Deutsche Volkspolizei

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Emblem der Deutschen Volkspolizei 1961 bis 1990

Die Volkspolizei, Abkürzung VP, amtlich DVP, umgangssprachlich Vopo, war in der DDR die zentralistisch organisierte Polizei, die im Laufe der Zeit verschiedene Umstrukturierungen erfuhr.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Juni 1945 wurde die Volkspolizei in der Sowjetischen Besatzungszone zunächst als Polizei der Länder gegründet. Nach der Auflösung der Länder wurde die Organisation vereinheitlicht. Die Volkspolizei unterstand dem Minister des Innern der DDR (MdI), dessen Amtsbezeichnung nach 1963 zugleich „Chef der Deutschen Volkspolizei“ lautete. Die weitere Untergliederung waren die Bezirksbehörden der DVP (BDVP) in allen Bezirksstädten und die VP-Kreisämter (VPKA) in den Kreisstädten.

Ab 1952 wurde der Abschnittsbevollmächtigte (ABV) in den Städten und Gemeinden nach sowjetischem Vorbild eingeführt. Interessierte Bürger konnten als „Helfer der VP“ ehrenamtlich mitarbeiten.

Der 1. Juli wurde ab Anfang der 1960er Jahre als Tag der Volkspolizei gefeiert. Zuvor war der 1. Juni dieser Tag, der in der DDR zugleich als Kindertag gefeiert wurde.

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereiche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

25 Jahre Deutsche Volkspolizei (Briefmarke der DDR, 1970)
Volkspolizisten bei der Öffnung des Brandenburger Tores, 1989

Die Volkspolizei gliederte sich zuletzt in folgende Dienstzweige:[1]

  1. Schutzpolizei, einschließlich Wasserschutzpolizei und Betriebsschutz
  2. Verkehrspolizei
  3. Kriminalpolizei
  4. Transportpolizei
  5. Pass- und Meldewesen und
  6. Feuerwehr

Wehrdienst in den Kasernierten Einheiten des MdI

  1. VP-Bereitschaften
  2. Offiziershochschule des MdI - Bereitschaften - "Artur Becker"
  3. Dienststelle der DVP Blumberg in Freudenberg
  4. Kompanien der Transportpolizei und
  5. selbständige Einheiten

Chef der DVP war der Innenminister, der diese bis 1963 über die Hauptverwaltung der DVP (HV DVP) im Ministerium des Inneren leitete. Ab 1963 leitete die Dienstzweige sein 1. Stellvertreter. Mittelinstanzen waren 14 Bezirksbehörden der DVP (BDVP) und das Präsidium der VP Berlin (PdVP). Die unterste Ebene der Polizeiorganisation bildeten die VP-Kreisämter (VPKA), die als Außenstellen VP-Reviere, -Wachen und -Gruppenposten unterhielten, sowie die VP-Inspektionen (VPI) in den Ostberliner Stadtbezirken. In den Gemeinden und Stadtbezirken wurden hauptamtliche Abschnittsbevollmächtigte (ABV) eingesetzt, die von rund 158.000 freiwilligen Helfern als ehrenamtliche Hilfspolizisten unterstützt wurden, um die Bevölkerung besser überwachen zu können.

Abweichungen vom dreistufigen vertikalen Aufbau wiesen namentlich die Transportpolizei und die VP-Bereitschaften auf. Die Transportpolizei war eine Eisenbahnpolizei der Deutschen Reichsbahn.

