Pferdehandel

Pferdehandel bezeichnet den kommerziellen Kauf und Verkauf von Pferden als Teilbereich des Viehhandels, der sich über Jahrtausende als bedeutende Wirtschaftsaktivität entwickelte. Die Handelsformen reichen von direktem Erwerb beim Züchter oder Gestüt, über organisierte Auktionen und traditionelle Pferdemärkte bis hin zu spezialisierten Handelsbetrieben, wobei moderne Vermarktungsformen wie Online-Auktionen die traditionellen Handelsstrukturen ergänzen. Die Bewertungsschwierigkeiten beim Pferdekauf führten zur Entwicklung rechtlicher Gewährleistungsregelungen.
Historisch spielte der Pferdehandel eine zentrale Rolle, weil Pferde den Verkehr von der Antike bis zur Verbreitung der Eisenbahn im 19. Jahrhundert und der motorisierten Landfahrzeuge im frühen 20. Jahrhundert prägten. So gab es interregionale und internationale Handelsnetze, wie etwa die Tee-Pferde-Straße zwischen Tibet und China während der Tang-Dynastie oder die indo-afghanischen Handelsrouten des 18. Jahrhunderts. Das Militär war über Jahrhunderte hinweg ein Hauptabnehmer von Pferden. Allein im Zweiten Weltkrieg wurden mehrere Millionen Pferde eingesetzt. Mit der Mechanisierung des Militärs, des Transportwesens – auch auf kurzen Strecken – und der Landwirtschaft im 20. Jahrhundert wandelte sich der Pferdehandel in der westlichen Welt vom Markt für Arbeitspferde zum Markt für Freizeit- und Sportpferde.
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im römischen Recht galten Pferde, wie andere Zugtiere auch, als Res mancipi, für die beim Kauf besondere Regeln galten.[1][2][3]
Mittelalter und frühe Neuzeit
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Pferd war in Europa das wertvollste landwirtschaftliche Tier und besaß einen vielfach höheren Wert als eine Kuh.[4] Beim Pferdehandel stand viel auf dem Spiel. Streitigkeiten im Zusammenhang mit dem Pferdehandel führten zu Rechtsvorschriften.[5] So beschreibt beispielsweise das zwischen dem 6. und 8. Jahrhundert entstandene Lex Baiuvariorum im 16. Kapitel „De Venditionibus“ („Von Verkäufen“) Mängel beim Pferdehandel, die eine Gewährleistung begründeten.[6] In Norwegen wurde im 13. Jahrhundert im Frostathingslov die Gewährleistung beim Pferdekauf festgelegt.[7][8][9]
In seinem 1578 erstmals erschienenen Werk „Von der Gestüterey“ rät Markus Fugger im 24. Kapitel Von den Gebrechlichkeiten und Mangel der Roß/ auch was daran zubetrachten/ so mans kauffen will dazu,[10] das Pferd vor dem Kauf genau zu begutachten und sich einen Gesamteindruck zu verschaffen. Man sollte sich die Gliedmaßen und den Kopf genau anschauen, auf Auffälligkeiten in der Bewegung und bei Belastung unter dem Reiter achten, selbst Probe reiten, das Fressverhalten beobachten und auf Hinweise für Rosstäuscherei achten.[5] Rosstäuscherei war ein bekanntes Problem, wie das Zedlers Universallexikon von 1742 erläutert.[11] Daraus leitet sich beispielsweise auch der englische Begriff „horse trading“ ab, der im metaphorischen Sinn ein zwielichtiges Geschäft meint, ähnlich dem deutschen „Kuhhandel“.
Das Alter eines Pferdes lässt sich beim Pferdekauf anhand der Zähne bestimmen.[11] Daraus entstand das Sprichwort „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul“, das in vielen Sprachen existiert, beispielsweise auf Katalanisch: „a cavall regalat no li miris el dentat“[12] oder Latein „Equi dentes inspicere donati“.[13]
Pferdehandel von Juden
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In den deutschsprachigen Ländern gab es zahlreiche jüdische Pferdehändler. Für den Handel brauchten Jüdinnen und Juden keinen Zunftnachweis. Sie hatten viele Handelsbeziehungen und oft genügend Geld, um ihn zu betreiben.[14] Der Handel mit Pferden war eine der wenigen beruflichen Möglichkeiten für Juden. Häufig übten jüdische Familien eine Kombination von Tätigkeiten aus, zum Beispiel Viehhandel, Schlachten sowie Ausleihen kleiner Geldbeträge in Erwartung künftiger Ernten. Sie leisteten damit einen wichtigen Dienst für die Landbevölkerung, deren Einkommen von den Erntezyklen abhing.[15] Sie unterlagen aber oft zusätzlichen Zöllen.[16]
