Laeiszhalle

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Musikhalle Hamburg)
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Vorderansicht der Laeiszhalle vom Johannes-Brahms-Platz aus gesehen (2018, rechts hinten das Emporio-Hochhaus)

Die Laeiszhalle (sprich: „Laißhalle“), ehem. Musikhalle Hamburg, ist ein traditionsreiches Konzerthaus am Johannes-Brahms-Platz in Hamburg. Sie wurde in neobarockem Stil errichtet und 1908 eingeweiht. Ihr Großer Saal bietet 2025 Sitzplätze und eine 1951 erbaute Orgel. Der Kleine Saal hat 640 Sitzplätze.[1]

Generalintendant der Laeiszhalle ist seit 2007 Christoph Lieben-Seutter. Er ist auch für die am 11. Januar 2017 eröffnete Elbphilharmonie zuständig.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Laeiszhalle ist ein Beispiel bürgerlich-hanseatischen Mäzenatentums der alten Stadtrepublik. Der Hamburger Reeder Carl Laeisz[2] vermachte der Stadt testamentarisch 1,2 Millionen Mark zur Erbauung „einer würdigen Stätte für die Ausübung und den Genuss edler und ernster Musik“. Seine Witwe Sophie Laeisz stockte den Betrag später auf 2 Millionen Mark auf. Die Musikhalle wurde von 1904 bis 1908 unter Leitung der Architekten Martin Haller und Emil Meerwein auf einem von der Stadt gestellten Grundstück am Wallring im neobarocken Stil der Zeit erbaut (vgl. auch Historismus).[2][3] Die Einweihung fand am 4. Juni 1908 statt. Zur Zeit ihrer Eröffnung war sie das größte und modernste Konzerthaus Deutschlands.[3]

Der Platz vor der Musikhalle hieß zunächst Holstenplatz, wurde 1934 in Karl-Muck-Platz umbenannt und heißt seit 1997 Johannes-Brahms-Platz.

Die zentral gesteuerte Lüftungs- und Heizungsanlage stammte von der Hamburger Firma Rud. Otto Meyer[4] (später „Imtech“), die schon im 1897 vollendeten Hamburger Rathaus Fernwärme und Lüftung installiert hatte.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, den die Laeizhalle unversehrt überstand, nutzten die britischen Besatzer sie vorübergehend als Funkhaus für ihren Militärsender BFN. Chris Howland startete hier seine Radio-Karriere.

Im Juni 2008 beging die Laeiszhalle mit zahlreichen Konzerten ihren hundertsten Geburtstag. Seit der Saison 2009/2010 werden hier neben den Konzerten verschiedener Musikveranstalter, Orchester und Ensembles auch hauseigene Konzerte der HamburgMusik gGmbH veranstaltet. Sie machen etwa ein Drittel des Gesamtprogramms aus. Mit Eröffnung der Elbphilharmonie wurden die Hamburger Symphoniker das „Residenzorchester“ der Laeiszhalle.

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Während anfangs die Namen „Laeiszhalle“ und „Musikhalle“ parallel benutzt wurden, wurde das Haus während der Herrschaft der Nationalsozialisten in „Musikhalle“ umbenannt.[5] Dieser Name wurde auch seit der Umwandlung in einen Landesbetrieb 1996 fortgeführt. Im Januar 2005 wurde die Musikhalle offiziell in „Laeiszhalle“ rückbenannt.

„Mit der Rückbenennung der Musikhalle im Jahre 2005 in ‚Laeiszhalle – Musikhalle Hamburg‘ wurde an die bemerkenswerte Geschichte des Gebäudes angeknüpft, das 1908 durch die Firma F. Laeisz gebaut wurde, nachdem das Reeder-Ehepaar Carl Heinrich und Sophie Christine Laeisz in seinem Testament Entsprechendes verfügt hatte. Die jetzigen Eigentümer der Reederei F. Laeisz, die Familie Schües und insbesondere der derzeitige Vorsitzende unseres Freundeskreises, Nikolaus W. Schües, haben mit diesem Datum dankenswerter Weise eine neue Verantwortung für die ehrwürdige Halle übernommen.[6]