Die rund 12.000 Mann starken VP-Bereitschaften waren kasernierte Wehrdiensteinheiten, bezeichnet als "Kasernierte Einheiten des MdI, die vornehmlich zur Bekämpfung politischer Unruhen bestimmt waren und dem Stellvertreter des Ministers Bereitschaften/Kampfgruppen unterstanden. (zum Beispiel: Anfang Oktober 1989 in größeren Städten der DDR Übergriffe auf friedliche Demonstranten der sich formierenden Bürgerbewegung). Im Herbst 1989 kamen nur wenige Kräfte der Grundwehrdienstleistenden gegen die Bevölkerung zum Einsatz, da 2.100 Mann in der Volkwirtschaft eingesetzt waren. Einheiten der VP-Bereitschaften werden häufig mit den Schützenzügen der "Zentralen Kräfte Schutzpolizei" verwechselt.

Rechtsgrundlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Rechtsgrundlage für die VP wurde erst mit dem Gesetz über die Aufgaben und Befugnisse der DVP vom 11. Juni 1968 geschaffen.[2] Mit der staatlichen Wiederherstellung der deutschen Einheit 1990 wurde die VP aufgelöst und in die neuen Landespolizeien überführt. Für eine kurze Übergangszeit, bis zum Erlass eigener Polizeigesetze, galt in den neuen Bundesländern das DVP-Gesetz als Landesrecht fort.

Führung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Minister des Innern waren

Chef der Deutschen Volkspolizei waren

Minister des Innern und Chef der Deutschen Volkspolizei waren

Letzter Chef der Deutschen Volkspolizei war

Dienstgrade[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dienstgradabzeichen der Deutschen Volkspolizei
Dienstgradvergleich DVP (inklusive Kripo), NVA (Land, Luft, Volksmarine)
(1. Juni 1949 bis 2. Oktober 1990)
DVP // Kriminalpolizei DVP
(Distinktion)
NVA
(Land/Luft)
NVA (Volksmarine)
Wachtmeister und Mannschaften
Anwärter der VP / der K // ab 1. Mai 1990 Kriminalanwärter Soldat Matrose
Unterwachtmeister der VP / der K // ab 1. Mai 1990 Kriminalunterassistent
(1951 eingeführt)
Gefreiter Obermatrose
Wachtmeister der VP / der K // ab 1. Mai 1990 Kriminalassistent Stabsgefreiter Stabsmatrose
Unterführer und Unteroffiziere
Oberwachtmeister der VP / der K // ab 1. Mai 1990 Kriminaloberassistent Unteroffizier Maat
(keine Entsprechung) Unterfeldwebel Obermaat
Hauptwachtmeister der VP / der K // ab 1. Mai 1990 Kriminalhauptassistent Feldwebel Meister
Meister der VP / der K // ab 1. Mai 1990 Kriminalsekretär Oberfeldwebel Obermeister
Obermeister der VP / der K (1961 eingeführt) // ab 1. Mai 1990 Kriminalobersekretär Stabsfeldwebel Stabsobermeister
Offiziersschüler Offiziersschüler
Offiziere
Unterleutnant der VP bzw. der Kriminalpolizei
bis 15. Juli 1957 und wieder seit 1. Mai 1990: (Kriminal-)Unterkommissar; 1951 eingeführt
Unterleutnant Unterleutnant (zur See)
Leutnant der VP bzw. der Kriminalpolizei
bis 15. Juli 1957 und wieder seit 1. Mai 1990: (Kriminal-)Kommissar
Leutnant Leutnant (zur See)
Oberleutnant der VP bzw. der Kriminalpolizei
bis 15. Juli 1957 und wieder seit 1. Mai 1990: (Kriminal-)Oberkommissar
Oberleutnant Oberleutnant (zur See)
Hauptmann der VP bzw. der Kriminalpolizei
bis 15. Juli 1957: (Kriminal-)Rat, seit 1. Mai 1990: (Kriminal-)Hauptkommissar
Hauptmann Kapitänleutnant
Major der VP bzw. der Kriminalpolizei
bis 15. Juli 1957: Oberrat, seit 1. Mai 1990: (Kriminal-)Rat
Major Korvettenkapitän
Oberstleutnant der VP bzw. der Kriminalpolizei
bis 15. Juli 1957: Kommandeur, seit 1. Mai 1990: (Kriminal-)Oberrat
Oberstleutnant Fregattenkapitän
Oberst der VP bzw. der Kriminalpolizei
bis 15. Juli 1957: Inspekteur, seit 1. Mai 1990: (Kriminal-)Direktor
Oberst Kapitän zur See
Generalmajor
(bis 15. Juli 1957 und wieder seit 1. Mai 1990: Chefinspekteur)
Generalmajor Konteradmiral
Generalleutnant
(bis 15. Juli 1957 und wieder seit 1. Mai 1990: Generalinspekteur)
Generalleutnant Vizeadmiral
Generaloberst
(bis 15. Juli 1957 Chef der Deutschen Volkspolizei; abgeschafft zum 1. Mai 1990)
Generaloberst Admiral
Armeegeneral
(seit 1984 Dienstgrad des Ministers des Inneren und Chefs der Deutschen Volkspolizei; abgeschafft zum 1. Mai 1990)
Armeegeneral Flottenadmiral

