Monument (Installation)

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Die Installation in Dresden. Künstler: Manaf Halbouni

Monument ist der Name einer Installation des syrisch-deutschen Künstlers Manaf Halbouni. Sie wird von drei hochkant stehenden Bussen dargestellt. Historisches Vorbild war eine Barrikade, wie sie während des Bürgerkriegs in Syrien in Aleppo als Schutzschild gegen Scharfschützen diente.[1] Die Fotografie dieser Barrikade wurde als eines der Symbole für die humanitäre Katastrophe des Syrischen Bürgerkrieges weltweit bekannt. Von Anfang Februar bis April 2017 stand die Installation auf dem Dresdner Neumarkt vor der Dresdner Frauenkirche, danach kam sie ab November 2017 vor das Brandenburger Tor in Berlin.

Werk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 2015 veröffentlichte Halbouni eine Serie von Fotocollagen, in denen die drei Busse des Originalfotos in Fotos von berühmten Plätzen, wie zum Beispiel den Roten Platz in Moskau, montiert wurden.[2] Er bewarb sich mit diesem Projekt beim Friedensmuseum Erlauf, welches jährlich wechselnde Freiluftausstellungen veranstaltet. Das Projekt wurde 2016 vom Erlaufer Gemeinderat abgelehnt.[3] Die in Dresden verwirklichte Installation Monument ist Teil des Kulturfestes „Am Fluss/At The River – Kunst, Theater, Performances, Konzerte, Gespräche, Workshops zu Kulturen des Ankommens entlang der Elbe“. Das Fest war eine gemeinsame Initiative des Kunsthauses Dresden[4] und des Societaetstheaters Dresden[5] und war von Anfang an als ein Gegenpol zu Pegida gedacht.[6]

Die Skulptur sollte im Rahmen des alljährlichen Gedenkens die Verbindung des im 2. Weltkrieg von den Alliierten stark zerstörten Dresdens mit der aktuell stark zerstörten Stadt Aleppo herstellen. Das Monument besteht aus drei hochkant gestellten Bussen. Dabei handelt es sich um ausrangierte Linienbusse der Nürnberger Verkehrsbetriebe. An die Busse wurden auf der Rückseite zwei Doppel-T-Träger geschweißt und sie darin verankert. Ein Betonfundament wurde gegossen, worauf die Busse geschraubt sind. Die Kosten in Dresden betrugen 57000 Euro. Finanziert wurden sie von der Stadt Dresden (15000 Euro), mehreren Stiftungen, der Ostsächsischen Sparkasse und Privatpersonen.[7][8] Die letztendliche Entscheidung über die Aufstellung traf die Kunstkommission der Stadt Dresden.[9]

Die Organisatoren wollten mit dieser Skulptur ein „Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit“ setzen.[10] Es sollte ein Mahnmal für die humanitären Katastrophen, hervorgerufen durch Kriege, sein, welches bewusst eine Brücke zwischen der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung Aleppos im Syrischen Bürgerkrieg heute schlägt.

Im November 2017 wurde die Installation in Berlin auf dem Platz des 18. März vor dem Brandenburger Tor aufgestellt. Sie soll zwei Wochen zu sehen sein.[11]

Eröffnung in Dresden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Oberbürgermeister Dirk Hilbert während seiner Eröffnungsrede, exemplarischer Protestsprechchor während der Eröffnung

Bei der Einweihung der Installation am 7. Februar 2017 kam es zu heftigen Protesten und Störungen durch Menschen aus dem Umfeld von Pegida. Der MDR sprach lediglich von 60[12], ein Reporter der Dresdner Neuesten Nachrichten zählte bis zu 300[13] und die Wochenzeitung Die Zeit 400 Gegner[14]. Mit Trillerpfeifen, Megafonen, Buhrufen und Parolen wie „Haut ab“ oder „Schande“ störten sie die Eröffnung. Die Videodokumentation der DNN zeigt wie mehrfach „Volksverräter“ oder „Hilbert muss weg“ skandiert wurde; auch das „Umwerfen“ der aufgestellten Busse wurde immer wieder lautstark gefordert. Ein anwesender Fotograf wurde von den Demonstranten so stark bedrängt, dass die Polizei eingreifen musste. „Erinnerungen an die Proteste vom 3. Oktober wurden wach, auch da es sich bei einem großen Teil der Störer offensichtlich um die gleichen Personen handelte.“ schrieben die DNN.[15]