Der Pferdehandel wurde in verschiedenen Regionen, beispielsweise in der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach von jüdischen Pferdehändlern dominiert.[17][18] Nach dem Dreißigjährigen Krieg mussten die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach ihr zerstörtes Land wieder aufbauen. Um die Wirtschaft zu beleben, führten sie klare Handelsregeln in einem zuverlässigen Rechtssystem ein. Zu diesem Zweck ließen die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach reiche Juden in ihrem Gebiet leben. Diese sollten den Handel fördern und eine Pferdegebühr an die Markgrafen zahlen. Juden erhielten im Fürstentum Ansbach das Recht, sich niederzulassen und frei zu reisen. Sie waren geschützt, konnten Grundstücke kaufen und ihre eigenen Angelegenheiten selbst regeln. Im Jahr 1791 hatte das Fürstentum Ansbach etwa 350.000 Einwohner, von denen etwa drei Prozent Juden waren.[15]
Mitte des achtzehnten Jahrhunderts lebte die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung des deutschsprachigen Raums in ländlichen Gebieten (mit Ausnahme von jüdischen Gemeinden z. B. in Frankfurt am Main, Worms und Prag), meist in kleinen Familiengruppen innerhalb der christlichen Bevölkerung. Mit wenigen Ausnahmen durften sich Juden nach einer Vertreibungswelle im fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert in den meisten deutschen Städten noch nicht wieder niederlassen.[15] Juden zahlten Steuern und waren wichtig für die Wirtschaft. Es gab Kontakte zwischen Juden und Nicht-Juden. Ein Sprachführer belegt, dass es Juden in der Region gab und ihre Sprache bekannt war. Man interessierte sich für jüdische Bräuche und wollte wissen, wie Juden Christen sahen.[15]
Ab dem 17. Jahrhundert waren viele Juden in der Schweiz im Viehhandel tätig. Sie handelten auch im Elsass, in Schwaben und Vorarlberg und mussten gegen diskriminierende Maßnahmen kämpfen. So hatten sie bis ins 19. Jahrhundert kein Niederlassungsrecht und mussten oft Sonderzölle bezahlen, um Zugang zum Markt zu erhalten.[19][20][21][22]
Jüdische Vieh- und Pferdehändler wurden im Dritten Reich denunziert und verdrängt.[23][24][25][26][27] Deutsche Bauern, die mit ihnen Geschäfte machten, wurden oft boykottiert.[28]
Norwegen
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Die norwegische Volkszählung von 1900[29] listet rund 240 professionelle Pferdehändler auf. In Westnorwegen wurden Pferde gezüchtet und nach Ostnorwegen und Schweden verkauft. In Westnorwegen war es aufgrund geeigneter Weideflächen günstiger, Pferde zu züchten als im Osten. Dort war dagegen der Bedarf an Arbeitspferden für Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Verkehr groß, die Pferdezucht hingegen weniger rentabel.[30]
Für ihre Pferdezucht waren vor allem die Provinzen Sogn og Fjordane sowie Møre og Romsdal bekannt. Junge Pferde wurden meist vierjährig von Pferdehändlern aufgekauft und nach Osten gebracht.
Die Pferdehändler lebten meist in Westnorwegen, zwischen den Pferdezuchtdörfern und den Märkten in Ostnorwegen und mussten über etwas Kapital verfügen. Im Frühjahr machten sie eine Runde und kauften junge Pferde, die Pferde wurden abgeholt und verbrachten den Sommer auf den Weiden im Hochgebirge, bevor sie auf den Markt gebracht oder unterwegs verkauft wurden. Pferde aus Vestland, die im Herbst auf dem Kongsberg-Markt oder in Rauland verkauft werden sollten, weideten oft über den Sommer auf der Hardangervidda. Einige Pferde wurden bis nach Schweden und nach Nordnorwegen zum Verkauf gebracht. Bis zum Ende des 20. Jahrhunderts wurden Pferde von Lærdal und Nordfjord über die Berge zu den Märkten in Ostnorwegen getrieben.[31] Auf dem Grundset-Markt und dem Markt von Levanger wurden viele Pferde über die Landesgrenze gehandelt.[32]
Es gab Pferdemärkte in Oslo, ab 1640 in Kristiania und ab 1736 in Stortorvet, bis in die 1960er Jahre. In Kristiania standen auf dem Pferdemarkt vom Februar 1885 500 Pferde zum Verkauf. 1940 gab es in Norwegen 17 Pferdemärkte und 42 Pferderennen. 1940 fand der Pferdemarkt in Levanger zweimal statt. Die wertvollsten Pferde wurden in Zeitungsannoncen beworben.[33]
Deutschland und Österreich
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Im Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten von 1794 befasst sich § 205 mit den Gewährsmängeln bei Pferden: „Eine gleiche Vermuthung gilt von Pferden, bey welchen sich Dämpfigkeit, Herzschlägigkeit,[34][35] Kaude, wahre Stätigkeit („Pertinacia“),[36] schwarzer Staar, Mondblindheit und Rotz innerhalb Vier Wochen nach der Uebergabe hervorthun.“
Auch die Kaiserlichen Verordnung betreffend die Hauptmängel und Gewährfristen beim Viehhandel vom 27. März 1899 und das BGB schreiben Gewährsmängel zum Schutz der Käufer und Verkäufer fest.[37] Wenn sich ein Gewährsmangel innerhalb von 14 Tagen nach dem Kauf zeigte, konnte der Käufer Rückabwicklung des Kaufes verlangen.