Anmerkungen: Die DVP verfügte über kein äußeres Äquivalent für die 1974 in die NVA eingeführte Dienstgradgruppe bzw. Laufbahn der Fähnriche. Obermeister der VP erhielten Fähnrichsbesoldungen bei vergleichbaren Dienststellungen.

Die Schulterstücke der Unterwachtmeister und Wachtmeister unterscheiden sich bei Schutzpolizei und VP-Bereitschaften.

Die Dienstgrade des 1967 eingerichteten Strafvollzugsdienstes entsprachen bis Ende April 1990 jenen der uniformierten Volkspolizei, führten aber den Zusatz des Strafvollzugsdienstes bzw. des SV. Von Mai bis Oktober 1990 folgten die SV-Dienstgrade jenen der Kriminalpolizei (z. B. Unterassistent des SV). Eine Ausnahme war die gehobene Laufbahn mit den Dienstgraden Unterinspektor (= Unterkommissar / Unterleutnant) bis Hauptinspektor (= Hauptkommissar / Hauptmann); die höheren SV-Dienstgrade folgten wieder dem Beispiel der Kripo.

Die Unterlage bzw. Paspelierung weist auf den Dienstzweig der Volkspolizei hin: Schutzpolizei – dunkelgrün, Bereitschaft – hellgrün, Transportpolizei – blau, Transportpolizei-Bereitschaft – hellblau, Feuerwehr – rot, Strafvollzug − grau.

Diensteid[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn des Dienstverhältnisses war folgender Amtseid zu leisten:[3]

Ich schwöre, meinem sozialistischen Vaterland, der Deutschen Demokratischen Republik und ihrer Regierung allzeit treu ergeben zu sein, Dienst- und Staatsgeheimnisse zu wahren und die Gesetze und Weisungen genau einzuhalten.

Ich werde unentwegt danach streben, gewissenhaft, ehrlich, mutig, diszipliniert und wachsam meine Dienstpflichten zu erfüllen.

Ich schwöre, daß ich, ohne meine Kräfte zu schonen, auch unter Einsatz meines Lebens, die sozialistische Gesellschafts-, Staats- und Rechtsordnung, das sozialistische Eigentum, die Persönlichkeit, die Rechte und das persönliche Eigentum der Bürger vor verbrecherischen Anschlägen schützen werde.

Sollte ich dennoch diesen meinen feierlichen Eid brechen, so möge mich die Strafe der Gesetze unserer Republik treffen.