Das Mahnmal wurde von Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin des Kunsthauses Dresden, Sebastian Feydt, Pfarrer der Frauenkirche, dem Dresdner Oberbürgermeister Dirk Hilbert sowie Manaf Halbouni eingeweiht. Manaf Halbouni sagte in Richtung der Demonstranten: „Ihr wollt die ganze Zeit für eure Rechte oder für die abendländischen, christlichen Werte kämpfen. Schämt euch, denn ihr macht es nicht. Ihr habt nicht einmal dem Pfarrer erlaubt zu sprechen. Jeder darf hier seine Meinung sagen. Auch ihr. Aber man macht das mit Kultur und man sagt das gesittet.“[12]

Busse und Umgebung, Anfang Februar

Aufgrund der Proteste wurde die Installation anfangs rund um die Uhr von der Polizei bewacht.[16] Ab dem 14. Februar 2017 übernahm ein privater Wachschutz die Nachtwache, während die Polizei tagsüber verstärkt Streife auf dem Neumarkt fuhr.[17]

Proteste gegen das Kunstwerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritiker, von denen viele aus dem Umfeld der Pegida-Bewegung kamen, hielten die Installation für eine Verharmlosung der Opfer in Dresden. Sie behaupteten, dass die Situation in Syrien nicht vergleichbar schlimm und deshalb eine Flucht von Syrern nach Deutschland nicht gerechtfertigt sei.[18] Solcherlei Kritik und Schmähungen der Aktion gab es in sehr großer Zahl. In sozialen Netzwerken wie Facebook wurde sich gegen die Skulptur ausgesprochen und Manaf Halbouni direkt auf seiner Facebook–Seite attackiert.[7] In Medien der Neuen Rechten wurde gegen das Mahnmal polemisiert und zum Protest mobilisiert.[19] Pegida-Vizesprecher Siegfried Däbritz rief Pegida-Demonstranten auf, zur Einweihung der Installation zu gehen. Pegida-Initiator Lutz Bachmann kündigte auf Facebook eine Klage gegen die Installation an, weil sie den Terrorismus verherrliche. Die Proteste werden von der sächsischen AfD unterstützt.[20][21]

Bereits einen Tag nach der Eröffnung wurde Halbouni öffentlich unterstellt, er würde dem Islamismus nahestehen, da die originale Barrikade von der islamistischen Ahrar-al-Scham-Brigade errichtet worden sei, was sich an einer Fahne auf den Originalfotos beweisen lasse.[22] Halbouni distanzierte sich von der Brigade und von jeder politischen Strömung in Syrien. Der Bezug zur al-Scham-Brigade sei ihm bislang nicht bekannt gewesen. An der intendierten Botschaft seines Kunstwerkes ändere das nichts: Die Skulptur mit den drei senkrecht stehenden Bussen erinnere an den syrischen Bürgerkrieg.[23] Christiane Mennicke-Schwarz, die Leiterin des Kunsthauses Dresden betonte, dass das Werk von Halbouni nicht die komplexe Situation des Bürgerkriegs abbilden solle, sondern primär als Mahnmal gegen Gewalt – auch von Terroristen – dienen solle.[24]

Ein Bürger Dresdens scheiterte am 15. Februar 2017 vor dem Verwaltungsgericht Dresden mit seinem Antrag auf sofortige Beseitigung des Monument. Er vertrat die Auffassung, dass die Aufstellung im Hinblick auf das Gedenken an die Opfer des 13. Februar 1945 „unangemessen und respektlos“ sowie eine bewusste Provokation sei.[25][26]