Veranstaltungsräume[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Großer Saal, 2025 Plätze
  • Kleiner Saal, 640 Plätze
  • „Studio E“, 150 Plätze
  • „Brahms-Foyer“, 80 Plätze an Tischen

Im Inneren ist am zentralen Treppenaufgang eine Gedenktafel für die Stifter angebracht. Die Treppe führt zum 1. Rang und zum „Brahms-Foyer“, in dem Max Klingers monumentales Johannes-Brahms-Denkmal von 1909 aufgestellt ist, und wo in den Konzertpausen Verpflegung angeboten wird.

Musiker-Büsten im „Brahms-Foyer“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die ersten Büsten galten dem unmittelbaren Umfeld von Johannes Brahms.[7]
Joseph Joachim von Adolf von Donndorf
Clara Schumann von Friedrich Christoph Hausmann
Julius Stockhausen von Robert Toberentz
Hans von Bülow von Hermann Haas
Felix Mendelssohn Bartholdy von Carl Seffner. 1937 entfernt und durch eine Büste von Franz Liszt ersetzt, die heute im Keller der Laeiszhalle eingelagert ist.
Robert Schumann von Carl Seffner
  • Die Nischen in den beidseitigen „Wandelgängen“ wurden nicht von Anfang an (1908) aufgefüllt und sind noch heute nicht vollständig bestückt.
Gustav Mahler von Milan Knobloch, 1996 von der Gustav-Mahler-Vereinigung aufgestellt
Johann Adolf Hasse von Hartmut Wolf, 1999 von der Hasse-Gesellschaft Bergedorf aufgestellt
Johann Sebastian Bach: Kopie von Hermann Haas nach Carl Seffner
Ludwig van Beethoven von Gustav Adolph Kietz
Die Bach- und Beethoven-Büsten wurden von Hermann Behn in Auftrag gegeben und der Musikhalle gestiftet. Sie waren bis 2000 im Depot der Hamburger Kunsthalle gelagert und wurden am 15. Dezember 2000 im Brahms-Foyer aufgestellt
Alfred Schnittke von Milan Knobloch, im Jahr 2000 aufgestellt
Peter Tschaikowsky von Aschot S. Alachwerdjanz, 1960 vom inzwischen aufgelösten Tschaikowski-Studio der Kulturbehörde geschenkt.

Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regelmäßige Auftritte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klavierkonzert mit Maria Lettberg

Die Laeiszhalle ist der Stamm-Aufführungsort der großen Hamburger Ensembles sowie für zahlreiche Laiengruppen:

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neobarocke Orgelarchitektur in der Laeiszhalle

Die Orgel im Großen Saal der Laeiszhalle wurde 1951 von der Orgelbaufirma von Beckerath erbaut. Das Instrument hat 59 Register auf vier Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen elektrisch.[8]

I Hauptwerk C–g3

Prinzipal 16′
Oktave 8′
Rohrflöte 8′
Nachthorn 4′
Oktave 4′
Oktave 2′
Flachflöte 2′
Rauschpfeife II
Mixtur VI 113
Trompete 16′
Trompete 8′
II Rückpositiv C–g3
Prinzipal 8′
Gedackt 8′
Quintadena 8′
Prinzipal 4′
Rohrflöte 4′
Quinte 223
Ital. Prinzipal 2′
Quinte 113
Sesquialtera II
Scharf IV–VI 1′
Dulzian 16′
Bärpfeife 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
Quintadena 16′
Violflöte 8′
Koppelflöte 8′
Violflöte 4′
Blockflöte 4′
Nasat 223
Waldflöte 2′
Nachthorn 1′
Nonenkornet III
Scharf VI 1′
Zimbel III 16
Feldtrompete 8′
Feldtrompete 4′
Vox Humana 8′
Tremulant
IV Kronwerk C–g3
Holzgedackt 8
Holzprinzipal 4
Kleinflöte 2
Sifflöte 1
Terzian II
Scharf III–IV 23
Dulcian 8
Tremulant
Pedal C–f1
Prinzipal 16′
Subbass 16′
Quintbass 1023
Oktave 8′
Gedackt 8′
Oktave 4′
Nachthorn 2′
Rauschpfeife III
Mixtur VI–VIII 2′
Posaune 32′
Posaune 16′
Dulcian 16′
Trompete 8′
Trompete 4′
Kornet 2′
  • Koppeln: II/I, III/I, IV/I, III/II, I/P, II/P, III/P