Mit dem Aufkommen der Eisenbahn im 20. Jahrhundert wurde es möglich, Vieh und damit auch Pferde über weite Strecken zu transportieren, und der Handel nahm Aufschwung.[38] In den 1880er Jahren war Deutschland ein großer Pferdeimporteur. In geringerem Maße importierten auch die Vereinigten Staaten. Russland war ein großer Exporteur, während Frankreich und Österreich-Ungarn in kleinem Maßstab Pferde exportierten.[39]
Um 1900 fand der Zuchtpferdehandel hauptsächlich in Handelsställen statt und nicht mehr auf öffentlichen Märkten. Es wurde meistens mit Hengsten, seltener mit Stuten gehandelt. Es gab Bestrebungen, den Zuchtbestand zu verbessern und Zuchthengste mussten aus den Zuchtgebieten beschafft werden, die in der jeweiligen Zuchtrichtung führend waren. Dazu bedurfte es der Vermittlung von Händlern, welche die Züchter in den Ursprungsgebieten kannten. Es gab einen lebhaften inländischen Handel mit Zuchtpferden von Ost- und Westpreußen, Mecklenburg, Schleswig-Holstein, Hannover und Oldenburg nach den übrigen Landesteilen. Nachdem die Einfuhr von holländischen Zuchttieren verboten wurde, beschränkte sich der deutsche Zuchttierhandel zu dieser Zeit im Wesentlichen auf das Inland. Nur eine kleine Zahl von Hengsten wurde aus England eingeführt, außerdem gab es Handel mit Amerika, Österreich-Ungarn und Belgien.[40]
Im Gebrauchspferdehandel in Deutschland um 1900 versorgte vor allem Ostpreußen Deutschland mit Reit- und leichten Wagenpferden. Insbesondere die Armee erhielt leistungsfähige Trakehner. Oldenburg, Mecklenburg, Hannover und Schleswig-Holstein lieferten edle und schwerere Wagenpferde, Posen ein weniger edles Zugpferd und der Westen und Süden das Kaltblut.[40]
Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte der Handel mit Arbeitspferden aufgrund des kriegsbedingten Mangel an Maschinen einen kurzen Aufschwung, wurde dann aber schnell durch die Motorisierung verdrängt.[41][42][43][44]
Der Pferdehandel bot zahlreichen Roma, insbesondere den Lovara eine Einkommensquelle.[45][46]
Russisches Kaiserreich
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Ende des 19. Jahrhunderts verfügte das Russland über einen hohen Pferdebestand von etwa 22 Millionen Tieren, was einem Verhältnis von etwa 1 Pferd auf 4 Menschen entsprach. Damit besaß Russland deutlich mehr Pferde pro Kopf als Österreich-Ungarn und Preußen, wo das Verhältnis nur bei etwa 1 Pferd auf 10 Menschen lag.[47][48.1] Im bedeutenden russischen Binnenhandel wurden jährlich etwa 500.000 Pferde auf rund 600 Pferdemärkten zwischen den pferdezuchtgeprägten Regionen im Südosten und dem Nordwesten gehandelt.[48.1] Für die Kavallerie-Remonte und die Artillerie benötigte Russland jährlich über 8.000 Pferde.[48.2] Der Export machte mit jährlich rund 40.000 Pferden nur etwa 0,2 % des Gesamtbestands aus. Die Hauptabnehmer waren Deutschland (30.000), Großbritannien (4.000) und Rumelien (3.000). Damit spielte der Export im Vergleich zum Binnenhandel eine untergeordnete Rolle.[48.1]
Kirgisen- und Baschkirenpferde[49] wurden vor allem in Orenburg, im Gouvernement Samara und der Uralregion sowie für das Kosakenheer gehandelt. Kalmückenpferde[49] wurden vor allem in den Gouvernements Astrachan, Saratow und im Dongebiet gehandelt.[48.3] Kabardiner und Pferde aus dem Schwarzmeergebiet sowie dem Kaukasus gelangten in großen Mengen in die Gouvernements Taurien, Cherson, Jekaterinoslaw, Poltawa und Kiew. Don-Pferde wurden im gesamten südwestlichen Russland sowie bis nach Bessarabien, Polen, Österreich, Preußen und auf dem Balkan gehandelt.[48.4]
Zentren der Zucht und des Handels waren Ende des 19. Jahrhunderts die Gouvernements Woronesch, Tambow, Saratow, Kursk und Orel. Reitpferde aus dem Gouvernement Podolien waren für die Garde bestimmt. Die Handelsströme verliefen von Süden nach Norden, wobei die Reichweite durch den Preis begrenzt war. Aufgrund der Transportkosten blieben preiswerte Kirgisenpferde meist im Wolgagebiet, während hochwertige kaukasische und Donpferde[49] landesweiten sowie internationalen Absatz fanden.[48.5]
Auch in den sechs russischen Staatsgestüten Chrenowoje (heutiges Russland),[48.5] Janów Podlaski (heutiges Polen) und Nowo-Alexandrowo, Streletzki,[50] Limarewo sowie Derkul (alle heutige Ukraine) konnten Pferde erworben werden. Während der Rennen in Moskau befand sich im Nationalgestüt Derkul eine Verkaufsstelle für Englische Vollblüter. Die Staatsgestüte besaßen außerdem zwei Auktionsanstalten: den Moskauer und den St. Petersburger Auktionsstall.[48.6]
Indo-Afghanischer Pferdehandel
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Im 18. Jahrhundert hatte Indien einen enormen Pferdebedarf,[51] weshalb es Teil eines blühenden Handelssystems war, das von den Hochburgen der Pferdezucht in Zentralasien bis zum Mittleren Osten reichte.[52] In den 1770er Jahren wurde der jährliche Pferdeimport aus dem Iran und Turkestan nach Indien auf 45.000–50.000 Tiere geschätzt, was etwa 20 Millionen Rupien entsprach – dem Dreifachen der damaligen Exporte Bengalens nach Europa. Dieses Volumen wurde vermutlich nur in Ausnahmejahren mit hohen Verlusten durch Epidemien oder Kriege erreicht; realistischer gilt ein Durchschnitt von 16 Millionen Rupien. Der Pferdehandel war für Indien bedeutender als der Handel mit Europa.[52]
Landweg
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Der Großteil der Pferde wurde von Hirtennomaden der kasachischen Steppe im Süden Russlands, der turkmenischen Steppe östlich des Kaspischen Meeres und im afghanischen Turkestan gezüchtet. Indien war der wichtigste Absatzmarkt, wo vor allem Kriegspferde gefragt waren.[53] Darunter waren viele Turkmenen, aus dem Gebiet nördlich des Hindukusch um Balch und weiter unten an dem Fluss Amudarja sowie aus der Nähe von Andchoi und Maimana. Im Sommer wurden die Pferde von afghanischen Händlern, entweder direkt, oder über Mittelsmänner auf den Märkten von Balch, Buchara und Herat, oder direkt von den züchtenden Nomaden erworben. Auch Karakol war ein Handelsplatz.[54] Die Pferde wurden in einer schlechter Verfassung zu etwa einem Viertel ihres Wertes gekauft. Dann wurden sie für ein bis zwei Monate auf den weiter südlich gelegenen, fetten Weiden um Kabul und Kandahar aufgefüttert. Im Oktober und November schlossen sich die Händler den Karawanen der Handel treibenden Powindah-Nomaden an.[55]
- Nördliche Landroute: Auf dieser Route wurden Pferde über den Chaiber-Pass nach Hindustan gebracht. Nach der Überquerung des Gebirges weideten die Pferde in dem ausgedehnten Schwemmland des Jullundur Doad, das durch wiederkehrende Überschwemmungen des Indus und seiner Nebenflüsse Beas und Satluj entstanden ist. Hier konnten die Händler ihre Pferde ohne große staatliche Einmischung rasten und fressen lassen. Anschließend wurden die Pferde verteilt auf die lokalen Märkte des Punjab, von Bhatinda, Rohilkhand, Bihar, Avadh, Varanasi, der Sonpur Mela und bis nach Hajipur im Osten.[56]
- Südliche Landroute: Für diesen Weg trieben die afghanischen Händler ihre großen Pferdeherden über das Suleiman-Gebirge, meist über den Bolan-Pass weiter über Bahawalpur nach Bikaner und versorgten so hauptsächlich Jaipur, das Dekkan, Tirupati und Arcot in Südindien.
