Equine rezidivierende Uveitis

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Die Equine rezidivierende Uveitis (abgekürzt ERU, umgangssprachlich auch als Mondblindheit oder Periodische Augenentzündung bezeichnet, engl. Equine recurrent uveitis) ist eine nicht-eitrige Entzündung der Iris sowie der Aderhaut des Auges (Uveitis) beim Pferd. Ebenfalls beteiligt sind der Glaskörper und die Linse. Einmal erkrankte Tiere neigen zu Rückfällen, die dann meist periodisch in immer kürzeren Intervallen auftreten. Das Auge wird dabei fortlaufend immer mehr durch Atrophie geschädigt und es kann, vor allem bei Nichtbehandlung der Erkrankung, innerhalb kurzer Zeit zur vollständigen Erblindung kommen.

Unter dem Begriff „Periodische Augenentzündung“ gehörte die Erkrankung bis zur Reform des Schuldrechts des BGB am 1. Januar 2002 zu den in der Kaiserlichen Viehmängelverordnung von 1899 definierten Hauptgewährsmängeln beim Pferd.

ERU mit komplett getrübter Linse (analog zur silbrigen Färbung wurde der Name Mondblindheit geprägt) bei einem Islandpferd
ERU bei einem Islandpferd

Ätiologie[Bearbeiten]

Entzündliche Erkrankungen des Augenapparates bei Pferden wurde bereits seit mehreren Jahrhunderten beobachtet, trotzdem konnte eine eindeutige Ursache lange nicht gefunden werden. Die anfängliche Vermutung, dass ERU durch eine Autoimmunreaktion des Pferdes verursacht wird, ist mittlerweile überholt. Untersuchungen von Otto Gsell aus den 1940er Jahren wiesen erstmals eine Verbindung der Krankheitssymptome mit Bakterien der Gattung Leptospira nach. Heute weiß man, dass es sich bei dieser Erkrankung um die Folge einer bakteriellen Erkrankung, der Leptospirose handelt beziehungsweise um eine allergische Reaktion auf das Eiweiß der Leptospiren. Dabei verbinden sich im Glaskörper körpereigene Abwehrstoffe mit den Leptospiren und rufen so die Entzündungserscheinungen hervor.

Die Bakterien aus der Gruppe der Spirochaeten werden häufig über verdorbenes Futter aufgenommen, in dem Exkremente (v. a. Urin) von Kleintieren wie Mäusen enthalten sind. Ebenfalls häuft sich das Auftreten der Krankheit bei Pferden, die in sumpfigen Gegenden gehalten werden. Nach einer Studie zeigen sich bei rund 8 % des in Westdeutschland gehaltenen Pferdebestands symptomatische Veränderungen, die auf ERU zurückzuführen sind.[1]

Symptome[Bearbeiten]

Die klinischen Symptome der ERU können sehr variabel sein. Generell unterscheidet man bei dem Krankheitsverlauf und den auftretenden Symptomen zwischen der „vorderen Uveitis“, die primär die Iris betrifft und der „hinteren Uveitis“, bei denen mehr die Umgebung des Glaskörper betroffen ist.

Erkrankte Pferde sind meist lichtscheu und zeigen vermehrten Tränenfluss. Die Bindehaut des Augenlids ist gerötet und die Pupillen verengen sich. Das Auge ist geschwollen und heiß. Sehr häufig tritt eine flockige Trübung des Glaskörpers oder des Kammerwassers durch Eiweißablagerungen während der Entzündung ein, die auch eine erste Diagnosesicherheit gibt. Mit der Augenentzündung können für das Pferd Schmerzen verbunden sein, vor allem, wenn es zu einer schmerzhaften Entzündung der vorderen Iris kommt (Iritis, vordere Uveitis). Schmerzen oder andere auffällige Symptome können allerdings auch ausbleiben oder so gering ausgebildet sein, dass sich die ERU erst durch bereits massive Sehstörungen bemerkbar macht. Dies ist vor allem bei der hinteren Uveitis der Fall, die weniger schmerzhaft bis schmerzfrei verläuft. Das Pferd kann unter Fieber leiden und wirkt dann häufig teilnahmslos. Entzündungsintervalle können von einer Woche bis hin zu mehreren Jahren reichen.

Die Entzündung kehrt meist im Abstand mehrerer Wochen oder Monate wieder, wodurch das Auge in der Folge erblinden kann. Während normalerweise zuerst nur ein Auge betroffen ist, kann die Erkrankung auch auf das andere Auge übergreifen. Der Zeitraum bis zur vollständigen Erblindung variiert individuell zwischen einem halben Jahr bis etwa neun Jahren.

Behandlung[Bearbeiten]

Nach der Diagnose stehen je nach Stadium der Erkrankung zwei Möglichkeiten zur Wahl. Im frühen Erkrankungsstadium wird eine konservative Behandlung mit Kortisonhaltiger, entzündungshemmende Augensalbe oder -tropfen für die Behandlung des erkrankten Auges empfohlen. Unterstützt wird diese Maßnahme durch die Gabe von Antibiotika und der systemischen Gabe von Schmerzmittel. Letztere können allerdings für krankheitsbegleitende Kolikanfälle verantwortlich sein. Positiv wirkt sich zudem der Aufenthalt des erkrankten Pferds in einem abgedunkelten Stall beziehungsweise der Lichtschutz der Augen durch eine lichtdichte Gesichtsmaske aus.

Im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung kann durch eine Operation (Vitrektomie) das periodische Auftreten der Krankheit gestoppt werden. Hierbei wird der Glaskörper des Auges ganz oder teilweise entfernt, wodurch die Bakterien und ihre Stoffwechselprodukte, die die Entzündungsschübe auslösen, entfernt werden sollen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartmut Gerhards, Bettina Wollanke: Equine rezidivierende Uveitis. In: Olof Dietz, Bernhard Huskamp: Handbuch Pferdepraxis. 3. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2005, ISBN 978-3830411024, S. 775 - 786.
  • József Tóth, Josef Hollerrieder, Peter T. Sótonyi: Augenheilkunde beim Pferd: Atlas und Lehrbuch. Schattauer Verlag für Medizin und Naturwissenschaften, Stuttgart 2010, ISBN 978-3794526383, S. 180 - 186

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hartmut Gerhards, Bettina Wollanke: Equine rezidivierende Uveitis. S. 775
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