römischen Niedergermanien verehrt wurde. Er gilt als Hauptgottheit der Bataver mit der Funktion eines Kriegsgottheit, beziehungsweise einer kriegerischen Wesenshaftigkeit.

Überlieferung und Verbreitung[Bearbeiten]

Der Name Magusanus oder Magusenus erscheint auf römerzeitlichen Weihesteinen[1], einer Kalksteinstatuette[2], Armringen[3] und zwei 260/1 geprägten Münzemissionen des gallischen Kaisers Postumus.[4] Hinzu kommt eine Bronzestatuette des Hercules[5], die im Tempelbezirk von Empel zusammen mit einem Bronzeplättchen mit einer Weihung an Hercules Magusenus gefunden wurde.[6]

1989 bis 1991 wurde der Tempelbezirk von Empel ausgegraben. In dem ab Mitte des 1. Jahrhunderts errichteten gallo-römischen Umgangstempel wurde der Gott zentral verehrt und ihm Opfer dargebracht.[7] Weitere Hercules-Magusanus-Kultorte im Siedlungsgebiet der Bataver waren der Tempel in Elst und in Kessel bei Oss.

Der überwiegende Teil der Funde stammt aus der römischen Provinz Germania inferior, die Verehrung des Gottes durch Soldaten auch außerhalb wird durch je eine Inschrift aus Rom, Dakien und Schottland belegt.

Eine Inschrift aus Malburg (Gelderland) nennt ihn zusammen mit der germanischen Göttin Haeva.[8]

Nach Jan de Vries bezeugt die geographische Verteilung dieser Weihinschriften mit dem Kern am Niederrhein die Bedeutung der Verehrung durch die dortige Bevölkerung. Das Fundgebiet umfasst die Siedlungsräume der germanischen Stämme der Bataver, Cugerner, Marser, Ubier und Tungrer. Der Fund von Falkirk weist gleichfalls auf die Region des Niederrheins hin, da der Stifter, ein Legionär war, der der „ala Tungrorum“ angehörte. Ein Centurio der Legio I Minervia stiftete den Weihestein, der in Bonn gefunden wurde.[9] De Vries weist darauf hin, das Angehörige dieser Einheit verschiedenen germanischen Gottheiten Weihesteine stifteten, wie für die Hludana, die Sunuxal und für die Matronae (Deae) Aufaniae.

Ikonographie[Bearbeiten]

Die Kalkstein- und die Bronzestatuette (diese zusätzlich mit einem Trinkgefäß) sowie die Münzen zeigen den nackten Hercules mit Löwenfell und Keule, die Darstellung auf einem Weihaltar aus Bonn zeigt zusätzlich noch Cerberus.[10] Die bildlichen Darstellungen des Hercules Magusanus sind von sonstigen römischen Darstellungen des Hercules nicht zu unterscheiden.

Etymologie und Deutung[Bearbeiten]

In der Forschung wird Hercules Magusanus teilweise als keltischer Gott gedeutet. Da die Dedikanten meist germanische Namen tragen, muss mit einem germanischen Gott gerechnet werden und zwar dürfte gemäß der üblichen Interpretatio Romana eine Erscheinungsform des Donnergottes Donar/Thor gemeint sein. Rudolf Much und ihm folgend Siegfried Gutenbrunner, stellte den Namen zum gallischen *Magusanos »der vom Feld« (zu magos »Feld«), der Name könnte dadurch von einem Ortsnamen abgeleitet sein, möglicherweise von Noviomagus, den vermuteten Hauptort der Bataver (so zuvor Theodor Mommsen). Eduard Norden verband den Beinamen Magusanus mit dem Ortsnamen „Mahusenham“ des heutigen Myswinkel bei Duurstede. Hermann Reichert merkt zu allen Belegen an, das der Beiname nicht germanisch sei, sondern wie vergleichbar mit Much und Gutenbrunner eine lateinische Ableitung eines keltischen Ortsnamen vorliegt. Anders erklärt Norbert Wagner den Beinamen zuletzt hingegen ohne einen Ortsnamenbezug als zu germanisch *Maguz/s-na- „der zur Kraft, Stärke Gehörende; mit Kraft Ausgestattete“ gehörend.

Jan de Vries wies im Bezug auf die Germanizität bestimmter Hercules-Inschriften, insbesondere der „Magusanus-Inschriften“, darauf hin, dass das wesentliche verbindende Merkmal des Hercules und des Donar/Thor beider Körperkraft sei, oder die Personifizierung dieser Kraft. Günter Neumann deutet den Befund dieser Bildung durch die Interpretatio aus lateinischen Theonym mit germanischen Beinamen, dass diese germanischen Elemente konservative Sprachrelikte einer Bevölkerung darstellen, die in einem starken Prozess der Akkulturierung in einem gallo-römischen Umfeld stand.

In diesem Kontext der Akkulturation und zuvor der Ethnogenese der Bataver im Niederrheingebiet ist der Kult des Hercules Magusanus als deren Hauptgottheit zu sehen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. CIL 13, 8010 aus Bonn
    AE 1971, 282 aus Bonn
    CIL 13, 8492 aus Köln-Deutz
    AE 1977, 570 aus Wardt-Lüttingen bei Xanten
    AE 1994, 1282 aus Waardenburg
    AE 1994, 1284 aus Houten
    CIL 13, 8771 aus Ruimel bei Sint-Michielsgestel Abbildung des Steins
    CIL 13, 8705 aus Malburgen, Gelderland
    CIL 13, 8777 aus Westkapelle
    CIL 6, 31162 von den Equites singulares in Rom am 29. September 219 gestiftet
    CIL 7, 1090 aus Falkirk (Mumrill) am Antoninuswall (Schottland)
    AE 1977, 702 aus Borșa, Dakien (Rumänien).
  2. CIL 13, 8610 aus Xanten.
  3. CIL 13, 10027, 212a-d aus Tongern, Bonn, Köln und Neuss-Grimlinghausen.
  4. Georg Elmer: Die Münzprägung der gallischen Kaiser in Köln, Trier und Mailand. In: Bonner Jahrbücher 146, 1941, 44 Nr. 287. 293.
  5. Heute ’s-Hertogenbosch, Noordbrabants Museum 15124 (Abbildung).
  6. AE 1990, 740: Herculi / Magusen(o) / Iulius Gen/ialis veter(anus) / leg(ionis) X G(eminae) P(iae) F(idelis) / v(otum) s(olvit) l(aetus) l(ibens) m(erito).
  7. Nico Roymans, Ton Derks: Der Tempel von Empel. Ein Hercules-Heiligtum im Batavergebiet. In: Archäologisches Korrespondenzblatt 23, 1993, S. 479–492 (Volltext); Nico Roymans, Ton Derks: De tempel van Empel. Een Hercules-heiligdom in het woongebied van de Bataven. Stichting Brabantse Regionale Geschiedbeoefening, ’s-Hertogenbosch 1994, ISBN 90-72526-25-2.
  8. CIL 13, 8705.
  9. AE 1971, 282.
  10. AE 1971, 282; Epigraphische Datenbank Heidelberg mit Abbildung.