Auf dem Weg verkauften die Händler Tiere auf lokalen Märkten und erwarben neue Tiere aus Rajasthan, dem Punjab und Rohilkhand. So wurden die regionalen Zuchten in den Fernhandel mit Zentralasien integriert. Für die einheimischen Zuchten von Sindh und Gujarat waren Balotra im Mai und Pushkar im November wichtige Märkte. Pushkar war der wichtigste Markt in Rajasthan, zu dem alljährlich rund 5.000 Pferde gebracht wurden. Die Märkte fanden alle im Herbst, bei Ankunft der Pferde, oder im Frühling, am Ende der Weidesaison, statt, damit die Händler sie ohne großen Zeitverlust besuchen konnten. So folgte beispielsweise 18 Tage nach dem großen Markt von Pushkar der Markt von Ummedganj in der 300 km nordwestlich gelegenen Malwa, der den Hof von Kota mit Pferden versorgte. Die Händler versorgten ihre Kundschaft auch mit Neuigkeiten und Post. Um die Wende des 18. Jahrhunderts mussten sie etwas mehr als 10 % des Verkaufspreises, den die Pferde erzielten, als Wegegeld bezahlen.[52]
Seeweg
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Land- und Seeweg ergänzten sich und boten bei Unruhen Ausweichmöglichkeiten. Bis 1700 kamen zahlreiche Pferde aus Fars, dem Irak oder Arabien per See nach Zentralasien. Im 18. Jahrhundert wurde der Handel über den Persischen Golf eingeschränkt, sodass die meisten Pferde nun nicht mehr aus dem Mittleren Osten, sondern aus Porbandar und anderen Häfen in Kathiawar importiert wurden.
Im 19. Jahrhundert wuchs der Pferdehandel aus dem Iran nach Indien, um die britische Armee zu versorgen. Die Regierung kaufte Pferde im nördlich gelegenen Porbandar, verschiffte sie nach Bombay und weiter entlang der Westküste bis nach Süden bis Mangalore und Kochi, von wo sie über Land nach Madras transportiert wurden. Auch die südlichen Überlandrouten führten in die Gegend von Madras und Arcot. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gewannen die Märkte im nördlichen Dekkan an Bedeutung, während südliche Märkte wie Tirupati wegen politischer Instabilität an Einfluss verloren.[57]
Indisch-kuwaitischer Pferdehandel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Bevor in Kuwait Erdöl entdeckt wurde, drehte sich der Handel zwischen Indien und Kuwait vorwiegend um Datteln und Rassepferde. Kuwaitische Seeleute wickelten den Handel zwischen dem Schatt al-Arab und den westlichen Häfen Indiens ab und brachten die Waren nach Indien. Der Pferdehandel endete 1945 nach dem Zweiten Weltkrieg. Danach veränderten die Kuwaitis ihre Handelsgewohnheiten und begannen in Indien mit Perlen zu handeln und nahmen im Gegenzug Teakholz für den Schiffsbau mit.[58]
Tibet und China
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Während der Tang-Dynastie (618–907) entstand die Tee-Pferde-Straße, ein Handelsweg zwischen Lhasa in Tibet und den südchinesischen Provinzen Yunnan und Sichuan. Dort wurde Ziegeltee aus Yunnan gegen Pferde aus Tibet getauscht, ein Kriegspferd hatte den Gegenwert von 20 bis 60 kg Tee. In der Song-Zeit erreichte der Handel mit bis zu 2000 Händlern täglich und bis zu 7.500 Tonnen Tee jährlich seinen Höhepunkt.[59] Unter der Yuan-Dynastie ging der Handel zurück, erholte sich unter der Ming-Dynastie und wurde zunehmend reglementiert. 1735 verboten die Mandschu-Herrscher der Qing-Dynastie den Pferdeimport.[60][59] Hauptgüter waren Tee aus China, tibetische Pferde für militärischen Gebrauch, Salz aus China sowie Seide und Opium. Die Straße bestand überwiegend aus Saumpfaden. Die nördlichen Routen führten von Chengdu und Dali nach Markam (Tibet), dann südlich des Saluen-Flusses nach Lhasa und weiter über Gyangzê, den Pass Nathu La, Sikkim bis Kalkutta. Die Entfernung betrug etwa 2000 km bis Lhasa und 3000 km bis Kalkutta. Die Tee-Pferde-Straße kreuzte mehrere große Flüsse und führte über mehr als 4.000 Meter hohe Gebirgspässe, die acht Monate pro Jahr wegen Schnee unpassierbar waren.[60]
Militär