Statut der Volkspolizei

Ausbildungsstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fuhrpark der Volkspolizei
Polizeifahrzeuge
Wolga als Streifenwagen der Volkspolizei
Büroschild eines ABV
Verwarnung
Fototasche der VP (um 1955) in den Technischen Sammlungen Dresden

Seit 1962 verfügte die DVP über eine eigene Hochschule in Berlin-Biesdorf, an der bis 1989 rund 3500 Offiziere ausgebildet wurden. Daneben gab es mehrere Fachschulen. Die Kasernierten Einheiten verfügten über eigene Ausbildungseinrichtungen. Offiziere wurden zunächst bei den NVA-Landstreitkräften, ab 1963 an der Offizierschule und ab 1971 an der Offiziershochschule – Bereitschaften – in Dresden-Wilder Mann ausgebildet. Die Unterführer auf Zeit an der Unterführerschule in Liegau bzw. nach Verlegung in Dresden bis zu ihrer Auflösung.

Die Volkspolizei verfügte zuletzt über rund 80.000 hauptamtliche Polizisten und 177.500 „Freiwillige Helfer“. Von den sogenannten Abschnittsbevollmächtigten wurden z. B. die Hausbücher kontrolliert. Über die Personenkennzahl (PKZ) konnte die DVP wie auch das MfS über jeden Bürger alle in diversen Datenbanken gespeicherten Informationen erhalten.

Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990 ging die Polizeihoheit an die neu gebildeten Bundesländer über, etwa 40 Prozent der DVP-Angestellten mussten aus dem Dienst ausscheiden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl-Heinz Kriz, Hans-Jürgen Gräfe (Hrsg.): Mittendrin. Die Berliner Volkspolizei 1989/90, edition ost, Berlin 2014, ISBN 978-3-360-01857-1.
  • Dieter Schulze: Das große Buch der Deutschen Volkspolizei. Geschichten - Aufgaben - Uniformen, Das Neue Berlin, Berlin 2006, ISBN 978-3-360-01080-3.
  • Torsten Diedrich, Hans Ehlert, Rüdiger Wenzke (Hrsg.): Im Dienste der Partei. Handbuch der bewaffneten Organe der DDR (Forschungen zur DDR-Geschichte). 2. Aufl. Chr. Links, Berlin 1998, ISBN 3-86153-160-7.
  • Torsten Diedrich, Hans-Hermann Hertle (Hrsg.): Alarmstufe „Hornisse“. Die geheimen Chef-Berichte der Volkspolizei über den 17. Juni 1953. Metropol, Berlin 2003, ISBN 3-936411-27-1.
  • Thomas Lindenberger: Volkspolizei. Herrschaftspraxis und öffentliche Ordnung im SED-Staat 1952–1968 (Zeithistorische Studien; Bd. 23). Böhlau, Weimar 2003, ISBN 3-412-02003-6 (zugl. Habilitationsschrift, Universität Potsdam 2002).
  • Autorenkollektiv (MdI): Geschichte der Deutschen Volkspolizei. Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1987 (2 Bde).
  1. 1945–1961.
  2. 1961–1985.
  • Autorenkollektiv: Zur Geschichte der Deutschen Volkspolizei. Herausgeber: BDVP Frankfurt (Oder) Politische Abteilung, Gestaltung und Druck: Druckerei „Neuer Tag“, Frankfurt (Oder), 3 Bände.
  1. ~ im Oderbezirk Frankfurt (Oder) 1945–1949.
  2. ~ im Oderbezirk Frankfurt (Oder) 1949–1952.
  3. Kampf gegen das Hochwasser im Oderbruch.
  • Autorenkollektiv (MdI): Historischer Abriss zum Aufbau und zur Entwicklung der Volkspolizeibereitschaften 1945–1985. Berlin 1988 (Vorabdruck).
  • Peter Joachim Lapp: Grenzregime der DDR. Aachen 2013, ISBN 978-3-86933-087-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Deutsche Volkspolizei – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Brockhaus. Die Enzyklopädie in 24 Bänden (1796–2001), Band 23: 3-7653-3683-1, S. 396 „Volkspolizei“
  2. Gesetz über die Aufgaben und Befugnisse der Deutschen Volkspolizei vom 11. Juni 1968
  3. ddr-geschichte.de – Volkspolizei