Marianne Hollenstein

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Marianne Hollenstein

Marianne Hollenstein (* 9. November 1964 in Basel) ist eine Schweizer Künstlerin und Bühnenbildnerin.

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marianne Hollenstein stammt aus einer Basler Familie. Sie ist die Enkelin des Laufenburger Journalisten und Schriftstellers Emil Hering, der in den frühen 1930er Jahren das Aufkommen des Nationalsozialismus beobachtete und in seinen Artikeln verurteilte.[1]

Arbeiten für das Theater[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach ihrem Studium der Szenografie am Institut International de la Marionette im französischen Charleville-Mézières lernte Marianne Hollenstein als Bühnenbildassistentin am Schauspielhaus Bochum das Tanztheater der Pionierinnen Reinhild Hoffmann und Susanne Linke kennen. Mit Bühnenbildner Johannes Schütz arbeitete sie an Linkes Ruhr-Ort (1991) mit, als Assistentin von Bildhauer Robert Schad betreute sie Hoffmanns Zeche eins (1992) und Zeche zwei (1993).

Seit 1994 ist Marianne Hollenstein als Bühnenbildnerin und Kostümbildnerin für viele Theater in der Schweiz, in Deutschland und in Österreich tätig, etwa für das Staatsschauspiel Dresden, das Theater Basel, Tacheles Berlin, Schauspielhaus Graz, Theater Konstanz, Theater im Ballsaal Bonn, das Theater Stadelhofen und die Schauspiel-Akademie Zürich, das Saarländische Staatstheater Saarbrücken, Staatstheater Wiesbaden, Staatstheater Karlsruhe, das Anhaltinische Theater Dessau, Staatstheater Nürnberg, Staatstheater am Gärtnerplatz München, Theater & Philharmonie Thüringen, Gera, oder für das Mainfranken Theater Würzburg[2] und zuletzt für das Staatsschauspiel Kassel[3].

2000 wurde sie Ausstattungsleiterin des Hans Otto Theaters Potsdam (bis 2004), wo sie intensiv mit Regisseur Ralf-Günter Krolkiewicz zusammenarbeitete, etwa bei den Opernproduktionen Le nozze di Figaro (2002), Hercules (2003) und Don Giovanni (2004), sowie mit Herbert Olschock und Philippe Besson. Von 2006 bis 2008 war sie in der gleichen Position für die Ausstattung am Theater Ulm verantwortlich[4], wo sie auch anschließend bis 2018 in jeder Spielzeit die Bühnenbilder mehrerer Produktionen gestaltete, etwa, jeweils in der Regie von Andreas von Studnitz, die Schauspiele Faust (2006/07), Orestie (2006/07), Die Nibelungen (2007/08), Ödipus (2009/10), Hexenjagd (2010/11), Kabale und Liebe (2014/15), König Lear (2017). Außerdem stattete sie in Ulm viele Opern aus, etwa Macbeth (2007), Tannhäuser (2008), Die Zauberflöte (2009), Das Rheingold (2011), Die Sache Makropulos (2012), Dialogues des Carmélites (2013), Serse (2014), Peter Grimes (2014), Don Giovanni (2016), Die glückliche Hand, Carmina Burana, Floating (Schönberg, Orff, Stäbler; 2018) oder die von Roberto Scafati choreografierten Ballette Romeo und Julia (2012), Le sacre du printemps (2012) oder Schwanensee (2016).

Beim Film gastierte Marianne Hollenstein 2011 als Art Director der beim Internationalen Filmfestival in Locarno vorgestellten Schweizer Produktion Glauser (Regie: Christoph Kühn).[5][6]

2014 war sie für Bühnenbild und Kostüme der von der Kulturstiftung des Bundes geförderten[7] türkisch-griechisch-deutschen Theaterkoproduktion Die Frauen von Troja zuständig (Künstlerische Leitung: Bernhard Stengele), aufgeführt am Tiyatro ENKA Istanbul, am Tiyatro Medresesi in Şirince und beim Samos Young Artists Festival am Theater von Pythagorion. Wieder gemeinsam mit Bernhard Stengele entwickelte sie 2017 eine Produktion am arabisch-hebräischen Jaffa Theatre in Tel Aviv. 2018 stattet sie das Tschaikowski-Ballett Sleeping Beauty (Dornröschen) in der Choreografie von Radu Poklitaru am Nationalen Iwan-Franko-Schauspielhaus in Kiew aus.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Freie Kunst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Marianne Hollenstein gilt als eine "Wanderin zwischen den Welten" der darstellenden und der bildenden Kunst.[10] In ihren freien Kunstprojekten führt sie Architektur, Skulptur, Malerei, Bewegung und Licht zusammen. Ihr 2006 in Ulm eröffnetes Atelier unterhält sie als zentrale Arbeitsstätte.

Performances[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Performances sind ein Schwerpunkt in Marianne Hollensteins Arbeit im Bereich der Freien Kunst. Das zwischen bildender und darstellender Kunst vermittelnde Element findet sich häufig in Verbindung mit ihren Installationen.