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Das Militär war ein wichtiger Abnehmer von Pferden. So waren beispielsweise rund 14 bis 20 Millionen Pferde am Ersten Weltkrieg beteiligt, 1,5 Millionen davon auf deutscher Seite.[61][62] Der Zweite Weltkrieg war der größte Pferdekrieg der Geschichte. Während des Zweiten Weltkriegs wurden auf deutscher Seite rund 2,75 Millionen Pferde gebraucht. Die Sowjetunion schickte etwa eine Million mehr in den Kampf.[63][64]
Für die Deckung des Pferdebedarfs des Militärs dienten unter anderem die Haupt- und Landgestüte in Deutschland, die Staatspferdezuchtanstalten in Österreich, die Haras Nationaux in Frankreich, die Nationalgestüte in Polen und Kroatien oder das Yeguada Militar de Jerez de la Frontera in Spanien. Das Hauptgestüt Trakehnen versorgte beispielsweise die preußische Kavallerie jahrhundertelang mit Pferden.[65][66]
Die Pferdeausfuhr war ein im 19. und frühen 20. Jahrhundert etablierter Begriff der Politik. Weil Pferde bedeutend für den Transport von Soldaten und Kanonen waren, galt die Pferdeausfuhr als Waffenexport und wurde vielfach eingeschränkt.[67][68]
Es wurden Kriege geführt, um an Pferde zu gelangen, beispielsweise der Krieg der Himmlischen Pferde, von 104 bis 101 v. Chr., einer militärischen Auseinandersetzung zwischen der chinesischen Han-Dynastie und dem Volk der Dayuan.[69] Der chinesische Kaiser Wu von Han hörte von den großen und starken Pferden (Himmlischen Pferden) der Dayuan im Ferghanatal, die sich gut als Kriegspferde eignen. Er entsandte eine Handelsmission mit dem Auftrag, solche Pferde zu erwerben, die jedoch scheiterte. Daraufhin veranlasste Kaiser Wu von Han zwei Feldzüge gegen die Dayuan. Nach ihrer Niederlage traten die Dayuan 3000 Pferde an die Han ab. Mit diesen Pferden verstärkten die Han ihre Kavallerie und konnten so die Xiongnu im Han-Xiongnu-Krieg besiegen.[70][71] Die Pferdezucht im Ferghanatal ist weiterhin auf einen hohen Niveau und China importiert die begehrten Ferghanas.[72]
Allgemeines und Preise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Heute wird beim Pferdekauf ein Kaufvertrag und eine Ankaufsuntersuchung empfohlen. Der traditionelle Pferdekauf per Handschlag ist anfällig für Missverständnisse.[73] Seit 2002 ist der Tierkauf in Deutschland dem Kauf sonstiger beweglicher Sachen gleichgestellt,[74] ähnlich ist es in Österreich.[75] In der Schweiz ist der Pferdekauf dem Viehhandel gleichgestellt.[76]
Junge Pferde werden meistens als Absetzer, Jährling oder Dreijährige verkauft. Während Dreijährige häufig noch nicht eingeritten sind, ist dies bei Vierjährigen meistens schon der Fall. Die Eignung eines Pferdes für eine bestimmte Aufgabe wird von Rasse, Abstammung, Gebäude, Interieur, Alter, Geschlecht, Gesundheit, eventuellen Untugenden, wie Weben, Koppen, Headshaking oder positiven Eigenschaften wie Verkehrssicherheit, verladefromm, schmiedefromm, Trächtigkeit[77] bei einer Zuchtstute oder Schussfestigkeit[78] bei einem Polizeipferd beeinflusst. Weitere Faktoren sind die Qualität der Grundgangarten, die Veranlagung zum Springen, Schnelligkeit, besondere Zuverlässigkeit für Therapiepferde oder Fahrpferde, Ausdauer oder große Kraft bei Arbeitspferden. Von Bedeutung ist der Ausbildungsstand des Pferdes und seine Herkunft, Aufzucht beziehungsweise seine Vorgeschichte, beispielsweise ob das Pferd aus einem Schulbetrieb, aus dem Sport, von der Rennbahn kommt, kürzlich importiert worden ist, häufig den Besitzer gewechselt hat und wie es bisher gehalten wurde (Hufbeschlag, Fütterung, Schur, Eindecken, Offenstall).[79]
Die Preisgestaltung hängt von mehreren Faktoren ab. Der Preis für ein dreijähriges Pferd beinhaltet die Haltung des Jungpferdes über drei Jahre, die Haltung der Mutterstute über mindestens ein Jahr, die Decktaxe und weitere Nebenkosten wie Schmied, Tierarzt, Eintragungen im Stutbuch, Zuchtschauen sowie Vermarktungskosten. Die Kosten für 4 Jahre Pferdehaltung bedingen, dass ein verantwortungsvoll gezogenes Jungpferd eine erhebliche Summe kostet, auch wenn es sich um ein normales Freizeitpferd, wie beispielsweise einen Freiberger handelt.[80] Bei Vierjährigen kommen die Kosten für ein zusätzliches Jahr Reitpferdehaltung und Pferdeausbildung hinzu.