Am Morgen des 20. Februars 2017 hängten Mitglieder der in Teilen völkischen Identitären Bewegung, getarnt als Mitarbeiter einer nichtexistenten Baufirma unter dem Vorwand, von der Stadt mit Reinigungsaufgaben beauftragt worden zu sein,[27] ein Banner und eine Fahne mit einer Aufschrift, die grafisch arabischer Schrift nachempfunden war, auf.[28] In neurechten Medien, wie Compact Magazin[29] und anderen, wurde die Aktion gelobt. Mittags nahmen Mitarbeiter der Zentralen Technischen Dienste der Stadt Dresden Banner und Fahne wieder ab. Auch sonstige Zettel mit Meinungsäußerungen, welche sich im Laufe der vorangegangenen Tage an der Basis der Installation angesammelt hatten, wurden in diesem Zuge entfernt.[30] Der Künstler Manaf Halbouni nannte die Aktion „armselig und traurig“. Christiane Mennicke-Schwarz sagte, es sei „beschämend“, dass die IB nicht in der Lage sei, sich eine eigene Plattform für ihre Meinung zu schaffen und deshalb Kunst instrumentalisieren müsse.[31]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Doreen Reinhard schrieb über Halbouni und seine Installation in der ZEIT: „In seiner künstlerischen Bearbeitung zieht er Verbindungen zu Dresdner Zivilisten, die sich 1945 ebenfalls vor Angriffen schützen mussten. Insofern versteht sich sein Monument auch als Mahnmal für Dresdens Bomben-Opfer.“[14]

Die Stiftung Frauenkirche Dresden begrüßte die Installation als Zeichen der Mahnung an das Leid der von Krieg und Zerstörung betroffenen Menschen in Syrien und aller Welt. Sie sei ein Impuls zum festen Glauben an einen Neubeginn.[5]

Die sächsische AfD-Landtagsabgeordnete Karin Wilke sagte, man wolle mit der Installation offenbar ganz bewusst die Dresdner düpieren, „um damit die Pegida-Bewegung auf die Barrikaden zu bringen“.[32]

Die Ereignisse in Syrien beeinflussten „auch unser Leben – ob wir das wollen oder nicht“, sagte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert bei der Eröffnung. Im Vorfeld der Gedenkveranstaltungen am 13. Februar warnte er vor einem „Opfermythos“ in Dresden. Gerade in Zeiten des erstarkenden Populismus – „nicht nur in unserer Stadt, sondern in der gesamten westlichen Welt“ wolle seine Stadt am 13. Februar Akzente setzen.[33]

Der Journalist Peter Nowak kritisierte in Telepolis, dass längst völkisch-nationalistische Kreise um Pegida die Debatte um die Installation dominierten. Inhaltlich kritisierte Nowak, der Künstler habe nicht nur die Forderung nach Frieden erhoben, sondern auch das Bild der unschuldig zerstörten und nun wiedererstanden Stadt ohne eine notwendige politische Einordnung gezeichnet. Halbouni bediene „auch einen Dresden-Mythos. Es geht nicht mehr um politische Kräfte und um die Frage, wer hier was verteidigte. Welche symbolische Botschaft geht denn von einer von Islamisten gegen eine repressive laizistische Regierung verteidigten Barrikade aus? Ist eine solche Ignoranz gegenüber politischen Zusammenhängen nicht sehr ähnlich jener deutschen Entschuldigung, man habe bis zur letzten Minute den Nazis die Treue gehalten, weil man sich gegen die Alliierten verteidigen musste?“ Differenzierte Diskussionen rund um die Installation würden leider kaum geführt, „weil die rechten Anhänger eines deutschvölkischen Dresden-Gedenkens die Debatte geprägt haben.“[34]

