Mondpalast

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Mondpalast

Der Mondpalast von Wanne-Eickel ist ein Volkstheater des Ruhrgebiets. Eröffnet wurde das Theater am 28. Januar 2004 von Christian Stratmann, Bruder des Kabarettisten Ludger Stratmann[1]. Zusammen mit diesem hatte er bis Ende 2003 das Stratmanns Theater Europahaus in Essen betrieben, sich zu Gunsten des Mondpalastes aber zurückgezogen.[2] In einem Interview mit der Welt am Sonntag erklärte Stratmann Anfang 2005, dass die Zielsetzung des Theaters die Aufführung regionaler Stücke mit einem festen Ensemble sei. Dies sei ein Alleinstellungsmerkmal im Vergleich mit einem Gastspielhaus wie dem seines Bruders. Stratmann erklärte zum inhaltlichen Schwerpunkt: „Wir bedienen in erster Linie Klischees. Typisches Ruhrgebietspersonal wie der Bergmann, der Taubenzüchter, die Kneipenwirtin und der Fußballfan treten bei uns auf“.[3]

Das Theater befindet sich im Städtischen Saalbau (ehem. Kaisersaal und Stadtgartensaal) des Stadtgartens im Herner Stadtteil Wanne (bis 1975 eigenständige Stadt Wanne-Eickel). Der wilhelminische Jugendstilbau entstand 1911 und hat seitdem eine lange Theatergeschichte erlebt. Von Kurt Seiffert in den 1920er Jahren, über Zarah Leander bis hinzu Theo Lingen und Maria Schell standen hier viele Theatergrößen auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Das Haus selbst ist mit wilhelminischem Haupthaus und einem postmodernen Foyer selbst ein Stück Ruhrarchitektur zwischen Tradition und Moderne.[4] Das Haus hat mit 500 Sitzplätzen eine deutlich größere Kapazität als andere Volkstheater wie das Ohnsorg-Theater in Hamburg und das Millowitsch-Theater in Köln. Mehr als 180.000 Besucher in den ersten drei Jahren machen es laut Stratmann zum größten Volkstheater Deutschlands.[5].

Die bekannteste und erfolgreichste Inszenierung des Mondtheaters ist die seit Eröffnung gezeigte Komödie „Ronaldo und Julia“. Thematisch an das Shakespeare-Drama Romeo und Julia angelehnt erzählt das Stück von zwei Familien, die in Wanne-Eickel Wand an Wand jeweils eine Kneipe betreiben. Während die Montakowskis aber dem Fußballverein FC Schalke 04 anhängen, fiebern die Kapulinskis ausgerechnet für Borussia Dortmund. Traditionell sind die Anhänger dieser Vereine stark verfeindet (siehe auch: Revierderby), so dass die sich entwickelnde Liebe zwischen dem königsblauen Roland „Ronaldo“ Montakowski und der schwarz-gelben Julia Kapulinski unter keinem guten Stern steht. Wird sich die Liebe zwischen den beiden über die Feindschaft hinwegsetzen?[6] Zur 500. Aufführung am 17. Oktober 2007 übernahm sogar Ex-Schalke-Manager Rudi Assauer eine kurze Gastrolle.[7]

Weitere Stücke des Mondpalasts sind unter anderem „Auf der wilden Rita“ – eine Liebeskomödie im Hafen Wanne –, „Wat ne herrliche Welt“ – eine musikalische Zeitreise durch 50 Jahre Ruhrgebiet – und die Kriminalkomödie „Selbs in Schuld“. Geschrieben werden die Stücke in der Regel durch den Ruhrgebiets-Autor Sigi Domke, Intendant des Hauses ist Thomas Rech. Da es sich um Auftragsarbeiten handelt, sind die Stücke in der Regel nur im Mondpalast selbst zu sehen. In der Vergangenheit gab es lediglich einzelne Gastauftritte wie z.B. mit dem Stück „Auf der Wilden Rita“ auf der Nordseeinsel Norderney[8] oder mit „Ronaldo und Julia“ in Dortmund.[9]

Der Mondpalast steht Pate für das Fußballstadion des DSC Wanne-Eickel. Das Stadion im Sportpark Wanne-Süd heißt seit dem 9. August 2009 Mondpalast-Arena.[10]

Quellen[Bearbeiten]

  1. „Mondpalast: Besser kann's gar nicht laufen“, Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) vom 6. März 2004, http://www.mondpalast.com/projects/de/news.php?action=detail&id=94
  2. „Christian Stratmann überlässt das Europahaus seinem Bruder“, Informationsdienst Ruhr, Meldung vom 25. Juli 2003, http://www.idruhr.de/detail.php?id=12179&seite=archiv
  3. „Wir bedienen hier in erster Linie Klischees“, Welt am Sonntag vom 27. Februar 2005, http://www.mondpalast.com/projects/de/news.php?action=detail&id=140
  4. „Das Haus“, Eigendarstellung des Mondpalasts, http://www.mondpalast.com/projects/de/index.php?id=dashaus
  5. „Bilanz im Mondpalast“: Größer als Ohnsorg (WAZ Rhein Ruhr 16. Februar 2007) http://www.mondpalast.com/projects/de/news.php?action=detail&id=256
  6. „Schalke verliebt sich in BVB“, Westfälische Rundschau vom 30. Januar 2004, http://www.mondpalast.com/projects/de/news.php?action=detail&id=105
  7. „Bühne frei für Rudi Assauer“, WDR-Meldung vom 18. Oktober 2007, http://www.wdr.de/themen/kultur/theater/assauer/index.jhtml
  8. „Wilde Rita schlägt Wellen“, Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), Ausgabe Herne vom 27. Juli 2006, http://www.mondpalast.com/projects/de/news.php?action=detail&id=231
  9. eldoradio* Podcast vom 19. April 2007, http://www.eldoradio.de/lowfi/podcast/item.php?idx=492&sel=all&skip=150
  10. Umbenennung des Stadions des DSC Wanne-Eickel

Weblinks[Bearbeiten]

51.53257.1541666666667Koordinaten: 51° 31′ 57″ N, 7° 9′ 15″ O