Käufer, welche die Kosten für eine verantwortungsvolle Zucht scheuen, suchen oftmals nach günstigen Angeboten, die nicht immer seriös sind,[81] oder sehen sich auf dem Markt für Schlachtpferde um. Es gibt Organisationen, die angeblich Schlachtpferde retten, diese aber zu einem Preis über dem eigentlichen Schlachtpreis verkaufen und so Gewinn erzielen.[82] Ehemalige Schlachtpferde sind häufig krank und deshalb unreitbar, stammen nicht aus einer verantwortungsvollen Zucht, sind schlecht ausgebildet oder sind schlecht gehalten worden.[83] Manchmal werden ehemalige Sportpferde, die mit Schutzvertrag als Beistellpferd oder Zuchtstute abgegeben wurden, entgegen der Vereinbarung an einen Schlachthof[84] oder als Reitpferd verkauft.[85][86]
Im Rennsport werden jedes Jahr zahlreiche Vollblüter ausgemustert, weil sie ihren Leistungshöhepunkt überschritten haben oder nicht erfolgreich genug waren, und sie sind meist vergleichsweise preisgünstig. Dabei ist jedoch zu bedenken, dass diese Pferde eine gründliche Ausbildung benötigen und dass Vollblüter in der Regel temperamentvoller als Warmblüter sind und nicht für alle Freizeitreiter geeignet sind.[87]
Internationaler Pferdehandel
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der Import und Export von Pferden ist aufwendig, da Transportkosten für die lebende Fracht,[88] komplexe Ein- und Ausfuhrbestimmungen[89] sowie die Verzollung[90] anfallen.[91] Manche Länder untersagen den Export von Pferden vollständig, wie etwa die Färöer.[92] Andere Staaten wie die Schweiz regeln die Einfuhr über Kontingente.[93] Island verbietet wiederum aus Seuchenschutzgründen den Import von Pferden und gebrauchter Pferdeausrüstung.[94][95] Zudem behindern gesundheitliche Aspekte den Handel; so entwickeln Isländer häufig ein Sommerekzem, wenn sie aus ihrem nordischen Ursprungsland in gemäßigten Breiten überführt werden.[96] Bei wertvollen Sport- oder Rennpferden fallen diese Kosten weniger ins Gewicht. Bei durchschnittlichen Pferden hingegen fördern niedrige Aufzuchtkosten in Süd- oder Osteuropa oder der Kundenwunsch nach einem Rassepferd aus dem Ursprungsland, wie einem Isländer oder Original-Araber, den internationalen Handel.
Mit rund 6,4 Millionen Tieren hatte Mexiko 2023 die weltweit größte Pferdepopulation vor den Vereinigten Staaten.[97] In Mexiko werden bei Auktionen Spitzenpreise von 320.000 USD für Sportpferde erzielt.[98] China war im Jahr 2023 mit 700 Millionen US-Dollar der größte Pferdeexporteur. Insbesondere wurden Rennpferde von China nach Honkong exportiert. Irland, das zahlreiche Renn- und Sportpferde exportiert, lag mit 600 Millionen US-Dollar an zweiter Stelle.[99][100] Der größte Importeur war Hongkong mit 870 Millionen US-Dollar, darunter zahlreiche Rennpferde,[101][100] gefolgt von den Vereinigten Staaten mit 700 Millionen US-Dollar.[102] Mit knapp 600 Pferden war Deutschland 2024 der größte Abnehmer isländischer Pferde.[103]
Verkaufsställe und Ausbildungs- und Handelsställe
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Das Geschäftsmodell von Ausbildungs- und Handelsställen besteht darin, junge Pferde zu kaufen, auszubilden, auf ersten Turnieren vorzustellen und anschließend zu verkaufen. Andererseits gibt es Pferdehändler mit Verkaufsställen, bei denen die Verkaufspferde nur relativ kurze Zeit verbleiben.
Beim Einkauf und beim Verkauf von Pferden sind unterschiedliche Fähigkeiten gefragt. So muss ein Einkäufer Pferde sehr gut beurteilen können und ihren Wert einschätzen können. Beim Verkauf ist es dagegen wichtig zu erkennen, welcher Käufer zu welchem Pferd passt, und zu überzeugen.[104]
In der Schweiz benötigen Pferdehändler ein Pferdehandelspatent, das zum Pferdehandel in der ganzen Schweiz berechtigt und alle drei Jahre erneuert werden muss. Voraussetzung dafür ist der Besuch von Fortbildungen. Dabei wird zwischen gewerbsmäßigem Pferdehandel und dem normalen Bestandswechsel unterschieden.[105]
Auktionen und Online-Vermarktung
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Zahlreiche Pferde werden über Auktionen verkauft. Ein Beispiel sind die Dülmener Wildpferde vom Merfelder Bruch.[106]
Viele Zuchtverbände unterstützen ihre Züchter beim Verkauf der Nachzucht. So veranstalten deutsche Landgestüte Auktionen für junge Pferde ihres Zuchtverbandes. Das Haupt- und Landgestüt Marbach veranstaltet beispielsweise im Anschluss an die Hengstleistungsprüfung im Frühjahr eine Auktion, bei der junge Pferde aus der Landeszucht und die weniger erfolgreichen Teilnehmer der Hengstleistungsprüfung verkauft werden.[107] Im Brandenburgischen Haupt- und Landgestüt Neustadt/Dosse wird die Körung im Herbst bei einer Veranstaltung mit Namen Schaufenster der Besten durchgeführt. Im Anschluss an die Körung findet eine Hengstauktion statt.[108] Im Landgestüt Moritzburg gibt es eine Verkaufspferdewoche für junge Pferde der Rasse Deutsches Sportpferd.[109]
