Maxim Karlowitsch Kantor

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Maxim Kantor, 2013

Maxim Karlowitsch Kantor (russisch Максим Карлович Кантор; * 22. Dezember 1957 in Moskau) ist ein russischer Maler, Grafiker und Schriftsteller.

Leben

Maxim Kantor studierte von 1975 an in Moskau am Polygraphischen Institut und schloss 1980 sein Studium mit Diplom ab. 1982 begann er, an inoffiziellen Ausstellungen teilzunehmen. 1983 gründete er eine unabhängige Künstlergruppe, die später unter dem Namen „Krasny Dom“ („Das rote Haus“) mit Ein-Tages-Ausstellungen im Untergrund bekannt wurde. Die bedeutendste fand 1984 am Philosophischen Institut in Moskau statt. 1990 nahm er seine kunst-schriftstellerische Tätigkeit auf und veröffentlichte 1993 das Buch „Haus im Niemandsland“. Spätestens seit seiner Einzelausstellung auf der Biennale in Venedig 1997 gilt er als einer der international bedeutendsten russischen Künstler. Im Jahr 2006 veröffentlichte Kantor den zweibändigen Roman "Zeichenlehrbuch" (Učebnik risovanija). Das Buch gehörte zu den Finalisten des russischen Buchpreises 'Bolšaja kniga' und kam auf die Longlist des Russkij buker.

Maxim Kantor lebt und arbeitet in Moskau, Berlin und London.

Werk

In seinen Arbeiten thematisiert Kantor Szenen aus dem russischen Alltag, in dem Trostlosigkeit und Armut herrschen. Verhärmte Menschen, Trinker, Bettler, ein zerbrochener Baum und Totschlags-Opfer stellen die Sicht des Künstlers auf ein bröckelndes, korruptes Land dar. Kantor kritisiert totalitäre Strukturen, engagiert sich in ausdrucksvollen, überzeitlich gültigen Bildern für das unterdrückte Individuum. Dies drückt er in einer plakativen expressiven Malweise aus, die durch den heftigen Malgestus Bezüge zum westeuropäischen Expressionismus erkennen lässt. Kantors Tendenz, den gegenständlichen Bildsinn zu transzendieren, verweist wiederum auf eine Verwandtschaft zu Max Beckmann und dem Magischen Realismus.[1] Im Gesamtwerk von Kantor gehören Malerei und Druckgrafik zusammen. Erst in der Grafik findet ein vom Künstler gestaltetes Thema seine Vollendung.

Ausstellungen

Maxim Kantor, 2017

Einzelausstellungen (Auswahl)

Werke in öffentlichen Sammlungen (Auswahl)

Literatur über Maxim Kantor

  • Maxim Kantor – Bilder 1990-1991, Bilder von Maxim Kantor, Galerie Eva Poll Berlin, Verlag der Galerie Eva Poll, Berlin, 1991
  • Maxim Kantor – „Haus im Niemandsland“, Zeichnungen und Kurzgeschichten von Maxim Kantor, POLLeditionen, Berlin und Sabaschnickov Verlag, Moskau 1993, ISBN 978-3-931759-23-0
  • Maxim Kantor – New Empire, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung vom 12. November 2004-20. Februar 2005 im Felix-Nussbaum-Haus Osnabrück, Rasch Verlag, Bramsche, ISBN 978-3899460384
  • Maxim Kantor – Gemälde und Radierungen, Kulturspeicher im Schloss (Hrsg.), Oldenburg 1998, ISBN 3-926795-09-3
  • Maxim Kantor: Ödland. Ein Atlas, Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung des Städelsche Kunstinstituts und der Städtischen Galerie, Graphische Sammlung, Frankfurt am Main. 70 Druckgraphiken und 7 Briefe. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit 2001, ISBN 3-7757-1116-3
  • Maxim Kantor – Paintings 1982-1994, Wienand-Verlag, Köln 1995, ISBN 3-87909-415-2
  • Maxim Kantor – Arbeiten aus den Jahren 1991 bis 1993, Text von Maxim Kantor; POLLeditionen, Bd. 40, 1993
  • Maxim Kantor – Bilder und Zeichnungen 1993-1995, Text von Maxim Kantor; POLLeditionen Bd. 43, 1995
  • Maxim Kantor – Die Radierungen, 1997, Text von Margret Stuffmann; POLLeditionen Bd. 48, 1998
  • Katalog Das Neue Bestbarium, Gemälde, Graphik, Skulpturen, Puppen erscheint im Wienand Verlag, Köln 2017.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Ulrike Goeschen: Text zur Ausstellung der Graphischen Sammlung im Städelschen Kunstinstitut, Frankfurt am Main 2001 (abgerufen 3. April 2010)