„Klingendes Museum Hamburg“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das „Klingende Museum“[9] war bis 2016 in der Laeiszhalle ansässig und wird seit der Eröffnung der Elbphilharmonie unter dem Titel "Elbphilharmonie Instrumentenwelt" mit stark erweitertem Angebot weitergeführt.[10]

Umgebung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Laeiszhalle befindet sich am ehemaligen Holstentor der historischen Hamburger Wallanlagen, am heutigen Straßenzug Holstenwall/Gorch-Fock-Wall. Gegenüber liegt der Sievekingplatz mit seinen drei gründerzeitlichen Gerichtsgebäuden.

Auf dem Johannes-Brahms-Platz vor der Laeiszhalle steht eine Skulptur der Hamburger Bildhauerin Maria Pirwitz mit dem Titel Hommage an Brahms von 1981.

Aus demselben Jahr stammt der Brahms-Kubus aus Rosengranit von Thomas Darboven mit den vier seitlichen Bildnissen von Johannes Brahms in verschiedenen Lebensphasen.[11]

Der Johannes-Brahms-Platz erhielt diesen Namen 1997 zum 100. Jahrestag des Todes von Johannes Brahms. Er erschien für die anliegende Laeiszhalle werbewirksamer als der Name Karl-Muck-Platz, der dem Platz 1934 zur Ehrung des 1933 in den Ruhestand getretenen Chefdirigenten der Hamburger Philharmoniker Karl Muck gegeben worden war. Davor hatte er wegen seiner Lage am früheren Holstentor Holstenplatz geheißen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Christoph Becher, Angelika Jannelli: 100 Jahre Laeiszhalle – Musikhalle Hamburg. Geschichte, Menschen, Sternstunden. Hamburg 2008, ISBN 978-3-00-024874-0.
  • Die Laeiszhalle in Hamburg : zum Tage der Einweihung am Donnerstag, den 4. Juni 1908. Verlag Strumper & Co, Hamburg 1908. (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Laeiszhalle (Hamburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Laeiszhalle - Elbphilharmonie. Abgerufen am 21. Januar 2018.
  2. a b Johannes Gerhardt: Sophie Christine und Carl Heinrich Laeisz. (PDF; 918 kB).
  3. a b c d Elbphilharmonie: Laeiszhalle: Portrait und Geschichte.
  4. Christoph Becher, Angelika Jannelli: 100 Jahre Laeiszhalle – Musikhalle Hamburg. Geschichte, Menschen, Sternstunden. Hamburg 2008.
  5. Eng: Die Musikhalle heißt nun offiziell Laeiszhalle. In: DIE WELT. 12. Januar 2005 (welt.de [abgerufen am 29. Januar 2018]).
  6. http://www.elbphilharmonie.de/fk-geschichte.de
  7. Christoph Becher, Angelika Jannelli: 100 Jahre Laeiszhalle – Musikhalle Hamburg Geschichte, Menschen, Sternstunden. Hamburg 2008, S. 68 ff.
  8. Nähere Informationen zur Orgel auf der Website der Elbphilharmonie.
  9. Website des Klingenden Museums Hamburg
  10. Karolin Jacquemain: Ziemlich cooler Laden: Kinder erforschen die Elbphilharmonie. (abendblatt.de [abgerufen am 29. Januar 2018]).
  11. Hanna Kastendieck: Thomas Darboven - der vergessene Künstler, Hamburger Abendblatt vom 28. Dezember 2002, abgerufen am 23. April 2018

Koordinaten: 53° 33′ 21″ N, 9° 58′ 51″ O