Die Pferdezuchtverbände organisieren zahlreiche Auktionen,[110] beispielsweise das Westfälische Pferdestammbuch,[111] die Verdener Auktion, bei der Hannoveraner verkauft werden[112] und die Auktionen des Oldenburger Pferdezuchtverbands in Vechta.[113]
Es gibt auch private Auktionen, wie die internationale Sportpferde-Auktion PSI Sales in Ankum[114] und die PS-Online-Auktionen, bei denen Junge Springpferde, Dressurpferde, Hengste und Fohlen verkauft werden, darunter auch Pferde vom Gestüt Lewitz.[115] Es gibt auch Hybrid-Auktionen, bei denen sowohl vor Ort, als auch Online geboten werden kann.[116][117]
In der Schweiz organisiert der Zuchtverband CH-Sportpferde (ZVCH) zusammen mit regionalen Veranstaltern dezentrale Verkaufsschauen für eingetragene Schweizer Sportpferde und beteiligt sich an der Organisation von Fohlenauktionen.[118] Der Verein Schweizer Sportpferd (VSS) organisierte 2020 aufgrund der COVID-19-Pandemie seine erste Online-Fohlenauktion.[119] Der Schweizerische Freibergerverband bietet einen Online-Verkaufsservice für Freiberger an.[120]
In Österreich veranstaltet der Fohlenhof Ebbs in Tirol alljährlich im Herbst eine Fohlenauktion für Haflinger.[121] Auch gibt es von der Zentralen Arbeitsgemeinschaft Österreichischer Pferdezüchter (ZAP) ein Online-Verkaufspferdeportal für in Österreich eingetragene Zuchtpferde.[122]
Im Rahmen des Winter Equestrian Festival in Florida findet seit 2021 alljährlich eine Sportpferdauktion statt. Dort kann jeweils auf rund ein Dutzend Pferde des niederländischen KWPN Gestüts VDL Stud aus Beers (Friesland) geboten werden. 2023 wurden 14 Pferde für 2,6 Mio. $ verkauft, was einem Durchschnittspreis von rund 190 000 $ entspricht.[123]
Für den Rennsport werden viele Vollblüter bereits als Jährlinge über Auktionen verkauft.[124] Um diese Handelsplätze weltweit zu koordinieren, gründete sich im Jahr 1983 die Society of International Thoroughbred Auctioneers (SITA) als internationaler Verband der Auktionshäuser.[125] In Deutschland vermarktet die Baden-Badener Auktionsgesellschaft beispielsweise die meisten Vollblüter über die BBAG-Sales-Auktion.[126] Rekordpreise bei Auktionen sorgen oft für Schlagzeilen, spiegeln aber nicht unbedingt den zukünftigen Erfolg der Tiere wider.[127] Neben den klassischen Auktionen dienen zudem Verkaufsrennen als Plattform, bei denen die Pferde direkt aus dem Wettbewerb heraus verkauft werden.[128]
Pferdemärkte
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Pferdemärkte in Deutschland
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]In Deutschland leben rund 480 000 Pferde.[97] In allen Orten mit Marktrecht, den Marktgemeinden, gab es Märkte. Viele davon waren Pferdemärkte, deren Plätze, Bauwerke oder Veranstaltungen in einigen Orten noch erhalten sind. Vieh- und Pferdemarktplätze waren Spezialmärkte, die bei größeren Städten meist etwas außerhalb lagen.
Der Gerhart-Hauptmann-Platz ist der ehemalige Pferdemarkt in der Hamburger Altstadt. Hier gab es vom Mittelalter bis zum 17. Jahrhundert Pferdemärkte. Dann wurde der Pferdehandel auf den Neuen Pferdemarkt verlegt.
Beim fünftägigen Brokser Heiratsmarkt in Bruchhausen-Vilsen im Landkreis Diepholz findet immer am letzten Markttag, dem letzten Dienstag im August der Pferdemarkt statt.[129]
In Soest ist der Pferdemarkt bei der Allerheiligenkirmes am Donnerstag.[130] Der Pferdemarkt der Cranger Kirmes findet am Donnerstag vor der Kirmes statt.[131]
Beim Lukasmarkt in Mayen im rheinland-pfälzischen Landkreis Mayen-Koblenz findet der Pferdemarkt dienstags auf dem Viehmarktplatz in der Polcher Straße statt. Das Programm zeigt einen Überblick über die Pferdewelt.[132]
Den Heilbronner Pferdemarkt gibt es seit 1770.[44] Die Alte Reithalle in Stuttgart ist ein bedeutendes Denkmal der Stahlarchitektur des 19. Jahrhunderts, das für den städtischen Pferdemarkt gebaut wurde.
Beim Leonberger Pferdemarkt gibt es Seminare für Therapeutisches Reiten und Reitlehrer, eine Hippologische Fachtagung mit prominenten Referenten aus dem Pferdesport und ein Schaureiten der Reitvereine im Reiterzentrum. Im alten Reiterstadion wird für Kleinpferde eine Prämierung mit Showprogramm und ein Gespannwettbewerb durchgeführt. Am Dienstagmorgen findet auf dem Marktplatz der traditionelle Pferdehandel statt. Später werden im Reiterstadion die Großpferde prämiert und ein Gespannwettbewerb ausgetragen. Höhepunkt ist der große Festumzug am Nachmittag mit circa 100 Wagen und Gruppen.
