Marc Sinan

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Marc Sinan (* 15. Mai 1976) ist ein deutsch-türkisch-armenischer Komponist und[1] Gitarrist.

Leben und Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marc Sinan wurde 1976 als Sohn einer türkisch-armenischen Mutter und eines deutschen Vaters geboren. Er spielt seit seiner frühen Jugend auf internationalen Konzertbühnen. Er studierte ab 1990 unter anderem bei Eliot Fisk und Joaquín Clerch am Mozarteum in Salzburg und am New England Conservatory of Music in Boston. Als Assistent von Franz Halasz unterrichtete er bis 2003 an der Musikhochschule Augsburg eine Gitarrenklasse.

Neben Solokonzerten und Kammermusik-Projekten mit Partnern wie Julia Hülsmann, Jörg Widmann, dem türkischen Perkussionisten Burhan Öçal, und dem Rodin-Quartett spielte Marc Sinan als Solist mit Orchestern wie dem Royal Philharmonic Orchestra, dem Georgischen Kammerorchester und anderen. Europaweiten Konzertreisen durch Deutschland, Österreich, die Schweiz, Frankreich, die Türkei und Spanien, folgten Tourneen in Nord- und Südamerika. Er trat auf in der Jordan Hall in Boston (zur Weltpremiere von Daniel Pinkhams Sagas), der Musikhalle in Hamburg (mit dem Perkussionisten Burhan Öcal) und dem Teatro Nacional in Havanna sowie in der Philharmonie in München und dem Mozartsaal in Salzburg.

Marc Sinan stand im Mittelpunkt zahlreicher Rundfunk- und TV-Aufzeichnungen, unter anderem für den Bayerischen Rundfunk, den Österreichischen Rundfunk und den türkischen Sender Türkiye Radyo ve Televizyon Kurumu (TRT). Im Jahr 1994 erschien seine Debüt-CD A Royal Christmas - Marc Sinan and the Royal Philharmonic Orchestra bei Polydor.

1998 widmete ihm der Komponist Jörg Widmann das Auftragswerk Entschwebung für Gitarre und Elektronik, das Marc Sinan neben Werken von Robert Beaser und Toru Takemitsu auf CD eingespielt hat.

Im Januar 2000 sammelte Marc Sinan in einer Benefiztournee durch 15 deutsche Städte für sein Projekt Sounds are Friends und ermöglichte so bis 2006 Musikunterricht für über 70 Waisenkinder in Gölcük bei Istanbul, die in dem Erdbeben von 1999 ihre Familien verloren hatten.

Seit seiner Tournee From Istanbul to Buenos Aires (2002) mit Burhan Öçal arbeitet Marc Sinan auch intensiv mit Musikern anderer Genres zusammen. So war er als Solist mit Jazzensemble in seinem Wes-Montgomery-Projekt Livin’ Swing zu hören – einer Kollaboration mit dem Pianisten und Arrangeur Marc Schmolling.

2008 spielte er mit der Komponistin und Pianistin Julia Hülsmann und dem Autor und Regisseur Marc Schiffer das Projekt Fasil ein, das von ECM veröffentlicht wurde. 2011 erarbeitete er mit den Dresdner Sinfonikern die Konzertinstallation Hasretim - eine anatolische Reise. 2011 schrieb er die Musik zu dem Dokumentarfilm Cinem Jenin.

Gemeinsam mit den Dresdner Sinfonikern erhielt er 2011 den Sonderpreis der Deutschen UNESCO Kommission für Hasretim - eine anatolische Reise als eindrucksvolle Darstellung einer „inspirierenden und experimentellen Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Kulturen.“[2]

Im Jahre 2015, anlässlich des 100. Jahrestages des Völkermordes an den Armeniern, wurde im Berliner Maxim Gorki Theater sein nach „Hasretim“ und „Dede Korkut“ drittes musiktheatralisches Projekt aufgeführt: „Komitas“. Es erinnert an den armenischen Priester, Komponisten und Musikethnologen Komitas Vardapet, der den Völkermord im Jahre 1915 überlebte und doch daran zerbrach.[3] Das Libretto schrieb Holger Kuhla.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Helmut Mauró: Mensch, erbarme dich. In: Süddeutsche Zeitung, 19. Dezember 2014, abgerufen am 6. Februar 2016
  2. Gitarrist wird 1. YEAH! Young EARopean Award verliehen
  3. Helmut Mauró: Wie man einen Völkermord überlebt. Globale Traumatherapie: Marc Sinans dokufiktionales Musiktheater „Komitas“ spürt dem Leiden des gleichnamigen armenischen Priesters und Musikers nach und verwandelt Erinnerungskultur in Erinnerungskunst. In: Süddeutsche Zeitung vom 15. April 2015, S. 13.