Maniitsoq

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Maniitsoq (der unebene)
Sukkertoppen (der Zuckerhut)
Manîtsoĸ
Maniitsoq (1890)
Maniitsoq (1890)
Kommune Qeqqata Kommunia
Distrikt Maniitsoq
Geographische Lage 65° 24′ 59″ N, 52° 53′ 59″ WKoordinaten: 65° 24′ 59″ N, 52° 53′ 59″ W
Maniitsoq (Grönland)
Maniitsoq
Höhe m
Einwohner 2.561
(1. Januar 2017)
Gründung 1782
Zeitzone UTC-3

Maniitsoq (2014)
Maniitsoq (19. Jahrhundert)

Maniitsoq [maˈniːt͡sːɔq] (nach alter Rechtschreibung Manîtsoĸ; dänisch Sukkertoppen) ist eine grönländische Stadt im Distrikt Maniitsoq in der Qeqqata Kommunia.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maniitsoq liegt an der Südküste einer größeren gleichnamigen Insel, die von Hunderten kleinerer Inseln und Schären umgeben wird. Das ganzjährig befahrbare Meer vor Maniitsoq bildet eine Bucht, in die einerseits der Maniitsup Sermilia fließt, andererseits aber auch mit einem Komplex aus Meerengen und Fjorden weiter nördlich verbunden ist. Die nächsten Orte sind das 50 km nordnordwestlich liegende Kangaamiut und das 47 km südsüdöstlich liegende Napasoq.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Gegend lassen sich 4500 Jahre alte Spuren der Saqqaq-Kultur finden.[2] 1755 gründete der norwegische Kaufmann Anders Olsen am Ort der heutigen Siedlung Kangaamiut die Siedlung „Sukkertoppen“ (deutsch der Zuckerhut). Der Name geht auf die von niederländischen Walfängern wegen der markanten Berge vergebenen Bezeichnung Zuikerbrood zurück. 1782 wurde das heutige Maniitsoq gegründet, weil man sich bessere Erträge beim Walfang als im heutigen Kangaamiut erhoffte, und der Ortsname „Sukkertoppen“ wurde übernommen. Kangaamiut blieb dabei als „Gamle Sukkertoppen“ (deutsch Alt-Sukkertoppen) bestehen.[3]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1832 wurde in Maniitsoq eine Walfangstation errichtet und der Walfang bildete in den ersten Jahrzehnten die Erwerbsgrundlage des Ortes. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde eine Fischfabrik errichtet,[2] in der Krabben und Dorsche verarbeitet werden. In Maniitsoq befindet sich zudem eine Schiffswerft. Des Weiteren ist Maniitsoq Hauptsitz des Handelsunternehmens KNI.[3] Ab den 1980er Jahren begann der Fischfang in der Stadt an Bedeutung zu verlieren. Man erwägte in den letzten Jahren ein Aluminiumschmelzwerk in Maniitsoq zu errichten, womit ein starker Ausbau der Stadt einhergehen sollte,[4] aber Alcoa meldete 2015, dass sie aus wirtschaftlichen Gründen das Projekt nicht weiterführen werden.[5]

Infrastruktur und Versorgung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Hafen von Maniitsoq ist sanierungsbedürftig. Ursprünglich sollte gemeinsam mit dem Schmelzwerk auch ein neuer Hafen errichtet werden. Im Jahr 2000 wurde der Flughafen Maniitsoq in Betrieb genommen, der den alten Heliport ersetzte. Auf den Straßen von Maniitsoq fährt eine Buslinie des Verkehrsbetriebs Manii Bussii, welche die wesentlichen Siedlungsgebiete des Ortes miteinander verbindet.[6]