Anlässlich der Aufstellung in Berlin kritisierte der Journalist Tobias Riegel im Neuen Deutschland, dass das keine »Anti-Kriegs-Skulptur« sei, sondern ein Denkmal für die Kämpfer der Al-Nusra-Front, die die syrische Stadt Aleppo bis zu ihrer Befreiung durch die russische und syrische Armee als Geisel für ihre westlich geförderten Umsturzfantasien genommen hatten.[35]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: „Monument“ von Manaf Halbouni – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. See How Syrians Are Protecting Themselves From Snipers. In: time.com. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  2. Projektseite. Website des Künstlers, abgerufen am 1. März 2017
  3. Interview mit Manaf Halbouni. In: art–magazin.de, abgerufen am 1. März 2017
  4. Projektseite. Website des Kunsthaus Dresden, abgerufen am 1. März 2017
  5. a b Umstrittene Kunstinstallation vor der Frauenkirche. In: sonntag-sachsen.de. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  6. Bericht vom Deutschlandfunk vom 15. September 2017, abgerufen am 1. März 2017
  7. a b Kunstaktion in Dresden – Buswracks erinnern an zerstörtes Aleppo. In: Deutschlandfunk. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  8. Friedliche Diskussion über Busse-Mahnmal. In: Sächsische Zeitung. 17. Februar 2016, abgerufen am 17. Februar 2016.
  9. CDU fordert Stadtrat bei Themen wie Monument einzubeziehen. In: dnn-online, 2. März 2017, abgerufen am 2. März 2017
  10. Dresden: Ausstellungen. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  11. Aleppo-Busse vor Brandenburger Tor aufgestellt. In: rbb24.de
  12. a b Gegner stören Einweihung von „Monument“ in Dresden. In: mdr.de. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  13. Rechter Mob gegen Aleppo-Kunstprojekt. In: tagesspiegel.de. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  14. a b Doreen Reinhard: Dresden: Tumultartige Trauerarbeit. In: Die Zeit. 8. Februar 2017, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 8. Februar 2017]).
  15. Pegida-Anhänger stören „Monument“-Eröffnung auf dem Dresdner Neumarkt. In: DNN-Online. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  16. Debatte über Kunst im öffentlichen Raum. In: mdr.de. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  17. Warum die Identitären keine Strafe fürchten müssen. In: Sächsische Zeitung online, abgerufen am 21. Februar 2017
  18. Dresden's bitter divide over Aleppo-inspired bus barricade sculpture bei theguardian.com, abgerufen am 12. November 2017
  19. https://einprozent.de/dresdner-bus-monument-solidaritaetsaktion-fuer-terrormiliz/. Abgerufen am 13. Februar 2017.
  20. Felix Langhammer, Axel Gebauer: AfD wettert gegen Dresdner Aleppo-Kunstwerk. (neues-deutschland.de [abgerufen am 9. Februar 2017]).
  21. Dresdner AfD will Monument abreissen lassen. In: dnn-online, 1. März 2017, abgerufen am 2. März 2017
  22. Welche Rolle spielten Islamisten beim syrischen Vorbild der Neumarkt–Busse? In: Leipziger Volkszeitung online, abgerufen am 1. März 2017
  23. Streit um Aleppo-Kunstwerk geht weiter. In: mdr.de. Abgerufen am 10. Februar 2017.
  24. Wer baute die Straßensperre von Aleppo? In: sz-online. Abgerufen am 8. Februar 2017.
  25. Pressemitteilung des Verwaltungsgerichts Dresden. In: justiz.sachsen.de, abgerufen am 21. Februar 2017
  26. Dresdner klagt gegen Aleppo-Busse. In: bild.de, abgerufen am 26. Februar 2017
  27. Stadt prüft Anzeige wegen Busbanner. In: sz-online.de, abgerufen am 28. Februar 2017
  28. Identitäre hissen Banner am Dresdner „Monument“. In: DNN-Online. Abgerufen am 21. Februar 2017.
  29. Identitäre knöpfen sich Dresdner Schrottdenkmal vor. In: compact-online.de, abgerufen am 28. Februar 2017
  30. Rechtsextreme missbrauchen Kunstwerk. In: Sächsische Zeitung online, abgerufen am 21. Februar 2017
  31. „Identitäre Bewegung“: Empörung über Aktion von Rechtsextremen am Bus-„Monument“. In: Mitteldeutsche Zeitung. Abgerufen am 21. Februar 2017.
  32. Michael Bartsch: Widerstand gegen Dresdner Mahnmal: Kein Mitgefühl für Aleppo. In: die tageszeitung. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  33. Felix Langhammer, Axel Gebauer: AfD wettert gegen Dresdner Aleppo-Kunstwerk. In: neues-deutschland.de. Abgerufen am 9. Februar 2017.
  34. Peter Nowak: Dresdner Opfermythos trifft auf Installation eines syrischen Künstlers. In: heise.de. Abgerufen am 12. Februar 2017.
  35. Tobias Riegel: Denkmal für die Geiselnehmer. In: neues-deutschland.de. Abgerufen am 11. November 2017.