Michaela Melián

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Michaela Melián (* 15. Juni 1956 in München) ist eine deutsche Künstlerin und Musikerin. Sie ist Mitgründerin der Band F.S.K. und seit 2010 Professorin für zeitbezogene Medien an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Michaela Melián wuchs in München auf. Sie studierte Bildende Kunst und Musik (Cello) in München und London. Über die Zeitschrift Mode und Verzweiflung lernte sie Ende der 1970er Jahre Thomas Meinecke, Justin Hoffmann und Wilfried Petzi kennen, mit denen sie die Zeitschrift herausgab. 1980 gründeten die vier ihre Band F.S.K., mit der Melián als Sängerin und Bassistin durch Europa und in die USA tourte. Seit Mitte der 1980er Jahre arbeitet sie als Künstlerin, Musikerin und lehrte zuvor an verschiedenen Universitäten: Akademie der Bildenden Künste, München (1998–1999), der Hochschule für Bildende Künste Hamburg (HfbK, 2006–2008) und an der ETH Zürich (2008–2009).

Ihre Produktion, das Hörspiel Föhrenwald, das sich mit dem ehemaligen Lager Föhrenwald beschäftigt, wurde Hörspiel des Monats Juli 2005, gewann im November 2005 den Publikumspreis ARD-Online-Award der ARD-Hörspieltage und wurde mit dem Hörspielpreis der Kriegsblinden 2005 ausgezeichnet. Das Hörspiel Speicher wurde Hörspiel des Jahres 2008.[1] 2009 sang sie auf dem Album Die Entstehung der Nacht von der Hamburger Punkband Die Goldenen Zitronen.

Mit ihrem Konzept Memory Loops gewann Michaela Melián 2008 den Kunstwettbewerb der Landeshauptstadt München „Opfer des Nationalsozialismus – Neue Formen des Erinnerns und Gedenkens“. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk/Hörspiel und Medienkunst verwirklicht und als Hörspiel des Jahres 2010 ausgezeichnet. 2012 erhielt Memory Loops den Grimme Online Award SPEZIAL.[2] „Memory Loops – 300 Tonspuren zu Orten des NS-Terrors in München 1933–1945“ basiert auf Transkriptionen historischer und aktueller Originaltöne von NS-Opfern und Zeitzeugen. Michaela Melián entwickelt daraus Collagen aus Stimmen und Musik, die mit der Topographie des Nationalsozialismus in München verknüpft sind. Sie können entweder einzeln mit Standortbezug gehört werden oder in einer Einheit als gestaltetes Hörspiel. Neben den deutschen Tonspuren sind auch 175 Zeitdokumente in Englisch abrufbar.

Melián lebt mit Ehemann Thomas Meinecke in Oberbayern.

Stil[Bearbeiten]

Typisch für Meliáns Arbeiten sind Verbindung von Kunstobjekten und Klang. Ähnlich wie in der Musik von F.S.K. greift sie historische Geschichten, die oft auf eine bestimmte örtliche Gegebenheit bezogen oder mit einer bestimmten musikalischen Assoziation verbunden sind, auf und verfremdet sie, so dass von der ursprünglichen Assoziation nur überlagerte Spuren übrig bleiben.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 2005: Kunstraum München
  • 2006: Kunstwerke Berlin, Kunstverein Graz
  • 2008: Cubitt Gallery London, Ulmer Museum Ulm, Galerie Karin Guenther Hamburg
  • 2009: Lentos Museum Linz, glasmoog/KHM Köln, Ludlow 38 New York
  • 2013: K' Zentrum Aktuelle Kunst, Bremen

Soloalben[Bearbeiten]

Hörspiele[Bearbeiten]

  • Föhrenwald, BR 2005
  • Speicher, BR 2008
  • Memory Loops, BR 2010

Filmmusik[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

  • Tomboy. Staatliche Kunsthalle, Baden-Baden 1996 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 16. Dezember 1995 bis 4. Februar 1996).
  • Triangel. Lukas & Sternberg, New York 2003, ISBN 0-9726806-2-4 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 14. Juli bis 1. September 2002).
  • Föhrenwald. Revolver, Archiv für aktuelle Kunst, Frankfurt/M. 2005, ISBN 3-86588-185-8 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 10. bis 25. September 2005).
  • Speicher. Koenig Books, London 2008, ISBN 978-3-86560-454-5 (Katalog der gleichnamigen Ausstellung, 19. April bis 22. Juni 2008).
  • Rückspiegel. Spector Books, Leipzig 2009, ISBN 978-3-940064-91-2 (in deutscher und englischer Sprache).

Literatur[Bearbeiten]

  • Heike Ander (Hrsg.): Michaela Melián. Föhrenwald, Revolver Verlag, Frankfurt/Main 2005
  • Bettina von Dziembowski (Hrsg.): Michaela Melián. Triangel, Verlag Lukas & Sternberg, 2003
  • Die Basslast der Vergangenheit. In: taz, 27. Oktober 2006

Weblinks[Bearbeiten]

http://www.barbaragross.de/artists/21

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hörspiel des Jahres 2008 auf der Webseite der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste
  2. grimme-institut.de