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994 Ankunft, erste Kunstinstallation und Performance, Galerie Rue 13, Basel
  • 1995 Figur und Raum, Staatliches Puppentheater Dresden
  • 2000 Medea, Performance, Kunsthalle Basel
  • 2005 Lichtprojektionen, Marcelleria d'Arte, St. Gallen
  • 2009 Raum/Verletzungen, Kloster Dornach
  • 2009 Theaterarbeiten und Malerei, Smudajescheck Galerie Ulm[11]
  • 2010 Es war einmal..., Installation und Performance, Hochschule für Musik und Theater München[12]
  • 2011 Kreuzspuren, Rattenbach/München
  • 2012 A portrait of thinking, Installation, Smudajescheck Galerie Ulm
  • 2012 Gedanken verkleinert, Alter Malsaal, Gera
  • 2013 Palimpsest-Tanzspuren, übermalt, Performance mit dem gesamten Ballettensemble, Theater Ulm
  • 2013 Relocating the Myth of Troy, Performance, Şirince
  • 2014 Denkstrukturen, Galerie am Blauen Wunder, Dresden
  • 2016 ORFEO, 1. Akt. Dance of the Blessed Spirit, Installation und Performance, BBK/ Künstlerhaus Ulm
  • 2016 ORFEO, 2. Akt. At the Side of the Beloved, Stadthaus Ulm[13]
  • 2016 Letters in between. Briefe an Hannah Arendt, Kunstverein Gera
  • 2017 Altes Schlachthaus, Basel
  • 2017 Nothing for Eternity, Installation, Almacén Jaffa Cultural Center, Tel Aviv
  • 2017 la joie de vivre!, Centro d’Arte San Vidal, Scoletta San Zaccaria, Venedig[14]
  • 2017 Hommage an Edith Altmann, Installation und Performance, Lindenau-Museum, Altenburg[15]
  • 2017 Stufen des Erfolgs, Installation in der Ausstellung Carl Laemmle reloaded, Museum zur Geschichte von Christen und Juden, Laupheim
  • 2018 Letters in between, Installation und Performance, Galerie Etienne de Causans, Paris
  • 2018 Nothing for Eternity, Installation in der Ausstellung Achtung Menschenrechte, Museum zur Geschichte von Christen und Juden, Laupheim
  • 2019 Human Condition, im Rahmen der Kyiv Art Week, Set, Independent Art Space, Kiew[16]

Kataloge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marianne Hollenstein. Malerei und Installation 2009-2011. Mit Beiträgen von Marianne Hollenstein und Max Stemshorn. Ulm 2011.
  • Marianne Hollenstein. Malerei-Installation-Performance 2012-2015. Mit Beiträgen von Magdi Aboul-Kheir, Matthias Kaiser und Ulrich Sinn. Ulm 2015.
  • Marianne Hollenstein. Installation und Performance 2010-2018. Texte von Marianne Hollenstein. Ulm 2019.

Lehre[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Sommersemester 2018 übernahm Marianne Hollenstein einen Lehrauftrag für ein Master-Studienprojekt "Innenentwicklung" an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen zum Thema Inszenierung im Stadtraum – Der Hegelplatz Stuttgart in Zusammenarbeit mit den Professoren Cornelia Bott, Siegfried Gaß und Henning Krug.

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ukrainischen Modemacher Kateryna Biakova und Maksym Holub setzen mit ihrem Label "Finch" Hollensteins Letters in between in eine Kollektion um, die sie im Dezember 2018 in der Galerie Etienne de Causans in Paris und im Februar 2019 bei der Ukrainian Fashion Week in Kiew vorstellten.[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Bezirk Laufenburg. In: Beiträge zur Aargauergeschichte. 11 (2002) Abgerufen am 17. März 2017.
  2. IOCO Kultur im Netz: Orfeo ed Euridice am Mainfranken Theater Würzburg (mit Kurzbiografie Marianne Hollenstein) Abgerufen am 17. März 2017.
  3. Staatstheater Kassel: Der gestiefelte Kater, Thomas Freyer | Staatstheater Kassel. Abgerufen am 29. Januar 2019.
  4. Theater Ulm Marianne Hollenstein, Bühnenbildnerin (Memento des Originals vom 21. März 2017 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/theater-ulm.de
  5. Glauser Website Swissfilms. Abgerufen am 17. März 2017.
  6. Dagmar Hub: Bilder aus dem Kopf eines Außenseiters In: Augsburger Allgemeine, 23. August 2011. Abgerufen am 16. März 2017.
  7. Kulturstiftung des Bundes, Programme & Projekte Die Frauen von Troja
  8. „Cohn Bucky Levy – Der Verlust“ von Mona Becker, Theater&Philharmonie Thüringen. Abgerufen am 30. Januar 2019.
  9. Theater&Philharmonie Thüringen unter den Preisträgern des Theaterpreises des Bundes. Abgerufen am 30. Januar 2019.
  10. Deutschland today, 1. Oktober 2012. Abgerufen am 16. März 2017.
  11. Galerie Smudajescheck (Eintrag Marianne Hollenstein) Abgerufen am 17. März 2017.
  12. Magdi Aboul-Kheir: Mit Papier gegen die Wucht. Marianne Hollensteins Ausstellung im ehemaligen Münchner "Führerbau". In: Südwest Presse. Ulm, 7. Dezember 2010.
  13. ORFEO, 2. Akt. Website Stadthaus Ulm. Abgerufen 17. März 2017.
  14. Biennale Austria: LA JOIE DE VIVRE! BA Contemporary 2017 Venezia. Abgerufen 8. Juli 2017.
  15. Performance und Soiree im Lindenau Museum. Abgerufen am 29. Januar 2019.
  16. OPENING. Marianne Hollenstein, Human Condition | International Contemporary Art Festival. Abgerufen am 22. Mai 2019 (englisch).
  17. FINCH SS19 - Ukrainian Fashion Week. Abgerufen am 2. Februar 2019.