Moritzberg (Frankenalb)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Moritzberg
Blick von Tauchersreuth südostwärts zum Moritzberg

Blick von Tauchersreuth südostwärts zum Moritzberg

Höhe 603,5 m ü. NHN [1]
Lage Lauf, Leinburg, Röthenbach; Landkreis Nürnberger Land, Bayern (Deutschland)
Gebirge Fränkische Alb
Koordinaten 49° 27′ 57″ N, 11° 18′ 44″ OKoordinaten: 49° 27′ 57″ N, 11° 18′ 44″ O
Moritzberg (Frankenalb) (Bayern)
Moritzberg (Frankenalb)
Besonderheiten Vorgeschichtliche Höhensiedlungen

Der Moritzberg ist ein markanter 603,5 m ü. NHN[1] hoher Zeugenberg der Fränkischen Alb in den Stadtgebieten von Lauf an der Pegnitz und Röthenbach an der Pegnitz und im Gemeindegebiet von Leinburg im mittelfränkischen Landkreis Nürnberger Land, Bayern (Deutschland).

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Moritzberg erhebt sich 1,3 km ostsüdöstlich von Haimendorf, einem ostsüdöstlichen Stadtteil von Röthenbach an der Pegnitz. Dessen Weiler Moritzberg liegt auf dem Gipfelplateau. Bis nahe an dieses heran reicht im Nordosten das Stadtgebiet von Lauf an der Pegnitz, dessen Kernstadt 5,5 km nordnordwestlich des Gipfels liegt und dessen Ortsteil Weigenhofen sich 2 km nordnordöstlich davon befindet. Auch nahe an das Plateau heran reicht im Südosten über Süden bis Südwesten das Gemeindegebiet von Leinburg, dessen Kernort 1,7 südlich und dessen Ortsteile Weihersberg 1,2 km südöstlich und Diepersdorf 1,4 km westsüdwestlich des Gipfels liegen.

Naturräumliche Zuordnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Moritzberg gehört in der naturräumlichen Haupteinheitengruppe Fränkisches Keuper-Lias-Land (Nr. 11), in der Haupteinheit Vorland der Nördlichen Frankenalb (112) und in der Untereinheit Laufer Albvorland (112.0) zum Naturraum Moritzberg mit Umland (112.00).

Schutzgebiete[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schürfgrubenfeld

Auf dem bewaldeten Moritzberg liegen Teile des Landschaftsschutzgebiets Südlicher Jura mit Moritzberg und Umgebung (CDDA-Nr. 396095; 2001 ausgewiesen; 166,84 km² groß).[1] Auf der Hochfläche Berges befinden sich mehrere Steinbrüche und Schürfgruben, die vermutlich aus der Bronzezeit stammen. Hier wurden vermutlich Bohnerze gefördert. Das Schürfgrubenfeld ist vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als Geotop Schürfgrubenfeld am Moritzberg (Geotop-Nr. 574G004)[2] ausgewiesen.

Geologie und Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geologisch gehört der Moritzberg als Zeugenberg zum Albvorland, da er durch Erosion im Lauf der Zeit von der eigentlichen Alb abgetrennt wurde. Man spricht hier von einem Zeugenberg.

Die auf dem Gipfelplateau des Moritzbergs gelegene St. Mauritius-Kapelle

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der stark durch mittelalterlichen Kalkstein- und Eisenerzabbau gestörte plateauförmige Gipfelbereich des Berges wurde schon in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt. Zahlreiche Lesefunde, die aus keramischen Bruchstücken, Steingeräten, Steinabschlägen und einem Spiralring aus Bronzedraht bestehen, zeugen von dieser Vergangenheit.[3]

Die erste kurzzeitige Besiedlung fand während der frühen Mittelsteinzeit (Mesolithikum) statt, diese Freilandstation befand sich am Sattel zum sich nach Osten anschließenden 538,9 m hohen Reuther Berg. Heute ist der Platz ein Bodendenkmal.[4]

Aus der Jungsteinzeit (Neolithikum) und aus der Bronzezeit liegen nur wenige Funde vor, so dass eine Besiedlung noch nicht mit Sicherheit bestätigt werden kann.

Eine erneute Besiedlung fand während der mittleren bis späten Urnenfelderzeit statt, Funde daraus stammen von der nördlichen Hälfte des Gipfelplateaus. Ob auch das restliche Plateau besiedelt war, lässt sich wegen des Steinabbaus nur schwer nachweisen. Am Ende der Urnenfelderzeit bricht auch hier die Besiedlung ab, ein Vorgang wie er sich an vielen Höhensiedlungen, zum Beispiel bei der in der Nähe liegenden Houbirg, zeigt.

Die letzte vorgeschichtliche Siedlung stammt aus dem Zeitraum zwischen später Hallstattzeit und früher Latènezeit. Aus dieser Zeit sind Funde vom gesamten Plateau bekannt, welches heute ebenfalls ein Bodendenkmal darstellt.[5][6]

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gipfelplateau des Moritzberges steht die im Jahr 1419 erbaute und dem heiligen Mauritius geweihte Bergkapelle St. Mauritius (bzw. auch als Moritzbergkapelle bezeichnet). Nach dem Bau dieser Kapelle wurde der ursprünglich als „Leinburg“ bezeichnete Berg, der auch der an seinem Fuß liegenden Gemeinde ihren Namen gab, in Moritzberg umbenannt. Diese Kapelle hatte der nürnbergische Patrizier Herdegen Valzner errichten lassen und ihre Geschichte war eng mit Schloss Haimendorf und Rockenbrunn verknüpft.

Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1841 hatte der bayrische König Ludwig I. die Absicht, auf dem Moritzberg entweder die später bei Kelheim errichtete Befreiungshalle oder aber die Walhalla zu errichten. Diese Pläne wurden jedoch nie verwirklicht, und erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zur Realisierung eines größeren Bauvorhabens. Ab dem Jahr 1910 wurde auf dem Gipfelplateau des Berges ein seit längerem geplanter Aussichtsturm – der Moritzbergturm – errichtet, der schließlich 1913 provisorisch fertiggestellt wurde. Die ursprünglich konzipierte Ausbauhöhe des Turmes konnte allerdings nicht realisiert werden, weil die hauptsächlich aus Geldspenden aufgebrachten Finanzmittel dafür nicht mehr ausreichten.

Während des 17. und 18. Jahrhunderts war in unmittelbarer Nachbarschaft zur Kapelle ein Bruderschaftshaus errichtet worden, das zeitweise auch die Unterkunft eines Einsiedlers gebildet hatte. Heute wird dieses teilweise als Fachwerkhaus ausgeführte Gebäude als Gastwirtschaft genutzt.

Der Berg ist beliebtes Ausflugsziel, unter anderem für Einwohner des 17 km westsüdwestlich liegenden Nürnberg, weswegen er teils als Hausberg der Nürnberger bezeichnet wird.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christine Bockisch-Bräuer: Röthenbach-Haimendorf: Der Moritzberg – Vorgeschichtliche Besiedlungsspuren auf dem Nürnberger Hausberg. In: Alfried Wieczorek (Hrsg.): Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, Band 52: Nürnberg und Nürnberger Land – Ausflugsziele zwischen Pegnitz und Fränkischer Alb. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2368-2, S. 209–215.
  • Hermann Rusam: Der Moritzberg. Eine geologische Exkursion zum Hausberg der Nürnberger. Mit Zeichnungen und Bildern von Heinz Metzner. Didaktischer Brief des Pädagogischen Instituts der Stadt Nürnberg; Nr. 130. Nürnberg: Pädagogisches Institut der Stadt Nürnberg, 1993, 20 S.
  • Ronald Heißler, Günter E. R. Albrecht u. a. Autoren: Rund um den Moritzberg – Unser Hausberg naturhistorisch betrachtet. Zum 100-jährigen Bestehen der Abteilung für Geologie. [Hrsg.: Abt. für Geologie. Naturhistorische Gesellschaft Nürnberg e. V.], (Abhandlung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg e. V.; Bd. 42), Nürnberg: Naturhistorische Gesellschaft, Abt. Geologie, 1989, 176 S., 16 Beilagen, über 200 Abb. und Karten
  • Ferdinand Leja: Die vorgeschichtliche Besiedlung des Moritzberges, Landkreis Nürnberger Land. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft e. V., 1988, Nr. 1, S. 1–13.
  • Ronald Heißler: Rund um den Moritzberg. Ein Exempel zur Einführung in die Geologie. Völlig überarbeitete und erw. Neuauflage. Didaktischer Brief des Pädagogischen Instituts der Stadt Nürnberg; Nr. 96 (Ursprünglich Nr. 9). Nürnberg: Pädagogisches Institut, 1982, 64 S.
  • Reinhard Grebe; Dieter Kaus: Rahmenplan Naherholungsgebiet Moritzberg. Bearbeitet im Auftrag des Verschönerungsvereines Moritzberg u. Umgebung e. V, Nürnberg: Büro für Landschaftsplanung Grebe, 1971. 38 S.
  • Ronald Heißler: Ein Exempel, rund um den Moritzberg, Zeichnungen vom Verfasser, 2. Auflage, Didaktischer Brief des Pädagogischen Instituts der Stadt Nürnberg; Nr. 9. Nürnberg: Pädagogisches Institut der Stadt Nürnberg, 1971, 40 S.
  • Der Moritzberg: Ein heimatkundlicher Führer. Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft. Nürnberg: Frankenverlag Spindler, 1966, 38 S.
  • Fritz Schnelbögl: Eine Wanderung auf den Moritzberg im 17. Jahrhundert. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft e. V., 1959, Nr. 3, S. 77–87.
  • Walter Ullmann: Der Moritzberg in vorgeschichtlicher Zeit. In: Mitteilungen der Altnürnberger Landschaft e. V., 1952, Nr. 1, S. 12–15.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Moritzberg (Frankenalb) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Der Moritzberg, auf albvorland.de
  • Der Moritzberg, in: Geologie des Schichtstufenlandes mit Infos zu Geologie und Frühgeschichte, auf lauf-net.de

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Kartendienste des Bundesamtes für Naturschutz (Hinweise)
  2. Geotop: Schürfgrubenfeld am Moritzberg, abgerufen am 21. August 2013 (PDF; 3,24 MB)
    siehe auch die Liste der Geotope im Landkreis Nürnberger Land
  3. Die Funde befinden sich heute in der Sammlung der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg
  4. Freilandstation des Mesolithikums und Siedlung vorgeschichtlicher Zeitstellung in Leinburg – Baudenkmäler, Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, auf geodaten.bayern.de (PDF; 134,35 KB)
  5. Freilandstation des Mesolithikums, Siedlung der Urnenfelder-, Späthallstatt- und Frühlatènezeit . Archiviert vom Original am 22. Dezember 2014, abgerufen am 30. Dezember 2016., Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, auf geodaten.bayern.de
  6. Christine Bockisch-Bräuer: Röthenbach-Haimendorf: Der Moritzberg – Vorgeschichtliche Besiedlungsspuren auf dem Nürnberger Hausberg. In: Alfried Wieczorek (Hrsg.): Ausflüge zu Archäologie, Geschichte und Kultur in Deutschland, Bd. 52: Nürnberg und Nürnberger Land – Ausflugsziele zwischen Pegnitz und Fränkischer Alb. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2368-2, S. 210 ff.