Der Fohlenmarkt in Sinsheim wird jährlich eine Woche vor Pfingsten abgehalten. Der Markt beginnt an Christi Himmelfahrt und dauert fünf Tage. Im Umfeld des Fohlenmarktes finden Reitturniere und Verbandspferdeschauen statt. In jüngerer Zeit gab es wieder ein stärkeres Angebot an Pferden, nun jedoch weniger kaltblütige Arbeitspferde, sondern überwiegend Württemberger Reitpferde. Der Mathaisemarkt ist ein traditionsreiches Frühlingsfest in Schriesheim bei Heidelberg. Die um 1960 abgebrochene Tradition eines Pferdemarktes wurde in den 1980er Jahren wieder aufgenommen.[133] Beim Mannheimer Maimarkt werden keine Pferde mehr gehandelt. Jedoch findet seit 1964 das inzwischen international ausgeschriebene Maimarkt-Turnier statt. Der Kalte Markt in Ellwangen, ist zwar aus einem Pferdemarkt entstanden, es werden jedoch keine Pferde mehr gehandelt, aber es finden heute unter anderem eine Pferdeprämierung, ein Reitumzug und eine Reitsport-Verkaufsmesse statt.
Der Münchner Pferdemarkt fand ab 1883 auf dem Areal oder in der Nachbarschaft des Schlacht- und Viehhof München statt und wurde ursprünglich zwei Mal wöchentlich abgehalten. Seit den 1970er Jahren wird der Pferdemarkt nur noch einmal monatlich, am ersten Samstag des Monats veranstaltet. Schließlich wurde der Münchner Pferdemarkt nach Ingolstadt verlegt und bis 2022 fortgeführt.[134] Der Kaltblut-Fohlenmarkt Rottenbuch auf der Fohlenwiese ist der größte Kaltblut-Fohlenmarkt Deutschlands. Dort wird seit 1558 ein Pferdemarkt veranstaltet. Beim Barthelmarkt im bayerischen Oberstimm findet der Rossmarkt (Pferde- und Fohlenmarkt) am Montagmorgen („Barthelmarktmontag“) statt.[135]
Pferdemärkte in Europa
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Einer der größten Pferdemärkte der Niederlande ist der Pferdemarkt Hedel. Er findet jährlich am ersten Montag nach dem 1. November in Hedel statt. Zusätzlich gibt einen Wochenmarkt und eine Kirmes. Der Zuidlaardermarkt ist ein Viehmarkt im niederländischen Zuidlaren im Oktober. Seit der Maul- und Klauenseuche 2001 gibt es hier keine Rinder mehr, sondern in erster Linie Pferde. Bei niederländischen, deutschen und belgischen Pferdehändlern ist der Pferdemarkt sehr populär geworden. Die Geschichte des Zuidlaardermarkt geht bis ins 12. Jahrhundert zurück, der erste Markt fand im Jahr 1200 statt.
In der Schweiz ist der Marché-Concours national de chevaux ein bedeutender Pferdemarkt. Es ist eine jährlich stattfindende Schau für Freiberger-Pferde mit einem Pferderennen in Saignelégier, Kanton Jura. Die Veranstaltung ist die zentrale Bühne der Freiberger Pferdezucht.[136] Der Marché-Concours national des chevaux wurde zum ersten Mal vom 28. bis 30. August 1897 vom Bauernverband der Freiberge organisiert.
In Italien war der Musterplatz (italienisch Piazza della Mostra) ein wichtiger Pferdemarkt. Der Platz liegt mitten im Altstadtbereich der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen. Seinen Namen verdankt er seiner frühneuzeitlichen Funktion als Ort der militärischen Musterung. Geschichtlich wird der Musterplatz erstmals um 1450 urkundlich genannt. Er fungierte damals als Pferdemarkt, wie eine landrechtliche Verfügung belegt, wonach niemand im Stadtbereich Pferde vorführen solle als „auf der rechten Musterstadt“.[137] Wenig später, um 1470/80, ist der heutige Name als „auff der Muster in der stat Potzen“ und „die gmain Muster“ ausdrücklich bezeugt.[138]
Das irische Connemara Pony Festival in Clifden ist eine Zuchtschau und ein Pferdemarkt für Connemara-Ponys im August, das seit 1924 besteht. Es wurde ursprünglich in Roundstone und seit 1947 in Clifden durchgeführt. Alljährlich werden rund 400 Pferde verkauft. Es wird von der Connemara Pony Breeders Society veranstaltet.[139]
In Polen erteilte König Władysław II. Jagiełło 1433 dem Dorf Skaryszew das Marktprivileg für einen großen Pferdemarkt im Jahr. Der Pferdemarkt Skaryszew war 2013 der größte seiner Art im Land.[140][141] Auch der Stettiner Roßmarkt[142] und die Schlopper Pferdemärkte waren von Bedeutung.[143]

Pferdemärkte in Asien
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Pferdehaltung ist in Kirgisistan mit rund 350 000 Tieren weit verbreitet.[97] Der Viehmarkt von Karakol ist ein regelmäßig, jeweils an Sonntagen stattfindender Viehmarkt in der kirgisischen Stadt Karakol, auf dem insbesondere mit Schafen und Pferden gehandelt wird.[144]
In Indien gibt es einen Pferdebestand von über 200 000 Tieren.[97] In Sonpur findet alljährlich im November und Dezember der größte Viehmarkt in Indien, der Viehmarkt von Sonpur statt. Neben Pferden werden dort Rinder, Schafe, Ziegen, Geflügel und Kamele gehandelt.[145] Der Kamelmarkt von Pushkar ist ein mehrtägiger Viehmarkt mit Volksfest. Der Markt beginnt mit dem hinduistischen Kalendermonat Kartik und endet am Kartik Purnima, der sich in der Regel mit Ende Oktober und Anfang November des gregorianischen Kalenders überschneidet. Der Markt zieht alljährlich hunderttausende Menschen an und ist einer der größten Kamelmärkte weltweit.[146] Dort werden auch zahlreiche Pferde gehandelt.[147]
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
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