Zeugenberg

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Der 668 Meter hohe Ipf, ein Zeugenberg der Schichtstufe der Schwäbischen Alb

Ein Zeugenberg (auch Ausliegerberg) ist eine Unterform des Inselbergs, bei der durch Erosionsvorgänge ein Einzelberg von dem erosionsresistenten Gesteinsverband, dem er ursprünglich angehörte, isoliert wird. Handelt es sich bei diesem Gesteinsverband um eine tektonische Decke, spricht man auch von einer tektonischen Klippe.

Grundlegendes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Zeugenberg entsteht typischerweise in Schichtstufenlandschaften. Diese zeichnen sich durch eine Wechsellagerung von Schichtpaketen aus erosions- und verwitterungsresistenten (kompetenten) Gesteinen und Schichtpaketen aus deutlich weniger erosions- und verwitterungsresistenten (inkompetenten) Gesteinen aus. Die kompetenten Gesteine werden als Stufenbildner, die inkompetenten als Hang- oder Sockelbildner bezeichnet. Ein Zeugenberg weist in aller Regel eine flache, aber steilwandige Kappe aus Stufenbildner-Gestein auf, den Oberhang, der die unterlagernden Gesteine aus Sockelbildner, den Unterhang, vor rascher Erosion schützt. Man spricht hierbei auch von einer Armierung des Unterhang-Gesteins durch das Oberhang-Gestein.

Entstehung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Folgenden seien zwei Möglichkeiten der Entstehung von Zeugenbergen näher erörtert.

Bei flach einfallenden Schichtstufen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zeugenberge entstehen in Schichtstufenlandschaften mit flach einfallenden Schichten durch die Erosionstätigkeit quer zum Streichen verlaufender Flüsse (sogenannte subsequente Flüsse). Diese isolieren den topographisch höchsten und exponierten Teil einer Schichtstufe, den Stufenfirst und zukünftigen Oberhang, durch Eintiefung in den unterlagernden Hangbildner vom topographisch niedrigeren und noch teilweise von jüngeren Schichten überdeckten Teil der Schichtstufe. Quer zum Streichen fließende Flüsse oder Bäche (die sogenannten obsequenten und resequenten Flüsse) sorgen gleichzeitig für die Quergliederung des alten Stufenfirstes. Das Ergebnis sind Zeugenberge, die vor der neuen Stufenstirn der Hauptstufe stehen bleiben.[1] Solange der Oberhang noch mit der Hauptstufe verbunden ist, spricht man von einem Ausleger, einem Sporn, einem Vorsprung oder einer „Berghalbinsel“. Die umliegenden Täler werden als Stufenrandbuchten, Stufenrandtäler oder Stirnseitentäler bezeichnet. Erst nach einer deutlichen Trennung von der Hauptstufe redet man von einem Zeugenberg. Innerhalb des Hangbildner-Horizontes kann aber noch lange eine Verbindung zur zurückweichenden Hauptstufe bestehen. Solche Zeugenberge bilden sich nur bei einem Fallwinkel der Schichten von 1 bis 2°. Fallen die Schichten steiler ein, ist der Höhenunterschied zwischen altem und neuem Stufenfirst so groß, dass der alte Stufenfirst und potenzielle Oberhang bereits erodiert ist, bevor die Flüsse ihn vom Rest der Schichtstufe isoliert haben.[1]

Durch Reliefumkehr in tektonischen Gräben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine andere Möglichkeit der Zeugenbergentstehung ist die Lage auf einer Grabenscholle. Ein Stufenbildner auf einer tektonisch abgesenkten Scholle wird weit weniger von Erosion angegriffen als in den nicht-abgesenkten Bereichen, zum einen, da flächenhaft wirkende Erosionsformen höher liegendes Terrain stets stärker angreifen als tiefer liegendes und zum anderen, da im nicht-abgesenkten Bereich der Schichtkontakt zum unterlagernden Sockelbildner ebenfalls topographisch höher liegt und von den sich einschneidenden Flüssen schneller erreicht wird. Haben sich die Flüsse im nicht-abgesenkten Bereich erst bis in diesen unterlagernden Horizont eingetieft, verbreitern sich die Flusstäler dort u. a. durch Quellerosion relativ schnell, sodass das eigentlich relativ erosionsresistente Gestein des Stufenbildners dort nun zügig ausgeräumt wird. Schließlich ist der Stufenbildner im nicht-abgesenkten Bereich komplett abgetragen. Da der Sockelbildner deutlich weniger erosionsresistent ist als der auf der tektonisch abgesenkten Scholle noch gut erhaltene Stufenbildner, wird das Gelände des nicht-abgesenkten Bereiches deutlich schneller tiefergelegt als das des abgesenkten Bereiches und der dort erhaltene Stufenbildner wird als Zeugenberg aus der Landschaft herausmodelliert.[2] Ein solcher Prozess fällt unter den Oberbegriff Reliefumkehr.

Schluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monument-Valley-Panorama

Die isolierten Berge „bezeugen“ somit die frühere zusammenhängende Verbreitung bestimmter Schichten weit über das heutige Hauptverbreitungsgebiet hinaus. Bei der Stufenrückverlegung bzw. Stufenzersetzung kann sich eine ganze Zeugenberg-Landschaft ausbilden. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Monument Valley.

Beispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bekannte Zeugenberge der Jura-Schichtstufen zwischen Coburg und Basel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen Coburg im Nordosten und Basel im Südwesten erstrecken sich ungefaltete, leicht schräg gestellte Jura-Schichten. Sie gehören zur Südwestdeutschen Schichtstufenlandschaft bzw. zum Juragebirge im weiteren Sinn und sind vor allem im Bereich des Weißjura (in der Schweiz vor allem im Braunjura) zu mächtigen Schichtstufen ausgebildet. Im gesamten Stufenbereich haben sich Zeugenberge und teilweise auch Zeugenberglandschaften entwickelt.

Die wichtigsten Zeugenberge der Fränkischen Alb sind (zunächst von Nord nach Süd, weiter dann Richtung (Süd-)West):

Die Drei Kaiserberge bei Schwäbisch Gmünd, eine typische Zeugenberglandschaft in Deutschland

Wichtige Zeugenberge der Schwäbischen Alb (ohne „Pseudo-Zeugenberge“, das heißt (teil-)freistehende Berge vulkanischen Ursprungs wie die Limburg) sind (von Nordost nach Südwest):

Der Bereich des Baarjura stellt fast vollständig eine Zeugenberglandschaft dar. Zu ihr gehören (ohne „Pseudo-Zeugenberge“):

  • Hohenkarpfen (912 m)
  • Lupfen (977 m)
  • Möhringer-Berg-Lindenberg-Scholle (949 m)
  • Fürstenberg (918 m)
  • Länge (921 m)
  • Eichberg (914 m)
  • Buchberg (880 m)

Wichtigste Zeugenberge des sogenannten Tafeljura der Schweiz zwischen Bad Zurzach und Pfeffingen sind (von Ost nach West, auch hier hat sich die Schichtstufe bereits zu einem großen Teil zu Zeugenberg- und Ausliegerlandschaften umgebildet):

  • Geissberg (700 m)
  • Heuberg (558 m)
  • Schinberg (722 m)
  • Frickberg (650 m)
  • Farnsberg (758 m)
  • Sunnenberg (632 m)
  • Chienberg (741 m, mit Sissacher und Rickenbacher Flue)

Zeugengebirge der Mittelgebirgsschwelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch innerhalb der eher durch Grundgebirge und Bruchschollen geprägten, nördlich der eigentlichen Schichtstufenlandschaften gelegenen Mittelgebirgsschwelle spielen lokal Zeugenberge eine Rolle. Speziell im Thüringer Becken (mit Randplatten), welches eine in sich mehr oder weniger geschlossene Schichtstufenlandschaft darstellt, und seinem Umland liegen viele markante Zeugenberge der Muschelkalk-Stufe.

Westlich und nördlich der nordwestlichen Randplatte sind vor allem die Gobert und das Ohmgebirge nebst Bleicheröder Bergen zu nennen, die von ihrem Umfang her schon als Zeugengebirge bezeichnet werden können und höhere Höhen erreichen als die eigentliche Randplatte. Darüber hinaus finden sich zahlreiche kuppenartige Einzel-Zeugenberge westlich des Ohmgebirges und nördlich von Gobert und Obereichsfeld.

Südöstlich der Ilm-Saale-Platte, welche zusammen mit der sich südwestlich anschließenden Ohrdrufer Platte die Südost-Randplatte des Beckens darstellt, tauchen Zeugenberge eher vereinzelt auf, wie z. B. Leuchtenburg und Dohlenstein bei Kahla oder der Kulm bei Saalfeld. Streng genommen stellt auch der Singer Berg, der oft als höchster Berg der Ilm-Saale Platte aufgeführt wird, einen Zeugenberg der Reinsberge im Osten der Ohrdrufer Platte dar.

Südwestlich des Thüringer Beckens sind die beiden nördlichsten Kuppen der Rhön, Dreienberg und Landecker Berg, keine Basaltschlote, sondern Zeugenberge der dortigen Muschelkalk-Stufe.

Ein markanter Zeugenberg der Buntsandstein-Stufe ist der Muppberg bei Neustadt bei Coburg. Er ist Zeugenberg der südöstlichen Buntsandstein-Abdachung des Schalkauer Plateaus.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lexikon der Geographie I. 2001, S. 108.
  • Lexikon der Geographie III. 2002, S. 189–190.
  • Lexikon der Geowissenschaften IV. 2001, S. 400–403.
  • Harald Zepp: Geomorphologie. 2. Auflage. Paderborn 2003, Kapitel 12.3 und 14.3.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Lars Wartenberg: Bruchstufen und Schichtstufen. GRIN Verlag, 2003, S. 8, ISBN 978-3-640-35670-6
  2. Gottfried Hofbauer, unter Mitarbeit von Rudolf Biemann, Norgard Mühldorfer, Werner Straußberger, Hans Stuhlinger und Barbara Thies: Die Ehrenbürg (das „Walberla“): Aspekte zur Entstehung eines Zeugenbergs vor der Nördlichen Frankenalb. www.gdgh.de/Berichte/B12, 2007 (PDF 2,7 MB)