Nukissiorfiit betreibt in Maniitsoq ein Wasserwerk an einem See nördlich der Stadt. Nukissiorfiit ist auch für die Stromversorgung zuständig, die über ein 2011 in Betrieb genommenes Dieselkraftwerk geschieht. Die Wärmeversorgung erfolgt über Fernwärme, die durch Müllverbrennung und das Dieselkraftwerk gewonnen wird. Zwei Drittel der Gebäude in Maniitsoq sind an ein Abwassernetz angeschlossen. TELE Greenland ist für die Telekommunikation in Maniitsoq zuständig.[4]

Bebauung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Maniitsoq gibt es einen Kindergarten und eine Efterskole, die seit 2011 in der ehemaligen Fischereischule untergebracht ist. Neben einem Jugendtreff hat Maniitsoq auch eine Sporthalle, einen Fußballplatz, eine Kunstwerkstatt, ein Versammlungsgebäude und das Maniitsoq-Museum, das aus beim Bau der Fischfabrik versetzten Kolonialgebäuden besteht.[4] Auch die alte Kirche von 1864, die damals das größte Steingebäude des Landes war, fungiert als Versammlungsort, während die neue Kirche aus dem Jahr 1981 stammt.[2] Ein Skiklub betreibt etwa 27 km nordöstlich am Gletscher Apussuit ein Skigebiet.[3]

Maniitsoq-Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juli 2012 veröffentlichte ein internationales Forscherteam unter Leitung von De Nationale Geologiske Undersøgelser for Danmark og Grønland (GEUS) einen Bericht über die Entdeckung einer rund 50 km südöstlich von Maniitsoq gelegenen kreisförmigen geologischen Struktur von etwa 100 km Durchmesser, in der sie die Überreste des bisher größten und ältesten entdeckten Meteoriteneinschlagkraters der Erde identifiziert zu haben glauben. Entnommene Granitproben zeigen ungewöhnliche Gepräge (Impaktite, Strahlenkegel), die auf die kurzzeitige einmalige Einwirkung enormer Energien zurückgeführt werden, wie sie bei einem Impaktereignis freiwerden. Nach Ansicht der Forscher ist die Struktur auf den Einschlag eines ca. 30 km großen Asteroiden im Mesoarchaikum (rund 3000 mya) zurückzuführen; der ursprüngliche Krater soll mit 500–600 km Breite und 30 km Tiefe erheblich größer gewesen sein als die bisher größte sicher identifizierte derartige terrestrische Struktur, der Vredefort-Krater in Südafrika.[7]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Maniitsoq spielt der vom dänischen Schriftsteller Kim Leine verfasste Roman Ewigkeitsfjord.
  • Wegen der großen Anzahl an Brücken wird Maniitsoq auch als Venedig Grönlands bezeichnet.[3][2]

Söhne und Töchter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Maniitsoq war bis 1940 der größte Ort Grönlands. Die Einwohnerzahl erreichte Anfang der 1990er Jahre knapp 3200 Personen. Seitdem geht die Einwohnerzahl aber zurück. Mittlerweile hat die Stadt ein Fünftel ihrer Einwohner verloren im Vergleich zum Jahr 1991.[8]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Maniitsoq – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Karte mit allen offiziellen Ortsnamen bestätigt vom Oqaasileriffik, bereitgestellt von Asiaq
  2. a b c d Maniitsoq bei groenlandkreuzfahrt.de
  3. a b c d Maniitsoq in Den Store Danske
  4. a b c Maniitsoq bei qeqqata.odeum.com
  5. Smelteværk af aluminium sat på standby in der Sermitsiaq
  6. Busfahrplan bereitgestellt von Qeqqata Kommunia
  7. Adam A. Garde, Iain McDonald, Brendan Dyck, Nynke Keulen: Searching for giant, ancient impact structures on Earth: The Mesoarchaean Maniitsoq structure, West Greenland. In: Earth and Planetary Science Letters. Band 337–338, 1. Juli 2012, ISSN 0012-821X, S. 197–210, doi:10.1016/j.epsl.2012.04.026 (Abstract).
  8. Einwohnerzahl Maniitsoq 1977–2018 bei bank.stat.gl