Muralto

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Muralto
Wappen von Muralto
Staat: Schweiz
Kanton: Tessin (TI)
Bezirk: Bezirk Locarnow
Kreis: Kreis Locarno
BFS-Nr.: 5120i1f3f4
Postleitzahl: 6600
Koordinaten: 705285 / 114417Koordinaten: 46° 10′ 23″ N, 8° 48′ 7″ O; CH1903: 705285 / 114417
Höhe: 207 m ü. M.
Fläche: 0,6 km²
Einwohner: 2727 (31. Dezember 2015)[1]
Einwohnerdichte: 4545 Einw. pro km²
Website: www.muralto.ch
Muralto

Muralto

Karte
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Muralto, im lombardischen Ortsdialekt Müralt [myrˈɑlt],[2] ist eine politische Gemeinde im Kreis Locarno, Bezirk Locarno, im schweizerischen Kanton Tessin.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist mit dem benachbarten Locarno zusammengewachsen und liegt am Lago Maggiore am Ostrand des Maggia-Deltas. Die Nachbargemeinden sind Locarno, Minusio und Orselina.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich erstmals erwähnt wird Muralto als de Muralto im Jahre 1235. Der Name geht auf lateinisch mūrus «Mauer» und altus «hoch» zurück und erinnert womöglich an Überreste aus römischer Zeit.[2]

Die Gegend war tatsächlich schon in der frühen Römerzeit bewohnt. Archäologisch erfasst sind ein Wohnviertel, ein Gewerbeviertel, eine Nekropole (bis bislang 300 bekannten Gräbern) sowie ein Truppenlager. Die Grösse des Vicus lässt auf intensive Handelsbeziehungen zwischen den Alpentälern und der Poebene schliessen.[3][4][5][6]

Der Vorgängerbau der heutigen Stiftskirche San Vittore, einem Bau von 1190/1300, war eine frühchristliche Basilika aus dem 5. oder 6. Jahrhundert. San Vittore war bis 1816 auch die Pfarrkirche von Locarno.[7]

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verlor Orselina-Muralto seine Bedeutung als regionales Zentrum an Locarno, das 1825/26 einen neuen Hafen baute. 1874 wurde Muralto an die Eisenbahn angeschlossen. Im Rahmen des touristischen Aufschwungs wurde 1874/76 das Grand Hôtel Locarno und 1886 das Hotel Reber erbaut, die beide 2006 geschlossen wurden. 1881 trennte sich die Fraktion Muralto von Orselina und bildet seither eine eigene politische Gemeinde. 1893 führte diese als erste der Region die elektrische Beleuchtung ein.[8]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dienstleistungssektor[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Muralto ist heute ein bedeutender Tourismusort und ist mit seinem Mehrzweck-Kongresszentrum von regionaler Bedeutung. 2005 entfielen rund 95 % der Arbeitsplätze in der Gemeinde auf den Dienstleistungssektor.[9]

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Muralto steht der Bahnhof Locarno, wo zwei Eisenbahnstrecken enden. Es ist die von der Gotthardbahn eröffnete, normalspurige SBB-Strecke von Bellinzona her, die das Gemeindegebiet von Locarno nicht tangiert, und die schmalspurige Centovallibahn (Ferrovie autolinee regionali ticinesi/SSIF) von Domodossola her. Beide Strecken enden in Kopfbahnhöfen, die SBB-Strecke im oberirdischen «Hauptbahnhof», die FART-Strecke seit 1990 in einem eigenen Tiefbahnhof innerhalb des SBB-Areals nördlich der SBB-Anlagen. Den Tiefbahnhof erreicht die FART über ihre Tunnelstrecke, die vor Locarno San Antonio beginnt und Locarno unterfährt.[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aus Muralto stammt der nachmalige Bundesrat Flavio Cotti (* 1939). Überdies liessen sich zahlreiche bekannte Personen in der Gemeinde nieder, darunter der Künstler Paul Klee (1879–1940) und der Psychoanalytiker Erich Fromm (1900–1980).

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kunstgeschichte

  • Bernhard Anderes: Guida d’Arte della Svizzera Italiana. Edizioni Trelingue, Lugano-Porza 1980, S. 90, 109, 118, 131, 134–138, 141, 143.
  • Guglielmo Buetti: Note Storiche Religiose delle Chiese e Parrocchie della Pieve di Locarno, (1902), e della Verzasca, Gambarogno, Valle Maggia e Ascona (1906). 2. Auflage, Pedrazzini Edizioni, Locarno 1969.
  • Virgilio Gilardoni: I monumenti d’arte e di storia del Canton Ticino, volume I: Locarno e il suo circolo (Locarno, Solduno, Muralto e Orselina). (= Die Kunstdenkmäler der Schweiz. Band 60). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte SKG. Bern 1972, S. 339–408.
  • Flavio Maggi: Patriziati e patrizi ticinesi. Pramo Edizioni, Viganello 1997.Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 169–173.
  • Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana.
  • Johann Rudolf Rahn: I monumenti artistici del medio evo nel Cantone Ticino. Tipo-Litografia di Carlo Salvioni, Bellinzona 1894, S. 233–243.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Muralto – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach institutionellen Gliederungen, Geschlecht, Staatsangehörigkeit und Alter (Ständige Wohnbevölkerung)
  2. a b Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, S. 631.
  3. Rodolfo Huber: Muralto. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  4. Vicus
  5. a b c d e f g h i j k l m n Simona Martinoli und andere: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte, Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 170–173.
  6. Rosanna Janke, Il «vicus» romano di Muralto: nuovo progetto di ricerca. (italienisch) auf e-periodica.ch/digbib (abgerufen am 15. Januar 2017).
  7. Kunstführer durch die Schweiz. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Band 2. Bern 2005, S. 587 f.
  8. Rodolfo Huber: Muralto. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  9. Rodolfo Huber: Muralto. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  10. Muralto auf de.lagomaggiore.net, abgerufen 25. November 2015
  11. Stiftskirche San Vittore.
  12. Gilardoni, 1972, 348–402.
  13. Elfi Rüsch: San Vittore in Muralto (= Schweizerische Kunstführer, Nr. 766, Serie 76). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 2005, ISBN 978-3-85782-766-2.
  14. Stiftskirche San Vittore (Foto)
  15. Kirche Santa Maria Annunciata (Foto)
  16. Schloss Muralti (Foto)
  17. Gilardoni, 1972, 345–347.
  18. Villa Liverpool (Foto)
  19. Park (Foto)
  20. Tempelchen (Foto)
  21. Waschanlage (Foto)
  22. Brunnen (Foto)
  23. Treibhaus (Foto)
  24. Grand Hotel Locarno
  25. Grand Hotel Locarno (Foto)
  26. Dépendance (Foto)
  27. Park (Foto)
  28. Wohnhaus Emilia (Foto)