Marlen Haushofer

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Gedenktafel am Wohnhaus Berggasse 81 in Steyr

Marlen Haushofer, geborene Marie Helene Frauendorfer (* 11. April 1920 in Frauenstein (Gemeinde Molln); † 21. März 1970 in Wien), war eine österreichische Schriftstellerin.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geburtshaus in Molln, Effertsbach 6

Marlen Haushofer wurde 1920 als Tochter eines Revierförsters (Heinrich Frauendorfer) und einer Kammerzofe (Maria Frauendorfer) in Frauenstein, einem Ortsteil der oberösterreichischen Gemeinde Molln, geboren. Sie hatte einen vier Jahre jüngeren Bruder.[1] Ab 1930 besuchte Haushofer das Internat der Ursulinen in Linz.[2] Im Schuljahr 1938/39 wechselte sie in das Gymnasium der Kreuzschwestern Linz. Da auch dieses konfessionell geführt wurde, fiel es unter den Schließungserlass, und die NS-Schulbehörden richteten dort eine öffentliche Schule ein. Das Lehrpersonal der Kreuzschwestern unterrichtete allerdings weiter.[3] Haushofer legte am 18. März 1939 an dieser 2. Oberschule für Mädchen in Linz ihre Matura ab.[4] Nach einer kurzen Phase des Arbeitsdienstes studierte sie ab 1940 Germanistik in Wien und später (ab 1943) in Graz, schloss ihr Studium jedoch nicht ab. Sie heiratete im Jahr 1941 den Zahnarzt Manfred Haushofer, mit dem sie später nach Steyr zog. Der Ehe, die 1950 geschieden und 1958 erneuert wurde, entstammt ein Sohn.[5] Einen zweiten älteren unehelichen Sohn brachte sie in die Ehe mit.

Grab Haushofers

Ab 1946 publizierte Haushofer kleinere Erzählungen in Zeitungen und Zeitschriften wie Lynkeus und Neue Wege. Zudem publizierte sie in den österreichischen Tageszeitungen Die Presse, Kurier am Sonntag, Neues Volksblatt, Oberösterreichische Nachrichten, Salzburger Nachrichten und Wiener Zeitung.[6] Ein erster Erfolg gelang ihr erst 1952 mit der Novelle Das fünfte Jahr, die dem Titel entsprechend ein Jahr im Heranwachsen eines Kindes namens Marili in nüchterner Nähe beschreibt. Gefördert wurde Haushofers literarische Tätigkeit vor allem von Hans Weigel und Hermann Hakel. Der Roman Die Wand, der 1963 veröffentlicht und 2012 verfilmt wurde, ist Haushofers bekanntestes und vielfach neu aufgelegtes Werk. Die hierin beschriebene Welt eines isolierten Lebens im Wald, einer in der Katastrophe entstandenen Idylle, wurde aber trotz der früh gelobten Qualitäten ebenso wie alle anderen Werke der Autorin lange vergessen. Lediglich die Kinderbücher bildeten hiervon eine für die Rezeption jedoch unbedeutende Ausnahme. Erst Frauenbewegung und Frauenliteraturforschung erkannten allmählich die Bedeutung des sich immer wieder mit der Rolle der Frau in der Männergesellschaft auseinandersetzenden Werkes und erlaubten so eine erneute Rezeption. Die Neuauflage ihrer Romane ab 1984 spielte dabei eine wichtige Rolle.

Am 21. März 1970 starb die an Knochenkrebs erkrankte Schriftstellerin nach einer Operation in Wien drei Wochen vor ihrem 50. Geburtstag. Nach der Einäscherung am 26. März in der Feuerhalle Wien-Simmering wurde die Urne am Steyrer Taborfriedhof beigesetzt.[7]

Anlässlich des Doppeljubiläums ihres 100. Geburtstages und 50. Todestages im Jahr 2020 kritisierte ihre Biografin Daniela Strigl, dass Haushofers Verlag Ullstein das Jubiläum „verschlafen“ hätte. Zudem würde die Gestaltung der Titelbilder der aktuellen Taschenbuchausgaben („weichgezeichnete Frauenporträts“) suggerieren, dass es sich bei ihren Romanen um „Frauenliteratur“ handeln würde.[8]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das Kreuzworträtsel. Rot-Weiß-Rot, 12. März 1953
  • Die Überlebenden. Radio Bremen, 20. Juni 1958
  • Ein Mitternachtsspiel. WDR, 27. Dezember 1984
  • Der Wassermann. WDR/ ORF, 16. Mai 1999

Verfilmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 12. Februar 2012 fand die Premiere des Films Die Wand bei der 62. Berlinale statt. Die Hauptrolle spielte Martina Gedeck, Regie führte Julian Pölsler.[9]

2016 verfilmte Pölsler den Roman Wir töten Stella, ebenfalls mit Martina Gedeck in der Hauptrolle.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ulf Abraham: Topos und Utopie. Die Romane der Marlen Haushofer. In: Vierteljahresschrift des Adalbert Stifter Instituts des Landes Oberösterreich. 35:1–2, 1986, S. 53–83
  • Anke Bosse, Clemens Ruthner (Hrsg.): „Eine geheime Welt aus diesem Splitterwerk enträtseln...“. Marlen Haushofers Werk im Kontext. Francke Verlag, Tübingen-Basel 2000
  • Anne Duden (Hrsg.): „Oder war da manchmal noch etwas anderes?“ Texte zu Marlen Haushofer. Verlag Neue Kritik, Frankfurt am Main 1986
  • Franziska Frei Gerlach, Schrift und Geschlecht. Feministische Entwürfe und Lektüren von Marlen Haushofer, Ingeborg Bachmann und Anne Duden. Dissertation. In: Erich Schmidt: Geschlechterdifferenz & Literatur. Ausgabe 8. Berlin 1998
  • Christine Hoffmann: Die Verrücktheit einer Generation. Schreibweisen von „Jungen Autorinnen“ in den Romanen von Marlen Haushofer. Dissertation, Wien 1988
  • Jörg Kaiser: Marlen Haushofers Roman "Die Wand" als Darstellung eines psychischen Ausnahmezustands. Diplomarbeit, Graz 2003.
  • Dagmar C. Lorenz: Biographie und Chiffre. Dissertation. Cincinnati 1974
  • Dagmar C. Lorenz: Marlen Haushofer – Eine Feministin aus Österreich. In: Modern Austrian Literature. 12:3–4, 1979, S. 171–191, ISSN 0026-7503
  • Christine Schmidjell (Hrsg.): Marlen Haushofer: Die Überlebenden. Unveröffentlichte Texte aus dem Nachlaß. Aufsätze zum Werk. Oberösterreichischer Landesverlag, Linz 1991
  • Christine Schmidjell, Daniela Strigl: Haushofer, Marlen. In: Killy Literaturlexikon, Autoren und Werke des deutschsprachigen Kulturraums. 2., vollst. überarb. Aufl. Hrsg. von Wilhelm Kühlmann. Bd. 5. Berlin [u. a.]: de Gruyter 2009, S. 93f.
  • Sabine Seidel: Reduziertes Leben. Untersuchungen zum erzählerischen Werk Marlen Haushofers. Dissertation, Universität Passau 2006 (Volltext)
  • Ansgar Skoda: Isolation als Selbstentwurf. Das dialektische Verhältnis von Utopie und Restriktion am Beispiel von Marlen Haushofers "Die Wand" und Ingeborg Bachmanns "Malina". Magisterarbeit, Bonn 2010.
  • Daniela Strigl: Marlen Haushofer. Die Biographie. Claassen, Berlin 2000, ISBN 3-546-00187-7
  • Oskar Jan Tauschinski: Eine neue Phase in Marlen Haushofers Prosa. In: Gerhard Fritsch (Hrsg.): Literatur und Kritik. Nummer 47/48. Salzburg 1970, S. 483–488, ISSN 0024-466X
  • Regula Venske: „... das Alte verloren und das Neue nicht gewonnen...“ In: Inge Stephan (Hrsg.): Frauenliteratur ohne Tradition. Frankfurt am Main 1987, S. 99–130

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Marlen Haushofer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Jugendjahre (1920 - 1938). Abgerufen am 10. August 2021 (deutsch).
  2. Daniela Strigl: „Wahrscheinlich bin ich verrückt ...“ Marlen Haushofer – die Biographie. 2. Auflage. List Taschenbuch im Ullstein Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-548-60784-9, S. 63.
  3. „Wahrscheinlich bin ich verrückt ...“ S. 106.
  4. „Wahrscheinlich bin ich verrückt ...“ S. 108.
  5. Marlen Haushofer. Abgerufen am 12. April 2020.
  6. Marlen Haushofer: Literarische Tätigkeit. Abgerufen am 6. April 2021.
  7. „Wahrscheinlich bin ich verrückt ...“ S. 328
  8. Daniela Strigl: Das Gehirn wird endlich aufhören zu denken. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. April 2020, S. 12.
  9. Die Wand. In: Internet Movie Database. Abgerufen am 22. Mai 2015 (englisch).